Geschichte & Biografie

Im Fokus der Geheimdienste

Lena Vivien

Im Fokus der Geheimdienste

Leseprobe:

Vorwort



Zu Beginn der 90er-Jahre ließ ich mich durch das Außen-departement von Stockholm nach Ankara versetzen. Als ich die Stelle - ich war die Sekretärin des Militärattachés - bereits angenommen hatte, brach der zweite Golfkrieg aus. Wäre der Krieg ein paar Monate früher ausgebrochen, hätte ich mich bestimmt nicht nach Ankara versetzen lassen. Es wurde von mir erwartet, dass ich mindestens zwei Jahre blieb. Weder ich selber noch die Vorgesetzten in der Personalabteilung konnten erahnen, welche Turbulenzen meine Versetzung an just jene Stelle verursachen würde.
Ein paar Jahre zuvor hatte ich mich vom Außendepartement anstellen lassen, weil ich etwas von der Welt sehen wollte. Ich fand nichts langweiliger, als ein 08/15-Leben zu führen: Bald nach der Lehre heiraten - einen möglichst gut verdienenden oder reichen Mann (!) -, zwei Kinder gebären und fortan Hausfrau und Mutter sein und immer am selben Ort leben. Ich wollte später einmal sagen können, dass mein Leben reich war - reich an Erlebtem!
Nachdem ich drei Jahre in Stockholm verbracht hatte, war ich bereit in ein anderes Land zu wechseln. Von Stockholm nach Ankara zu ziehen, das war der Kulturschock! Von schwedischen Freunden war ich vor der Türkei gewarnt worden. Es gäbe dort nur Bauern. Trotzdem freute ich mich auf die Versetzung.
Als ich die Sekretariatsstelle in Ankara antrat, warnte mich der Militärattaché vor den türkischen Männern. „Sie stehen auf weißhäutige Frauen. Passen Sie auf sich auf!“ Dass sich ausgerechnet sein Fahrer in mich verlieben und um mich werben würde, damit rechnete der Oberst wohl nicht. Sonst hätte er ihn nicht beauftragt, mir bei der Wohnungseinrichtung zu helfen und mich während seiner Abwesenheit zum Essen auszuführen.
Der Fahrer hatte sich auf den ersten Blick in mich verliebt. Daran änderte sich auch nichts, als ich ihm gegenüber abweisend war. Aus Einsamkeit und Angst vor einem Raketenangriff aus dem Irak begann ich irgendwann doch seine Einladungen anzunehmen.
Als er anbot, mir während der Feiertage zum Opferfest einen Teil seines Landes zu zeigen, sagte ich zu. Ich hatte die Wahl, eine Woche alleine zu verbringen oder mit ihm zu verreisen. Auf dieser Reise wurden wir von einem Diplomaten unserer Botschaft gesehen, wie wir Hand in Hand spazierten. Nun war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Bombe platzte. Er war der lokale Fahrer, ich die Sekretärin des Militärattachés! Es gab böse Zungen in der Botschaft, die ihm unterstellten, er sei Mitglied des türkischen Geheimdienstes MIT. Als unsere Beziehung ans Licht kam, wurde ich gewarnt, er mache sich an mich heran, um an Informationen über unser Land zu kommen.










1.
Abschied von Stockholm



Es war an einem Sommertag im Jahre 1990. Vor Freude strahlend lief ich durch die Straßen von Stockholm. Ich strahlte so sehr, dass sich Fremde nach mir umdrehten. Eben war mir eine Sekretariatsstelle in der Botschaft in Ankara zugesichert worden. Vom drohenden Golfkrieg wusste ich da noch nichts. Zwei Monate verblieben mir noch bis zum Umzug. Einen Reiseführer hatte ich bereits studiert. Ich nahm mir vor die türkische Sprache zu lernen. Das konnte aber warten, bis ich im Land war. Bestimmt würde ich sofort mit Botschaftsleuten Kontakt haben, sowohl mit solchen des eigenen Landes wie auch mit solchen aus anderen Ländern. So war es mir jedenfalls in Schweden ergangen, obwohl ich hier auch mit Einheimischen Kontakt pflegte. Meine schwedischen Freunde und Bekannten teilten meine Begeisterung für die Türkei überhaupt nicht. Ich bekam allerlei Kommentare zu hören, wie „Dort gibt es doch nur Bauern“, „Sie sind ungebildet“, „Als Frau wirst du belästigt“. Ich hatte den Eindruck, einige meiner schwedischen Freunde und Bekannten waren beinahe gekränkt, dass ich Schweden den Rücken kehrte. Zugegeben: Bevor mir die Stelle in Ankara angeboten wurde, hatte ich mich nicht für die Türkei interessiert. Weshalb freute ich mich so sehr, nach Ankara versetzt zu werden? Konnte ich ahnen, dass dieses Land zu meiner zweiten Heimat werden würde? Nennt man das Schicksal?
Seit drei Jahren wohnte ich in Stockholm. Während dieser Zeit hatte ich mit Einheimischen und mit Botschaftsangestellten anderer Länder Freundschaften geschlossen. Ich hatte jede Minute genossen. Trotzdem fühlte ich mich im Frühjahr 1990 ein wenig traurig. Von meinen zwei guten Freunden Sven und Matthew sah ich nicht mehr viel. Ich vermisste sie, hatte aber damit rechnen müssen, sie eines Tages zu verlieren. Beide fühlten mehr für mich als Freundschaft, mussten aber akzeptieren, dass von meiner Seite nur freundschaftliche Gefühle kamen.
Den Schweden Sven - der ein paar Jahre jünger war als ich - hatte ich durch die Schwedin Anja kennengelernt, welche wiederum mich und Andrea, eine deutsche Bekannte - ebenfalls Botschaftsangestellte, in einem Stockholmer Café angesprochen hatte. Seither pflegten wir regen Kontakt. Sven sah aus, wie man sich einen typischen Schweden vorstellt, mit hellblondem Haar und hellblauen Augen.
Der braunhaarige und braunäugige Matthew war Engländer und bei der britischen Botschaft angestellt. Ihn lernte ich durch andere britische Botschaftsangestellte kennen. Er war Mitte zwanzig und frisch geschieden. Bevor er nach Stockholm kam, war er in Bagdad stationiert gewesen. Ich erinnere mich, wie wir einmal zusammen im Djurgarden am Wasser saßen und über die Zukunft sprachen. Er meinte, er werde seinen Großkindern hoffentlich viel zu erzählen haben von seinen Einsätzen in fremden Ländern. Ich wiederum sprach über meine Pläne, ein Buch über das Leben mit den Diplomaten zu schreiben. Matthew pflegte zu sagen: „Lena, du bist eine starke Frau.“ Ich fragte mich, wie er das meinte. Ich sah mich als sensibel und verletzlich an. Was war stark daran?
Ich war siebenundzwanzig, als ich nach Stockholm kam, und hatte noch keine Liebesbeziehung gehabt. Warum verliebte ich mich auch immer in wesentlich ältere Männer, die bereits vergeben waren? Solche Schwärmereien - und dabei blieb es jedes Mal - hatte ich bereits etliche hinter mir. Sven und Matthew lernten sich durch mich kennen und wurden Freunde. Wer weiß, vielleicht sind sie es heute noch. Sven verschwand aus meinem Leben, als ihn seine Exfreundin zu sich zurückholte. Sie war Deutsche und vor ein paar Jahren mit Sven liiert gewesen, bevor sie nach Deutschland zurückgekehrt war. Er ließ sich erneut auf sie ein. Er war ein junger Mann und konnte nicht ewig von platonischer Liebe leben. Matthew bandelte mit einer Schwedin an. Ich würde zu gerne wissen, was daraus geworden ist. Wen hat er geheiratet? Wie viele Kinder hat er, wie viele Großkinder?
Ziemlich genau drei Jahre, nachdem ich den Posten in Schweden angetreten hatte, verließ ich Stockholm. Mein Hab und Gut war verpackt und vorerst bei einer Speditionsfirma eingelagert. Bevor ich nach Ankara reiste, machte ich eine Woche Heimaturlaub. Daniela, eine Kollegin, die selber ein paar Jahre in der Botschaft in Ankara gearbeitet hatte, gab mir Tipps für das Leben in Ankara. Es hörte sich alles fremd und spannend an. Ich begann mir aber auch Sorgen zu machen, wie ich in Ankara ohne Führerschein den Alltag bewältigen würde. Ich interessierte mich überhaupt nicht für Automobile und hatte zudem eine Phobie vor dem Straßenverkehr. Ob es davon herrührte, dass ich als kleines Mädchen auf einem Fußgängerstreifen von einem Fahrzeug angefahren worden war? In Stockholm war der fehlende Führerschein überhaupt kein Problem. Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel war in Stockholm und den Vororten sehr gut ausgebaut. Zudem hatte ich in Gehdistanz zur Botschaft gewohnt.










2.
Versetzung nach Ankara



Ich reiste an einem Wochentag anfangs September nach Ankara. Gerne wäre ich bereits am Wochenende gereist, da ich es vorzog, ausgeruht am Arbeitsplatz zu erscheinen. Daraus wurde nichts. Ich sollte nämlich direkt vom Flughafen Ankara zum Abschiedsfest meiner Vorgängerin gefahren werden und mich am nächsten Tag selbstverständlich um acht Uhr in der Botschaft melden. Mein zukünftiger Chef, der Militärattaché Oberst Meyer, hatte ein Foto von mir erhalten. Das zeigte er seinem Fahrer, der den Auftrag erhalten hatte, mich - zusammen mit der Kurierpost aus der Zentrale - vom Flughafen abzuholen.
Nach Gepäckausgabe und Passkontrolle begab ich mich zum Ausgang. Schon kam ein kleiner drahtiger Mann - schätzungsweise gegen Ende vierzig - mit schnellen Schritten auf mich zu und riss mir den Koffer beinahe aus der Hand. „Hello, my name is Selim“, stellte er sich vor. Er wartete gar nicht erst auf meine Antwort. „I am the driver of Mr. Meyer. I shall bring you to Claire-Lise’s party and later to your hotel.“ Mit energischen Schritten ging er voran zum Wagen von Oberst Meyer - nein, kein Mercedes, ein Volvo. Ich nahm auf dem Rücksitz Platz, während Selim den Koffer verstaute und sich hinter das Steuer setzte.
Eine gute halbe Stunde waren wir unterwegs, als Selim den Wagen vor einem mehrstöckigen Wohnhaus abstellte. Einige Gäste waren bereits eingetroffen. Claire-Lise nahm Selim gleich in Beschlag. Sie brauchte seine Hilfe bei der Bewirtung der Gäste. Da kam ein groß gewachsener kräftiger Mann um die sechzig strahlend wie ein Maikäfer auf mich zu. Er stellte sich vor als Oberst Meyer und fragte mich, ob ich eine gute Reise gehabt hätte. Zudem ließ er mich wissen, dass sein Fahrer mich später zum Hotel bringen würde. Ich müsse nur sagen, wenn ich müde sei und gehen möchte.
Am liebsten wäre ich natürlich gleich zum Hotel gefahren worden. Aber Claire-Lise brauchte Selims Hilfe beim Bewirten der Gäste. Zudem hätte sie es mir sicher übel genommen, wenn ich mich von ihrem Abschiedsfest abgemeldet hätte, kaum dass es begonnen hatte. Es sollte die erste Gelegenheit für mich sein, am neuen Ort Leute kennenzulernen. So saß ich alleine auf einer Truhe. Ab und zu kam jemand vorbei und stellte sich vor. Es war unmöglich, sich gleich alle Namen zu merken. Ich spürte Blicke auf mir. Oberst Meyer musterte mich. Er konnte seinen Blick kaum von meinen Beinen abwenden, während er genüsslich an seiner Pfeife zog. Ich trug einen Rock, der knapp über meine Knie reichte. Für meine wohlgeformten Beine hatte ich schon öfters Komplimente bekommen. Nicht nur Oberst Meyer ließ seine Blicke immer wieder zu mir schweifen. Auch sein Fahrer schaute mich verzückt an - sobald er eine Pause hatte. Irgendwann wurde ich erlöst. Oberst Meyer wies Selim an, mich zum Hotel zu fahren, danach zurückzukommen, um ihn nach Hause zu fahren. Die Frau des Obersten konnte ich bei dieser Gelegenheit nicht kennenlernen, weil sie auf Heimaturlaub war.
Der Chef der Konsularabteilung - Eduard Schuler - hatte in Absprache mit Oberst Meyer für mich ein Zimmer in einem 3-Sterne-Hotel gebucht, in welchem bisher noch nie jemand von der Botschaft einquartiert worden war. Am nächsten Morgen beim Frühstück - es fand nicht in Buffetform statt - wurde ich von den Kellnern scheinbar demonstrativ übersehen. Vielleicht warteten sie auf einen Begleiter. Im ganzen Frühstücksraum war keine zweite Frau zu sehen. Ich hatte aber nicht ewig Zeit. Ich musste zur Arbeit.
Ich war vom Einsatz in Stockholm an eine Belegschaft gewohnt, die sich mehrheitlich sehr gut verstand. Ich pflegte mit den Arbeitskolleginnen dort ein kameradschaftliches Verhältnis. Erst jetzt am neuen Ort wurde mir bewusst, dass das gute kameradschaftliche Verhältnis nicht selbstverständlich war. In der Botschaft in Ankara herrschte zu jenem Zeitpunkt Aufbruchsstimmung. Einige Mitarbeiter waren kurz vor der Versetzung. Die Sekretärin des Botschafters war nur temporär nach Ankara gekommen, weil die für diesen Posten vorgesehene junge Frau erst in einigen Wochen ihren gegenwärtigen Posten verlassen konnte. Dass die Räumlichkeiten des Militärattachés in einem anderen Gebäude ca. 300 m entfernt untergebracht waren, erleichterte das Einleben nicht. Nicht genug damit, hatte der Militärattaché just für diesen Zeitpunkt Heimaturlaub geplant. Nachdem ich mich zwei Wochen lang eingearbeitet hatte, verreiste er für ein paar Wochen und ich musste die Stellung halten.
Es wurde Wochenende. Ich nahm am Treffen der Hash House Harriers teil. Das war eine positive Erfahrung. Ich war sicher, schnell Kontakte zu knüpfen. Singles verschiedener Nationalitäten nahmen an den Anlässen von Hash House Harriers teil. Dort traf ich auf Frank oder - besser gesagt - er auf mich. Frank war Anfang fünfzig, verheiratet und aus Großbritannien. Er arbeitete für eine internationale Firma in Ankara. Seine Frau war in Großbritannien geblieben. Frank schlug mir vor, ab und zu abends zusammen etwas zu unternehmen. Ja, warum nicht? Was Frank vorschwebte, war eine Beziehung. Ich fühlte mich jedoch überhaupt nicht zu ihm hingezogen.
Ich wollte so schnell wie möglich eine Wohnung finden. Esra - eine Lokalangestellte, die Telefonzentrale und Empfang bediente - vermittelte mir einen Makler. Mit ihm schaute ich mir Wohnung um Wohnung an. Ich wollte schnellstmöglich aus dem Hotel auschecken. Aber die Wohnungen, die mir gezeigt wurden, waren - für meine Verhältnisse - alle riesengroß. Was sollte ich alleine in einer Wohnung machen, die mindestens dreimal so groß war wie meine bisherige in Stockholm. Dort bewohnte ich eine 2½-Zimmerwohnung. Ich sagte dem Makler, die Wohnungen seien einfach zu groß. Das konnte er zwar nicht verstehen, da er wusste, dass ich einen Zuschuss zu den Mietkosten erhalten würde, zeigte mir aber schließlich eine Wohnung, die nicht ganz so groß war. Diese Wohnung hatte Charme. Das Wohnzimmer war durch einen Kamin zweigeteilt in Wohn- und Esszimmer. Auf beiden Seiten hatte es Fensterfronten und kleine Balkone. Die Küche war klein, aber hell. Es gab eine Gästetoilette, ein Badezimmer und drei helle Schlafzimmer, ein größeres und zwei kleinere. Das war immer noch viel für eine einzige Person. In diese Wohnung verliebte ich mich gleich. Ich machte mir keine Gedanken darüber, dass die Wohnung direkt unter dem Flachdach lag. Es war September und weder besonders heiß noch kalt. Deshalb war mir nicht bewusst, dass es in dieser Wohnung im Sommer brütend heiß und im Winter eisig kalt sein würde.
Eduard Schuler, der Chef der Konsularabteilung, bemerkte etwas ironisch, dass bei mir die Wohnungssuche etwas lange gedauert habe, weil ich anscheinend eine Wohnung mit Dachterrasse suchte. Falls es über meiner Wohnung eine Dachterrasse gegeben haben sollte, gehörte sie nicht zu meiner Wohnung. Ich war jedenfalls nie dort oben. Eduard Schuler machte auf mich gleich den Eindruck eines wenig motivierten Angestellten, der seine Tätigkeit mangels einer besseren akzeptierte. Er hatte zwar Diplomatenstatus, kam in der Hierarchie aber nach den Berufsdiplomaten. Er musste nach deren Pfeife tanzen, was ihm nicht sonderlich gefiel. Von der Statur war er mittelgroß und schlank. Sein dunkelblondes Haar hielt er in einem Kurzhaarschnitt, wie es sich gehörte. Zudem war er bebrillt. Wenn er lächelte, wirkte es stets ironisch.
Mein Hausrat war inzwischen in Ankara angekommen. Selim - der Fahrer meines Chefs - sollte mir beim Auspacken und Einrichten helfen. Der Oberst hatte das so gewünscht. Zuerst fuhr Selim mich zu Möbelgeschäften, denn ich besaß nur einige wenige Möbelstücke, welche die 4 ½-Zimmerwohnung bei Weitem nicht füllten. In einem der Geschäfte erstand ich mit Selims Hilfe einen Esstisch mit Stühlen aus Massivholz, einen Orientteppich für darunter, ein Doppelbett mit zwei Nachttischchen und Lämpchen für das große Schlafzimmer, einen Schrank für eines der anderen Schlafzimmer - das einzige ohne Einbauschränke.
Es war mir peinlich, als Selim mir helfen wollte, meine Wäsche auszupacken. Meine Unterwäsche brauchte er nun wirklich nicht zu sehen! Just da klingelte es an der Wohnungstür. Es war Frank. Er hatte in der Botschaft angerufen und erfahren, dass ich dabei war, meine Wohnung zu beziehen. Selim verabschiedete sich. Bildete ich mir nur ein, er sei eingeschnappt wegen Franks Besuch? „Wer war das?“, fragte Frank. Ich erklärte ihm, dass Selim als Fahrer und allgemeine Hilfe für meinen Chef arbeitete. „Er hat mir so viel geholfen. Wie kann ich ihm das nur danken? Vielleicht lade ich ihn einmal zum Essen ein?“, dachte ich laut. „Das würde ich an deiner Stelle nicht tun. Er ist doch sicher verheiratet“, antwortete Frank. „Ich sagte doch, ich möchte ihn zum Dank zum Essen einladen. Ich will doch nichts von ihm“, protestierte ich. „Das könnte er falsch verstehen. Ich an deiner Stelle würde das sein lassen. Jetzt bin ich aber da, weil ich mit dir essen gehen möchte“, beschied mir Frank.
Frank wollte mehr, als nur essen gehen. Er war seit Monaten ohne Frau in Ankara. Ich war auch allein in Ankara. Ihm schwebte vor, wir könnten zusammen eine schöne Zeit erleben, ganz unverbindlich. Es half auch nicht viel, dass ich ihm eine Verlobung vorschwindelte. Der Verlobte war ja nicht da. Frank schaffte es nicht, mich herumzubringen. Mit mir hatte er sich eine harte Nuss zum Knacken ausgesucht.
Am nächsten Tag bei der Arbeit - der Oberst war auf Heimaturlaub - sagte Selim, er würde mir gerne ein schönes Lokal zeigen. Ich sah es als Chance, mich für seine Hilfe erkenntlich zu zeigen; denn eine Einladung von ihm konnte ich nicht annehmen. Ohne Zweifel verdiente ich mehr als ein Lokalangestellter der Botschaft. Ich rechnete nicht mit dem Stolz dieses Mannes. Er hatte mir vorgeschlagen, essen zu gehen. Also wollte er mich einladen. Ich könne ihn ein anderes Mal einladen, gab er nach, damit ich seine Einladung annahm. Viel später erst sagte er mir, der Oberst habe ihm etwas Geld gegeben und ihn gebeten, mich während seiner Abwesenheit zum Essen auszuführen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 188
ISBN: 978-3-99064-552-9
Erscheinungsdatum: 26.03.2019
EUR 15,90
EUR 9,99

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