Sonstiges & Allerlei

Der blaue Kranich

Aly El Ghoubashy

Der blaue Kranich

Leseprobe:

Vorwort


Meine Erkundungen in der arabischen Welt waren sporadisch. Die Erinnerungen daran verblassen immer mehr. In den Gedanken an diese wenigen Reisen tauchen viele Begegnungen mit freundlichen Menschen einer mir fremden Kultur auf. Lebhafte Gespräche, in denen sie versuchten, mir ihre Welt und ihre Sicht auf die Welt zu erklären. Sie haben mir damit vor allem ihre Sehnsüchte beschrieben und sie haben mir Hoffnung gegeben, dass die Welt keine schlechte ist und irgendwann doch noch besser wird. Wohlwollend, hilfsbereit, gastfreundlich, offen, das sind die Adjektive, die mir einfallen und die ich in den Erzählungen über meine Reiseerfahrungen freudig verwendet habe.

Heute spüre ich, dass ich diese unterbrochenen Erkundigungen in der arabischen Welt nicht mehr einfach so aufnehmen und fortsetzen könnte. Die Welt erscheint mir kleiner, ein Teil dieser Welt ist für mich nicht mehr erreichbar, reisend nicht mehr erlebbar. Die Gerüche der Suks, der Qualm der Wasserpfeifen, die trockene Hitze der Wüsten, das Gewurrl auf den Boulevards der Städte - diese Welt erscheint mir wie entzogen.
Mit den Geschichten, die mein Freund Aly El Ghoubashy erzählt, taucht diese verlorene Welt wieder vor meinem Auge auf. Die Gerüche, die Hitze, aber vor allem die Sehnsüchte schimmern durch die Geschichten hindurch und entschädigen mich eine Zeitlang für die fehlende reale Erfahrung. Und das, obwohl es Geschichten aus zwei Welten und aus unterschiedlichen Zeitfenstern sind. Sie sind von hier und jetzt, aber auch von damals und dort. Ein Wechselspiel des sehnsüchtigen Erzählens von Kindheitserinnerungen in Ägypten und beschreibenden Annäherungen an den mitteleuropäischen Alltag.

Die Geschichten sind mir vertraut, richtiger: die Art und Weise, wie Aly sie erzählt. Dies mag auch daran liegen, dass ich mit meinem Freund schon auf Reisen war - dort - und ihn dabei erlebt habe, gesehen habe, wie anders und entspannt er dabei war, wie er in seiner Heimat ist und wie anders in seiner Wahlheimat.

In dieser Wahlheimat ist er heimisch geworden und doch fremd geblieben, sodass er gar nicht anders kann, als die Unzähligen zu unterstützen, die auch heute noch und immer wieder, trotz aller Gefahren und Widrigkeiten, Ablehnungen und Kränkungen eine Wahlheimat suchen. Diesen Suchenden und Ankommenden steht Aly El Ghoubashy helfend, orientierend, wegweisend, illusionsraubend, zurechtrückend und lehrend, stark und stärkend zur Seite.
Er kann das, weil er es durchlebt hat.
Er weiß es, weil er Abstand dazu hat.
Er hofft, weil seine Geschichte Anlass dazu gibt.
Er hat seine Geschichten aufgeschrieben.
Also.
Lesen Sie selbst.

Dr. Gerhard Pusnik







Ich über mich und meine Geschichten


Ich bin oft vor dem Meer gesessen und habe davon geträumt, es irgendwann zu überqueren, Richtung Westen.
Nachdem ich das Studium und den Militärdienst abgeschlossen hatte, spielte ich mit dem Gedanken, eine Doktorarbeit über die alternative Architektur zu schreiben, einen Teil dieser Arbeit sollte ich in Europa absolvieren.
Gesagt, getan. Ich stieg in eine Lufthansamaschine, den blauen Kranich, um im großen deutschen Sprachraum zu landen, ja, bei Ihnen!
Hier lernte ich Deutsch, begann zu studieren und arbeitete nebenbei. Ich habe mein Fremdsein gelebt, erlebt und genossen.
Ich bin mit Vorstellungen, Erwartungen und Hoffnungen gekommen, doch die reale Welt hatte mich eingeholt, verändert und in mir neue Träume geboren.







Auf dem Weg zu Ihnen


Ich danke Allah, nachdem ich gegessen habe. Ein Schild weist darauf hin, dass dieses Essen kein Schweinefleisch enthielt. Ich trinke Tee ohne Geschmack. Die Sitznachbarin rät mir: „Vergiss den Tee bei uns, trink nur Kaffee! Guten Tee gibt es nur in Ostfriesland.
Warum verlässt du dein warmes Land und gehst in die kalte klare Ungewissheit? Ist es nicht ein Wagnis?“
Sie ist die erste Ausländerin, die mir eine solche Frage stellt. Ich finde keine Antwort, die sie überzeugt: „Studieren, arbeiten und Erfahrung sammeln. Wir jungen Leute haben viele Filme von euch, über euch, gesehen, viele Bücher, die ihr geschrieben habt, gelesen, wir haben uns lange Zeit in der Zelle eines alten Traums eingesperrt. Wir besitzen einen heftigen Drang, euch zu erleben, in euren Ländern, ohne Schauspieler, Regisseure, ohne Drehbücher, Fotos, Zeitungsberichte, Übertreibungen und Lügen. Außerdem möchte ich eure Nähe spüren.“

Der Flughafen ist unter mir, er ist ganz anders, als der, den ich verlassen habe. Die Flächen zwischen den Landebahnen sind grün, üppig grün, so unwirklich! Die Sonne scheint, sie lässt ihren Sohn seit seiner Abreise nicht im Stich. Ich bedanke mich bei den zwei Flugbegleiterinnen und dem Piloten, die sich von den Fluggästen verabschieden. Ich steige vorsichtig die Treppe hinunter. Dies ist der entscheidende Moment: ich berühre den Boden des Kontinents EUROPA als wäre ich der Astronaut, der die ersten Schritte der Menschheit auf dem Mond gegangen ist. Ich gehe zum Bus, der auf uns wartet.

Die Maschine übergibt mich der Bundesrepublik Deutschland. Ich bin jetzt im Land von … Goethe, Schiller, Brecht, Beckenbauer. Im Land des Feldmarschalls Erwin Rommel, im Lande der strengen Ordnung und Genauigkeiten. Das Land, das Mercedes, Leica und Sinalco herstellt. Das Land des Bauhauses, Bismarck, James Last, Made in West Germany und der Baader-Meinhof-Bande. Ich bin in einem Land, das keine arabischen Emotionen kennt. Ich bin in dem Land, das mit Italien und England Millionen tödliche Minen in Al-Alamein verpflanzt hat …







Ankunft


Der luxuriöse Flughafenbus trägt dich, deinen Koffer, dein Erstaunen, viel Optimismus und wenige Fahrgäste in die Mitte einer Stadt, deren saubere Straßen, deren Hausfassaden, deren Farbharmonie, deren Bäume, Blumen, Geschäfte dich mit ihren Namen begrüßen. Ach! Deine Augen lassen dich nicht ruhen, sie wollen die Stadt durch die sauberen Glasscheiben eines noch saubereren Busses bewundern. Was ist das? Wer sind sie? Du hast Fotos gesehen, Filme angeschaut, viel gehört, gelesen. All das konnte nicht genau vermitteln, was du jetzt berührst, siehst, riechst, empfindest. Orte empfangen dich mit Gelassenheit, wunderbarer Stille und einer Unsicherheit, die von Geheimnissen umgeben ist. Die Plätze, Kreuzungen, Verkehrsregeln, Parzellen, Schilder und der saubere, glatte Asphalt, die Fußgänger und die Autofahrer respektieren die Ordnung. Der öffentliche Raum ist voller Bewegung und Fleiß, die Menschen eilen und trotzdem gibt es kein Geschrei und keinen Lärm. Die Autos hupen nicht, sie stören weder die Kranken noch die Gesunden. Die Verkehrsampeln sind hier keine Empfehlung, sondern Rot heißt Stopp! Bei jedem Blick siehst du architektonische Perlen und Diamanten, imposante Gebäude aus der Zeit des Mittelalters bis zur Gegenwart.

Der blaue Kranich hat dich entführt, aus einem Land, das sein Verkehrssystem der Städte und Dörfer noch nicht organisiert hat. Das Flugzeug hat dich von deinem Bruder und deinem Vater, die dich frühmorgens zum Flughafen begleitet, dich verabschiedet haben, weggerissen. Es hat dich in ein Land befördert, dessen Schönheiten, dessen Geschmack dein ägyptischer Kopf nicht erfassen kann, und dieser Zustand dauert an. Damit die Stadt dich fasziniert, verführt sie dich mit einem Zauber, den du dir von deinem chaotischen Land wünschen würdest. Du bist nun scheinbar auf dem Gipfel der Seligkeit.

Die Maschine hat dich von deinen täglichen Rhythmen, deiner vermeintlichen Arbeit, der Langeweile, den verschlafenen Kaffeehäusern, den Vorstellungen und Wünschen, den Gesprächen über die Politik des Staates, von unfruchtbaren Diskussionen, die niemandem Nutzen bringen und zu keinem Ergebnis führen, und von deinen Freunden, die auf Erfolg, Geld, Heirat und Befreiung ihrer Köpfe von den dicken Fesseln hoffen, weggenommen. Deinen Freunden, die sich des Stacheldrahts, der ihre stillgelegten Energien umkreist, entledigen wollen. Deinen Freunden, die auf ein Visum warten - egal für welches Land -, das sie retten würde, nachdem ihr Schiff langsam sinkt. Du hast sie, während sie um die Hoffnung auf ein besseres Leben betteln, verlassen.

Du bist jetzt in einem fremden Land, in einer anderen Stadt, auf einem neuen Kontinent, zwischen anderen Menschen und einer Sprache, an die sich deine Ohren noch nicht gewöhnt haben. Hier und jetzt realisiert sich gerade der erste Teil deines alten Traums. Dort standest du am Strand des blauen Meeres, dich fragend, wann und wie du ans andere Ufer gelangen könntest. Jetzt bist du am anderen Ufer. Die Boeing hat dich Meer, Gebirge, Täler, Felder, Weideland, Dörfer und Städte, überqueren lassen. Das physikalische Gesetz des Fliegens hat alle Grenzen und Barrieren, die dein Kommen nach Europa verhindert haben, gelöscht. Es hat dir einen Weg geebnet für deine Wünsche und Ziele. Lufthansa öffnet dir die Türen in den deutschen Sprachraum.







Erste Eindrücke


Ich betrachte die Gesichter vor mir, hinter mir, neben mir, die Kleidung, die Hüte, die Haarschnitte und ihre Farben, wunderbare Frauen, starke, große Männer. Die Leute um mich herum sind in Eile, sie beachten den neuen Ägypter, der aus dem alten Ägypten kommt, nicht. Niemand begrüßt mich, außer den mich umgebenden Dingen. Jeder/jede geht in seine/ihre Richtung, verfolgt sein/ihr Ziel. So viele alte, aufrechte Menschen! Sie tragen elegante Kleidung, gehen schnellen Schrittes irgendwohin. Wo sind ihre Kinder? Der Rhythmus des Geschehens, das mich in diesem Moment umgibt, ist nicht vergleichbar mit demjenigen, der mich gestern umgeben hat. Alle hasten so fleißig. Wohin?
Ich habe Kairo vor ein paar Stunden verlassen und ab heute sind meine vergangenen Tage süße, schmackhafte Erinnerungen. Du wirst sie bestimmt ab und zu gerne wiederkauen. Der Klang der Sprache, den meine Ohren empfangen, und die Buchstaben, die meine Augen irritieren, sind ungewöhnlich. Ihre akustischen Signale sind merkwürdig. Wie können diese Menschen ihre Buchstaben aussprechen? Die Wörter auf den Fassaden, über den Geschäften, auf den Plakaten und in den Zeitungen zeigen mir meine Unwissenheit und meine Angst vor dieser Sprache. Es gibt keinen Schimmer von Hoffnung, der mir helfen könnte, die Bedeutung der Wörter zu erahnen. Die Zunge kann nicht einmal die Namen der Straßen oder der Plätze aussprechen.







Dein Leben wird Kopf stehen


Du hast in Ägypten nur vage Vorstellungen gehabt, aber wie die Träume tatsächlich mit allen Ecken und Enden aussehen, daran hast du nicht gedacht. Du bist allein, hast keinen Vater, keine Mutter, keinen Bruder, keine Schwester. Du wirst die Überschwemmungen, Lawinen und Vulkane deines neuen Lebens alleine bewältigen müssen. Mit niemandem, außer mit dir, wirst du diskutieren. Keinen Rat wirst du einholen, um eine Entscheidung zu treffen. Ab heute wirst du die Entschlüsse mit keinem teilen. Wie wirst du das machen? Du musst zuallererst lernen, wie du einen aufrichtigen Dialog mit dir selbst führst. In Ägypten warst du versunken und verloren in einem Sumpf, so wie alle deine Kameraden. Es ist ein großes Unterfangen, Verantwortung zu tragen. Wie kannst du dies in einem fremden Land machen? Wie kannst du dich schützen? Die ganze Zeit in einer fremden Sprache, in der fremde Leute wohnen, sprechen. Wie kannst du dich von einem Akkusativobjekt zu einem Nominativsubjekt verwandeln? Lange Zeit wurde alles für dich gemacht. Du wirst sicher anders sein. Aber wie kannst du die schweren Lasten, die auf dich zukommen, tragen? Wird diese Last dich verändern? Du hast keine Ahnung! Dein Vater sagte dir beim Abschied: „Verlasse den Weg nicht. Vergiss deine Ziele nie und inschaAllah wirst du dich in diesem Labyrinth finden.“ Dein Leben verändert sich, ob du willst oder nicht. Aber wie? Wann? Warum? Und wozu?







Zweite Eindrücke


Ich bin immer noch beeindruckt. Die zweiten Eindrücke holen mich ein: „Junge, geh nach Hause! Du wirst hier bestimmt als Vagabund leben.“ Ja, nein, ja, nein, nein, ja … Die deutsche Sprache fließt aus den Mündern ihrer Besitzer und versichert mir, dass ich nicht mehr dort, sondern hier bin und unter anderen Lebewesen leben werde. Werden sie mich akzeptieren oder ablehnen? Wird die Sprache mich daran hindern, mein Ziel zu erreichen? Die Fragewörter häufen sich zu Sätzen, um einen Berg von Fragen zu stellen. Die Leute sind wie ein Buch, das in einer Sprache, die dich schwindlig macht, geschrieben wurde. Ich bin noch am Beginn, bin Analphabet, habe noch nichts gelernt. Sie sind dicke, schwere Lexika, deren Inhalte nicht wie ihre bunten Umschläge aussehen.

Die Sprache, die ich jetzt höre, versichert mir, dass ich endgültig von meinem Land, meiner Familie und meinen Freunden getrennt wurde. Die Kleidung und die Hautfarbe sagen mir, dass ich tatsächlich meine Heimat verlassen habe. Die endgültige Abnabelung findet hier und jetzt statt, ich bin ein Fremder geworden. Wie lange habe ich auf so einen Moment gewartet? Spüre ich das Fremdsein? Ja? Nein? Doch im tiefen Innern schlummert ein Glücksgefühl. Dieses Gefühl will nicht herauskommen, um mir zu gratulieren, dass ich da bin, sondern Sorge und Angst beherrschen mich. Es ist mir gelungen, das Meer zu überqueren, das Wort „dort“ ist „hier“ geworden. Ich bin bei den Völkern der reichen, zivilisierten Welt, aber meine Seele schwebt immer noch dort. Ich sitze in einem Park, bestaune die Enten, die Schwäne. Meine Füße haben die fremde Erde, auf der fremde Menschen leben, betreten, nein, nein, ab heute bin ich … der Fremde, der mit ihnen lebt, der den Menschen mit seinen Sinnen alle Erscheinungen der Ästhetik, der Errungenschaften stehlen wird und sie werden es nicht merken. Plötzlich sind die Touristen in Ägypten Inländer geworden und du bist Ausländer. Du bist AUSländer.







Ich bin Analphabet


Ich verstehe nun, was es heißt, Analphabet zu sein. Oft habe ich als Kind meinen Nachbarn Briefe vorgelesen, da sie nicht lesen und schreiben konnten. Sie verstanden die Sätze wohl, ich nicht. Und jetzt? Ich bin immer noch ein Kind! Ich könnte nicht verstehen, wenn mir nun jemand etwas auf Deutsch vorlesen würde. Der Zug übergibt mich, meinen Koffer und meine Hoffnungen meiner neuen Stadt. Diese Stadt wischt den Staub, der auf meinen arabischen Jahren, Tagen, Stunden, die mir mein Alter gegeben haben, liegt. Diese Stadt nimmt mir die Scheu, mich und meine Einstellungen kritisch zu betrachten. Ach! Die deutsche Fluggesellschaft hat mich und meine Träume nicht nur von einem Platz zu einem anderen, sondern auch von einem Zeitalter in ein anderes gebracht. Lufthansa ist in einem Jahrhundert, in dem dein Volk, die Araber, noch nicht gelebt haben, gelandet.







Dritte Eindrücke


Ich habe mich noch nicht an die Gerüche der Körper in den öffentlichen Verkehrsmitteln gewöhnt. Gerüche von parfümierten Seifen. In den Geschäften rieche ich gute Düfte, aber ich kann mich nicht mit dem Geruch von gebratener oder gekochter Wurst, die überall mit Senf für jene, die in Eile sind, angeboten wird, anfreunden. Ihr Geruch hält meine Nase fest, so fest, dass ich den Platz verlassen muss. Die Ausdünstungen, die überall in der Stadt schweben, sind so intensiv und eigenartig. Ich brauche Zeit. Die Gerüche entsprechen keiner alten Erinnerung meiner Nase. Verschüttetes Bier und Wein am Boden verderben die Schönheit und Sauberkeit mancher Plätze, die mich umgeben. Mein Geruchssinn bereitet sich auf neue Entdeckungen vor.

Die Augen sind verwirrt, sie wandern zwischen Menschen, Schaufenstern, zwischen Straßen, Mode und Gesichtern von Frauen, die scheinbar keine Hemmungen haben. Sie schämen sich nicht, so viel von ihren Körpern herzuzeigen. Ach! Endlich ist die Frau da, die Blondine, mit ihren Knochen und Blut. Sie ist kein Bild mehr in einer Zeitschrift, auf der Kinoleinwand, kein Hirngespinst mehr. Sie ist keine Verführerin, wie die anmutige Blondine in den Kinos von Metro, Al-Hambra, Amir, Realto. Sie ist so ernst und streng. Sie arbeitet wie die Männer, geht an mir vorbei und schenkt mir keine Sekunde von ihrer Zeit, schaut mich nicht einmal an, kein Interesse, empfängt mich nicht wie die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg, die ihr Land befreit haben, mit Blumen und Küssen. Sie fällt nicht auf meine Liebe herein, ich, der Orientale, der aus den Tausend-und-eine-Nacht-Geschichten gekommen ist. Der Morgenländer, der mit Zauberei, Seide, Parfüm, Teppichen, Dichtung und mit dem Respekt für ihre reizvolle Schönheit, die die Männer ihrer Heimat vernachlässigt haben, angekommen ist … die Männer, die sie durch Wein und Bier kompensiert haben, wie manche morgenländischen Vorstellungen meinen.

Die Stadt gibt mir viel zu wenig von ihren Geheimnissen Preis. Sie schenkt mir jeden Tag ein bisschen, und ich bin genügsam mit dem, was die Überraschungen der Tage mit sich bringen. Egal, wohin ich meine Augen richte, finde ich Autos, die ich nie gesehen habe. Sie rauben mir meine Blicke mit ihren Farben, eleganten Designs. Keine Kratzer, keine Wunden. Sie flitzen mit Männern und Frauen, die so gesund, glücklich und wohlhabend aussehen, manchmal verrückt und eitel. Ich stehe neben einem Sportwagen, Porsche 911, ich berühre ihn. Keine Halluzination, ich bin nicht im Kino, es ist Realität. Die Autos sterben hier…so jung, bei uns erleben sie die Auferstehung, drei-, vier-, sogar fünfmal. Der neugeborene Porsche nimmt mich zurück: „Hallo Freund!“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 214
ISBN: 978-3-99064-192-7
Erscheinungsdatum: 22.05.2018
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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