Sonstiges & Allerlei

Und täglich winkt das Chaos

Melina Schneider

Und täglich winkt das Chaos

Leseprobe:

KAPITEL 1

„Leonie, wo bleibst du denn?“, ruft Herr Busch die Treppe hoch. Innerlich stöhnt Leonie auf. „Bin ja gleich da!“, antwortet sie. Seufzend zieht sie den Reißverschluss ihrer Jacke bis unter das Kinn und drückt die Kopfhörer ihres iPods in ihre Ohren.
Wer ist eigentlich auf die bescheuerte Idee gekommen, in den Zoo zu gehen? Im Februar? Dem wahrscheinlich kältesten in den letzten vierzehn Jahren? Natürlich ihre Zwillingsbrüder Denis und Magnus. Und dass auch Leonie mitgehen muss, das kann nur ihrem Vater in den Sinn kommen. Der denkt wohl, dass sie, Leonie, mit fast fünfzehn Jahren noch nicht allein zu Hause bleiben kann …

In der Garage wird Leonie schon von ihren Brüdern und ihrem Vater erwartet. Schicksalsergeben lässt sich Leonie auf den Beifahrersitz plumpsen. Ihr Vater fährt sofort los und stellt das Radio laut – aus den Boxen dröhnt Volksmusik.
„Ach Mensch, Papa! Kannst du das Gedudel nicht leiser machen?“, fragt Leonie genervt.
„Wieso denn? Gefällt es dir nicht?“, will Herr Busch wissen.
„Leo, das ist doch echt gut! Lalalala, oh Baby, yeah!“, grölen Denis und Magnus von hinten im Chor.
Drei gegen eine, auch das noch, denkt Leonie mürrisch und lässt den Kopf an die Scheibe senken.

Zum Glück aller – denn Leonie wäre wenige Augenblicke später in die Luft gegangen wegen ihrer nervigen Brüder – ist das Ziel nach gut fünf Minuten erreicht. Müde steigt Leonie aus, marschiert hinter den anderen her und weigert sich strikt, Interesse an den Tieren zu zeigen. Soll ihr Vater doch sehen, wie sehr es ihr gegen den Strich geht. Was aber gar nicht so leicht ist bei den Lämmchen im Streichelzoo und bei dem süßen Elefantenbaby …

Trotzdem atmet Leonie erleichtert und halb durchgefroren auf, als sie daheim endlich aus dem Toyota ihres Vaters steigt. Entschlossen gibt sie ihrer Familie – noch bevor sie das Haus betritt – zu verstehen, dass sie das Badezimmer für die nächsten zwei Stunden beanspruchen wird. Auf der Fußmatte hört Leonie ein Rascheln unter ihrem Schuh.
Erstaunt blickt sie hinunter und stellt fest, dass sie mitten auf einen Brief getreten ist. Fluchend hebt sie den Fuß und nimmt den Brief in die Hände. Nachdem sie den Schmutz notdürftig mit ihrem Ärmel weggewischt hat, kann sie die Worte entziffern: Für Leonie
Hm, von wem der wohl ist? Kein Absender, null Hinweise.
Als sich Leonie ihrer Jacke und ihrer Stiefeln entledigt hat, spurtet sie beinahe ins Bad. Dort dreht sie den Wasserhahn voll auf und kippt fast eine halbe Flasche Schaumbad in die Wanne.
Während das Wasser läuft, geht Leonie in ihr Zimmer und öffnet gespannt den geheimnisvollen Brief.
Er ist in krakeliger Schrift auf ein liniertes Papier geschrieben. Höchstwahrscheinlich einfach aus einem Schulheft herausgerissen.
Leonie denkt sich, dass das ja nur ein Scherz sein kann, und beginnt nichts ahnend zu lesen:

Leonie,
ich beobachte dich schon seit Längerem und denke, dass es jetzt an der Zeit ist, dir von meinen Gefühlen zu erzählen. Ich mag dich wirklich gern. Alles an dir mag ich, deine grünen Augen und deine besonderen Haare, die in der Sonne golden glänzen. Ich hoffe, dass du meine Zuneigung erwiderst.
In ewiger Liebe, T.S

Leonie muss die Zeilen noch ein zweites und ein drittes Mal lesen, um zu begreifen. Ein echter Liebesbrief! Wie gebannt starrt Leonie auf das Blatt in ihrer Hand. Ob sie dem glauben kann? Vielleicht ist der Brief nur ein Fake? Ach, ist doch trotzdem ein ganz schönes Gefühl. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht.

Doch ihre gute Laune wird nur Sekundenbruchteile später zerstört, als sie Magnus brüllen hört: „Cool! Denis, komm schnell her, Leonie spielt im Bad Unterwasseragentin, das musst du dir anschauen!“
Mit einer bösen Vorahnung stürzt Leonie in den Flur und bleibt, zeitgleich mit Denis, in der Tür zum Badezimmer stehen. Geschockt blickt sie auf das Malheur, das sie verursacht hat.
Auf ihr Bad hat Leonie vollkommen vergessen. Das Wasser läuft munter über den Rand der Badewanne und bildet eine große Lache auf dem Boden.
Schnell stößt Leonie ihre Brüder weg, dreht eilig die Wasserhähne zu und zieht den Stöpsel der Badewanne.
„Verschwindet! Und sagt ja Papa nichts davon, sonst dürft ihr beide nie mehr an meinen PC, verstanden?“, herrscht Leonie Magnus und Denis an.
„Och, alte Spielverderberin!“, brummt Denis mit hängendem Kopf und zieht seinen Bruder am Arm weg.
„Verfluchte Scheiße!“, schimpft Leonie, während sie schleunigst alle Handtücher aus dem Schrank kramt und auf den Boden schmeißt, um die Wasserlache aufzusaugen.

Da klopft es an der Tür und Leonies Vater ruft:
„Leonie, bist du bald fertig, wir haben Familienrat!“
Auch das noch, denkt Leonie. Ob ihre dämlichen Brüder doch gepetzt haben?
„Moment noch! Ich muss … ähm … mich noch eincremen und mich … na ja … anziehen und so…“, antwortet Leonie schnell. Von draußen hört sie ihren Vater noch ein „Verstehe einer die Frauen!“ murmeln und verschwinden.
Die Handtücher haben das meiste zum Glück schon fast aufgesogen. Mit dem Gedanken, dass die restlichen kleinen Pfützen noch austrocknen und sie jetzt hinuntergehen kann, nimmt sie den Berg nasser Handtücher in die Arme und wirft sie in den Wäschekorb.
Als sie die Tür hinter sich schließt, fällt ihr auf, dass ihr Pulli auch so seine Spuren von den Unmengen an Wasser aufzuweisen hat.
Seufzend macht sich Leonie auf den Weg in ihr Zimmer, um sich in aller Eile umzuziehen.

Nur zwei Minuten später sitzt Leonie im Wohnzimmer auf dem großen, beigefarbenen Sofa, eingepfercht zwischen Magnus und ihrer achtzehnjährigen Schwester Desirée. Ihre Eltern besetzen den Zweiersessel, Denis hockt im Schneidersitz auf dem Boden und Linus, der Älteste unter den Zöglingen, tigert nervös von einer Ecke in die andere.
„Also, Linus, was hast du auf dem Herzen? Sag es ruhig“, beginnt Herr Busch. Linus bleibt stehen und rauft sich aufgeregt die Haare. Leonie fällt auf, dass er das immer macht, wenn ihm nicht ganz wohl in seiner Haut ist.
„Nun ja, das ist gar nicht so leicht, wisst ihr?“, sagt er vorsichtig.
„Ich … äh … ich liebe Marina wirklich sehr und … Na ja …“, stottert er verlegen und Leonie fragt sich, was sein Anliegen wohl mit seiner langjährigen Freundin zu tun hat.
„Nur nicht so schüchtern, mein Junge, was ist denn mit euch beiden? Wollt ihr vielleicht zusammenziehen?“, fragt Frau Busch neugierig und ihre Augen flackern vor Aufregung ein wenig.
„Nein, daran haben wir noch nicht gedacht. Es geht um etwas anderes. Und das ist viel wichtiger. Also … ähm … Marina ist … Marina ist schwanger!“, bringt Linus endlich heraus.
Alle halten wie gebannt die Luft an.
„Von mir!“, fügt Linus hastig hinzu.
Desirée hat als Erste ihre Stimme wieder.
„Na, wer hätte gedacht, dass Linus so was drauf hätte?“, stichelt sie und steht auf. „War’s das? Dann geh ich jetzt. Bin mit Paul im Kino verabredet. Bye!“, flötet sie, stöckelt aus dem Zimmer und hinterlässt nur eine Wolke ihres Parfüms.
„Linus“, sagt Frau Busch, deren Verstand allmählich wieder zurückkehrt, „das ist ja eine Überraschung! Wann ist es denn so weit?“
Linus lächelt erleichtert, da er nicht mit so einer erfreuten Auffassung der Neuigkeit gerechnet hat.
„Mitte April“, gibt er bekannt.
„Schon? Wieso hast du uns das denn nicht früher gesagt?“, ruft Frau Busch überrascht aus.
Linus will gerade antworten, aber Herr Busch gibt ihm keine Gelegenheit dazu.
„Sohnemann, damit habe ich ja nun wirklich nicht gerechnet! Du bist doch gerade mal dreiundzwanzig. Findest du nicht, dass das ein wenig früh ist, um Vater zu werden?“
Linus schaut etwas hilflos zu seiner Mutter, die ihm sofort helfend zur Seite steht.
„Aber, Dieter, er ist genauso alt wie du damals. Du kannst ihm überhaupt nichts vorwerfen!“, wirft sie ein.
Darauf kann Herr Busch nichts erwidern und sagt deshalb:
„Ich war doch viel reifer, als er jetzt ist!“
Denis und Magnus kichern hinter hervorgehaltener Hand und Frau Busch fährt ihren Mann entsetzt an:
„Das ist aber nicht dein Ernst? Dieter, du benimmst dich lächerlich! Gib doch zu, dass du dich freust, ich sehe es dir ja an!“
„Na ja, jeder mag doch kleine Kinder“, gibt er schließlich geschlagen zu, steht auf und macht sich auf den Weg nach draußen. Aber er lässt sich nicht davon abhalten, seinem Sohn noch kameradschaftlich auf die Schulter zu klopfen.

Da schaltet sich Leonie ein:
„Also, ich dachte bis jetzt immer, dass Tanten alt und verbittert sind. Aber jetzt weiß ich, dass das nicht stimmt. Guckt mich doch mal an!“
„Mann, Leo, du freust dich doch, oder?“, will Linus wissen.
„Na klar! Vor allem, wenn man dann schlaflose Nächte durchsteht, wenn das Kleine schreit“, entgegnet Leonie grinsend.
„Das kriegen wir hin. Das Baby wird bestimmt bei Marina bleiben, das sollte doch wohl klar sein. Und ihr solltet wirklich daran denken, zusammenzuziehen und …“, redet Frau Busch in einem fort, bis Linus sie unterbricht:
„Mama, ich denke, das hat noch Zeit. Lass uns doch erst mal zu Abend essen, dann sehen wir weiter.“
Leonie muss ein Lachen unterdrücken, als sie sieht, wie Linus Frau Busch zur Wohnzimmertür hinausschiebt und hinter ihrem Rücken genervt die Augen verdreht.

Aber beim Abendessen gehen die Ratschläge von Frau Busch organisatorische Dinge, Babypflege und Kindererziehung betreffend gleich weiter. Windeln hier, Kinderkrippe da …
Leonie hat nach dem ersten Teller Lasagne die Schnauze gestrichen voll und verdrückt sich fluchtartig in ihr Zimmer.

Zweieinhalb Stunden später, als Leonie in ihrem Bett liegt, kann sie nicht einschlafen. Ununterbrochen denkt sie an den mysteriösen Brief, den sie in der Aufregung um das Baby fast vergessen hätte. Auch dieser Gedanke lässt sie nicht los. Wie es wohl sein wird, wenn Marina mit kugelrundem Bauch auftaucht? Ob man das jetzt schon sieht? Muss man ja wohl, jetzt, wo es nur noch eineinhalb Monate dauert.

Irgendwie kann sich Leonie ihren großen Bruder überhaupt nicht als Vater vorstellen. Er ist immer nur – eben – der große Bruder, auf den man sich immer verlassen und bei dem man unter die Bettdecke kriechen kann, wenn man Angst vor einem Gewitter oder schlecht geträumt hat.
Aber als Vater? Diese Vorstellung ist ganz ungewohnt und unter all den Fragen und Erkenntnissen schläft Leonie schließlich doch noch ein.


KAPITEL 2

Am nächsten Morgen wird Leonie von ihrem Wecker unnötig früh geweckt, wie sie findet. Aber der Alltag ruft: Schule!
Schlaftrunken wirft sie ihre Bettdecke zurück und wankt ins Badezimmer. Dort spritzt sie sich eine Hand voll eiskaltes Wasser ins Gesicht. Doch auch das will nicht helfen, Leonie möchte einfach nicht wirklich wach werden.
Als sie in ihr Zimmer zurückkommt, sieht sie den schmutzigen Umschlag auf ihrem Nachttisch liegen. Sofort kommt ihr wieder in den Sinn, was sich gestern alles zugetragen hat. Gleich ist sie hellwach.
Schnell stülpt Leonie einen cremefarbenen Rollkragenpulli über ihren Kopf und schlüpft in eine frische Jeans.
In der Küche stopft sie sich eine bloße Scheibe Toast in den Mund und spült sie hastig mit einem Glas Orangensaft hinunter.
Mit einem kurzen Blick auf den Wecker stellt Leonie fest, dass sie schon spät dran ist. Hastig rennt sie die Treppe hoch, um ihre Zähne zu putzen und sich zu kämmen.
Danach kriecht sie im Flur auf allen vieren durch die Gegend, um ihren Schuh zu finden. Der ist verschollen wie so oft.
Als sie ihn endlich unter dem Sofa findet, klingelt es auch schon an der Haustür. Es ist Zarah, Leonies ABF, wie man so schön sagt.

Gleich darauf – nach der ganzen alltäglichen Begrüßung mit Zarah – atmet Leonie auf dem Schulweg erst mal erleichtert auf.
„Was hast du?“, will Zarah besorgt wissen.
„Ach, gar nix. Stressiger Morgen. Aber das bin ich ja gewöhnt. Du, ich muss dir was ganz Wichtiges erzählen!“, sagt Leonie.
„Okay, ich höre.“ Leonie holt tief Luft und beginnt dann zu erzählen.
„Stell dir mal vor! Ich werde Tante! Marina ist schwanger! Linus wollte voll lange nicht damit herausrücken, jetzt hat er sich endlich überwunden. Ich freu mich so! Schon Mitte April ist es so weit! Ich …“
„Leo, ich hab’s kapiert, du kannst aufhören! Aber das ist ja cool! An deiner Stelle würde ich mich auch freuen! Dabei habe ich bis jetzt immer gedacht, Tanten seien alt und verbittert“, kichert Zarah. Leonie lacht laut auf.
„Genau das habe ich auch gesagt!“ Zarah stimmt in Leonies Lachen ein.
Nach einer Schweigeminute beginnt Leonie noch mal:
„Du, da wäre noch etwas …“ Zarah wird hellhörig.
„Was denn?“
„Ach, ich habe da so einen Brief bekommen. Ohne Absender. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll“, erzählt Leonie.
„Was für einen denn? Eine Morddrohung?“, will Zarah aufgeregt wissen.
„Hey, sag mal, spinnst du? Wie kommst du auf so absurde Ideen? Also manchmal zweifle ich an deinem Verstand, echt!“, fährt Leonie ihre Freundin an.
„Sorry, ich lese zu viele Krimis“, entschuldigt sich Zarah und Leonie kramt in ihrer Manteltasche. Schließlich zieht sie den verdreckten Umschlag hervor und drückt ihn Zarah in die Hände. „Hier, lies!“
„Wow! In ewiger Liebe, oha! Bei all dem Patina auf der Freiheitsstatue, ich glaub, der ist richtig in dich verknallt. Und wieso weißt du nicht, was du davon halten sollst? Also, offensichtlicher könnte es kaum sein“, stellt Zarah fest. Leonie seufzt.
„Ach, ich weiß nicht. Er ist nur so schlampig geschrieben, auf einem Notizblatt. Ich finde, es könnte mich genauso gut jemand veräppeln. Eine verlorene Wette oder so …“, wirft Leonie ein.
„Mann, Leo, sei doch nicht so pessimistisch! Du bist doch sonst nicht so. Jungs sind eben nicht so genau wie wir. Du hast echt keine Ahnung, von wem der Brief sein könnte?“, fragt Zarah, während sie das Blatt wieder in den Umschlag steckt.
„Keinen Schimmer. Aber die Initialen haben wir, T.S. Ich denke, das könnte uns weiterhelfen. Wen kennst du von unserer Schule, der infrage käme?“, gibt Leonie Zarah einen Denkanstoß.
Diese denkt erst einen Moment nach und antwortet dann zögernd: „Also, der Einzige, der mir im Moment einfällt, ist der Timo aus unserer Parallelklasse. Der heißt doch Schmidt, oder?“
Leonie schaudert.
„Ja, der heißt so. Ach, bitte lass es nicht Timo sein! Der ist einfach nur ekelhaft und abstoßend. Ich mein, der hat doch eine Sammlung von toten Käfern. Darüber hat er mal ein Referat gehalten. Gibt es denn sonst wirklich keinen, der die Initialen T.?S. hat?“, fragt Leonie.
„Eine Möglichkeit wäre da noch. Aber wenn wir ehrlich sind, ist es ziemlich unwahrscheinlich“, sagt Zarah vorsichtig.
„Was? Sag mir, wer! Egal, Hauptsache, ich habe Gewissheit!“, fordert Leonie.
Zarah zieht die Luft hörbar ein.
„Also Tobias, der Mädchenschwarm der gesamten Schule, in der Klasse über uns. Der heißt mit Nachnamen Schuster. Das weiß ich von …“, will Zarah erzählen, aber Leonie fällt ihr ins Wort:
„Tobi? Ist das dein Ernst? Der ist so heiß! Gibt es irgendeine an unserer Schule, die nicht auf den abfährt? Ich meine, seine Haare, die blauen Augen und dann erst die durchtrainierte Figur! Der sieht nicht aus wie sechzehn, der sieht aus wie zwanzig, mindestens!“, schwafelt Leonie aufgebracht. Zarah bremst ihre Freundin.
„Ja doch! Ich weiß, dass ich mit dieser Ansicht allein stehe, aber ich finde, der ist ein verwöhnter Bengel, der alles bekommt, was er nur will“, stellt sie klar.
„Na, dann denk, was du willst. Ich jedenfalls werde ihn fragen, ob er das mit dem Liebesbrief war“, sagt Leonie entschlossen. Zarah bleibt abrupt stehen.
„Sag mal, hast du einen Vollknall? Wenn er es nicht war, dann wirst du zum Gespött der ganzen Schule! Leo, ich rate dir: Tu es nicht!“, sagt sie. Leonie zieht sie am Ärmel weiter.
„Aber vielleicht ist der Brief wirklich von Tobi“, verteidigt sich Leonie.
Inzwischen sind sie beim Schulhof angelangt. Zarah legt ihrer Freundin die Hand auf den Arm.
„Tut mir leid, Leo, nix gegen dich, aber Tobias könnte so gut wie jedes weibliche Wesen an dieser Schule haben. Wieso will er dann ausgerechnet dich?“, fragt sie langsam. Leonie schaut sie entsetzt an.
„Soll das heißen, dass ich es nicht würdig bin, mit dem tollsten Typen der Schule zu gehen?“, will sie aufgebracht wissen. Zarah schüttelt hilflos den Kopf.
„So hab ich das doch nicht gemeint! Es ist nur …“, will sie das Gesagte richtig stellen, aber Leonie unterbricht sie.
„Ach, sei doch still!“, sagt sie einige Tonlagen höher und stürmt davon. Zarah lässt sie stehen und glaubt zu sehen, wie sich Leonie mit dem Ärmel über die Augen wischt.
Oh weh, das hat sie nun wirklich nicht gewollt. Aber man muss den Tatsachen ins Auge sehen, denkt Zarah und macht sich nachdenklich auf den Weg, sich bei Leonie zu entschuldigen.

Im Unterricht antwortet Leonie auf keinen einzigen der Briefe, die Zarah ihr zusteckt. Sie knüllt sie demonstrativ zusammen und stopft sie in ihr Pult. Nach der ersten Lektion und etwa siebzehn Briefchen gibt Zarah den Versuch auf, sich schriftlich bei Leonie zu entschuldigen. Sie hofft, ihre Freundin wenigstens in der Pause zu erwischen.
Aber auch das bleibt nur ein Wunsch und so muss Zarah wieder in die Klasse gehen.

Pünktlich mit dem Klingeln huscht Leonie auf ihren Platz. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Sobald sich die Lehrerin der Tafel zuwendet, reißt sie eine Seite aus ihrem Englischheft und kritzelt darauf:

OMG! Hab ein Date mit Tobi!!!!! <3

Leonie schiebt den Zettel zu Zarah rüber, die liest ihn unter dem Pult und lächelt ihre Freundin versöhnlich an. Sie wendet den Zettel schnell und schreibt auf die Rückseite:

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 144
ISBN: 978-3-99026-546-8
Erscheinungsdatum: 19.07.2012
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