Geschichte & Biografie

Pfiati Mama, ich hab dich lieb!

Pfiati Mama, ich hab dich lieb!

Leseprobe:

Widmung

Für meine Mama
… nachträglich als Geschenk zum Muttertag …
… und zum Geburtstag …
… und als Gegenleistungs-Dankeschön für mein Instrument, dass sie mir noch im Frühjahr 2015 geschenkt hat, kurz bevor sie verstorben war …
Das und noch vieles, vieles mehr bin ich ihr wohl noch schuldig.
Liebe Mama, wenn es Dich nicht gegeben hätte, dann wäre auch ich nicht hier. Und hätte das alles hier nie schreiben können. Ist es deins, ist es meins, ist es unseres? Danke Dir für alles und entschuldige bitte nochmals sämtliche schmerzhaften Fehler, die ich Dir gegenüber verbrochen habe!

Gefunden in Mamas Notizheftchen:
„Ich bin ich, und das ist gut so. Dadurch kann ich heute wieder fröhlich sein und lachen. Außerdem versuche ich, deutlich zu sagen, was ich fühle und denke, auch wenn mir das manchmal noch ein wenig schwerfällt – der alte Mechanismus des Schweigens muss sich erst lösen.“
Dieses Schweigen war ja wohl eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen und zu welcher Krankheit ein ewiges Hinunterschlucken und ein Untergraben des Selbstbewusstseins wohl führen kann, haben wir ja gesehen.
Ich, als Deine Tochter, fühle mich fast verpflichtet und gleichzeitig ist es mir auch eine Ehre – sämtlichen Lebensinhalt hier niederzuschreiben, zusammenzufassen und zu veröffentlichen! Gewiss würde ich nie alles von Dir veröffentlichen, Mama –, ist ja persönlich und eh oft traurig genug.

***

Teil 1: PERSÖNLICHES

1. Neunter Juli 2015

Um es förmlich, untertrieben und durch die Blume auszudrücken: Es war ein verdammt beschissener, verzweifelnder, grausamer, hoffnungsloser und schmerzhafter Tag. Neun Tage zuvor hattest Du noch Geburtstag … 55 Jahre! Und dann? Gehst Du einfach so. Also „einfach so“ war jetzt wohl frech von mir, so einen grausamen Tod durch Deine Krankheit Leukämie wünsche ich keinem. Nicht einmal meinem ärgsten Feind. Ich kann ja nicht mitreden, nur mitfühlen … und alleine das war mir schon zu viel.?Am Vortag kam das Rote Kreuz zu Deiner Freundin Resi nach Hause – um Dich mitzunehmen. „Es sieht nicht gut aus“, sagte mir der Hausarzt noch ins Gesicht. „Ach, Du packst das schon!!!“, dachte ich mir noch. War ich naiv? Oder hätte ich es nicht nur denken, sondern auch aussprechen sollen? Wollte ich es nicht wahrhaben, dass Du todkrank warst, zwei Monate lang? War ich vielleicht überhaupt eine bescheuerte Tochter und habe womöglich ich Dich ins Grab gebracht? Ach verdammt, Vorwürfe, Fragezeichen … jetzt kommt wieder alles auf einmal.?Die Fahrt muss wohl die Hölle für Dich gewesen sein. Der Hausarzt und die beiden jungen Sanitäter sorgten dankenderweise dafür, dass Du wohl auf der Palliativstation ankamst. Auf „Deiner“ Station. Komischerweise hatte ich die komplette Ruhe. Ich fuhr ebenfalls diesen Weg mit meinem Auto. Ganz alleine. Mit Radio natürlich, denn da bin ich abgelenkt und kann meine eigenen Tränen besser beherrschen (oder wohl eher unterdrücken). Ich kam sogar vor der Rettung an. Nicht ahnend, dass dies die letzte Fahrt und der letzte Eintritt in dieses Krankenhaus war, wo auch Du noch am Leben warst. Am nächsten Morgen fuhr ich wieder von daheim weg in meinem Auto und mit meinem großen Bruder Friedrich … Auf die Palliativstation zu Dir, Mama. Ebenfalls das Radio aufgedreht – trotzdem flossen bereits Tränen … Er hatte die Ruhe, die hat er zwar immer, aber in solch’ einer Situation!? Da muss ich Dich echt bewundern, lieber Friedrich! Wir eilten die letzten paar Meter zu Fuß bis zum Eingang … Da kommt uns schon Franz, unser kleiner Bruder, entgegen. Mit dem Handy in der Hand. Die Telefonleitungen müssen zu diesen Momenten wohl geglüht haben in unserer Familie. Geglüht vor Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit usw. Tausende Fragen, wie: warum? Wieso? Was soll das? Kann das wahr sein? Gewiss auch Gedanken mit „Erlösung“ mögen vorgekommen sein.?Ich habe mir gewünscht, dass es bitte einfach nur ein schrecklicher Traum sein sollte. Jedoch bei so viel Bewusstsein war ich (leider), dass alles knochenharte Realität ist. „Wir schaffen das, okay?“, sagte Franz, vorher zweimal schwer ausatmend. Ich konnte gar nicht stehen bleiben, ich eilte auf Mamas Zimmer, mit Friedrich an der Seite. Wenn ich die Kraft gehabt hätte, wäre ich wohl gerannt …?Es war ein Vormittag, an dem auch ich mich tot fühlte. Am Nachmittag kamen dann eh Bauchschmerzen, Rückenschmerzen und auch mein Gesicht fühlte sich an, als ob sich eine riesige Entzündung entwickeln würde. „Mama“ – eines der ersten Wörter, die ich schreiben konnte … Und nun? Werde ich es jemals wieder schreiben können, ohne dabei in Weinkrämpfe ausbrechen zu müssen?


2. Diagnose – Muttertag

Zwei Monate zuvor …

„Die Therapie beginnt bei Leukämie mit zwei verschiedenen Medikamenten, in Tablettenform verabreicht, über 7 Tage verlaufend. Eine rote und eine weiße Tablette. Weiterführend müssen die Leukämie-Zellen vernichtet werden, dies erstreckt sich über Wochen.“?Aussagen des Primars der Onkologie-Station vom Montag nach dem Muttertag 2015. Um 14:00 Uhr bekam meine Mama diese Diagnose gestellt, im Beisein ihrer Freundin und mir. Zweieinhalb Wochen sind nun vergangen und erst jetzt beginne auch ich wahrhaftig, mich mit dieser Situation auseinanderzusetzen, indem ich beginne zu dokumentieren und zu schreiben. Mein Notizheftchen trage ich seit diesem Zeitpunkt immer bei mir in meiner Tasche. Vergangenes Wochenende hatte ich es sogar beim Fortgehen mit dabei, fällt mir gerade auf. Immer denke ich mir, ja – da muss ich mich zu Hause noch mal in Ruhe hinsetzen und googeln, recherchieren, mit Bekannten sprechen, die sich auf diesem Gebiet auskennen usw. Aber scheinbar hatte ich noch keine Kraft dazu. Vielleicht auch scheinbar „keine Zeit“, die liebe Floskel und wohl am meisten verwendete Ausrede unserer Gegenwart, wer weiß.?Also, um nochmals zu den vorhin erwähnten Aussagen zurückzukommen, warum wird das überhaupt so ausgesprochen: die Therapie BEI Leukämie und nicht die Therapie GEGEN Leukämie? Konzentriert man sich hierbei auf die Therapie und die Krankheit oder auf den Patienten und dessen Genesung? Also hier stoße ich persönlich schon auf Unklarheiten. Aber gut, ich werde nun einfach die Fakten des Gespräches wiederholen, ohne großartig darüber nachzudenken und zu verstehen:

Im Zusammenhang mit dem Immunsystem wird immer wieder etwas auftreten, Infektionen, schwerwiegendere Angelegenheiten, wie z.?B. Lungenentzündung usw.
Es gibt Heilungschancen in weiter Ferne.?Viele Patienten leben mit einer Besserung, sprich, sie nehmen täglich Tabletten ein und ihr Körper ist sozusagen im grünen Bereich, es geht „grundsätzlich gut“. Hier werden die Zustände getrennt zwischen Heilung und Besserung!?Heilung: Davon kann man erst nach vielen, vielen Jahren sprechen, meistens kommt die Krankheit schnell wieder.
Während der Therapie braucht man immer wieder Blutkörperchen, sie werden transformiert.
Nachdem die Leukämie (durch rote und weiße Tabletten) bekämpft wurde, geht es noch darum, die Leukämie-Zellen zu bekämpfen, dies erstreckt sich über Wochen. Normales Knochenmark. Chemotherapie. Weiter darauf konzentrieren, dass Leukämie nicht wiederkommt.
Die Dauer der Behandlung nimmt in etwa 6 Wochen in Anspruch, bis eben das Knochenmark (durch das ja das Blut produziert wird) wieder arbeitet. Weitere Züge darauf folgend sind nicht absehbar. Dann wird erst unter den Geschwistern des Patienten geschaut, ob jemand ein „passendes“ Knochenmark besitzt, um es zu transplantieren. Der Sinn dessen besteht darin, ein Wiederkommen der Krankheit zu verhindern.

Mit Chemotherapie gehen die Leukämie-Zellen weg, bis auf null. Die eigenen Zellen produziert das Knochenmark wieder – erst wenn eigene, gesunde Zellen vorhanden sind, dann eben die Knochenmarkstransplantation, damit die Leukämie nicht wiederkommt. Diese Transplantation gehört also nicht zur Therapie.

Ein erneutes Eintreten der Leukämie in den Folgejahren der ersten Diagnose und Therapie ist durchaus möglich und nicht selten. Die Befunde, in denen diese Wahrscheinlichkeit angeführt wird, waren bei meiner Mutter zu Zeiten des Gesprächs auf der Onkologie noch in Arbeit.
Ein hässlicher Ausschlag auf den Unterfüßen meiner Mutter, mit Schwellung der Blutgefäße und dementsprechenden Entzündungen:?Hierbei handelt es sich nur um eine Auswirkung der Krankheit!
Auf die Frage, wie der Genesungsweg aussehen könnte OHNE Chemotherapie, darauf wurde geantwortet: Jetzt ginge es meiner Mutter noch gut, deswegen sei der ideale Zeitpunkt, mit der Therapie zu beginnen! Das Blutbild wird sich schnell verändern, die Blutplättchen gehen hinunter und die Leukämie wartet ganz einfach nicht! In Wirklichkeit gibt es nur eine wirkliche Therapie dagegen. Meistens kommen in wenigen Wochen wirkliche Probleme!
Leukozyten, nach oben keine Grenzen, Leukämie-Zellen, die Zahl ist egal, es geht darum, ob es sich um gute oder schlechte handelt.?Es wird viel über Zahlen gesprochen, wie in einer Mathematik-Stunde. Blutwerte, erster Befund usw. … Warum wird nicht über Gefühle und Befindlichkeiten geredet?
Nun zur Chemotherapie und deren Begleiterscheinungen, wir wurden informiert:?Haarausfall, aber keine Sorge, die wachsen wieder nach.?Infektionen, über das Blut.?Geschmacksstörungen.?Probleme mit anderen Organen, die Nieren z.?B. nur am Anfang. Die meisten Zellen sind nach vier Tagen weg und Leber, Herz und Lunge können belastet werden durch Infektionen. Behandlung durch Internisten.?Anämie (Blutarmut).
Auf die Frage ihrer Freundin, ob die Ernährung einen Einfluss habe:?Nein, Ernährung hat keinen Einfluss auf Leukämie! Bei manchen anderen Krebsarten ja, durchaus. Magenkrebs, ja; bzw. Rauchen und Alkohol mag in diesem Zusammenhang schon Thema sein.
Alles in allem handelt es sich um eine lebensnotwendige Therapie. Natürlich ist meine Mutter eine erwachsene Person und sie kann somit tun und lassen, was sie will! Auf direkte Fragen bezüglich Lebensdauer und Chancen wurde ihr geantwortet:?ohne Chemotherapie: einige wenige Wochen noch zu leben.?Mit Chemotherapie: auf jeden Fall Besserung und eventuell Heilung. Der Herr Primar geht bei jedem Patienten von 100?% aus, also meine Mutter hat Chancen auf 100?% Heilung. Sehr nett und beruhigend ausgedrückt. Was ich persönlich aber nicht verstehe, wenn man sich mit Medizin-Studenten unterhält, habe ich oft das Gefühl, als würden sie nur durch Studien – Zahlen – Fakten usw. lernen und in ihrem zukünftigen Beruf leben. Und Fakt ist, dass Krebspatienten aufgrund ihrer Krankheit oft sterben. Wie geht das also, dass sowieso alle Erkrankten in diesem Bereich 100-prozentige Heilungen erleben können?

Was echt schräg sein mag, ich persönlich hatte ein totales Déjà-vu-Erlebnis, als dieses Gespräch auf der Onkologie-Station begann. Wer weiß, vielleicht habe ich selber in einem meiner letzten Leben eine solche Situation durchmachen müssen, Krebsdiagnose, Chemotherapie und vielleicht Tod? Auch wenn in unseren Gegenden das Thema Reinkarnation umgangen wird, ich persönlich glaube an diese Kapitel. Ein Kapitel, das nicht nur in meinem Kopf wesentlich sein mag, sondern auch einst in der Bibel seinen Platz und Glauben verkörperte! Logisch, dass diese Sätze und Geschichten vor etlichen Jahren gestrichen wurden (gewiss ist dieses Thema umstritten, aber Quellen sind gegeben). Wie sollte man Gläubigen das Thema von Himmel und Hölle, „brav sein“, um nicht in die Hölle, sondern in den Himmel zu kommen, verkörpern, wenn man sowieso wiedergeboren wird?
?Meiner Mutter war bereits vor dem Gespräch klar, dass sie – egal welche Diagnose kommen würde – nach Hause fährt, um einmal in Ruhe über alles nachdenken zu können. Zu Hause und im eigenen Bett lässt es sich ganz anders leben und eben auch nachdenken als in einem Krankenhaus. Dies kann ich durch eigene Erfahrungen bestätigen. Und für mich war auch klar, dass ich meine Mutter nicht „zurücklasse“. Es wäre der Dienstag nach dem Muttertag 2015 gewesen, an dem ihre Chemotherapie hätte beginnen können. „Sterben kann ich zu Hause auch, oder?“, sagte sie mir noch ins Gesicht, als wir gemeinsam auf ihrem Zimmer auf den Krankenpfleger warteten, der ihr noch die Infusionsnadel entfernte. Da war ich ganz ihrer Meinung. Auch der Pfleger riet uns noch, nicht zu lange zu warten – denn mit dieser Diagnose kann es schnell gehen! Mama hatte nur mehr den einen Gedanken im Kopf: hinaus aus dieser Onkologie-Station! Als sie drei Nächte zuvor im Krankenhaus aufgenommen wurde, kam sie zuerst auf die Hautstation – überwiesen durch den Hautarzt, aufgrund ihrer Entzündungen und Beschwerden an den Unterfüßen. Durch Blutabnahme und Laboruntersuchungen kam der Verdacht auf diesen Krebs, somit Stationswechsel. Als sie im Bett liegend auf die dementsprechende Station chauffiert wurde, stach ihr ein reiner Chemie-Geruch entgegen. Auch das Aussehen anderer Patienten mit, bzw. gegen den Krebs kämpfend, erschreckte sie immer wieder aufs Neue. Sie beschrieb es, als ob weniger ihr gesundheitlicher Zustand oder ihre allgemeine psychische Schwäche und körperlichen Grenzen (entzündete Füße, Kreislauf …) ihr zu schaffen machten, sondern die Stimmung in diesem Haus, besonders auf der Station. Es war Wochenende und somit wenig los, es gab drei Mahlzeiten am Tag – sie konnte dankenderweise ein extra veganes Menü auswählen, sie bekam Infusionen und Medikamente, es wurde sich um ihre Füße gesorgt, Besuche da und dort und fertig. Am Samstag bei der Visite zeigte sie dem Oberarzt ihre Füße, sie wickelte ihre Verbände ab und präsentierte die Wunden. Er ging einen Schritt zurück und war scheinbar erschrocken. Das hat ihr sehr wehgetan und ihr erst richtig das Gefühl gegeben, als ob sie zum Sterben verurteilt wäre.?Und dann … Sonntag … Muttertag! Meine Brüder, mein Freund und ich. Jeder kämpfte irgendwie, mit irgendwas, auf jeden Fall mit den Tränen. Ich selber hatte am Vortag Konzert und Mama wollte alles wissen, was für ein schönes Gefühl. Wir waren, den Umständen entsprechend, trotzdem eine heitere Runde. Gingen ins Café, ein paar Schritte vor die Türe und unterhielten uns köstlich. Der Abschied war schmerzhaft, heiß umarmte sie meinen kleinen Bruder, meinen großen Bruder, meinen Freund und mich. Alle schön der Reihe nach und fest umschlungen. Sie hat wohl jedem noch viel Kraft ausgesaugt, denn die hatte sie mehr als nötig. Sollte das ihr letzter Muttertag gewesen sein? Hallo.
Die Station verlassend, das Gepäck in der Hand, all’ die Unterlagen unter dem Arm, so verließen wir zu dritt das Spital. Unterlagen wie die Informationen zur Chemotherapie, die sich bis jetzt nur Mamas Freundin durchgelesen hatte. Ich und auch Mama, wir haben uns damit noch gar nicht wirklich befasst. Die ganzen Befunde über die Blutwerte und auch das Rezept der gegenwärtig eingenommenen Medikamente. „Und ich muss noch am Maturaball vom Friedrich tanzen“, das waren ihre Worte am Weg in die Parkgarage. Heimlich dachte ich mir, danke, lieber großer und feiner Bruder, dass du die vierte Schulklasse in der HTL gerade wiederholst. Anders wäre sein Maturaball schon passé gewesen, welches Ziel hätte Mama wohl dann angesprochen? Wäre ihr so schnell ein Ereignis eingefallen, was sie noch erleben muss? Alle haben meinen Bruder verurteilt und meinten, ihm ins Gewissen reden zu müssen, er sollte doch gefälligst die Schule fertig machen und ordentlich lernen, wie es schon Thema war, dass er eventuell repetieren müsse. Auch ich habe eine Schulklasse in der Oberstufe zweimal gemacht, eine „Ehrenrunde“ gedreht. Das Schlimme daran: Ich habe bis jetzt keine Matura! Ja, eine Schul-Abbrecherin. Und mein kleiner Bruder hat gleich nach der Pflichtschule mit seiner Lehrausbildung begonnen. Dieser Ball meines großen Bruders war allgemein in der Familie (auf die Kinder bezogen) die letzte Hoffnung auf überhaupt einen Maturaball.?Vorgekommen bin ich mir wie in einem Krimi, die Rückfahrt vom Krankenhaus. Ein echt schräges und Nerven raubendes Gefühl, die Tante am Steuer, ich auf dem Beifahrersitz und Mama halb liegend auf dem Rücksitz mit Decke, Polster und Handy in der Hand. Dass sie einen alternativen Weg einschlagen würde, war für sie bereits klar. Keine Chemie, gegen die Schulmedizin und auf eigene Faust. Selbstheilungskräfte aktivieren, stark sein und dem Willen und Herzen im Leben folgen. Absichten, die aus ihr persönlich herauskamen. Für mich war auch klar, dass ich meine Mutter auf diesen Weg bringen möchte. Und wenn ich als Mörder, naive und lebensbedrohende Tochter, geistig krank und unzumutbar dargestellt werden würde. Mir ist auch bewusst, dass der Weg der Chemotherapie ein sicherer sein mag, wo man vielleicht Verantwortung in die Hände der Wissenden abgibt, in die Hände der erfahrenen Ärzte, keine Frage! Aber wenn jemand aus eigener Intention heraus gesund werden will, aus tiefgründiger und bewusster Absicht, was sollte dann daran schiefgehen? Den eigenen Willen FÜR sein Leben in Gang bringen und dementsprechende Wege gehen. Punkt. Kein Wenn und Aber. Und hier mag auch schon die erste Gefahr begraben liegen, bewusst habe ich darauf verzichtet, es auszusprechen, meiner Mutter gegenüber, sie solle bitte mit uns heimfahren und ihren eigenen Weg gehen. Denn dann könnte sie es mir zuliebe, eben meiner Meinung folgend, tun. Meinen Gedanken folgend. Die Idee und Arbeit sollte aber in ihr und somit ihren Gedanken folgend entstehen, in ihrem eigenen Kopf und somit Körper!?Es gibt Menschen, denen wachsen dritte Zähne. Es gibt Fälle von Querschnittlähmungen, wo die Personen wieder gehen und sich bewegen können. Einem Kind, dem das Wissen nicht bewusst war, dass abgetrennte Exkremente nicht mehr nachwachsen, dem wuchs selbst das eigene Bein wieder nach! Klar, dass solche Geschehnisse unter medizinische Wunder fallen und wissenschaftlich oft hart zu erklären sind, einfach zu wenig ernsthafte Aufmerksamkeit bekommen. Aber – ich habe bei der Auflistung der Fälle nicht gelogen, es gibt klare Quellen dazu und diese „medizinischen Wunder“ sind Realität! Unterschätzt mag viel zu oft die Macht der Gedanken werden, sie wird zwar meist durch die und auf der esoterische(n) Seite gelebt, ist jedoch auch schon quantenphysikalisch erklärt! Alles, was ein Mensch denkt, hat Hand und Fuß, somit Auswirkung. „Bestellungen beim Universum“, mag vielleicht dem einen oder anderen ein Begriff sein.
Es dauerte nicht lange, da kamen ihr die ersten Anrufe entgegen. Mein kleiner Bruder erkundigte sich nach unserer Mutter und das vergangene Arztgespräch. Gleich erklärte Mama, dass sie nun einen alternativen Weg einschlagen möchte, um auf diesem Weg zu ihrer Rekonvaleszenz zu gelangen. Er zeigte dafür vollstes Verständnis, worüber ich sehr erstaunt war. Franz war Sanitäter, begann die Ausbildung zum OP-Gehilfen und überlegte, das Medizinstudium anzustreben.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 116
ISBN: 978-3-99048-904-8
Erscheinungsdatum: 10.05.2017
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 14,90
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Krampus & Nikolo