Sonstiges & Allerlei

Tabea hatte einen Traum

Elke Baumgart

Tabea hatte einen Traum

Das kleine Licht am Himmel

Leseprobe:

Es ist schon viele Jahre her, da irrte ein kleines Kätzchen ganz allein in tiefer Nacht umher Es war Winter und bitterkalt und Tabea hatte kein Zuhause mehr.
Sie wollte die letzten Bilder und Gedanken an ihre Mama in Erinnerung behalten, denn das war alles, was sie von ihr noch hatte.
Es gab kein Zuhause mehr, keine Mama und keine Geschwister. Für ihr Essen musste sie selbst sorgen, was um diese Jahreszeit sehr schwierig war, und so wanderte sie ziellos, meist hungrig und frierend, in kalter Nacht allein umher.

Jetzt dachte sie wieder an ihre Mama. Tabeas Mama war eine große, starke und wunderschöne Katze, die ihre Jungen sehr liebte. Sie schmuste und schleckte sie den ganzen Tag. Damals ging es Tabea noch gut, denn ihre Mama hatte genügend Milch für all ihre Katzenkinder. Sie war so glücklich mit ihrer Mama und ihren Geschwistern (zwei Jungen und zwei Mädchen). Ihre Bäuchlein waren immer gefüllt und sie konnten zufrieden und sicher einschlafen. Die Katzenfamilie bewohnte eine alte Holzscheune, die sehr bequem und warm war.

In der Nachbarschaft war ein Bauernhof mit vielen verschiedenen und komischen Tieren, die Tabea jedoch nicht kannte. Doch ihre Mama kam immer zufrieden von dort nach Hause und ihr Bäuchlein war gefüllt mit Essensresten und Milch von den Kühen, was auch den kleinen Kätzchen zugutekam, denn ihre Mama hatte genügend Milch für alle. Wenn ihre Mama nicht da war, tollte Tabea mit ihren Geschwistern herum, wobei die Mädchen immer die Oberhand hatten. Die Jungs waren noch etwas schmächtig und die Mädchen waren ihnen weit voraus. Doch Tabea liebte all ihre Geschwister, wusste aber, dass ihre Brüder auf sie als große Schwester angewiesen waren.

Tabea war ein wunderschönes Tigermädchen mit leuchtend grünen Augen, die wie Smaragde glänzten, und man konnte nur erahnen, dass sie einmal so schön wie ihre Mama werden würde. Sie war immer hilfsbereit, hatte ein unheimlich freundliches und liebliches Wesen und so viel gute Gedanken in sich.

Wenn ihre Mama fortging, gab sie Tabea den Auftrag, auf ihre Geschwister aufzupassen, worauf diese immer sehr stolz war und was sie mit Liebe tat.
Es war eine schöne, unbeschwerte Zeit und Tabea dachte, es würde immer so weitergehen. Sie machte sich keine Gedanken, denn sie war ein kleines Katzenkind mit einer tollen Mama, die sie alle gut versorgte, mit lieben Geschwistern und einem gemütlichen Zuhause. Für sie war die Welt in bester Ordnung. Es war ein so schönes Leben und Tabea war überglücklich. Ihren Papa kannte sie nicht, aber darüber machte sie sich keine Gedanken, Hauptsache, ihre Mama war da und schmuste immer mit ihr und ihren Geschwistern. So verging eine lange Zeit, tagaus, tagein, und man dachte nicht, dass sich je mal etwas ändern würde. Warum denn auch. Tabeas Mama erzählte vor dem Einschlafen immer, dass jedes Tier und jeder Mensch von Gott behütet und beschützt wird und dass ihnen überhaupt nichts passieren kann, wenn sie immer nett und freundlich zu jedem sind, der ihnen begegnet. Sie waren ja nett und freundlich und einfach nur glücklich, dass sie sich hatten. Was sollte sich da also ändern.

Sie wurden größer und ihre Mama war dann auch mal etwas länger als gewohnt fort, worüber sie sich keine Gedanken machten. Ihre Mama hatte sie gelehrt, auf die Jagd zu gehen und Beute zu machen, was sie schon sehr gut konnten. Ja, alle waren schon sehr selbstständig und auch stolz darauf. Ihre Brüder waren noch nicht ganz so weit, doch Tabea zeigte ihnen täglich, wie es besser ging, und so wurden auch sie mit der Zeit ganz tolle Jäger. Sie hielten zusammen, wie das eine Familie so machte.

Eines Abends warteten die Katzenkinder auf ihre Mama, doch es wurde immer später. Tabeas Geschwister hatten es sich schon bequem gemacht und schlummerten vor sich hin, doch Tabea hatte ein eigenartiges Gefühl, das sie schon den ganzen Tag nicht losließ. Schon als ihre Mama alleine auf die Jagd gegangen war, hatte Tabea so ein mulmiges Gefühl im Magen und schmuste noch einmal ganz doll mit ihr. Die Katzenmama schleckte Tabeas Köpfchen liebevoll ab und meinte: „Tabea, ich kann mich auf dich verlassen, pass schön auf deine Geschwister auf, ich bin bald wieder da.“ Irgendwie war Tabea auf einmal tieftraurig, als ihre Mama ging, und sie wusste gar nicht warum. Ihre Geschwister schliefen schon alle selig, doch Tabea konnte kein Auge zumachen und dachte nur an ihre Mama. Sie kam einfach nicht nach Hause. Tabea machte sich unheimliche Sorgen, was ihre Geschwister nicht mitbekamen.

In dieser Nacht dachte sie über alles nach, über Mama, wie sie immer so lieb zu ihnen allen war, nie schimpfte, sie immer lobte – egal ob sie es verdient hatten oder nicht –, die Kinder immer zuerst essen ließ, bevor sie selbst etwas aß. Das war ihre Mama, schön, lieb, stolz und mit so einer weichen Zunge, die sie liebevoll leckte. Jetzt fing Tabea an zu weinen, doch sie musste stark sein. Sie hatte es ihrer Mama versprochen. Also versuchte sie, sich zu beruhigen, schnurrte in sich hinein und so beruhigte sich ihr kleines Herz. Ja, so machen die Katzen das.

Die Katzenmama hat Tabea und ihren Geschwistern erzählt, dass eine Katze, wenn sie ganz doll krank ist und sterben muss, versucht, sich durch ihr Schnurren selbst zu beruhigen. Menschen meinen dann, der Katze würde es doch noch gut gehen, denn sie schnurrt ja noch. Dabei ringt die Katze schon mit dem Tode. Tabea dachte: „Hoffentlich muss ich nie so ein Schnurren anwenden, ich möchte nie in einer solchen Situation sein. Mama weiß einfach alles, sie kann uns alles erklären, versorgt uns alle und das ohne Mann, sie sagt, die sind zum Jagen eh nicht so tauglich wie wir Frauen, die meisten Männer sind sowieso Paschas.“

Tabea hatte ihre Mama gefragt: „Was ist denn ein Pascha?“ Ihre Mama hatte daraufhin gemeint: „Wenn dich ein Junge zum Essen einlädt und nichts fängt, dann jag ihn zum Teufel und renn davon, denn sonst musst du dich in Zukunft um alles kümmern und erst recht um das Essen. Dann hast du einen Pascha zu Hause.“ Tabea dachte: „Meine Brüder können doch auch gut jagen. Na ja, wir mussten ihnen doch noch einiges an Nachhilfe geben, bis dies richtig gut klappte. Also die werden bestimmt keine Paschas, oder?“ Tabea wollte lieber bei ihrer Mama bleiben und sich keinen Pascha suchen, den sie umsorgen musste. Sie wollte keinen Mann, sie wollte nur, dass ihre Mama immer bei ihnen allen blieb und sie nie verließ. Schluss, aus und basta. Tabea war fast die ganze Nacht wach, die vielen Gedanken ließen sie einfach nicht einschlafen. Sie lauschte in alle Richtungen, ob sie irgendetwas hörte. Dann erinnerte sie sich daran, wie ihre Mama immer zum lieben Gott betete. Tabea kannte ihn nicht, doch ihre Mama hatte ihr erklärt, dass ganz da oben im Himmel ein wunderbarer, netter und liebenswürdiger Mann war, der über sie alle wacht. Also betete Tabea, wie ihre Mama es immer getan hatte.

Sie sagte: „Lieber Gott, ich kenne dich nicht, doch wenn meine Mama dich kennt, glaube ich an dich und bitte dich: Wache über meine Mama und bring sie heute Nacht wieder heil zu uns zurück.“ Jetzt konnte Tabea ruhig einschlafen und hatte ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Die Müdigkeit übermannte sie und ließ sie tief und fest einschlafen. Doch auch in ihren Träumen war ihre Mama immer da. Es waren schöne Träume. Sie lag bei ihrer Mama und diese sagte zu ihr: „Tabea, du und deine Geschwister, ihr macht mir so viel Freude. Ich bin eine glückliche Katzenmama, so wunderbare Kinder zu haben.“ Tabea kuschelte sich an ihre Mama, schaute sie ganz glücklich an, lächelte und sagte: „Mama, ich habe dich so lieb.“

Die Katzenmama erzählte aber auch von den Menschen auf dem Bauernhof mit ihren vielen Tieren und sagte immer: „Vor den Tieren müsst ihr keine Angst haben, aber vor den Menschen müsst ihr euch in Acht nehmen.“ Tabea fragte: „Warum, wir kennen sie doch gar nicht?“ Ihre Mama meinte: „Es gibt liebe Menschen, die Tiere mögen, es gibt aber auch Menschen, die Tiere überhaupt nicht mögen und ihnen Leid zufügen.“ „Was ist denn Leid?“, fragte Tabea. „Ach, Tabea, nie wollte ich dir so etwas erklären, doch du bist nun groß genug, um es zu erfahren. Mache immer einen großen Bogen um die Menschen herum, vertraue ihnen nicht, denn sie können ganz böse sein und dir so sehr wehtun. Manche Menschen sperren Tiere ein, geben ihnen nichts zu essen und trinken und quälen sie so sehr, dass die Tiere am liebsten sterben würden. Ich möchte nicht, dass euch so etwas passiert, darum denkt immer an meine Worte, wenn du oder deine Geschwister Menschen begegnet.“

Zum ersten Mal hörte Tabea ihre Mama so etwas sagen. Sie hatte nie zuvor von Menschen geredet. „Machen Menschen wirklich solche schrecklichen Dinge mit uns Tieren? Warum denn, wir tun ihnen doch gar nichts.“ Tabea verstand das überhaupt nicht, doch ihre Mama meinte es ernst, sie machte auch ein sehr sorgvolles Gesicht. So hatte die Katzentochter ihre Mama noch nie erlebt.

Tabea war traurig, doch ihre Mama meinte: „Verlass dich immer auf deinen Instinkt und hör auf dein Inneres – das können wir Tiere gut –, denn es sind nicht alle Menschen schlecht auf dieser Welt. Gott hat uns alle geschaffen, zuerst die Tiere und dann den Menschen, das vergessen die Menschen nur allzu oft und denken, die ganze Welt gehört ihnen. Doch es gibt auch gute Menschen auf dieser Welt, die genauso lieb sind wie deine Mama. Wenn du diese Menschen findest – und wenn es auch nur einer ist –, dann wirst du es spüren, dein Tierinstinkt wird es dir sagen. Es gibt auch immer Situationen im Leben, da müssen wir manchmal den Menschen vertrauen, zum Beispiel wenn es einem von uns Tieren schlecht geht. Die Menschen sind sehr intelligent und haben Medizin gegen gewisse Krankheiten, die auch bei uns Tieren vorkommen können, da wäre es nicht schlecht, sich auf den Menschen einzulassen. Tabea, ich erzähle es dir nur für den Notfall, dass du weißt, was dann zu tun ist. Du bist ja jetzt schon ein sehr großes Mädchen, meine Kleine.“ So hatte ihre Mama noch nie mit ihr gesprochen, nicht über solche Dinge. Tabea war sehr verwirrt und auch traurig, da sie merkte, dass ihre Mama sich große Sorgen um ihre Kinder machte. Tabea nahm sich vor, nie krank zu werden, dann würde sie Menschen nie brauchen, ja, so wollte sie es machen. Mama lachte. „Oh Tabea, so wäre es am besten, doch denke immer an meine Worte, irgendwann wirst du dich daran erinnern müssen. Doch Schluss für heute, wir machen jetzt eine kleine Heuschlacht.“ Und schon hatte Tabea das Gespräch wieder vergessen, jetzt war Spielen angesagt. Sie tollten alle eine Stunde im Heu herum, versuchten, so viele Mäuse wie nur möglich zu fangen, und hatten einen riesigen Spaß dabei. Danach fielen sie todmüde in den Schlaf.

Am nächsten Morgen war Tabeas Mama wie zuvor: lustig, liebevoll, unbeschwert, als hätte es dieses Gespräch nie gegeben. Sie sagte: „Tabea, ich gehe jetzt auf die Jagd, pass du auf deine Geschwister auf, ich werde bald wieder da sein.“ Ja, das tat sie sehr gerne. Die Katzenkinder vertrieben sich die Zeit dann gerne mit Mäuseaufspüren.

Es war mittlerweile schon später Nachmittag und die Katzenkinder waren alle sehr müde von der Jagd. Sie legten sich zu einem Nickerchen hin und schliefen auch gleich ein. Irgendetwas riss Tabea aus dem Schlaf und sie rief nach ihrer Mama, doch diese war nicht da. Was war das? Sie hörte laute Stimmen aus der Ferne. Ein Knall, dann war es ruhig. Jetzt war Tabea ganz leise und hörte ihr Herz wie wild schlagen. „Was war das, wo ist Mama, kam das von dem Bauernhof da drüben? Hoffentlich ist ihr nichts passiert“, dachte sie. Ihre Geschwister schliefen noch immer, die bekamen wie immer nichts mit. Doch Tabea wollte sie schlafen lassen, sie sollten sich keine Sorgen machen müssen. Es reichte schon, dass sie in heller Aufregung war. Sollte sie ihre Geschwister alleine lassen und mal zu dem Bauernhof rübergehen? Ja, sie glaubte, das tun zu müssen. Vielleicht brauchte ihre Mama ihre Hilfe.

Tabea nahm ihren ganzen Mut zusammen, schüttelte die letzte Müdigkeit aus ihren Augen, streckte sich und sagte zu sich selbst: „Tabea, du gehst jetzt nach der Mama schauen, sie braucht vielleicht deine Hilfe.“ Tabea hatte so viel von ihrer Mama gelernt und konnte es jetzt unter Beweis stellen. Ihre Mama sagte immer: „Alle Fähigkeiten stecken schon von klein an in euch, man muss sie nur rauslassen und wenn die Zeit gekommen ist und mit ein bisschen Übung seid ihr wie eine Waffe.“ Dies sagte sich Tabea jetzt mit Stolz. „Also muss ich mir keine Sorgen machen. Ich bin eine Waffe, ja, Tabea ist eine Waffe.“ So machte sie sich auf den Weg zum Bauernhof. Tabea schaute noch einmal auf ihre Geschwister Felix, Flori, Tina und Tanja, die alle noch schliefen, und schlich sich ganz leise aus dem Haus, um sie nicht zu wecken.

Es war stockdunkel draußen, doch den Katzen machte das nichts aus. Sie sahen hervorragend bei Nacht und all ihre Instinkte liefen nachts auf Hochtouren. Tabea nahm alles in ihrer Umgebung wahr und schritt sicheren Fußes durch das hohe Gras. Jetzt nahm sie die Gerüche vom Bauernhof wahr, die vielen verschiedenen Tiere, ihre Laute, ihre Stimmen. Doch es roch auch nach Menschen. Es waren gute und nicht so gute Gerüche. Tabea dachte: „Hier könnten gute, aber auch schlechte Menschen sein“, deshalb wollte sie ganz vorsichtig sein und nichts übereilen.
Sie schaute überall nach ihrer Mama, doch sie sah sie nicht, es roch auch nicht nach ihr. Wo war sie nur? „Mama“, rief Tabea ganz leise, doch ihre Mama war nicht zu sehen. Jetzt schlich sie um die Bestallungen mit den großen Rindern herum. So hatte es ihre Mama beschrieben. Doch nichts zu sehen. Dann stieß Tabea auf ein Wohnhaus, aus dem helles Licht schien, und vernahm viele Stimmen. Sie schlich ganz leise an ein Fenster und schaute rein. „Komisch“, dachte Tabea, „wie sieht es denn bei den Menschen aus? Da stehen so viele komische Möbel herum und das Haus ist hell beleuchtet.“ Noch nie hatte Tabea so etwas gesehen. Die Menschen tanzten um den Tisch herum, lachten und sangen. Sie schienen fröhlich zu sein. „Vielleicht sind sie gar nicht so böse“, dachte Tabea. Doch ihre Mama sagte immer: „Lass dich nicht täuschen, man sieht es ihnen nicht an.“

Tabea ging weiter um das Haus herum. Plötzlich ein tiefes Knurren. Sie hatte es schon vorher gerochen, doch sie wollte es nicht wahrhaben. Ihr Instinkt hatte es ihr gesagt, doch sie hatte es ignoriert. Jetzt hörte und sah sie einen schwarzen, großen, zähnefletschenden Hund, der furchtbar bellte. Sie rannte, so schnell sie konnte, davon und rettete sich auf einen Baum. Von dort aus sah sie, dass der Hund ihr nicht nachkam, denn er war an einer Eisenkette angekettet. Für Tabea ein Segen, für dieses Tier eine Qual.

Tabeas Mama hatte recht, Menschen sperrten ihre Tiere ein und ketteten sie an, damit sie nicht fortrennen konnten. Jetzt tat ihr der Hund sogar leid. Doch sie musste jetzt sehr auf der Hut sein, da die Menschen durch das Bellen des Hundes aufmerksam geworden waren. Tabea versteckte sich im Dunkel der Nacht und die Leute, die aus dem Haus kamen, sahen sie nicht. Sie sagten nur: „Du blöder Köter, hör auf zu bellen! Wir wollen unsere Ruhe haben, sonst bekommst du morgen nichts zu fressen. Du bist doch für gar nichts nützlich.“
„Mein Gott“, dachte Tabea, „das ist ja schlimmer, als Mama es uns erzählt hat. Der Hund wird an einer Kette gehalten und kann nie frei rennen.“ Sie hatte tiefes Mitgefühl mit diesem Hund, der doch nur seine Arbeit machte, denn er war ein Wachhund. Ihre Mama hatte erzählt, dass Menschen Hunde als Wachhunde hielten und manche nie frei laufen konnten. Jetzt war sie sehr traurig.
Wenn Tabea sich vorstellte, dass sie jemand einsperren oder anbinden würde und sie nicht frei laufen könnte, das wäre furchtbar. „Dann will ich nicht mehr leben“, dachte sie. Jetzt verstand sie die Angst ihrer Mama. Zum ersten Mal hatte sie dieses Gefühl in sich. Angst, Trauer, das hatte sie zuvor noch nie gefühlt. Es war kein gutes Gefühl, es war sehr beklemmend. Sie musste sich jetzt zusammenreißen und sich auf ihre Aufgabe konzentrieren, denn sie wollte doch ihre Mama finden.

Plötzlich hörte sie ein Wimmern aus einer Scheune, dann vernahm sie die Stimme ihrer Mama. „Tabea“, rief sie, „hier bin ich.“ Ganz aufgeregt sprang Tabea auf die Scheune und schaute durch ein Loch in das Innere. Da lag ihre Mama. Sie sah nicht sehr gut aus und ihr Füßlein blutete. Tabea rief: „Mama, Gott sei Dank habe ich dich gefunden.“ Tabea suchte nach einer Möglichkeit, in die Scheune zu gelangen, sprang vom Dach runter und sah eine kleine Luke unten an der Scheune. Da war ein Brett etwas lose. Sie stemmte ihren ganzen Körper dagegen. Das Brett gab nach und brach nach innen ein. Jetzt konnte Tabea ihre Mama erreichen. Sie stürzte auf sie zu, kuschelte sich an sie und begann, sie liebevoll zu schlecken. Die Katzenmama sagte: „Tabea, woher kommst du denn? Du solltest doch zu Hause bleiben.“ Sie drückte ihre Tochter an sich und beide weinten vor Freude. Die Katzenmama machte Tabea keine Vorwürfe und sagte nur: „Gut, dass du da bist. Jetzt können wir beide nach Hause gehen.“ Tabea fragte: „Tut das sehr weh?“ Ihre Mama meinte: „Ein wenig, aber mit deiner Hilfe schaffe ich es nach Hause.“
Tabea stützte ihre Mama, so gut es ging, und die Katzenmama sagte zu ihrer Tochter: „Gut, dass du schon so groß bist, jetzt kannst du mir helfen.“ Auf dem Nachhauseweg erzählte die Katzenmama Tabea alles: wie sie auf das Dach geklettert war, auf dem morschen Teil ausrutschte, in die Scheune einbrach und sich dabei ihr Füßchen verletzte, das jetzt blutete. „Aber Tabea“, sagte sie, „mach dir keine Sorgen, das wird schon wieder. Ich wollte mich nur ein wenig nach dem Sturz in der Scheune ausruhen, dann hätte ich es später auch alleine geschafft. Doch ich habe immer gewusst, dass ich eine tapfere und verantwortungsbewusste Tochter habe, auf die ich mich immer verlassen kann.“

Tabea war so glücklich, ihre Mama gefunden zu haben, und sagte: „In Zukunft gehe ich mit dir jagen, so kann einer auf den anderen achtgeben.“ „Ja, Tabea“, sagte ihre Mama, „jetzt bist du erwachsen genug, dass ich dich mitnehmen kann.“ Tabea hatte so viele Fragen an ihre Mama, doch diese sagte: „Lass uns erst nach Hause gehen und morgen werde ich dir alles erzählen, was du wissen willst.“

Zu Hause angekommen, standen die Geschwister schon an der Tür und waren ganz aufgeregt, wo ihre Mama und Tabea denn gewesen waren. Sie waren aufgewacht und keiner war da gewesen. Aus der Ferne hörten sie ein Hundegebell. Ihre Mama sagte: „Alles halb so schlimm. Ich hatte einen kleinen Sturz, das heilt alles wieder. Nach dem aufregenden Tag gehen wir jetzt aber alle ins Bett und morgen reden wir dann in aller Ruhe über alles.“ Die Geschwister legten sich zum Schlafen hin. Ihre Mama schleckte allen wie immer noch einmal das Köpfchen und sagte: „Jetzt wird aber geschlafen“, doch Tabea konnte nicht an Schlafen denken. Sie hatte so große Angst um ihre Mama gehabt und hatte sie noch immer. Sie war einfach nur überglücklich, dass ihre Mama wieder zu Hause war. Tabea nahm sich vor, sie nie wieder alleinzulassen. Sie wollte sie ab sofort bei jeder Jagd begleiten.

Die Katzenmama schleckte ihre Wunden, das sah nicht gut aus. Tabea half ihr dabei, doch ihre Mama meinte: „Kind, das wird alles wieder gut.“ In dieser Nacht schlief Tabea bei ihrer Mama und ließ sie nicht mehr aus den Augen. Die Katzenmama spürte das und drückte ihre Kleine liebevoll an sich. Tabea betete in dieser Nacht zum lieben Gott und sagte: „Lieber Gott, danke, dass du über meine Mama gewacht hast, sie wieder bei uns ist und du sie mich hast finden lassen. Bitte lass meine Mama wieder gesund werden, damit wir wieder unbeschwert und glücklich sein können wie zuvor.“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 52
ISBN: 978-3-95840-596-7
Erscheinungsdatum: 01.02.2018
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