Science Fiction & Fantasy

Toilania

Cluti C

Toilania

wird dich finden

Leseprobe:

Vorwort

Es kann dich jederzeit und überall erwischen. Solltest du jemandem etwas versprechen, dann halte es ein. Solltest du das vergessen, wird dich irgendwann Toilania finden.
Du wirst mit deiner Familie und Freunden geholt. Du glaubst, dass es deine Idee war, hierherzukommen? Das ist falsch, es ist deine Schuld, dass alle hierherkommen mussten.
Deine Versprechen müssen erledigt werden, ein offenes Versprechen nimmt Zeit in Anspruch.
Die Zeit und der Ort können besser genutzt werden.
Wenn du alles erledigt hast, dann darfst du wieder nach Hause.
Alles kann hier sprechen, auch deine unerledigten Aufgaben. Du kannst etwas mit deinen Gedanken bewegen. Aber nur einmal in der Helligkeit.
Die Wesen, die dir bei deinen Aufgaben helfen, sind nicht immer hilfsbereit.
Wenn du dich jetzt an deine unerledigten Versprechen erinnerst, musst du sie sofort erledigen, oder hast du keine gemacht?
Wenn du durch einen Park gehst und der Baum sagt „Hallo“ zu dir, oder von unten schreit dich eine Schnecke an: „Kannst du nicht aufpassen, wo du hintrittst?“, oder es quatscht dich eine Feruse an, dann bist du schon hier, in Toilania.
Das Inserat
Aufgeschlossene Menschen für einen Workshop gesucht.
Einige Voraussetzungen bestehen,
ihr solltet zwischen 35 und 45 Jahre alt,
mindestens 10 Jahre fest liiert und kinderlos sein.
Es geht um einen Geldgewinn in der Größenordnung,
von der gesagt wird, sie wird dein Leben für immer verändern.




Tag 1

Es hatten sich 80 Paare schriftlich für diesen Workshop beworben, diesen riesigen Berg an Bewerbern konnte ich nicht allein auswerten, also kamen alle zusammen, mit denen ich die Idee zu dem Workshop hatte. Die Personen gehörten zu meiner Familie und einige kamen aus meinem engsten Freundeskreis. Dazu sollte ganz klar sein, es ging hier nicht um einen Workshop, wie ihn der eine oder andere schon erlebt hat. Denn ein Workshop ist nichts weiter als ein Lehrgang mit vielen Teilnehmern. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, in einem Workshop so viel Geld zu verdienen, um ein neues Leben zu beginnen. Dazu später mehr. Nun ging es darum, die richtigen Paare zu finden, die für so einen Workshop geeignet sind. Ein paar Tage zuvor suchte ich über eine weitere Anzeige Menschen, die sich nebenbei etwas Geld dazuverdienen wollten und eine vertrauenswürdige Position einnehmen würden. Ich habe allen einen bestimmten Betrag versprochen, die heute um 14 Uhr zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen würden. Ich betrat die Halle, die ich hierfür gemietet hatte. Dort saß meine Bekannte, sie schaute mich an und sagte, es seien so um die 40 Personen. „Alles klar“, erwiderte ich und ging in den Raum, wo die Bewerber saßen und schon auf mich warteten. Ich begrüßte alle und sagte, dass ich gleich zur Sache kommen würde. Ich suchte zwei Personen, die absolut vertrauenswürdig wären und für eine etwas größere Summe eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Dies wiederum hat sich nicht als so einfach herausgestellt, wie es sein sollte. „Was bedeutet das denn?“, wollte einer der Anwesenden wissen. „Alles, was ihr in dem Zeitraum von ca. 8 Tagen erfahrt oder erlebt, sollt ihr für euch behalten und mit niemandem darüber sprechen.“ Der Nächste fragte, ob die Personen 8 Tage hierbleiben müssten. „Das ist richtig“, sagte ich. Mehr als die Hälfte der Bewerber verließen den Raum.
Ein anderer fragte, wie groß die Summe sei. Ich rief ihm zu: „Das ist mehr als das Vierfache von dem, was ihr heute bekommt.“ Dann sprach jemand die Aufgabe, welche mit dem Geld verbunden ist, an.
„Aufgepasst, und genau zuhören“, sagte ich zu den übergebliebenen Anwesenden etwas energischer. „Es ist nur eine Aufgabe zu erledigen, für die zwei Auserwählten, welche heute, hier und jetzt ermittelt werden. Es werden von mir Fragen gestellt, in einem Workshop mit 16 Teilnehmern oder Kandidaten, darauf sind Ergebnisse zu erwarten. Ihre Aufgabe ist es, das Ergebnis, zu nennen und für immer zu vergessen. Detaillierte Informationen erhalten dann die zwei Personen, die hierfür geeignet sind, oder die beiden, die es sich zutrauen.“ Das habe ich mir einfacher vorgestellt, dachte ich mir so. „Wie, für immer vergessen?“, fragte einer der Bewerber „Das kann ich nicht.“ Daraufhin sagte ich zu allen: „Leute, ihr bekommt viel Geld für diese eine Aufgabe. Ich erwarte dafür nur eines, dass ihr alles, was im Workshop an Ergebnissen ermittelt wird, für euch behaltet. Nur ihr seht das Ergebnis; noch nicht einmal ich werde es erfahren. Egal wie es ausfällt und wie schwer es ist. Ganz wichtig ist für euch: Mit keiner Miene dürft ihr euch etwas anmerken lassen. Jede Person, die am Workshop teilnimmt, wird euch im Auge haben. Egal, was ihr macht, die Personen werden etwas in euren Reaktionen bzw. Gesten – und wenn es nur Augenrollen ist – hineininterpretieren.“ Einer der Anwärter sprach laut in den Raum: „Man könnte eine dunkle oder verspiegelte Brille tragen, damit ist es schwer, Gesichtszüge zu erkennen.“ „Na, da ist doch schon mein erster Richter am Tisch.“ Der junge Mann sagte auch gleich zu, jedoch nur unter einer Bedingung. „Bitte, ich möchte hier meinen Namen nicht bekannt geben müssen.“ „Das ist zwar etwas ungewöhnlich, aber das ist genau diese Art, die wir wollen. Ab jetzt bist du Richter 1 und bekommst deinen Lohn in bar. Du bekommst von mir ein Mobiltelefon, damit ich dich erreichen kann. Ist hier noch jemand, der sich für diese Aufgabe berufen fühlt?“ Eine zarte Stimme von etwas weiter hinten versuchte sehr laut zu rufen: „Ich möchte die zweite Person sein!“ „Okay, dann habe ich nur noch eine Frage an meine zwei Richter, kennt ihr euch?“ Beide schauten sich an und schüttelten nur den Kopf. Ich sagte: „In diesem Umschlag ist alles, was ihr für euren Aufenthalt hier benötigt. Das Handy ist ebenfalls mit dabei; lasst dieses zwischen 08:00 und 10:00 Uhr eingeschaltet. Hier bekommt ihr noch jeder einen silbernen Chip mit der Aufschrift Richter 1 und Richter 2, der nur für euch bestimmt ist. Ihr benötigt den, um eine der anthrazitfarbenen Limousinen zu benutzen und als Legitimation fürs Hotel. Alle Fahrer wissen, wo ihr hingebracht werden müsst. Keiner der Fahrer wird euch ansprechen, das Gleiche erwarte ich auch von euch; egal wo, egal wann oder von wem ihr angesprochen werdet, ist es ein absolutes Tabu, irgendetwas zu erzählen, was ihr hier erlebt habt oder erleben werdet. Ihr zwei beiden kommt jetzt mit mir, alle anderen Personen dürfen sich am Empfang die vereinbarte Summe für ihr heutiges Erscheinen abholen. Ihr beiden bekommt ab morgen täglich 160 €, wenn der Workshop beginnt, bekommt ihr am Ende des Shops 400 € pro Tag in bar; ach ja, ihr seid in verschiedenen Hotels untergebracht. Die Limousinen stehen euch rund um die Uhr zur Verfügung. Wenn jetzt alles geklärt ist, dann wünsche ich euch noch einen schönen Tag hier in Toilania.“ Beide schauten sich an, verließen die Halle und gingen auf eine der Limousinen zu. Der Fahrer sagte nur ein Wort: „Chip!“ Die beiden zeigten ihren Chip. Ohne ein Wort zu sagen, hatte der Fahrer klargestellt, dass nur eine Person befördert würde. Somit ging Richter 1 zu einer anderen Limousine. Ich ging rüber in den Bereich, wo meine Freunde die Paare aus den ganzen Einsendungen der anderen Anzeige herausgelegt hatten, die infrage kommen könnten für den Workshop. Ich schaute in die Runde und sagte seufzend, dass ich die Industriehalle nur für zwölf Tage angemietet hatte und hoffte, dass es bis dahin erledigt sei. „Wie viele Kandidaten habt ihr denn schon für mich?“ „Wir sind bei 24 Paaren, die infrage kämen.“ „Haben die alle Fotos beigefügt?“ „Bis auf ein Paar, alle.“ „Dann werde ich die Unterlagen mit ins Hotel nehmen, es ist jetzt 17:02 Uhr; ich würde sagen, gegen 21:00 Uhr treffen wir uns an der Hotelbar. Bis dahin habe ich die Unterlagen gesichtet, dort werden wir dann gemeinsam entscheiden, welche acht Paare für den Workshop geeignet sind.“ Ich nahm die Unterlagen unter den Arm und ging nach draußen, wo die Limousinen standen. Plötzlich rief jemand meinen Namen. Ich drehte mich um und sagte etwas ungehalten: „Was soll denn das? Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass keiner von uns jemanden bei seinem Namen nennt? Du weißt, dass diese Sache nur funktioniert, wenn keiner der Kandidaten den anderen mit seinem Namen anspricht. Das ist der Grund, warum wir damit anfangen, um es nicht versehentlich selbst zu tun. Na gut jetzt, egal, noch ist ja keiner hier, der uns etwas anhängen könnte.“ Darauf sagte mein Bekannter: „Bist du dir immer noch sicher, dass es richtig ist, was du hier veranstalten möchtest?“ „Ist es“, sagte ich, „wenn wir das hier alles richtig machen, dann wird nichts und niemand uns davon abhalten, mit dem Workshop an die Öffentlichkeit zu gehen und dort das große Geld abzugreifen.“ „Alles klar, dann sehen wir uns später.“ Ich nahm die Unterlagen, zeigte meinen goldenen Chip dem Chauffeur, stieg ins Auto und wurde ins Hotel gebracht. Im Zimmer angekommen, legte ich alle Unterlagen auf den Tisch und ging mich frisch machen. Ich dachte noch ganz kurz darüber nach, was mein Bekannter gesagt hatte, nebenbei holte ich mir aus der Minibar eine kleine Flasche Wasser. Ich nahm die Unterlagen, setzte mich auf den Balkon des Hotels und schaute mir jede einzelne Bewerbung ganz genau an. Das Paar ohne Fotos fiel mir sofort auf, sie hatten sich so gut beschrieben und dargestellt, dass die beiden auf jeden Fall dabei sein müssten. Nun hatte ich eines der Paare, ergo fehlten nur noch sieben. Von den übrig gebliebenen Paaren hatten einige ein Problem mit dem Alter.
Zwischen 35 und 45 Jahre sollten die Paare sein, nicht der Mann 45 und die Frau 35 Jahre.
Einige Paare passten gut rein, waren aber kurz über oder unter dem gewünschten Alter. Ich schaute zur Uhr und stellte fest, dass es schon kurz nach 21:00 Uhr war. Ich lief sehr zügig zur Tür meines Zimmers, riss diese auf, eilte zum Fahrstuhl und drückte den Knopf: Die Tür ging auf, und ich stieg ein. „Hallo“, sagte eine nette Stimme zu mir. „Oh, da hat aber jemand noch eine Menge Arbeit auf dem Arm.“ Ich sagte kurz angebunden: „Ja, so ist es“, da ging die Tür vom Fahrstuhl zur Lobby auf. Ich stieg aus und hörte, wie die Stimme hinterherrief: „Viel Spaß beim Workshop.“
Ich drehte mich sofort um, da ging die Fahrstuhltür schon wieder zu, und ich konnte nicht erkennen, wer diese Person gewesen war. Ich schaute kurz auf die Anzeige des Fahrstuhles und fragte mich, wo der wohl hinfuhr. In dem Moment rief schon einer meiner Bekannten: „Wo bleibst du denn?“ „Bin gleich bei euch!“, rief ich ihm mit einem kleinen Blick zur Seite zu. Da ging die Tür des Fahrstuhls schon wieder auf und in der Kabine stand ein älterer Mann mit seinem kleinen Hund auf dem Arm. Ich schaute ihn an, er fragte ganz selbstbewusst: „Warten Sie auf jemanden?“ „Nicht unbedingt“, sagte ich, „da ist gerade eine Frau hochgefahren, die mich angesprochen hatte, wo ist die ausgestiegen, in welcher Etage?“ „Ich komme gerade aus der zweiten Etage“, erwiderte der Mann, und der Fahrstuhl war leer, als ich eingestiegen bin.“ „Haben Sie darauf geachtet, woher der Fahrstuhl kam, aus welcher Etage?“ „Ja, der kam direkt aus der Lobby, wo wir beide jetzt sind.“ „Dann entschuldigen Sie bitte, und vielen Dank für die Auskunft.“ Ich dachte noch kurz darüber nach, wo die Frau wohl hin war und was sie wohl gemeint hatte, als sie sagte: „Viel Spaß im Workshop.“ Ich hatte mich bestimmt verhört. Also ging ich in die Bar, wo meine Familie und Freunde schon auf mich warteten. Der Tisch, an dem alle saßen, war etwas abseits in einer abgeteilten Nische. Eine supergroßartige Ecke, um ganz offen zu sprechen, wer denn nun dabei sein sollte, ohne dass es jemand mitbekommen würde. Dann kam auch schon ein Satz von meinem Teammitglied Nummer eins. „Also mein Guter, wir haben uns noch über das alles hier unterhalten, wir meinen den Workshop, als du abgefahren bist, und hier hatten wir, bevor du aufgetaucht bist, auch noch einen kleinen Disput wegen des Shops.“ „Ja, worum ging es denn?“, wollte ich wissen. „Wir sind der Meinung, dass es nicht richtig ist, den Workshop so durchzuführen, wie es am Anfang geplant war.“ Ich schaute in die Runde und sagte: „Wir waren doch alle der Meinung, etwas zu zeigen, was es so noch nicht gegeben hat. Wir wollten den Menschen etwas nie Dagewesenes bieten.“ „Das ist richtig so, wie du es sagst; dennoch geht es hier nicht einfach nur um einen Workshop, sondern um Menschen, die hier ganz offensichtlich bloßgestellt und von uns ausgenutzt werden.“ Ich holte etwas Luft und sagte: „Es ist jetzt etwas zu spät, Bedenken zu erwähnen. Dass hier alle – nennen wir sie jetzt mal Kandidaten – die Möglichkeit haben, viel Geld zu gewinnen und ein Erlebnis haben werden, welches ihr Leben verändern wird, war uns klar.“
In den Gesichtern meines Teams sah ich, dass es keinen Zuspruch zu meiner kleinen Ansprache gab.
„Es wird etwas passieren, was wir nicht steuern können“, sagte einer meiner besten Freunde in einem Ton, der allen Anwesenden einen gruseligen Schauer den Rücken runterlaufen ließ. „He, Mann“, sagte ich zu ihm, „das ist auch so gedacht von uns allen, nur so wie du es sagst, könnte man glauben, dass es um Leben und Tod geht.“ Jeder schaute in die Runde, und keiner sagte etwas dazu. Ich ergriff das Wort und drängte jetzt alle, auf die Kandidatenliste zu sehen, auf der bis jetzt erst ein Pärchen stand. „Wieso steht auf der Liste schon ein Pärchen?“, fragte meine Schwester. „Wollten wir das nicht gemeinsam entscheiden?“ „Natürlich wollten wir das alle zusammen entscheiden. Es ist das Pärchen, von dem wir keine Fotos haben.“ „Darüber hatten wir auch schon gesprochen, über das Paar ohne Bilder, das ist sehr komisch mit den beiden.“ „Wieso denn?“, fragte ich. „Nun ja“, sagte meine Schwester, „das, was die beiden geschrieben haben in ihrer Bewerbung, da könnte man glauben, es seien welche von uns.“ Ich lachte und sagte in die Runde: „Das wäre ja wohl der absolute Albtraum.“ „Wieso?“, kam aus dem Team die Frage. „Stellt euch vor, ich stelle eine Frage an die Kandidaten“, erwiderte ich. „Alle würden diese Frage mit Nein beantworten, so wie es richtig ist. Nur zwei würden mit Ja stimmen. Dann würde sich von Anfang an ein Misstrauen unter den Teilnehmern breitmachen und mit Sicherheit auch bei dem einen oder anderen Paar am Tisch.“ Mein Bruder sagte: „Das ist richtig, wir wollen ja auch dieses Vertrauen in den einzelnen Pärchen auf die Probe stellen und mit sehr aggressiven, hinterhältigen und auch unmoralischen Fragen und Mitteln alle Kandidaten dazu bringen, an sich selber zu zweifeln und das Vertrauen, das der Partner genießt, infrage zu stellen.“ Da kam ein etwas lauteres „Hallo“ von hinter mir: „Darf ich etwas zu trinken bringen, und möchten die Herrschaften auch etwas essen?“, fragte der Kellner.
„Also, mir können Sie bitte die Karte bringen und was ist mit euch?“, fragte ich in die Runde. „Hallo Leute, ich werde alles bezahlen.“ „Na ja“, sagte mein Bruder, „dann werden wir mal richtig zuschlagen.“ „Da wir uns heute mit der Auswahl der Kandidaten befassen, würde ich gerne einen Toast auf uns aussprechen wollen. Nun bringen Sie uns bitte eine Flasche Champagner und die Speisekarten.“ „Das tut mir leid, verehrte Gäste, mit einer Speisekarte kann ich nicht dienen. Aber das Tagesgericht ist eine ganz besondere Köstlichkeit, so sagt es unser Koch immer.“ „Dann bringen Sie bitte das Tagesgericht für uns alle, als Getränk bringen Sie uns einen Wein, welcher zum Gericht passt, und Wasser. Danke. Ach ja, wo bitte ist der Raucherbereich?“ „Entschuldigung, was meinen Sie?“, fragte der Kellner. „Wo darf hier geraucht werden?“ Der Kellner sagte: „Ich kümmere mich um den Champagner und gebe die Essensbestellung an die Küche weiter.“ Dann ging er weg, ohne die Frage nach dem Raucherareal zu beantworten. Es wurde sehr ruhig in unserer Gemeinschaft. Meine Schwägerin fragte, wie ich auf diese Stadt gekommen sei: Toilania.“ Im gleichen Atemzug wollte sie noch etwas Abfälliges über den Kellner sagen, da wurden wir auch schon von der Managerin des Hotels persönlich begrüßt. „Guten Abend, verehrte Gäste, ich heiße Sie recht herzlich in einem der Hotels in Toilania willkommen. Ich hoffe, Sie hatten alle eine angenehme Anreise.“ Mit einer kopfnickenden Geste stimmten wir zu. „Entschuldigung, wenn ich da mal nachfragen darf“, kam von meiner Schwester. „Bitte sehr“, sagte die Managerin. „Sie sagten, eines der Hotels.“ „Ja“, sagte sie, „es gibt 16 Hotels in Toilania, und keines ist wie das andere, dennoch laufen alle irgendwo zusammen.“ Meine Schwester fragte: „Dann wissen Sie wohl auch, wo wir alle untergebracht sind?“ „Natürlich weiß ich das, die ganze Kette ist in meinem Besitz, und niemand kommt in eines der Hotels ohne mein Wissen. Ebenfalls ist es auch nicht möglich, einen Wagen zu buchen, ohne dass ich es mitbekommen würde. Wenn Sie etwas benötigen, so lange Sie hier in Toilania sind, scheuen Sie sich nicht und nehmen Sie persönlich Kontakt mit mir auf. Hier ist meine Karte. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Aufenthalt.“ Mein Bruder schaute hinterher und sagte: „Die Frau ist gruselig, und ich bin mir sicher, die lässt auch Leute umbringen.“ „Na, na, na“, sagte ich, „die ist mit so vielen Hotels beschäftigt, die hat keine Zeit, sich um Auftragsmorde zu kümmern.“ „Wie heißt sie denn?“, fragte meine Bekannte. „Frau Alina Ito, klingt etwas Japanisch, aber ist ja auch egal. Ja, meine Lieben, dann würde ich sagen, dass wir, bis das Essen kommt, mit den ersten Paaren anfangen, über die wir noch sprechen müssen. Meine Schwester hat noch einen Wunsch geäußert für uns alle“, sagte ich in die Runde, „können wir uns alle bitte mit Namen ansprechen?“ Ich wollte gerade etwas sagen, da sprudelte auch schon der Satz aus dem Mund meiner Schwester: „Nicht unsere eigenen Namen.“ „Na, da bin ich mal gespannt, was jetzt kommt, dann los, Schwester“, sagte ich. „Ich habe mir gedacht, dass sich jeder einen einfachen Namen ausdenkt, wie er genannt werden möchte, wir können auch gleich Namensschilder für den Anfang an uns hängen; ich habe alles dabei. Bis wir alle Namen auswendig kennen, meine ich.“ „Klingt sehr gut“, stimmte ich zu. „Du bist ja auf alles vorbereitet, Schwesterlein.“ „Wir sollten uns jeder einen Namen geben, der als Anfangsbuchstaben den hat, der auf seinem Chip steht. Er sollte einfach zu merken sein.“ „Superidee“, stimmte ich zu.
L wie Luke, O wie Olli, T wie Tina, I wie Isa, A wie Anna, N wie Nick, I wie Ina, A wie Alex.
„Ab sofort nennt mich bitte Alex“, sagte ich zu meiner Schwester, die jetzt Anna hieß. „Deine Frau, die morgen kommt“, sagte mein Schwager zu mir, der jetzt Olli genannt werden möchte, „wird dann Tina gerufen.“ „Nun gut, dann macht Anna die Namensschilder für uns fertig“, sagte ich zu allen am Tisch.
„Es ist jetzt 21:45 Uhr, sollten wir nicht bald etwas zu essen bekommen?“, fragte Nick, der mit seiner Frau Ina seit über 12 Jahren schon liiert war. Ich kannte die beiden seit fast 8 Jahren aus einem unschönen Abenteuer im Urlaub, das wir am Strand erlebt hatten. Ich war mit meiner Frau und unseren beiden Hunden am Strand spazieren gegangen. Nick und Ina waren auch am Strand mit ihrem Hund unterwegs gewesen, als unsere Hunde nur ein Ziel hatten: ein tiefes großes Loch zu buddeln. Dort trafen wir uns zum ersten Mal und bemerkten, dass unsere Hunde eine Leiche gefunden hatten und dabei waren, einen Fuß des Toten freizulegen. Seitdem waren wir sehr gut befreundet. „Ja, es ist gleich 22 Uhr“, sagte ich, „und der Champagner ist auch noch nicht da.“ „Dann will ich jetzt erst mal eine rauchen“, rief Olli Luke zu, der sagte: „Alles klar, dann gehe ich gleich mit. Isa, mein Schatz, möchtest du auch mit?“ „Schaut ihr erst mal, wo hier geraucht werden darf; du kannst mich dann hier abholen, ich bleibe hier sitzen und hoffe, dass es bald was zu trinken gibt.“ „Ich werde mal nachfragen, wo das Essen und unsere Getränke bleiben.“ Ich ging rüber zum Tresen, wo ein Barmann Gläser abtrocknete; auf dem Weg zum Barmann merkte ich, dass eine Frau mich beobachtete. Da dachte ich sofort an den Zwischenfall im Fahrstuhl. Wenn das die Frau wäre, sollte ich sie ansprechen. Ich schaute zum Barmann und ging in seine Richtung weiter. „Hallo, guter Mann, können Sie mir bitte sagen, wann das Essen und die Getränke zu uns an den Tisch gebracht werden?“ „Ihr Essen sowie die Getränke stehen für Sie im Speiseraum bereit zum Verzehr.“ Ich fragte: „Woher sollen wir denn das wissen?“ „Sie haben ganz besondere Chips bestellt.“ „Was wissen Sie davon, die Chips wurden doch nicht hier bestellt?“ „Ich weiß das, weil ich das wissen muss, zu jedem Chip gab es eine Karte“, sagte der Barmann, „auf der etwas stand, Sie haben die Karte nicht gelesen?“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 254
ISBN: 978-3-95840-965-1
Erscheinungsdatum: 04.11.2019
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 16,90

Winter-Tipps