Geschichte & Biografie

Packende Erlebnisse aus meinem Leben

Kurt Blaser

Packende Erlebnisse aus meinem Leben

Leseprobe:

Vorwort

Erstaunlich ist, was man im Leben so erleben kann, als normalen Vorgang oder als eine Sache, die man vor dem Erlebnis nicht für möglich gehalten hätte. In vielen Bereichen stellt sich dann die Frage, welche Ursachen zu welchen Folgen geführt haben könnten. Man beginnt zu rätseln, ohne an ein Ende zu kommen. Viele Fragen bleiben einfach offen, oder kommende Erfahrungen erweitern den Horizont und zeigen einem die möglichen Zusammenhänge. Der Autor weiß dann in seinem Herzen oder in seinem Verstand diese Erfahrungen einzustufen, oder Gespräche mit Angehörigen oder Freunden bringen zusätzliches Licht, oder man anerkennt sie eindeutig als die Antwort auf offene Fragen.

Wer an höhere Mächte glaubt, kann erschreckende Vorkommnisse mit glücklichem Ausgang als Geschenk des Himmels, als Geschenk Gottes, als Führung oder als besondere Segnung, oder als Gabe des Schicksals betrachten, wie auch als Zufall oder Resultat zusammenhängender Faktoren, als Antwort auf Gebete oder als besondere Fügung, Bewahrung oder himmlische Gabe.

Der Autor versucht seine Eindrücke in verständliche und ansprechende Sprache für Kurzweil oder Unterhaltung zu fassen. Er hofft, mit seinen Geschichten vielen Lesern Anregung zu bieten, zum Nachdenken anzuregen, oder ihnen neue Horizonte zu öffnen.

Die Ereignisse sind gemäß Erlebnis nacherzählt. In anderen Worten, es handelt sich um wahre Geschichten mit unverfälschten Inhalten und Namen. Da mögen hier oder dort Zweifel aufkommen, aber man bedenke doch, dass es über uns eine geistige Welt gibt, die die Gabe hat, wirkungsvoll, führend und belehrend eingreifen zu können, und in vielen Fällen ist man für das segnende Eingreifen dieser göttlichen Kräfte in das menschliche Geschehen sehr dankbar und anerkennt solche Hilfen als Wohltaten.

Einen ganz herzlichen Dank an meine liebe Frau Marianne für ihre Ratschläge, ihre Hinweise und ihre feine Unterstützung.

Wenn Leser sich gegenüber dem Autor gerne zum einen oder anderen Thema äußern möchten, sind sie herzlich eingeladen, das schriftlich über den Verlag zu tun.

Hausen am Albis, im Frühling 2014

***

Ernst und Kurt auf dem Bahngeleise, als der Zug heranbraust

Ich war im Vorschulalter, vielleicht 5-jährig. Wir wohnten im ersten Stock im Hause Hebeisen in der Längmatt bei Zollbrück im Emmental. Dort lebten wir so richtig auf dem Land. Das Haus war allein stehend, und so hatten wir Kinder freien Auslauf, denn es gab eigentlich keine unmittelbaren Gefahren. Die Mütter konnten uns Kinder einfach draußen unbeaufsichtigt spielen und herumtollen lassen.

Ungefähr 300 m westlich verlief der Emme entlang die Eisenbahnlinie der EBT (damals Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn), und ungefähr 100 m nördlich unseres Wohnhauses führte ein Karrenweg hinüber zum Uferdamm der Emme, wo es im Uferwald eine Abfallhalde oder Schuttgrube gab, die wir „Chachelihölle“ nannten. Dieser Karrenweg überquerte die Bahnlinie.

Ich hatte von meiner Tante Anni einen wunderschönen Kinderschubkarren erhalten, innen rot, außen gelb. Dieses Spielzeug hatte es mir angetan. Ich suchte natürlich Lasten, die ich umher stoßen konnte wie die Arbeiter auf dem Bau oder die Bauern im Stall (Mistbahre). Auf dem Naturweg zu unserem Wohnhaus lagen allerhand Kieselsteine, die ich mit meinem Schubkarren einsammelte und beim Haus auf einen Haufen schüttete.

Eines Tages gesellte sich mein Cousin Ernst Hebeisen zu mir und meinte:
„Gell, wenn ich dir helfe, haben wir die Benne (Schubkarren) viel schneller voll.“
„Natürlich, dann können wir mehr Steine auf den Haufen schütten“, antwortete ich.
Wir sammelten auf unserer Hauszufahrt, aber hier hatte ich ja schon fast alle passenden Steine aufgelesen. Und so wechselten wir auf den Karrenweg, der hinüber zur Eisenbahn führte. Gepackt von unserer Sammelleidenschaft landeten wir schließlich auf dem Bahngeleise. Unser Schubkarren war schon halb voll.

Auf dem Bahndamm fanden wir natürlich erst recht schöne und große Steine, nämlich Schottersteine. Die Auswahl war riesig. Wir begannen zu rätseln, welche Steine wir überhaupt nehmen wollten. Wir waren so vertieft in unser Spiel, dass wir den heranfahrenden Zug und seine schrillen Pfeiftöne vorerst gar nicht beachteten. Mein Cousin Ernst nahm den nahenden Zug als Erster wahr.

„Kurt, sieh, ein Zug kommt. Wir sollten hier weg“, schlug Ernst vor.
„Meinst du, wir sollten aufhören?“, fragte ich zurück und fuhr fort: „Lass uns unsere Benne fertig füllen, sie ist ja schon fast voll. Der Zug kann doch warten, bis wir fertig sind, oder er soll doch zur Seite ausweichen.“
„Aber er muss doch auf den Schienen fahren!“, erwiderte Ernst.
„Das glaube ich nicht, er kann doch neben uns vorbeifahren, wie ein Auto.“

Also blieben wir ruhig und unbekümmert sitzen. Der Zug kam näher und näher.
Selbst als sich die Lokomotive vor uns auftürmte, kam keine Spur von Angst auf.
Der Zug hielt an. Der Lokomotivführer stieg herunter und herrschte uns an:
„Giele, was fällt euch ein auf dem Eisenbahn-Trassee zu spielen? Das ist nichts für Kinder. Das ist verboten, (aber wir wussten nicht, was verboten heißt). Hopp, geht auf den Weg zurück und bleibt dort, bis der Zug durch ist. Und der Schotter gehört zurück.“ Er packte uns beide an den Armen und stellte uns auf den Weg. Dann nahm er meine Benne und leerte sie auf den Schotter zurück. „Jetzt bleibt ihr hier stehen, bis der Zug vorüber ist, dann nehmt eure Stoßbenne und geht heim! Verstanden? Und spielt nie wieder hier, das ist kein Spielplatz, verstanden! Das ist eine Eisenbahnlinie, verstanden!“ Voller Ärger stieg er wieder hoch in den Führerstand, setzte den Zug in Bewegung, schaute zum Fenster hinaus, und wir zwei blieben verdutzt stehen, wo uns der Lokomotivführer hingestellt hatte.

„Siehst du, Kurt, ich habe dir ja gesagt, dass der Zug auf den Geleisen fahren muss“, räusperte sich mein Cousin. „Willst du immer noch schöne Steine sammeln?“
„Nein, vielleicht finden wir drüben in der „Chachelihölle“ etwas zum Aufladen“, meinte ich, nahm halb weinend meine Benne wieder in die Hand und fuhr los.

Das durch Mark und Bein dringende Pfeifsignal der heranfahrenden Lokomotive, besonders, wenn es dauernd wiederholt wird, wirkt viel schriller und warnender als im Normalfall. Diese Pfeiftöne wurden auch von meiner Mutter und von meiner Tante gehört. Sie wussten natürlich sofort, dass etwas nicht stimmte, und hielten Nachschau.
Dabei entdeckten sie, dass Ernst und ich nirgends zu finden waren. Waren allenfalls die beiden Schlingel die Ursache für das Pfeifen der Lokomotive gewesen? Mutter und Tante schauten hinüber zum Bahndamm und entdeckten uns auf dem Weg zur „Chachelihölle“. Beide hetzten heran und begannen aufgeregt zu fragen:
„Was war los?“
„Kurt wollte auf dem Geleise bleiben, als der Zug kam“, rapportierte Ernst.
„Wir wollten ja nur schöne Steine sammeln“, erklärte ich, etwas schuldbewusst. „Dann kam ein Zug, ein Mann kam, schimpfte fest, stellte uns weg und leerte meine Benne aus.“

„Ihr hättet hier nicht spielen dürfen“, schimpfte meine Mutter.
„Ihr dürft nie mehr auf dem Bahngeleise spielen, sonst kann euch der Zug einmal überfahren“, doppelte meine Tante nach.

Die beiden Mütter nahmen uns an die Hand, führten uns heim, und verboten uns nochmals, jemals wieder auf dem Bahngeleise zu spielen. Das sei lebensgefährlich, aber was ist lebensgefährlich? Und sie waren heilfroh, dass kein Unglück geschehen war.

Ich kann heute nur staunen, wie diese wahre Geschichte gut über die Bühne gelaufen ist. Der heftige Schimpf des Lokomotivführers sitzt mir noch heute in den Knochen.

***

Hoppla, und der Bach hatte die Gießkanne geschluckt

Es war im Sommer 1940. Der Zweite Weltkrieg rollte über Europa. Die Schweiz war vom Feind eingekreist. Die wehrfähigen Männer waren als Soldaten im Dienst des Vaterlandes. Auch mein Vater war dort dabei. Meine Mutter war mit ihren zwei Buben zu Hause und suchte nach Wegen zum Überleben. Wir wohnten damals im Haus von Schreinermeister Rindlisbacher im ersten Stock. Das war in der Bomatt bei Zollbrück im Emmental. Dieses Haus war an den Hang gebaut, unten, wo der flache Boden des Tales anfing.

Von Süden her floss ein kräftiger, offener Bach mit Wasser aus der Emme, das man dem Fluss weiter talaufwärts abgezapft hatte. Das Gewerbe machte von der Fließkraft des Wassers Gebrauch, unter anderem mehrere Bauern, ein Sägewerk, ein Müller, eine Metzgerei und eine Bäckerei. Wie sie den Bach genau nutzten, kann ich nicht beschreiben. Ich habe diese Dinge aus der Konversation von Erwachsenen herausgehört. Auch, dass manchmal ein unvorsichtiges Kind hineinfiel und dann sofort herausgezogen werden musste, denn der Bach war gefährlich, weil er teilweise auch durch Röhren floss.

Wir hatten einen Gemüsegarten vor dem Haus. Von dort führte eine schmale Treppe hinunter zum Bach, um dort Wasser zu holen zum Bewässern der Pflanzen. Gerade vor dem Haus wurde der offene Bach in eine Röhre geleitet, was durch die Querschnittsminderung des Bachbettes das Wasser zwang, rascher zu fließen. Natürlich entstand somit ein erheblicher Sog.

Eines Abends jammerte die Mutter über die Trockenheit im Garten und dass sie am nächsten Tag mit Wasser aus dem Bach feuchten müsse. Beim Zuhören schoss mir eine gute Idee durch den Kopf. Das könnte ich ja tun, um der Mutter eine Freude zu machen und vielleicht ihre Sorgen etwas zu mildern. Hoffentlich würde ich früh genug erwachen.
Ja, ich hatte mich unbewusst vorprogrammiert. Ich erwachte früh, jedenfalls war die Mutter noch im Bett und mein Bruder Paul schlief noch tief im gleichen Zimmer. Also zog ich mich an, nahm leise den Kellerschlüssel und schlich mich geräuschlos aus der Wohnung. Im Keller fasste ich die 10 Liter-Spritzkanne. Sie war schon ein bisschen groß für einen 8-jährigen Buben. „Du wirst sie nur halb füllen, oder so, und einfach mehrmals hin- und herlaufen. Die Mutter wird glücklich sein über diesen Einsatz“, dachte ich erwartungsvoll.

Mein Plan hatte gut begonnen. Mit der Gießkanne in der Hand schritt ich munter zum Bach mit viel Vorfreude im Herzen. Langsam und vorsichtig, wie ich das bei der Mutter beobachtet hatte, senkte ich die Kanne im Sogbereich ins rasant strömende Wasser, mit der Öffnung vorne gegen die Strömung. Das Wasser schoss nur so hinein. Hatte ich die Kanne unvorsichtig schnell ins Wasser gelassen? Jedenfalls war die Kanne umgehend voll, und ich hatte – oh weh – zu wenig Kraft, um sie jetzt so ohne Weiteres herausziehen zu können. Ja, noch schlimmer, der Sog des Baches riss sie mächtig mit. Was sollte ich tun? Loslassen? Schon war ich ziemlich gebückt. „Loslassen!“, schrie eine innere Stimme, „sonst gehst du mit und ertrinkst!.“ Und ich ließ los. Und die schöne, gefüllte Gießkanne war mitten im Wassersog und verschwand in der Röhre.

Blitzartig überlegte ich, wie ich allenfalls die Gießkanne zurückgewinnen könnte. Nach den beiden zusammengebauten Häusern wurde der Bach wieder offen geführt und etwa 200 m weiter bachabwärts gab es einen bachbreiten Rechen. Dort würde die Kanne eintreffen und man könnte sie dort wieder herausziehen. Also rannte ich um die beiden Häuser herum zum besagten Rechen und wartete, wartete und wartete, aber die Kanne kam nicht. Wo war sie denn? Eine Nachbarin kam so beiläufig, erkannte meine Verzweiflung und erkundigte sich:
„Was machst du da? Du siehst ja ganz verstört aus?“
„Unsere Spritzkanne ist im Bach und ich warte, dass sie kommt, damit ich sie hier abfangen kann“, antwortete ich weinerlich.
„Warum ist sie denn im Bach?“
Und ich erzählte der Nachbarin was geschehen war.
„Du lieber Bub, du hast viel Glück gehabt. Wärst du hineingefallen, wärst du jetzt tot im Rechen. Geh zu deiner Mutter und erzähle ihr die Geschichte. Dann könnt ihr zusammen weiterschauen.“
Ich ging am Bachufer entlang zurück und hoffte jeden Augenblick auf die Kanne zu treffen, aber meine Hoffnung wurde arg enttäuscht. Die Kanne war nirgends zu finden.
Schweren Herzens schleppte ich mich in die Wohnung zurück. Die Mutter war in der Zwischenzeit erwacht und aufgestanden und hatte mich gesucht. Sie war glücklich mich wiederzuhaben und fragte:
„Wo kommst du denn her?“
„Der Garten ist ja so trocken und ich wollte das Gemüse wässern und dir damit eine Freude machen“, begann ich meinen Bericht.
„Wie hast du das denn gemacht?“
Und ich erzählte ihr die Story. Als ich zum Verlust der Gießkanne kam, begann sich ihr Gesicht stark zu verfinstern und sie schimpfte böse:
„Du Schlingel, warum ist dir nur so etwas eingefallen? Du hättest ja wissen müssen, dass eine Kanne voll Wasser zu schwer ist für dich. Ich habe kein Geld für eine neue, der Vater kann im Militärdienst kein Geld verdienen, oh je, oh je, oh jemine.“

Vollkommen aus dem Häuschen wegen dieser bösen Überraschung packte sie mich und sagte: „Komm mit, wir gehen in die Schreinerei zu Herrn Rindlisbacher. Der Bach läuft neben seiner Schreinerei im zweiten Hause wieder offen, wenn auch unterirdisch. Wir wollen dort nachschauen und suchen. Vielleicht haben wir Glück.“

In der Schreinerei erzählte meine Mutter Herrn Rindlisbacher mein Malheur. „Okay, wir gehen mal nachschauen. Kommt mit!“ Wir traten durch die Hintertür und waren in einem dunklen Keller. Ich weiß nicht mehr, ob der Schreinermeister dort elektrisches Licht hatte, ob er eine Taschenlampe mitnahm oder eine Kerze anzündete. Jedenfalls sah ich, wie das Wasser aus der Röhre herausschoss und dann wieder frei in einem Bachbett weiterfloss, zum zweiten Haus hinaus bis zum besagten Rechen. Herr Rindlisbacher suchte das ganze unterirdische Bachbett nach der Gießkanne ab, sehr sorgfältig leuchtete er jeden Winkel und jede Ecke aus, aber erfolglos. Meine Mutter und ich waren sehr hoffnungsvoll angetreten, aber je länger die Suche dauerte, desto länger wurden unsere Gesichter.
„Es tut mir leid“, sagte der Schreinermeister. „Hier ist sie nicht. Geht doch zum Rechen hinunter. Dort ist sie sicher hängen geblieben.“
Enttäuscht zottelten wir ab und nahmen den Weg zum Rechen. Natürlich schauten wir uns den Bachlauf auf der ganzen Länge genauestens an, aber die Gießkanne blieb verschwunden.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 204
ISBN: 978-3-99038-791-7
Erscheinungsdatum: 24.02.2015
EUR 19,90
EUR 11,99

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