Sonstiges & Allerlei

Die Geschichte von Rune Eriksson

Norbert Vogel

Die Geschichte von Rune Eriksson

Der Zauber geht weiter, die Erben von Vindsvalur

Leseprobe:

Auch der Besitzer und die eifrigen Helfer aus der Küche war nicht entgangen, mit welch einer Härte und Schnelligkeit hier vorgegangen wird, alle haben wieder damit begonnen ihrer Arbeit nachzugehen. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, geht Thora an Rune vorbei und ist auf dem Weg zu seinem Vater. Auf Höhe von Rune bleibt sie stehen und sieht ihm in die Augen. Auch er nimmt den Kontakt zu ihr auf, beide spüren, dass auch andere Blicke sie sehen und es ist nur ein kurzer Wortwechsel, die ihre Lippen verlassen. „Die Zeit ist gekommen und alles scheint unter einem guten Stern zu stehen. Ich werde auf dich warten und du kommst wieder“, sagt sie und hat schon den ersten Fuß Richtung König wieder genommen. Es ist ein verdammt langer Abend und Åsmund hat seine Männer, jeden Einzelnen, Rune und dem Königspaar vorgestellt. Es sind die Männer, welche für die Sicherheit für ihn abgestellt werden, jeder von ihnen bekommt warme Worte von der Königin und jeder bekommt mitgeteilt, dass bei ihrer Rückkehr ein Stück Land auf sie warten wird. Vorausgesetzt sie erfüllen ihren Dienst und bringen ihren Sohn wieder heil nach Hause. Es ist schon spät in der Nacht, als Lindorm und Åsmund, Rune zur Seite nehmen und ihm Påske noch einmal vorstellen. Die beiden haben sich schon gesehen und sie haben eines gemeinsam: Beide sind zweiundzwanzig Winter alt und werden auf der Reise ihren großen Schlafsack gemeinsam teilen. Er ist sein Ruderbruder und in anderen Dingen vielleicht auch sehr ähnlich. Es wurde auch mitgeteilt, was die Seemänner und Kämpfer auf dieser Reise mitnehmen: die Kostbarkeit Bernstein, welch ihnen viel Platz für ihre eigenen Wünsche lässt. Selbst aus dem fernen Ägypten kommen Händler nach Miklagard, um diese Kostbarkeit zu erwerben und sind bereit hierfür ihre Kostbarkeiten einzutauschen. Auch habe sie Geweihe von ihren Elchen, Tatzen und Zähne von Bären sowie die Pelze und auch kostbares Eisen ist ein begehrtes Objekt zum Verkaufen oder Tauschen. Insgesamt sind es siebzehn Schiffe, drei Langschiffe und vierzehn Knorrs, welche auf diese Reise gehen, ihre bedrohlichen Drachenköpfe am Bug der Schiffe wurden abgenommen, um den Menschen, denen sie begegnen, zu signalisieren, dass sie als Händler und in friedlicher Absicht kommen. Auch die Verpflegung, welche sie mitnehmen, ist auf jedem Schiff und auf die Anzahl der Besatzungsangehörigen zugeschnitten.

Nun ist der Tag des Abschiedes gekommen und ein jeder hatte die Möglichkeit gehabt, sich von seinen Angehörigen zu verabschieden. Über Nacht hat sich das raue Wetter gelegt und am Morgen der Abfahrt liegt ein sonniger Dunst über dem Meer.
„Rune, mein Sohn, bist du dir wirklich sicher?“
Erik sieht ihn an und spürt die Aufgeregtheit seines einzigen Sohnes.
„Das bin ich und ich werde wieder zu euch zurückkommen.“
Er nimmt seinen Vater in die Arme und geht nur wenige Ellen auf der rechten Seite von ihm zu seiner Mutter. Stolz sieht sie aus, und wenn er ganz genau hinsieht, scheint sie in dieser Nacht ein wenig älter geworden zu sein. Er nimmt sie sehr lange in den Arm und keiner von beiden ist imstande ein Wort zu sagen. Nun geht er zu seiner Thora und bleibt nur einen Hauch von ihrem Gesicht stehen.
„Wenn ich nicht das wäre, was ich bin, hätte ich dich schon lange gefragt, ob du mein Weib werden willst.“
„Und ich hätte Dir schon vor langer Zeit gesagt, ich will. Geh und komme wieder zu uns zurück.“
Lindorm steht neben Åsmund, dem alles ein wenig zu lange zu dauern schien. Er wollte nun hinausfahren, der Wind steht gut und die Männer warten schon. Lindorm ist der Letzte, welcher am Steg zum Boot steht und auf Rune wartet. Alle Männer sind an Bord und Rune spürt jetzt erst, wie schwer seine Füße werden. Als er neben Lindorm steht, spürt er den Ernst der Lage, aber jetzt gibt es kein Zurück mehr.
„Nun ist der Augenblick gekommen, an dem ich mein Versprechen an dich einhalten werde, mein lieber Rune Eriksson.“
Lange und bedächtig sieht er ihn an und mit der rechten Hand öffnet er die Schnalle, welche seine Scheide von seinem Schwert trägt.
„Ich möchte es wiederhaben, wenn du deine Füße hier auf das Land wieder aufsetzst, und im gleichen Zustand, wie ich es dir übergebe.“
Ein letztes Mal sieht er sich seine Waffe an, nimmt sie in beide Hände und sieht Rune in die Augen. Lindorm sieht zum König und erhält die Erlaubnis das Besprochene zu tun.
„Knie vor mir nieder, Rune Eriksson.“
Bedächtig fällt er auf seine Knie und alle an Bord, wie auf dem Land, werden Zeuge einer Übergabe von der Waffe eines Ritters. Keiner ahnt oder weiß, dass ein zukünftiger Ritter, welcher im Namen der Kirche seine Reise antreten soll, an Bord sein wird.
„Ich zog als Waräger in ein Land, welches mein Leben wurde und ich würde mein Leben für alle Menschen geben, wenn es gefordert wird. Sprich mir nach, edler Rune Eriksson. Ich gelobe immer für das Recht und gegen Ungerechtigkeit und Böses zu kämpfen. Mein Leben werde ich geben für die Armen und Schwachen, so wahr mir Gott helfe. Mit den beiden Hieben auf die Schulter schlage ich dich, Rune Erikson, zum Ritter. Nun stehe auf und stelle dich vor mich!“
Lindorm zieht seinen linken Handschuh aus.
„Diese Schläge sollen dich erinnern an das gesprochene Wort, welches du mir gabst.“ Er schlägt Rune einmal links und einmal rechts damit auf seine Wangen. Rune hatte die Worte laut und deutlich nachgesprochen und im Anschluss des Handschuhes das Schwert erhalten. Sein Vater und seine Mutter haben alles aus einer Entfernung von vielleicht fünf Mannlängen beobachtet. Nun gehen beide auf ihn zu: „Gehe mein Sohn und Ritter vom Reich Norden, gehe und komme zurück! Wir werden auf dich warten“, ist das Letzte, was er noch hört, als er die Schritte auf die Planke setzt und in kurzer Zeit bei Åsmund ist, der nach wie vor mit offenem Mund dasteht und noch nicht ganz sicher ist, was im Moment passiert ist. Und so beginnt die Reise von Ritter Rune Eriksson nach Miklagard.

Der Abschied ist schwer und der Blick nach hinten tut weh. Doch siehst du nach vorn, so sollte es dir warm werden um dein Herz. Lebe Deinen Traum und jage ihm hinterher.

+++

Schon dreht sich Sjurd um und schleicht wie eine Katze ins Unterholz und nach wenigen Augenblicken ist er fort. Die anderen vier sehen ihn an und in den Gesichtern sieht er, dass es richtig war, was er eigenmächtig getan hat.
„Wenn das eine Falle ist, werden sie in ihren Tod rennen und wir sitzen hier und sehen uns das von Weitem an“, spricht Eivind, sieht sie an und die Augen bestätigen seine Vermutung.
„Wir werden hier nicht warten, wir gehen auseinander und laufen wie ein Geist hinter den dreien her.“ Lasse hat gesprochen und die anderen vier gehen auseinander und haben ihren Speer griffbereit in beiden Händen. Leise wie Füchse schleichen sie hinter ihnen her und jeder kann an der Seite seinen Mann sehen und sie hoffen, dass es keine Falle ist. Vielleicht ist der Hof bereits dem Erdboden gleichgemacht, und sie treffen nur auf Tote, die im Feuer ihren letzten Gang gehen.

Rune sieht es zuerst und geht aus Vorsicht in die Hocke, seine Pulsadern am Hals scheinen seinen Kopf zu sprengen, vor ihm in der Glut sieht er etwas, das wie ein Mensch aussieht, nein es sind Menschen. Daneben in der bereits abgebrannten Wiese liegt etwas, das sich zu bewegen scheint. Einen langen Augenblick beobachtet er das, was er sieht und seine beiden Kämpfer sind auch in der Hocke und sehen sich das gesamte Umfeld, zumindest das, was sie sehen können, an. Der Gestank vom verbrannten Fleisch schnürt ihnen die Kehle zu und alle tun sich sichtbar schwer mit dem Atmen.
„Was siehst du?“, flüstert Rune zu ihm. Mit einer Bewegung signalisiert er ihnen ruhig zu sein und zeigt mit der freien rechten Hand zu dem glühenden Haufen und dem etwas, das sich vor ihm bewegt. Langsam, aber sicher kehrt etwas Ruhe bei den dreien ein, und sie beginnen den sichtbaren Bereich für sich genauestens zu untersuchen. Was sie sehen und riechen können, schnürt ihnen den Hals zu. Rune und Arnold ist zum Erbrechen zumute, so stinkt es nach verbrannten menschlichen Fleisch. Vor ihnen sehen sie Pferde, tote Pferde mit aufgedunsenem Bauch, Pfeile und große Lanzen ragen aus den Körpern. Voller Entsetzen sehen sie, dass sie in einem Gebiet sind, wo noch vor kurzer Zeit ein erbarmungsloser Kampf gewütet hat. Tod und Verderben haben Einzug gehalten und vor dem großen lodernden Haufen bewegt sich etwas, das wie ein Mensch aussieht, der seinen Arm hebt, um zu signalisieren: Hier liege ich, holt mich raus, ich lebe!
Rune sieht zu Hedin und zu Arnold, dass er die letzten Yards zu der Bewegung auf allen vieren gehen wird, er kann nur ein leichtes Bestätigen der beiden durch ein Nicken ihres Kopfes sehen, und im selben Moment macht er sich auf den Weg zu dem etwas, das vor ihm liegt und bestimmt nicht mehr lange zu leben hat. Langsam hebt er seine Hände und hält sie vor die Nase. Die Nässe und der Geruch entpuppt sich als Blut zwischen seinen Fingern und ein erbärmlicher Würgereiz packt ihn erneut und er muss mit sich kämpfen, um nicht aufzustehen und einfach davonzulaufen. Nur noch wenige Yards zu der Bewegung und mit jedem Näherkommen entpuppt sich das Liegende als Mensch in einer prächtigen Rüstung, welche dreck- und blutverschmiert ist.
Immer und immer wieder greift seine Hand nach oben und möchte, so scheint es, den hell erleuchteten Mond berühren. Nur noch eine Lanzenlänge ist er von ihm entfernt, als plötzlich der Kopf in seine Richtung sieht und Rune kann erkennen, dass die Hälfte seines Gesichtes blutüberströmt ist. Ein Auge ist aufgerissen und starrt ihn ungläubig an, das andere Auge ist unter einer dicken Kruste von Blut und Dreck nicht mehr zu erkennen. Sein Mund bewegt sich, aber es kommt kein Ton aus ihm heraus. Das Einzige, was kommt, ist ein kleines Rinnsal von Blut. Er schaut noch einmal nach links und nach rechts und macht einen letzten Satz zu dem Mann, der scheinbar mehr tot wie am Leben ist.
„Ganz ruhig, ich werde dir helfen. Gibt es noch andere?“, flüstert Rune neben ihm in sein Ohr. Sein Kopf liegt auf einem abgebrochenen Schwert und daneben liegt ein Helm, der in der Sonne und wenn er vollständig sauber wäre, die Augen eines Mannes vor Gold- und Silberglanz blenden würde.
„Wo sind die Männer, meine Soldaten, sind sie noch da?“, er spukt Blut aus seinem Mund und es ist mehr ein Krächzen wie die Worte eines Kriegers, „wie viele sind es, sind sie noch hier?“ „Viele waren es, wir hatten keine Chance, von überall kamen sie und haben nicht gesprochen. Nur getötet haben diese Bastarde und wir sahen uns gegenseitig sterben. Hinter dem Leichenberg sollten sie sein. Nimm mir mein Leben und trage meinen Helm nach Konstantinopel. Dann weiß man, dass ihr König nicht mehr lebt. Versprich es mir!“ „Noch bist du nicht tot, und wenn du noch Leben in dir verspürst, kannst du deine Geschichte selbst vorbringen. Ich bin nicht alleine und nun sei still, damit wir dich mitnehmen können.“
Ruhig und mit einer für ihn nicht nachvollziehbaren Routine spricht ihn Rune an und seine Worte scheinen Wirkung zu haben. Er dreht sich auf den Rücken und winkt Hedin und Arnold zu sich. Nach endlosen Augenblicken sind die beiden bei ihm und lauschen seinen Worten, was er mit dem Mann, der schwer verletzt vor ihm liegt, vorhat. Von zwei Seiten wird dem Verletzten unter die Achseln gegriffen und er wird sehr langsam in Richtung Wald gezogen, der noch so weit weg ist, dass die drei nur ahnen können, wo er liegt.
Arnold bildet die Nachhut der beiden und bleibt noch einen Augenblick länger an der Stelle, an der der Mann lag, und sichtet das Gebiet nach Gegnern und dem, was das Feld des Grauens zeigen möchte. Die Sonne ist noch nicht zu sehen, aber die Dunkelheit verabschiedet sich und ein leichter Dunst zieht über das Feld. Was er zu Gesicht bekommt, ist schlimmer als das, was die Alten sich an den Feuern immer und immer wieder erzählt haben. Die große Glut gibt ihren Glanz an den Tag und gibt das preis, was sie die Nacht über gefüttert hatte: Holz vom Hof, Menschen und Tiere, welche dort verbrannt werden, ein widerlicher Gestank zieht über die Gegend und außerhalb des Feuers liegen die Rüstungsteile der Toten, zerbrochene Lanzen und Schwerter und eine Fahne weht verloren im Dreck. Arnold schleicht sich an die Fahne oder Banner, reißt sie vom Holzstiel ab und steckt sie in seine Tasche. An der Stelle, wo der Mann lag, sieht er einen Helm, nimmt ihn an sich und folgt den beiden so leise wie möglich.

+++

Harald Torfinsson und der alte Kapitän stehen im Burghof und sehen den Reitern hinterher. Auf seinem rechten Arm sitzt die kleine Valdis und zupft an seinem langen Bart. Dass die beiden sich so gut verstehen, ist für viele unverständlich, sobald Valdis den Arm von der Mutter verlässt und auf einen anderen außer dem des Vaters soll, ist normalerweise wildes Gebrüll vorprogrammiert. Harald stört es überhaupt nicht, er freut sich, wenn etwas Abwechslung in sein Leben kommt und an den Füßen sind Freia und die beiden Buben von Viola und Thora. Die beiden Buben sind im ersten Augenblick den vielen Pferden hinterhergerannt, aber am großen Tor hat sie Harald zurückgepfiffen. Sofort sind die beiden gestoppt und sind mit eingezogenem Kopf zurückgekommen.
„Hab ich euch erlaubt so einen Blödsinn zu machen?“, schimpft er mit den beiden und sie schauen auf den Boden.
„Kann mich auch nicht daran erinnern“, kommt es von Freia kleinlaut, die Alten sehen sich an und lachen in sich hinein.
„Kommt mit mir mit, ich muss zu den Schiffen am Strand und nach dem Rechten schauen, und ich brauch bestimmt die Hilfe von so starken Männern.“
Der alte Kapitän schaut zu Harald, der ihm zunickt. Thorbjörn und Åsbjörn sehen zu Harald und er macht eine finstere Miene zu den beiden.
„Wenn ich höre, dass ihr Ärger macht, gibt’s von euren Eltern den Hintern versohlt und nun verschwindet.“
Wie der Blitz rennen die beiden zum Ausgang, der zur Meerseite führt.
„Pass mir auf die beiden auf.“
„Werde mir Mühe geben, Vater“, verspricht der Kapitän und selbst Harald muss nach dieser Aussage lachen.
„Du bist doch nicht sein Papa?“ Freia sieht ihn fragend an.
Harald geht auf die Knie, um Valdis auf ihre eigenen Füße zu stellen.
„Nein, das bin ich nicht, er wollte uns nur zum Lachen bringen, meine kleine Maus.“
Harald steht wieder auf und Valdis hält sich an seinen Waden fest.
„Schaut nicht so blöd, an die Arbeit, sonst setzts was“, brüllt er den Männern und Frauen zu, die schmunzelnd die Unterhaltung mitbekommen haben.
Er bückt sich wieder, um Valdis zu sich hochzuholen.
„Ich denke, wir gehen hinein, wärmen uns auf und sehen nach den Zimmern für den Besuch.“ Seine linke Hand geht nach unten und Freia greift wie selbstverständlich danach. Zu dritt gehen sie ins Gebäude und zuerst in die große Küche, wo sie sich ein Frühstück genehmigen. Sie bekommen von Küchenpersonal etwas zu trinken, auch Harald will eine warme Milch haben und nun sitzen sie zu dritt am großen Holztisch und Freia auf dem Schemel. Die kleine Valdis spielt auf seinem Schoß mit ihren Fingern in der warmen Milch.
„Wenn das Mama sieht, würde sie mit dir schimpfen.“
Freia versucht ihre Mutter zu ersetzen und Harald stupst sie nur mit dem Arm an.
„Ist schon gut, kleine Fee.“
Als wenn Valdis es verstanden hat, versucht sie aus dem großen Holzbecher einen großen Schluck zu nehmen, wobei über die Hälfte auf den Waffenrock vom stämmigen Harald geht. Das Personal zuckt zusammen, sie haben Sorge, dass er gleich losgebrüllt und irgendetwas in die Ecke schmeißt, aber es kommt ganz anders.
„Bei Thor, Valdis, hat der Onkel nicht aufgepasst, jetzt sind wir beide ganz voller Milch.“ Und alle lachen. Er nimmt die Kleine vom Schoss und setzt sie auf den Tisch.
„Freia, sei bitte so lieb und hole mal einen Lappen und bring gleich noch einmal Milch mit!“
Vorsichtig tupft er die Kleine ab und danach sich selbst.
„Ich hoffe, dass es keiner von euch Mama sagt, das bleibt unser Geheimnis“, meint er leise zu ihnen und Freia nickt schnell. Valdis hat schon wieder ihre Hände in seinem grauen Bart vergraben. Danach gehen sie in den ersten Stock und begutachten alle Zimmer für die Gäste und natürlich auch ihre eigenen. Valdis ist auf seinem starken Arm eingeschlafen und ihr Mund ist das Einzige, das noch eine Regung zeigt. Kontinuierlich geht er auf und zu und sie schlummert den Schlaf der Gerechten. Zuletzt gehen sie in seine Räume und dort sieht es sehr schlimm aus.
„Wenn du eine Frau hättest, würde es nicht so aussehen.“
„Da magst du ja recht haben“, aber er macht trotzdem keine Anstalten zum Aufräumen. Er legt die Kleine auf sein Bett und wickelt sie in ein großes gegerbtes Fell ein, nur ihr kleines süßes Gesicht schaut noch heraus.
„Wollen wir ein wenig aufräumen, hilfst du mir?“
Freia stemmt wie eine Mutter beide Hände in die Hüfte.
„Das hätte ich mir denken können, aber gut, die beiden Schwerter am Feuer werden wir an die Wand stellen und dem Boden werden wir auch ein wenig aufräumen.“
Gesagt, getan, die kleine Freia müht sich ab und Harald räumt auch ein wenig Dinge von der rechten Seite auf die linke und so weiter, es dauert nicht lange und er steht wieder am Fenster und sieht zum Meer hinaus. Das ruhige Schlafen und Atmen, das er hört, überträgt sich auch auf ihn. Innerlich ist er aufgewühlt und weiß vor lauter Arbeit nicht, was er zuerst tun soll, aber heute ist ein Tag, wo er die beiden Kinder um sich hat und sich innerlich fragt: Warum habe ich keine Frau an meiner Seite, keine Kinder, die meinen Namen tragen?
Ich bin schon so alt, ich könnte von meinen Kindern schon Enkel haben und eine Frau. Fragen, die er sich selbst nicht beantworten kann und auch nicht möchte, aber sie lassen ihm keine Ruhe und quälen ihn im Innersten. Sein Blick wandert aus dem Fenster auf die herrliche Aussicht zum Strand, wo die Schiffe liegen und er ist der Meinung, den alten Kapitän mit den beiden Kindern gesehen zu haben. Im Hintergrund ist Freia zu hören, die scheinbar das Aufräumen eingestellt hat und sich auf dem Boden mit anderen Dingen beschäftigt, der Tag ist bereits fortgeschritten und am späten Nachmittag hat er vollkommen die Zeit vergessen, als im Hintergrund eine Stimme spricht, die er nicht zuordnen kann.
„Vorsicht, das ist eine Waffe, du kannst dich verletzen.“ Er hört Schritte auf dem Holzboden und wieder diese Stimme.
„So etwas gehört nicht in die Hände von Kindern, räume das Schwert weg!“ Energisch und in einem Befehlston werden die letzten Worte gesprochen und Harald dreht sich und blickt in Augen, die es um ihn geschehen machen und seinem Gegenüber geht es genauso.
„Wer bist du, Weib? Weißt du nicht, wer ich bin?“ „Woher soll ich wissen, wer du bist? Das ist ein Kind und Waffen gehören nicht in ihre Hände.“



Kurze Anmerkung

Es ist der Bereich, der zur heutigen Zeit den Namen Härjedalen trägt. Man fährt nach Hede und biegt im Ort Richtung Särvsjö ab. Es sind ca. 32 km und man steht vor dem See, der in Band 1 beschrieben ist. Der See trägt den Namen Nedre Särvsjön. Aber Achtung, bei Google Maps heißt der See anders. Dort ist er unter dem Namen Stor-Lidtjärnen aufgeführt, der leider falsch ist. Google Maps weiß eben doch nicht alles! Dort lagen im 2. Jahrhundert die Langschiffe und in der Mitte war das große feste Floß gewesen. Warum der See nicht in Band 2 angesprochen wird, werdet ihr euch bestimmt fragen? Es sind mehr als sieben Jahrhunderte vergangen und das haben die Langschiffe nicht ausgehalten und die große Feste im Osten wurde erbaut und man benötigte den Schutz auf dem Wasser nicht mehr. Es ist eine der schönsten Wildnisse in Schweden. Die Grundmauern der großen Feste wurden bis jetzt noch nicht gefunden, dennoch spürt man die großen Kräfte von Reich Norden. Und wenn man in der Nacht genau hinhört, spricht der Wind mit euch und ihr spürt den Herrscher der Zeit!

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 696
ISBN: 978-3-99048-125-7
Erscheinungsdatum: 29.10.2015
EUR 29,90
EUR 17,99

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