Science Fiction & Fantasy

Karista McFeer

Manuela E. Riegler

Karista McFeer

Leseprobe:

Als Zarok einschlief, stellte sich Karista auf Soroja und Sintram ein. Sintram war nervös. Vorsichtig, um ihn nicht zu erschrecken, strich sie im Geiste über sein Innerstes. Er horchte gleich auf. Sie zeigte ihm in Bildern, dass Soroja und er den Fluss entlanggehen sollten. Dann zeigte sie noch die Hütte und die Weide mit Zarok und ihr. Sie bedeutete ihnen noch, dass sie gehen sollten. Nachdem Karista beiden noch einmal über den Hals gestrichen hatte, nickte auch Karista kurz ein.

Leonhart Chattan entdeckte Sintram zuerst. Der Hengst stand am Fluss und trank. Ein wenig abseits stand eine rotbraune Stute. Wem die wohl gehörte? Beide waren voll bezäumt und bepackt. Doch konnte er ihre Reiter nirgends entdecken. Er kratzte sich am Kinn und grübelte nach, wo sein abgängiger Freund sein konnte.
Ein leises Rascheln ließ ihn den Kopf wenden und er erkannte, dass Steffen von seinen Beobachtungen zurückkehrte. Seit Zarok gegangen war, hatten sie sich zusammengerauft, um die Gruppe zusammenzuhalten.
Zu Beginn ihrer Ausbildung hatten sie einander nicht wirklich gut leiden können. Steffen Kameron war kein gesprächiger Typ. Er selbst auch nicht. Vielleicht war es sogar gut, eine Zeit lang ohne ihren Anführer zu sein. Sie mussten beide lernen, miteinander zu reden.
Jetzt kam Steffen mit ernster Miene zu ihm.
„Keine Spur von ihnen. Weder von Zarok noch von seiner Begleitung.“
„Hast du auch auf der anderen Seite nachgesehen?“
„Beide Ufer habe ich abgesucht. Es sind keine Spuren zu finden.“
Leonhart nickte bloß.
„Vielleicht sind sie in die Strömung geraten und flussabwärts mitgerissen worden?“
„Ja, könnte sein.“ Wieder kratzte sich Leonhart am Kinn.
„Wo sind die anderen? Sind sie von Toxaran schon zurück?“
„Nein. Irgendetwas muss sie aufgehalten haben.“
„Scheint so.“
Sie besprachen, was sie weiter tun sollten.
„Ich wäre dafür, dass wir auf die anderen warten, falls sich hier nichts weiter tut.“
„Wenn du willst, kann ich mich flussabwärts noch weiter umsehen“, schlug Steffen vor.
„Ist eine gute Idee. Falls du etwas entdeckst, sag Bescheid.“
„Ist doch klar“, knurrte Steffen.
Die Nacht brach rasch herein und Leonhart ließ die beiden Pferde nicht aus den Augen. Sintram war ziemlich nervös. Immer wieder spitzte er die Ohren. Die Stute blieb an seiner Seite, was eigenartig war. Bis jetzt hatte er immer ein wenig abseits von den anderen Pferden stehen wollen. Sie dürften sich wohl gut verstehen. Die Zeit verstrich. Der Morgen graute bereits, als plötzlich leises Hufgetrappel zu hören war. Dann stieg jemand ab. Leonhart zückte seine Streitaxt und blieb in Deckung.
„Leonhart?“ Sein Name wurde leise gerufen und er gab seine Deckung auf, als er Gawain durch die Bäume kommen sah. Allerdings war er allein.
Leonhart verstaute die Streitaxt wieder auf seinem Rücken und ging zu ihm. Zur Begrüßung ergriffen sie beide den rechten Unterarm des anderen. Gawain sah abgekämpft aus.
„Gawain. Wo sind die anderen? Hattet ihr Ärger?“
„Eine Menge. Aber das hat Zeit. Hast du und Steffen Zarok und die Frau gefunden?“
„Eine Frau? Nein. Wir haben nur die Pferde gefunden. Steffen sucht jetzt flussabwärts nach Spuren, falls sie in die Strömung geraten sind.“
„Wo sind die Pferde?“
Leonhart zeigte in die Richtung, wo er Sintram das letzte Mal gesehen hatte. Doch da waren sie nicht mehr.
„Verdammt! Wo stecken sie?“
„Dort.“ Gawain zeigte den Fluss hinunter. Beide Pferde gingen langsam davon.
„Wo wollen die denn hin?“
„Rasch. Wir reiten ihnen nach.“ Beide liefen zu ihren Pferden und stiegen auf. Sie nahmen Steffens Ross mit und ritten ihnen nach. Als sie die Tiere entdeckten, blieben sie auf Abstand, um sie nicht zu erschrecken. Sintram und die Stute trabten ziemlich zielgerichtet am Ufer entlang.
„Wissen die, wohin sie gehen?“
„Keine Ahnung. Es wirkt so, als ob sie geführt würden.“
„Ja schon. Aber wie?“
„Was fragst du mich? Warten wir ab, was geschieht.“
Leonhart war mittlerweile etwas gereizt. „Erzähl mir lieber, wo Brodie und Tomas stecken.“
„Die bewachen drei Männer aus dem Süden, wobei einer behauptet, dass er der Mann dieser Frau sei. Er sieht mir allerdings etwas verwirrt aus. Als wir uns in Toxaran durchfragten, wo unser Freund stecken könnte, ist er mir schon aufgefallen. Und als wir auf der Hauptstraße entlang ritten, sind sie ebenfalls auf dem Weg gewesen. Sie überholten uns, um uns abzupassen. Es gab einen Kampf. Wir waren überlegener und haben sie gefangen genommen. Ich dachte mir, dass es besser wäre, wenn ich beide zur Bewachung bei unserem Unterschlupf dort ließe. Bei drei Gefangenen?“
„Ja. Das war eine gute Entscheidung.“
Der Wald lichtete sich und sie kamen zu einen Pfad, auf dem sie weiterritten. Er schlängelte sich den Hügel hinauf, auf dem immer wieder einige Bäume und Sträucher standen. Von oben hatten sie einen guten Überblick über die Gegend. Der Fluss wurde hier ruhiger. Eine Hütte stand am Ufer. Die Pferde wurden langsamer.
Steffen kam ihnen entgegen. Er blickte verwundert drein.
„Was ist denn mit dir los?“
Er konnte nichts erwidern, winkte sie bloß zu sich und zeigte zur Hütte hinunter. Als Gawain und er zu Steffen kamen, konnten sie die andere Seite der Hütte sehen. Sie stand bei einer ausladenden Weide am Ufer. Nur darauf achtete in diesem Fall niemand mehr. Alle drei sahen ein nacktes Paar im Fluss stehen, das sich wusch. Doch selbst das war noch nicht das Eigenartigste an dem Bild.
Als die ersten Sonnenstrahlen durch die Bergspalten auf die Frau und das Wasser fielen, das sie umgab, fing die Wasserstelle zu leuchten an. Leonhart konnte es gerade noch erkennen. Die Wasseroberfläche vibrierte vor der Frau und er konnte erkennen, dass sich etwas daraus erhob. Was dann passierte, konnte unmöglich wahr sein.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 348
ISBN: 978-3-903067-90-5
Erscheinungsdatum: 03.11.2016
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