Geschichte & Biografie

... immer noch diese Gedanken ...

Karin Klein

... immer noch diese Gedanken ...

Leseprobe:

Ich beginne mit meinem zweiten Buch, obwohl mein erstes noch nicht veröffentlicht wurde. Diesmal verzichte ich ganz bewusst auf einzelne Kapitel, weil es quasi die Fortsetzung des zweiten Kapitels meines ersten Buches „… immer diese Gedanken“ ist.
Ich habe deshalb eine Auswahl getroffen, von der ich glaube, dass sie für andere von Bedeutung sein könnte.
Bin ich jedoch wirklich bereit, mich all dem zu stellen?
Alles in einem Alter, wo es sich andere gemütlich machen und auf ein erfülltes Leben zurückblicken?
Doch ist das Erfüllung, nur zurückblicken und nicht mehr vorwärtsschauen?
Gibt es da nichts mehr, was von mir noch gelebt werden will?
Ich glaube, nein, ich weiß, dass es noch vieles gibt, was von mir gelebt werden will.
Denn das Leben fordert mich heraus, jeden Tag aufs Neue, es zwingt mich, über mich selbst hinauszuwachsen.
Und dies bedeutet alles andere als Stillstand, es will, dass ich in Bewegung komme.
Seit der Unterzeichnung meines Vertrages habe ich das Gefühl, etwas in Gang gebracht zu haben, was ich nicht mehr kontrollieren kann. So in etwa, wie wenn eine Lawine ins Rollen gekommen sei, die sich mit nichts mehr aufhalten ließe.
Irgendwie will ich das auch nicht mehr, denn ich weiß trotz aller Bedenken, dass ich das Richtige getan habe. Mir bleibt also nichts anderes mehr übrig, als einfach abzuwarten, zu schauen, was passiert, und damit das zu tun, wovon ich in meinem ersten Buch geschrieben habe – voll und ganz dem Leben zu vertrauen.
Obwohl ich mich jetzt zurücklehne, kommt etwas in Bewegung!
Ein Paradoxon, das ich nicht verstehen muss, sondern einfach nur auf mich wirken lassen kann.
Eines jedoch verstehe ich, nicht blinde Geschäftigkeit bis hin zu völliger Erschöpfung hat mich vorwärtskommen lassen, sondern Besinnung.
Und zwar Besinnung auf das, was mir im Leben wirklich wichtig ist.
Den Code unserer inneren Schatztruhe gilt es zu knacken. Dies ist einfacher, als wir glauben. Jeder verfügt über seinen ganz persönlichen, passenden Schlüssel dazu, deshalb kann auch jeder nur seine eigene Weisheit anzapfen und nicht bei einem anderen.
Wie finde ich nun diesen Schlüssel?, wird vielleicht so manch einer jetzt fragen.
Die Antwort darauf lautet: in der Annahme meines Schmerzes, im Erkennen meiner Fähigkeiten und in der Beständigkeit. Das ist die schlichte Wahrheit, der ich gefolgt bin.
Und ich hoffe und wünsche mir sehr, dass ein jeder diesen Schlüssel finden mag.
Steter Tropfen höhlt den Stein, den Stein unserer festen Überzeugungen, und lässt ihn weich werden.
Aus diesem Grund ist es so wichtig, nicht immer nur neuen Kicks hinterherzujagen, um für ein paar kurze Momente Glücksgefühle zu erleben.
Dauerhaftes Glück erfahren wir nur tief in uns, denn da liegt ein Schatz verborgen, der mit allem Geld der Welt nicht aufzuwiegen ist.

***

Als Kind habe ich fast alle Märchen gelesen, die es gab – so glaube ich zumindest.
Dabei vergaß ich um mich herum einfach alles. Ich war dermaßen vertieft in die Handlung, dass ich mich völlig mit den Figuren identifizieren konnte.
Schneewittchen, Frau Holle oder Aschenputtel erlebte ich so, als ob ich mitten im Geschehen wäre, ein Film hätte es mir nicht realistischer zeigen können.
Doch ein Märchen machte mir irgendwie Angst, es war Dornröschen.
Weshalb Dornröschen, was erzeugte diese Angst in mir?
War es der Gedanke daran, durch den Fluch einer Fee in einen hundertjährigen Schlaf zu fallen und mit mir meine ganze Familie?
War es die Angst davor, aus diesem Albtraum nie wieder zu erwachen?
Angst davor, dass dieser Albtraum die Wirklichkeit wäre?
Ich hatte auch allen Grund dazu, schließlich war es für mich kein Märchen, sondern die Wirklichkeit. Alles erlebte ich ganz real.
Mein Leben erschien mir schon als Kind wie ein böser Traum, aus dem ich niemals wieder erwachen würde. Ich glaubte wirklich, meine Familie wäre von einer bösen Fee mit einem Fluch verzaubert worden und ich müsse nur lange genug schlafen, damit ich und mit mir meine ganze Familie aus diesem Albtraum wieder erwachen würden.
„Auf meiner Familie lastet ein böser Zauber“ – dieser stressige Gedanke verbarg sich dahinter.
Doch ist das auch wirklich wahr, ist das alles ein böser Fluch, gegen den ich machtlos und dem völlig hilflos ausgeliefert war?
Ich glaube nicht, denn auf meiner Familie lasten böse Gedanken, aber kein fauler Zauber.
„Auf meiner Familie lastet kein böser Zauber“, das ist die Wahrheit, denn mit meinem Erwachen kann auch meine Familie sich befreien und endlich in der Wirklichkeit ankommen.
So, wie ich schon einmal beschrieben habe, hinterlassen Märchen eine tiefe Wirkung in einem Kind. Die Ursachen hierfür liegen in vielen Generationen vor uns.
Die Gebrüder Grimm und & Co erkannten die Ängste und stressigen Gedanken, die in den Kindern herumgeistern, wollten sie ihnen mit ihren Märchen ins Bewusstsein holen und ihnen damit zeigen, dass sie nicht völlig unbegründet waren.
Leider wurden diese von vielen Eltern missbraucht, die selbst noch unter diesen Ängsten litten, natürlich unbewusst. Kein Erwachsener durfte sich jemals eingestehen, unter den gleichen Ängsten zu leiden wie ein kleines Kind. Schließlich ist man ja erwachsen und kein kleines Kind mehr.
Dass diese Ängste auch heute noch in Erwachsenen ihr Unwesen treiben, zeigt sich in der tiefen Abneigung mancher Menschen gegenüber dem Wolf, der jetzt in vielen Regionen wieder heimisch zu werden scheint.
„Der Wolf ist eine blutrünstige Bestie“ – dieser Gedanke ist es, der in den Köpfen für Horrorszenarien sorgt und auch nicht verwunderlich ist.
Früher, als es noch um das nackte Überleben ging, war ein Haustier, das von den Wölfen gerissen wurde, eine Katastrophe, denn schließlich ging es um die Existenz einer ganzen Familie. Im Laufe der Jahrhunderte rankten sich dabei immer gruseligere Geschichten um den Wolf, die dafür verantwortlich waren, dass dieses Tier fast vom Aussterben bedroht wurde. Sicherlich trägt sein für uns bedrohlich anzuhörendes Geheul ebenso dazu bei, Ängste in uns zu schüren.
Dabei ist der Wolf überaus menschenscheu und hat es lediglich auf Tiere abgesehen, die ihm sein Überleben sichern. Niemals würde er ein Tier aus niederen Beweggründen reißen, nur um seinen Blutrausch zu befriedigen.
Die Menschen, deren Existenzen auf der Tierhaltung beruhen, werden jetzt sicher einwenden: Was nützt mir das alles, wenn ein Wolf meine Herde überfällt und die Tiere wie in einem Blutrausch eines nach dem anderen tötet.
Dieser Einwand ist berechtigt, doch ist er auch wahr?
Tötet ein Wolf ein Tier nach dem anderen aus reiner Blutgier?
Auch hier gibt es eine andere Wahrheit. Sie lautet: „Der Wolf ist keine blutrünstige Bestie.“ Das bedeutet, dass es allein unser Denken ist, das ihn zu einer wütenden Bestie gemacht hat und nicht die Wirklichkeit darstellt.
„Mein altes Denken ist eine blutrünstige Bestie“ – ist noch eine Wahrheit. Denn ein Tier spürt die Ängstlichkeit der Menschen und bedeutet damit für ein anderes leichte Beute.
Nur aus diesem Grund verfällt ein Wolf in einen Blutrausch. Ein Schäfer muss seine Ängste auf seine Tiere projizieren, weil er nicht anders kann, solange er seinen stressigen Gedanken folgt.
Total abgefahren, worüber ich hier schreibe, nicht wahr?
Wie kann ein Mensch seine Ängste auf Tiere übertragen? Und doch ist es so.
Ein Hund zum Beispiel spürt ganz genau, wenn es seinem Herrchen schlecht geht, oftmals mehr, als mancher Mensch es kann. Tiere verfügen über ein viel stärkeres Gespür als wir Menschen. So sind bei dem gewaltigen Tsunami Hunderttausende von Menschen ums Leben gekommen, doch kaum Tiere. Sie haben die Gefahr gespürt und konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Mit diesen neuen Gedanken kann ich auch mit einem Wolf Frieden schließen und muss seine Ausbreitung in unseren Wäldern nicht länger fürchten.
Ach ja, eines wollte ich noch hinzufügen. Ich habe noch nie gehört, dass ein Mensch von einem Wolf angefallen oder sogar getötet wurde.
Allerdings erfuhr ich von einem Menschen, der von einem Wildschwein schwer verletzt wurde, obwohl sich keine Frischlinge in der Nähe befanden.

***

„Aus Gründen Ihrer persönlichen Sicherheit dürfen Sie nicht mehr zur See fahren.“ Diese Antwort eines Bevollmächtigten der Stasi empfand ich damals wie einen Schlag ins Gesicht.
Ich fühlte mich in keiner Weise von irgendjemandem bedroht. Im Gegenteil, diese Worte empfand ich als eine Bedrohung. Sie bedeuteten für mich das endgültige Aus und ich fühlte mich wieder einmal als gescheitert, als ein Versager, der nichts auf die Reihe kriegte, der unfähig war, sein Glück festzuhalten.
Doch ist dies auch die Wahrheit? War ich wirklich unfähig oder musste ich vielleicht doch vor irgendetwas geschützt werden?
Das wollte ich jetzt überprüfen und fand heraus: „Aus Gründen meiner stressigen Gedanken darf ich nicht mehr zur See fahren.“ Es bedeutet, dass kein Mensch seinen stressigen Gedanken entfliehen kann, denn sie verfolgen ihn bis ans andere Ende der Welt.
Vor ihnen musste ich geschützt werden und nichts anderem.
Für mich jedoch ist nur eines wichtig, durch die Überprüfung meiner stressigen Gedanken kann ich mit meiner Vergangenheit Frieden schließen und habe auch keinerlei Bedürfnis danach, meine Stasi-Akte einzusehen.
Wenn ich in der Vergangenheit mit meinem Mann über das Thema Stasi sprach, sagte ich oftmals: „Eigentlich müssten wir ihr dankbar sein, denn ohne sie hätten wir uns nie kennengelernt.“ Dies sollte ein Scherz sein, doch es ist die Wahrheit, denn „aus Gründen meiner persönlichen Sicherheit“ durfte ich wieder zurückfahren.
Ob ein Mensch sich für neue Gedanken öffnen kann oder nicht, liegt an jedem Menschen selbst, da hilft kein noch so schlaues Buch mit wissenschaftlichen Erklärungen.
Worum es mir geht, sind die persönlichen Erfahrungen eines jeden Menschen, denn sie sind wertvoller als jeder Besuch einer Universität. Sie allein verfügen über den Schlüssel zu meinem persönlichen Glück, natürlich unter der Voraussetzung, dass ich mein Herz für mich selbst wieder öffnen kann und nicht länger meinen stressigen Gedanken, sondern meinem Herzen folge.
Damit will ich jedoch nicht behaupten, dass ein Studium überflüssig sei. Es geht mir darum, dass jeder Mensch eine Aufgabe in seinem Leben zu erfüllen hat und diese besteht nicht etwa in harter Arbeit, in Selbstausbeutung, sondern darin, tiefe Erfüllung in dem zu finden, was man tut. Braucht es dazu ein hohes Wissen, dann ist es genauso gut, wie wenn ich für meine Berufung über keine großartigen geistigen Leistungen verfügen muss.
Entscheidend ist einzig und allein, ob ich glücklich bin mit dem, was ich tue. Denn das ist die eigentliche Berufung eines jeden Menschen, sich selbst und damit automatisch auch andere mit seiner Berufung glücklich zu machen.
Dazu ist es nötig, mit noch einem Vorurteil aufzuräumen, und zwar: „Ich glaube nicht an die Macht der Gedanken.“
Eine Lüge, denn für mich ist wahr: „Ich glaube an die Macht der Gedanken.“ Mit diesem neuen Gedanken muss ich meinen Verstand nicht länger außen vor lassen, sondern kann ihn mit ins Boot nehmen, um mir all meine Herzenswünsche zu erfüllen.
Denn er entscheidet, ob ich daran glaube oder nicht, so, wie ich es schon einmal beschrieben habe.
„Das sagt mir mein gesunder Menschenverstand“ – ist zum Beispiel solch ein Argument meines alten Denkens.
Hat es damit recht?
Bin ich krank, wenn ich ihm nicht länger glauben will?
Auch hier gibt es eine andere Wahrheit, sie lautet: „Das sagt mir mein kranker Menschenverstand“, und bedeutet, dass kein Mensch sich bewusst in sein Unglück stürzen würde. So, wie mein altes Denken ohne zu zögern mich ans Messer liefern würde, nur um sein Recht zu bekommen.
Das ist krank und nichts anderes. Doch meinem Verstand ist nicht bewusst, was er damit anrichtet.
Ich habe nur eine Möglichkeit, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, und die besteht darin, ihm voller Mitgefühl zu begegnen. Denn schließlich glaubt er, dass es zu meinem Wohle ist, zunächst einmal alles infrage zu stellen.
Letztendlich genau das, was ich mit der Überprüfung meiner Gedanken mache.
Der einzige Unterschied zu meinem Verstand besteht darin, dass ich bereit bin, mein Rechthabenwollen loszulassen. Damit tue ich etwas, was mein Verstand bzw. mein Ego nicht kann. Er lässt sich nur mit Fakten überzeugen und Fakt ist, ich muss ihn nicht länger bekämpfen, sondern kann mit ihm gemeinsam für mich eine neue Welt kreieren.
Damit bekommt er neue Herausforderungen, an die er sich mit Feuereifer machen wird, denn nichts fürchtet mein Denken mehr, als nicht mehr gebraucht zu werden. Schließlich bedeutet Stillstand für es den sicheren Tod.
„Ich handle mit der Macht der Liebe“, ist noch eine Wahrheit und bedeutet, dass es nicht reicht, nur an die Macht der Liebe zu glauben, sondern dass ich auch danach handeln soll.
Schon Johann Wolfgang von Goethe wusste: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden, es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun“ oder „Geborgenheit ist ein stärkeres Wort für Glück“.
Diese weisen Worte bedeuten für mich, dass es zum Grundbedürfnis eines jeden Menschen zählt, sich geborgen zu fühlen. Das ist noch wichtiger als Glück. Ohne dieses Gefühl tiefer Geborgenheit werde ich dem Glück vergeblich hinterherrennen und nirgendwo zu Hause sein.
Wo finde ich nun dieses tiefe, großartige Gefühl?
Es gibt nur eine Antwort darauf, sie lautet: Ich finde es nur in mir selbst.
Indem ich in die Stille gehe, weil ich nur so die leise Stimme in mir vernehmen kann, die mir sagen will, dass ich in der lauten, geschäftigen Welt nicht zur Ruhe komme und damit meinen Bezug zu mir verliere.
Ich kann mir vorstellen, dass manch einer jetzt sagt, so einfach sei das nicht, schließlich sei ich ja Rentnerin und hätte dadurch alle Zeit der Welt.
Dem muss ich zustimmen, ich habe jetzt mehr Zeit als früher. Doch kommt es darauf an, wie viel Zeit ich habe?
Oder ist es nicht wichtiger, dass ich mich erst einmal für den Gedanken öffne, dass mir mehr Ruhe helfen kann, aus dem Hamsterrad der Geschäftigkeit auszusteigen?
Dass es eine Möglichkeit dafür gibt und ich sie nur noch nicht erkennen kann?
Ein Anfang ist gemacht, wenn ich beginne, mir Fragen zu stellen. Will ich so weitermachen wie bisher? Befriedigt mich diese stressige Situation? Bin ich glücklich damit?
Zunächst reichen ein paar Minuten täglich für sich selbst. Ich glaube, das kriegt jeder hin.
Auch ein Mensch, der voll im Hamsterrad seiner beruflichen Tätigkeit steckt, Familie und Kinder unter einen Hut bringen muss, hätte dafür wenigsten fünfzehn Minuten Zeit.
Zeit für sich selbst, die kostbarer ist als jedes Streben nach Glück und Erfüllung.
In diesen wenigen Minuten erfahre ich mehr über mich als in allen Jahren vorher.
In diesen wenigen Minuten lerne ich mich selbst kennen, all meine verborgenen Wünsche und Bedürfnisse, jedoch ebenso meine alten, negativen Überzeugungen, die diese blockieren.
All dies offenbart sich mir, sobald ich den Weg nach innen gehe. Und das Wichtigste: Ich erfahre, wie ich mir meine Wünsche selbst erfüllen kann.
Sagt mir jetzt noch jemand: In die Stille zu gehen, bringt mir nichts? Oder: Das gelingt mir nicht?
Auch wenn man nicht daran glaubt, der Anfang ist schon gemacht, sobald man sich für folgenden Gedanken öffne: Vielleicht ist doch etwas dran, ich kann mir im Moment nur noch nicht vorstellen, dass es so einfach sein soll.
Mir geht es nicht darum, irgendjemanden von etwas zu überzeugen, weil ich weiß, dass dies nie funktionieren kann. Jeder hat sein eigenes Tempo, um seine Wahrheit zu finden, was ich respektieren muss, wenn ich wirklich etwas bewegen will.
Mit Druck erreiche ich das ganze Gegenteil. Aus diesem Grund kann ich nur hoffen und mir von ganzem Herzen wünschen, dass mir dies mit meinen Büchern gelingt.

***

Wieder steht Weihnachten vor der Tür, doch diesmal für uns ein trauriges.
Wir mussten unseren kleinen Terrier einschläfern lassen.
Schweren Herzens nahmen wir Abschied von ihm. Ich hatte das Gefühl, einen guten Freund verloren zu haben, einen, der auf mich wartete, wenn ich fortging, und einen, der sich freute, wenn ich wieder nach Hause kam. Doch es ging nicht anders, er war schon alt und wir wollten ihm weiteres Leid ersparen.
Einen Tag zuvor sah ich im Fernsehen den Spielfilm „Das Wunder von Manhattan“.
In ihm ging es um ein kleines Mädchen, das hin und hergerissen wurde von der Frage: Gibt es den Weihnachtsmann nun wirklich oder nicht? Seine Mutter hatte ihm erzählt, dass alles nur Lüge, also nicht die Wahrheit sei.
Nach dem Film ergriff mich eine tiefe Traurigkeit. Ich glaubte, dies hinge noch mit dem Abschied von unserem Hund zusammen, doch das war es nicht nur.
Es war die Erinnerung daran, dass ich mir als kleines Mädchen vom Weihnachtsmann einen Hund gewünscht hatte. Meine Mutter sagte mir daraufhin, dass der Weihnachtsmann nicht alle Wünsche erfüllen könne und dass es ihn sowieso nicht gäbe, dass sie die Geschenke kaufen müsse.
Für mich brach eine Welt zusammen. Der Weihnachtsmann und damit das ach so heilige Fest waren eine Lüge!
Dass der Weihnachtsmann nicht alle Wünsche erfüllen könne, leuchtete mir ein, doch was mich viel stärker traf, war der Gedanke, dass es gar keinen gibt.
Kein Weihnachtsmann bedeutete keine Geschenke mehr, nichts mehr, worauf ich mich freuen konnte. Dieser Schmerz brannte sich tief in mir ein, denn schließlich glaubte ich ja zu wissen, dass meine Eltern kein Geld für Geschenke hatten.
Meine einzige Hoffnung war der Weihnachtsmann gewesen und die wurde nun jäh zerstört, mein Glaube hatte einen tiefen Riss bekommen.
Doch ist das auch wahr, soll es den Weihnachtsmann wirklich nicht geben?

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 140
ISBN: 978-3-95840-163-1
Erscheinungsdatum: 04.07.2016
EUR 20,90
EUR 12,99

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