Geschichte & Biografie

Mein Weg zu Tergreve

Renita Schnorr

Mein Weg zu Tergreve

Abenteuer einer Galeristin

Leseprobe:

Vorwort

Von Kindheit und Jugend an habe ich mich für die schönen Künste begeistert. Mit der Dresdner Gemäldegalerie und den permanenten Bilderausstellungen im Schloss Pillnitz nahe meiner Heimatstadt Freital bin ich aufgewachsen und sicher auch geschult worden. Wie viele Stunden meiner Oberschulzeit waren Stunden des schauenden Verweilens und des Treffens mit Freunden in diesen heiligen Hallen!
Nach der Schulzeit wurde ich Ärztin, Fachärztin für Lungenkrankheiten. In den Jahren bis 1989 in der DDR als angestellte Ärztin habe ich nur wenig meiner Passion, Bilder zu sammeln, frönen können. 1990, nunmehr als Bundesbürgerin, eröffnete ich in Berlin-Mitte unmittelbar am Alexanderplatz eine große Lungenfachpraxis. Zur Ausschmückung der Räume, zu meiner Freude und im Interesse der Künstler folgte eine Ausstellung der anderen. Besonders die Künstler Karl-Heinz Koch-Stöber, Wilhelm Senoner und Peter Zwi Malkin waren meine Favoriten. Ich kaufte in der Zeit meiner Praxistätigkeit bis zum Jahre 2006 Bilder, Grafiken und Skulpturen verschiedener Künstler.
Mich nun „nach getaner Arbeit“ zur Ruhe zu setzen wollte mir nicht so recht behagen. So lag es nahe, dass ich nach Beendigung meiner Tätigkeit in eigener Praxis meine Bilder in einer Galerie ausstellen wollte. Fachleute vom Alten Museum in Berlin haben mir dabei geholfen. Ich eröffnete in Berlin-Schöneberg in einem Ladenlokal meine „GALERIE AM RATHAUS“. Nach der ersten Ausstellung meiner gesammelten Bilder war die Anfrage und der Andrang von Künstlern groß, sodass ich jährlich fünf bis sechs Einzelausstellungen verschiedener Künstler in meiner Kunstgalerie in Berlin-Schöneberg organisierte.
2008 lernte ich die Werke des Künstlers Ewald Christian Tergreve kennen, die mich stark beeindruckten. Nach dem ersten Eintauchen in sein Schaffen habe ich den Impuls gespürt, dass es nicht nur beim Ausstellen seiner Werke bleiben sollte.
So machte ich mich auf den Weg: Die Werke, Recherchen an den Wirkungsstätten des Malers in Hessen, verfügbare Dokumente und Befragungen von Zeitzeugen sollten mir ein Bild von dem Menschen und ein tieferes Verständnis seines Werks und Schicksals ermöglichen. Der Weg wurde zum Abenteuer und führte mich an die Orte seines Schaffens.
Ein Pfeiler seines Lebens war die Philosophie des chinesischen Philosophen Laotse, dem Begründer des Taoismus, dessen Weisheit sein Leben begleitete, ihm Trost und Kraft spendete.

„Wer seinen Platz nicht verliert, hat Dauer
Wer auch im Tode nicht untergeht, der lebt.“
(Laotse)



KAPITEL 1
Meine erste Begegnung mit Ewald Christian Tergreve – Vorbereitung der Ausstellung

Die Bilder sind gut platziert. Es ist Freitagabend, auch Frau Charlotte B. ist zufrieden mit der Hängung. Sie berät mich uneigennützig mit ihrem fundamentalen Wissen, das sie sich in vierzigjähriger Tätigkeit als Restauratorin im Alten Museum von Berlin erworben hat. Wie gut, dass sie mir so uneigennützig hilft. Sie übermittelt mir, der beginnenden Galeristin, ihr großes Fachwissen. Vor zwei Tagen haben wir die Bilder gemeinsam gestellt, und jetzt präsentieren sie sich bei der guten Beleuchtung in hellem Glanz. Es war gut, dass ich den Fußboden der Galerieräume mit hellem Holz auslegen ließ.
Ein verspäteter Gast oder besser gesagt ein vorzeitiger Besucher der Ausstellung möchte noch eingelassen werden.
„Ich habe Ihre Anzeige im Kunstmagazin gelesen, verzeihen Sie, ich gehe nicht gern auf Vernissagen, aber dieser Künstler interessiert mich. Ich muss sagen, fabelhaft, expressive Farben, diese leichte Linienführung, das ist Kunst.“
„Sind Sie auch Maler?“, frage ich ihn. „Ja, natürlich, ich male auch expressiv, ich bin erfreut, endlich wieder einmal so etwas zu sehen. Sie dürfen in Zukunft nur noch diesen Künstler ausstellen. Wie sind Sie denn auf ihn gekommen? Wie ich gelesen habe, ist er 1971 verstorben.“
Ich bin erfreut über den Zuspruch und die Anerkennung.
Vor einigen Wochen hatte Rüdiger Gau, ein Berliner Maler und Architekt, seine Bilder in meiner Galerie ausgestellt. Wir fanden sehr schnell ein gutes Miteinander, er half mir meist beim Aufhängen der Bilder und vertrat mich in der Galerie.
An einem solchen Tag im Herbst 2008 fand ich am nächsten Tag auf meinem Schreibtisch in der Galerie ein dickes Fotoalbum, das ich nicht kannte. Neugierig öffnete ich es und sah zum ersten Mal Fotografien der Werke des Malers Ewald Christian Tergreve: abstrakte bunte Bilder philosophischen, religiösen Inhalts. Ich blätterte weiter in dem Album, ich sah wunderbare Porträts, die sich in einem bestimmten Raum befanden, und helle Aquarelle südlicher Landschaften und auch expressionistische sowie Bilder der Moderne. Gleich bei den ersten Seiten bekam ich eine Gänsehaut und ich dachte: Den Schöpfer dieser Werke musst du kennenlernen. Ich rief Rüdiger Gau an und fragte ihn, was er mir da auf den Tisch gelegt habe.
Er habe einen Nachbarn, der ein Verwandter dieses Künstlers sei, er habe ihn gebeten, mit mir Kontakt aufzunehmen. Ich vereinbarte sofort einen Termin mit dem Ehepaar Stübig, der verstorbene Tergreve war der Onkel von Frau Felicitas Stübig. Sie waren von der Tochter des Künstlers beauftragt, sich um eine eventuelle Ausstellung der Werke mit der Absicht des Verkaufs zu kümmern.
Die Tochter von Ewald Christian Tergreve, Frau Marlen Lammerant-Scholz, lebt mit ihrer Familie in Brüssel und ist alleinige Besitzerin des umfangreichen Nachlasses des Vaters. Die Familie wünscht, das wechselvolle Leben und Werk einer interessierten Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Ich nahm sofort Kontakt mit Herrn Stübig auf und wenige Tage später saßen wir uns in der Galerie gegenüber.
Herr Stübig breitete einen dicken Ordner mit Material, Zeichnungen und Entwürfen des Künstlers, Tagebuchaufzeichnungen, Zeitungsnotizen der Fünfziger- und Sechzigerjahre vor mir aus.
Das Gesehene bestärkte mich in meinem Entschluss, eine erste Ausstellung mit Werken von Ewald Christian Tergreve in naher Zukunft zu organisieren.
Herr Stübig war von meiner Entschlussfähigkeit gerührt und erzählte mir, dass er bei etwa 19 Galerien die Bilder von Tergreve in Berlin vorgestellt hatte und nur uninteressierte Abweisungen erfahren habe, da der Künstler ja völlig unbekannt sei.
Bei der Durchsicht der Materiealien, die Herr Stübig mir vorlegte, fand ich auch einen Hinweis auf das Internationale Kunst-Adressbuch, das von Dr. Helmut Rauschenbusch 1961 als 6. Auflage herausgebracht worden war. Es ist ein umfangreiches Werk, was in 120 Länder verschickt wurde.
Auf Seite 1146 ist sogar ein Text über den Künstler abgedruckt. Er war demzufolge kein Unbekannter, dieser Tergreve.
Ungefähr 10 000 Künstler wurden in dem Internationalen Adressbuch erfasst. Es erschien in vier verschiedenen Sprachen. Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch.
In dem kleinen Artikel sind die wichtigsten künstlerischen Arbeiten von Tergreve abgedruckt. Er hat sogar in Rom und Paris ausgestellt und zahlreiche Gebäude mit Wandgemälden im Bundesland Hessen ausgestaltet.
Durch den mit der Tochter des Künstlers abgeschlossenen Vertrag erhielt ich eine Sendung aus Brüssel.
Es war eine Mappe mit vielen Zeichnungen und Linolschnitten. Ich war tief beeindruckt von den fantastischen Feder-Tusche-Zeichnungen und den wunderbaren Linolschnitten. Es waren alles signierte Originale. Ich fotografierte sofort alle Blätter.
Schon bald sollte mein Urteil über die Qualität der grafischen Arbeiten Tergreves bestätigt werden.

Im April 2009 waren wir anlässlich einer Präsentation der Skulpturen des Bildhauers und Malers Wilhelm Senoner im Diözesanmuseum der Hofburg in Brixen. Es ergab sich, dass ich dort den Direktor des Museums, Dr. Kronbichler, kennenlernte. Ich stellte ihm die Zeichnungen von Tergreve online vor. Ich hatte sie im Computer gespeichert. Er war beeindruckt und begutachtete sie als wertvolle Meisterzeichnungen.
Ich bereitete die erste Ausstellung unter der Überschrift „Ewald-Christian Tergreve – Expressive Malerei und Grafik“ für Anfang Juni 2009 vor.
Schon bald war die zweite Maihälfte verstrichen. Die Werbung für die neue Ausstellung musste ja bereits vier Wochen vorher eingereicht sein, damit man die Ankündigung Anfang Juni lesen konnte. Eine Drittelseite im Juniheft des Kunstmagazins wurde reserviert und mit Bild von Tergreve abgedruckt.
In der Ärztezeitung, die von Tausenden Ärzten in Deutschland gelesen wird, hatte ich eine Annonce mit einer Grafik vorbereitet, Plakate, Einladungskarten, Flyer gedruckt und verschickt.



KAPITEL 2
Vergessener Expressionist

Vernissage am 5. Juni 2009 in der GALERIE AM RATHAUS in Berlin-Schöneberg

Der Tag der Vernissage ist gekommen. Noch bin ich allein und schaue mir das erste Mal in Ruhe die Bilder von Tergreve an. Die Präsentation ist mir gelungen. Die Landschaftsbilder vom Vogelsbergkreis sind noch konservativ. Sein unverwechselbarer Stil ist schon auf den „Pariser Impressionen“ und anderen (Yachtclub) sichtbar. Geometrische Figuren zeichnen den Hintergrund und führen zum Mittelpunkt, zur Hauptfigur. Die im Vordergrund ausdrucksvollen weiblichen Porträts lassen seine Frau Elfriede Bangert-Scholz als Modell erkennen.
Ausgeprägter zeigt sich diese unverkennbare Malweise in den großen abstrakten Bildern. Die Linienführung verläuft zum Mittelpunkt und führt himmelwärts ins Unendliche.

Zwei Banner, in deutscher und in französischer Sprache, ergänzten in professioneller Weise den Rahmen dieser wichtigen Präsentation.
Doch nun wurde ich herausgerissen aus meinen Betrachtungen, die Tochter des Künstlers, Frau Lammerant-Scholz, traf mit ihrer Familie und einigen Verwandten ein. Herr Lammerant überreichte mir einen großen Blumenstrauß. Dann ertönte das Glockenspiel, das an der Eingangstür die Gäste ankündigte, ohne Unterlass. Die abschließenden Vorbereitungen waren im vollen Gange. Die Pianistin Lydia Gorstein spielte sich auf dem Klavier ein. Man konnte schon hören, dass sie Rachmaninow vortragen würde. Die Klänge wurden von dem Geklapper und Gekicher in der Küche begleitet. Junge Helferinnen bereiteten Leckerbissen vor. Ich sagte: „Das Glockenspiel über der Tür muss noch entfernt werden, es würde meinen Vortrag oder Lydias Spiel stören.“
Ich bekam nun doch Lampenfieber, ich musste unbedingt meinen Vortrag noch einmal durchgehen. Die biografischen Daten, die ich aus dem handschriftlichen Lebenslauf Tergreves und den Aufzeichnungen aus dem Katalog kannte, den die ehemalige Direktorin des Hohhaus-Museums, Frau Dr. Carola Runge, und Herr Adolf Petschke, pensionierter Verwaltungsoberrat in Lauterbach bei der Nachlassaufnahme 2001 zusammengestellt hatten, mussten mit Leben und Eleganz erfüllt werden.

Nach und nach trafen die Gäste ein. Die belgische Botschaft wurde durch den Gesandten vertreten. Einige Geladene, mit denen ich gerechnet hatte, waren nicht zu sehen.
Ich war mit der Begrüßung der Gäste voll beschäftigt. Mein Mann gab mir ein Zeichen. Jetzt musste ich wohl die Veranstaltung eröffnen. Nach einer kurzen Willkommensrede begann Lydia mit dem Präludium C-Moll von Rachmaninow. Es war still. Natürlich war es störend, als sich verspätete Besucher mit Rucksack und Gepäck zur Tür hereindrängten. Aber wir waren nicht im Konzertsaal, sondern zu einer Ausstellungseröffnung, wo die Gäste nicht so pünktlich zu sein pflegen.
Lydia kündigte selbst ihr zweites Stück an: „Fantasie in G-Moll“ von Rachmaninow. Sie hatte sehr gut gespielt, der Beifall der Gäste war wohltuend und verdient. Gerade hatte sie das Examen hinter sich und vor einem Vierteljahr ein Mädchen zur Welt gebracht. Ich dachte, sie wird ihren Weg machen. Wir werden sicher noch von ihr hören.
Nun kommt mein Vortrag:

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kunstfreunde,
Sie haben heute die seltene Gelegenheit, Bilder und Grafiken eines Expressionisten zu sehen, dessen Werk in der Verborgenheit schlummerte. Die Ausstellung verdanken wir der Initiative der Familie der Tochter des Künstlers, Frau Marlen Lammerant-Scholz, und dem Neffen und der Nichte des Künstlers, dem Ehepaar Stübig. Beiden Familien ein besonders herzliches Willkommen hier in Berlin.
E. C. Tergreve war ein Berliner, 1910 geboren mit dem bürgerlichen Namen Hans-Helmut Scholz. Er erhielt seine humanistische und künstlerische Ausbildung in Berlin und wurde geprägt von den Strömungen der Zwanziger- und beginnenden Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Seine künstlerische Begabung trat sehr früh zutage, schon als Schüler war er in der Jugendgruppe des Sturm von Herwardt Walden engagiert.
Als Meisterschüler von Karl Hofer – dem berühmten Expressionisten – erhielt er seine Prägung.
Das Ende seiner Ausbildung und Lehrzeit und der Eintritt in das Berufsleben als freischaffender Künstler fielen 1934 genau in die Zeit der sich festigten Naziherrschaft in Deutschland. Eine schreckliche Situation für Tergreve, arbeitete er doch als Expressionist – der Begriff „Entartete Kunst“ dafür sei hier nur erwähnt.
1935 heiratete er Klara Fuhrmann, ein Jahr später wurde Marlen, ihre einzige Tochter, geboren. 1942 verstarb seine Frau Klara an Tuberkulose. Tergreve lebte mit seiner kleinen Tochter in Berlin-Wilmersdorf, dort befand sich auch sein Atelier.
E. C. Tergreve war kein Freund der Naziideologie, er weigerte sich, den Arier-Nachweis für die Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer zu erbringen – was letztendlich Berufsverbot bedeutete.
Tergreve wurde in die Industrie zwangsverpflichtet, zum Militärdienst eingezogen und gegen Ende des Krieges schwer krank nach Potsdam in das Lazarett gebracht.
Seine Berliner Wohnung und sein gesamtes Eigentum einschließlich der Kunstwerke wurden durch einen Bombenangriff zerstört.
Seine sehr resolute Mutter rettete ihn und seine Tochter auf einem Flüchtlingstreck in den Maitagen des Jahres 1945 aus dem Einflussbereich der Sowjetischen Armee.
In der Kleinstadt Lauterbach in Hessen fand die mittellose Familie schließlich eine Bleibe durch die Vermittlung eines entfernten Verwandten.
Hier in Lauterbach beginnt das zweite Leben des Künstlers Tergreve. Ab 1945 besitzen wir Zeugnisse seiner Werke.
Sein Schaffen war trotz der allgemeinen Not nach dem Krieg und der Enge der Kleinstadt großartig und vielseitig und zeigt seine Meisterschaft.
Kleine Kostproben seiner Malerei und grafischen Kunst sehen Sie in der heutigen Ausstellung. Tergreve hat sich aber auch sehr in das gesellschaftliche und künstlerische Leben der Stadt eingemischt, so gestaltete und malte er Kulissen für Aufführungen des Kunstvereins. Teilnahmen an Kunstausstellungen in Mainz und Rom, Studienreisen nach Paris und an die französisch-italienische Rivera prägten die Fünfzigerjahre. Ein sehr interessantes und weites Arbeitsgebiet sind seine in den Fünfziger- und Sechzigerjahren geschaffenen Wandgemälde und Skulpturen in vielen Gebäuden des Wiederaufbaues nach dem Krieg. Sie wurden aus dem Fonds „Kunst am Bau“ bezahlt.
Und der Mensch Tergreve in Lauterbach? Noch im Jahre 1945 versuchte Tergreve mit seinem Lehrer Karl Hofer, der wieder in Berlin-West in Amt und Würden gekommen war, brieflichen Kontakt aufzunehmen, höchstwahrscheinlich um in Berlin wieder Fuß zu fassen.
Karl Hofer reagierte abweisend und so blieb Tergreve in Lauterbach.
1946 heiratete er die Fürsorgerin Elfriede Banger, eine schöne junge Frau, sie sorgte durch ihren Beruf für den notwendigen Lebensunterhalt.
Trotz seiner vielfältigen Aktivitäten in der Öffentlichkeit und seines großen Fleißes in seinem Atelier war er unzufrieden und fühlte sich vor allem in seiner Malerei nicht anerkannt. So kam es, dass er in den letzten zehn Jahren seines Lebens seine Bilder im Atelier unter Verschluss hielt. Seine Frau befolgte nach seinem Tode im Jahre 1971 seine Anweisungen und gab kein einziges Werk an die Öffentlichkeit.
Erst in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wurde sein Werk, vor allem durch Frau Dr. Runge, der Direktorin des Hohhaus-Museums in Lauterbach, und Herrn Adolf Petschke, ebenfalls zu Lauterbach, gesichtet und 2001 dokumentiert. So katalogisiert gelangte der Nachlass schließlich in die Hände von Frau Marlen Lammerant-Scholz, der Tochter des Künstlers.
Nun habe ich aber genug geredet und Ihnen E. C. Tergreve hoffentlich nahegebracht.
Genießen Sie die Bilder und führen Sie gute Gespräche – Speis und Trank stehen bereit.“

Nach meiner kleinen Rede kam Frau Marlen Lammerant zu mir und sagte: „Das hätte unseren Vati gefreut.“ Für mich war das ein schönes Kompliment.
Die Gäste verteilten sich, besahen sich die Bilder und kosteten Wein und Leckerbissen, die von den jungen japanischen Studentinnen gereicht wurden.
Ein Ehepaar stürzte auf mich zu: „Das Bild kaufen wir, was kostet das, klebe bitte einen roten Punkt daran.“ Ich freute mich natürlich, denn die Hauptsache war ja der Verkauf von den Bildern.
Sehr hohe Preise konnte ich mit Tergreve nicht erzielen, da er kaum bekannt war und seine Malerei zu seinen Lebzeiten nicht ausgestellt hatte.
Es waren viele Besucher da, aber wenig Käufer, der Neffe des Künstlers suchte sich einige Bilder aus und kaufte sie. Was geschah aber mit dem wunderschönen Herbstbild vom Vogelsberg?
Nach einigen Tagen brachte ich das Bild in die Wohnung, in der es in Zukunft hängen sollte.
Nach dem Hängen des Bildes entwickelte sich folgender Dialog des Ehepaares, die das Bild kaufen wollten „Oje, das Glas blendet ja, und eigentlich waren die Kühe am Vogelsberg immer braun-rot-weiß gefleckt, da ist ja eine Kuh schwarz-weiß. Aber Frau, wohin sollen denn unsere Bilder, die bis jetzt an dieser Wand hängen?“
Ich sagte nur: „Überlegt es euch.“ – und ging betrübt von dannen.
Nach ein paar Tagen brachten sie mir das Bild zurück. Ich hatte versäumt einen Vorvertrag zu machen. Wieder kein Erfolg, das sollte mir noch ein manches Mal so ergehen. Erst einige Monate später konnte ich das Bild „Vogelsberg“ zusammen mit dem schönen Bild „Felsenküste von Monaco“ (1967, Pulverfarben) doch noch an eine Dame verkaufen.
Insgesamt war die Vernissage ein schöner Erfolg und nach und nach leerte sich die Galerie. Mein Mann und ich verbrachten anschließend ein Plauderstündchen mit der Familie Lammerant. Der Vertrag, der die alleinige Vertretung des mitgebrachten Nachlasses von Tergreve durch meine Galerie beinhaltete, wurde besprochen. Frau Lammerant und ihre Familie sollte ich noch oft „auf meinem Wege zu Tergreve“ treffen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 240
ISBN: 978-3-95840-318-5
Erscheinungsdatum: 28.02.2017
EUR 27,90
EUR 16,99

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