Science Fiction & Fantasy

Gen B89 - Teil 2

Delia Konzi

Gen B89 - Teil 2

Es ist, wie es ist

Leseprobe:

Kapitel 1
Ich will nicht mehr aufwachen

Der Kopf schmerzte, der Nacken war vollends steif, die Muskeln allesamt komplett verspannt. Die Bilder hatten sich wie so oft unwiderruflich in seinen Verstand eingebrannt. Schlafen. Nein, warum nur? Was war es, das ihn dazu gezwungen hatte? Ein Sturz über das Geländer, durchs Treppenhaus und dann der schmerzlich harte Aufprall auf den Terrakottafliesen im Flur. Dieses unwahrscheinlich widerliche Etwas hatte ihn unkontrolliert angegriffen und mit sich in die Tiefe gerissen. Was war das bloß? Jose etwa?! Oder hatte er sich die ganze Scheiße nur eingebildet und es war nur ein schrecklich übler Traum? Vielleicht lag er ja noch immer im Koma und durchlebte gerade eine Art Traumleben. Wenn auch hauptsächlich Albtraum, was jedoch kein Wunder war, denn er hatte schon sein ganzes Leben lang ausschließlich Albträume gehabt. Doch was nun? Wo steckte er fest? Dieses helle Licht da vor ihm blendete ihn grässlich. Es schien so hell und sendete dabei eine Art Wärme aus. Dies hatte wiederum etwas unbeschreiblich Anziehendes an sich. Ansonsten war dort nichts um ihn herum außer tiefster Dunkelheit. War er etwa …? Nein, oder?! Sollte er nun wie eine irre Motte in das warme Licht fliegen oder weiter in der Finsternis verharren? Die Entscheidung fiel ihm weiß Gott schwer, denn er traute dem Schein nicht wirklich. Doch dann, irgendwann, trat er schließlich doch einige Schritte vor. Aber das Licht schien so hell, dass es ihn gänzlich blendete. So hielt er sich gebannt die Hand vors Gesicht. In diesem Augenblick begriff er erst, dass dieses Licht noch kilometerweit entfernt sein musste und nicht wie zuvor gedacht nur einige Schritte vor ihm lag. Wo zum Teufel war er hier bloß gelandet? Und wie, verdammt, kam er hier wieder weg?! Während er dies dachte, ging er weiter auf das grelle Licht zu. Es war nicht nur unglaublich grell, sondern auch, Scheiße noch eins, verdammt heiß. War dies etwa der Eingang zur Hölle? Und wenn ja, musste man sich den Aufenthalt dort etwa auch noch durch einen langwierigen Todesmarsch erkämpfen? Noch während er sich dies fragte, bemerkte er, dass sein Shirt auf einmal Flammen fing. Er reagierte sogleich und zog es hektisch aus. Dann warf er es verwirrt auf den Boden, der so schwarz war, dass er wie das pure Nichts selbst aussah. Er ging sogleich einige Schritte zurück und sah zu, wie sein Shirt zu einem Häufchen schwarzer Asche verbrannte. Danach verschwand das Häufchen und schien zu einem Teil dieses absurden Ortes zu werden. Das konnte alles nicht real sein. So ein Irrsinn. Da – auf einmal ein Wispern aus der tiefsten Dunkelheit heraus.
Die Stimme flüsterte leise und scheinbar von allen Seiten her.

Stimme: „Lass dich nicht von dem Licht irreleiten.“
Was zum Teufel dachte er sich, während er verwirrt um sich blickte, nun höre ich auch noch Stimmen. Ich muss zum Arzt, falls es hier überhaupt einen gibt und ich noch lebe. Da – ein weiteres Wispern aus der Dunkelheit heraus. Diesmal lauter und intensiver.
„Giro, halte inne! Ich bitte dich!“
Da wurde es ihm schlagartig klar, denn er kannte diese Stimme nur zu gut. Woraufhin er erschrocken und verdutzt zugleich sagte:
„Dong! Was zum … Wo steckst du? Wo zum Teufel sind wir hier? Was geht hier bloß vor sich?“
Giro schien kurz davor zu sein, völlig durchzudrehen, und er zweifelte an seinem Verstand. Denn auch wenn dies alles nur ein Traum sein sollte, war dieser doch ziemlich besorgniserregend und nicht mehr normal. Da, wieder die Stimme von Dong, nun jedoch nicht mehr wispernd, sondern klar und viel näher. Doch von seinem Großvater selbst war keine Spur zu sehen, nur seine Stimme, die nun zu ihm sagte:
„Nun beruhige dich erst mal, mein Junge.“
Da fing Giro auf einmal an, wie irre zu lachen. Dies schlug jedoch sofort um und er sagte aufgebracht zu der Stimme seines Großvaters, die scheinbar aus dem Nichts kam:
„Keine Ahnung, wo du gerade bist. Aber ich stecke hier im Nichts fest, mit Ausblick auf den Höllenschlund! Also warum sollte ich mich beruhigen? Oder ist dies hier nur ein echt übler Traum? Oh, bitte, lass mich einfach aufwachen!“
Es herrschte einen Moment pure Stille. Bis auf einmal wieder wie aus dem Nichts die Stimme von Dong drang.
„Höre auf, immer alles kontrollieren zu wollen. So funktioniert das einfach nicht im Leben. Manchmal muss man Dinge auch erst gedeihen lassen.“
Diese Worte ignorierte Giro jedoch und murmelte nur etwas ängstlich und verwirrt vor sich hin, um sich selbst ein wenig zu beruhigen:
„Das kann nur ein Traum sein … Ich … ich wache gleich auf … Es ist bald vorbei … Alles gut …“
Doch da drang wieder Dongs Stimme durch, die nun ein wenig energischer zu ihm sagte:
„Giro! Das hier ist kein Traum. Höre auf, an deinem Verstand zu zweifeln! Es ist, wie es ist!“
Da ging es völlig mit Giro durch und er rastete total aus. Wutentbrannt und wenig bei Verstand erwiderte er seinem Großvater:
„Es ist, wie es ist! Dein Ernst? So was würdest du niemals sagen! Das ist definitiv ein übler Traum. Also lass mich zufrieden und verzieh dich wieder! Auf deine blöden weisen Sprüche kann ich echt verzichten. Danke, Dong! Gerade kein Bedarf!“
Giro stampfte wütend auf den pechschwarzen Boden und ballte die Fäuste, nur war da nichts, das er hätte schlagen können. Da war einfach nichts, außer dem heißen und grellen Todesloch. Während seines Wutausbruchs sagte Dong auf einmal zu ihm mit überaus ruhiger Stimme:
„Deine Ehrlichkeit und vor allem dein Starrsinn sind einfach unglaublich. Nicht mal hier im Zwiespalt begreifst du, wie wichtig deine Aufgabe ist. Du musst fokussiert bleiben und darfst dich nicht von deinen Zweifeln blenden lassen. Du weißt, wie dein richtiger Weg aussieht. Also beschreite diesen auch.“
Giro schloss nur entnervt die Augen und atmete ein paar Mal sichtlich angespannt ein und aus. Danach schien er sich wieder ein wenig beruhigt zu haben, jedoch stand ihm die Angespanntheit noch deutlich ins Gesicht geschrieben. Als er seine Augen wieder öffnete, sagte er nur, wenig überzeugt und immer noch sehr abweisend, zu der Stimme seines Großvaters:
„Was?! Ich komm nicht mit! Was meinst du mit Zwiespalt? Und woher soll ich den richtigen Weg kennen? So ein Schwachsinn, den du da von dir gibst! Und warum sehe ich dich nicht, wenn dieser Ort hier wirklich real sein soll? Das ergibt doch alles keinerlei Sinn!“
Frustriert, jedoch gebannt auf eine Antwort wartend stand Giro nun da in tiefster Finsternis und vor ihm lag lediglich eine Art Kremierungsofen, anders konnte er dieses Phänomen, das sich ihm da bot, nicht benennen. Nach einer Weile der vollkommenen Stille endlich wieder die Stimme von Dong.
„Der Weg liegt direkt vor dir. Du musst ihn nur beschreiten. Lege deine Fesseln ab und befreie dich von deinen Zweifeln, dann wirst du den Zwiespalt überwinden können.“
Weise Worte, doch für Giro ergaben sie wenig Sinn. Er begriff gerade gar nichts mehr. Wo war er? Was war der Zwiespalt und von welchen Fesseln sprach sein Großvater? Er hielt sich verwirrt den Kopf. Es war einfach wieder mal zu viel des Guten. Einfach nur zu viel. Nachdem er die Worte seines Großvaters einen Moment lang hatte absacken lassen, sagte er, wie so oft eher ironisch:
„Keine Ahnung, was geschieht, wenn ich zurückgehe. Aber eines ist klar, wenn ich den Weg vor mir beschreite, verbrenne ich und werde zu einem Häufchen Asche wie mein T-Shirt. Also nein danke, ich verzichte gerne darauf. Ich bin ja vieles, aber nicht feuerfest. Und jetzt bitte ich dich, erkläre mir, was du mit Zwiespalt meinst und was für Fesseln? Denn wie gesagt, zurzeit trage ich noch nicht mal mehr ein Shirt, also was für Fesseln, bitteschön?“
Obwohl er nicht lange auf eine Antwort warten musste, kam es ihm in seiner Lage wie eine Ewigkeit vor und das Einzige, was er wollte, war weg von dort. Da sprach Dong wieder zu ihm und sagte, um Klarheit zu schaffen:
„Du befindest dich im Augenblick im Zwiespalt. Zwischen Leben und Tod. Im Moment liegt vor dir der Tod. Doch genauso liegt dort auch das Leben. Du selbst musst das Gewicht der Waage ändern, um am Ende zurückzukehren. Das Gewicht wieder ausgleichen und so auch deine Fesseln ablegen.“
Doch Giro begriff immer noch nicht, was dies alles zu bedeuten hatte, und war sichtlich noch verwirrter als zuvor. Also sagte er ziemlich entsetzt zu der Stimme seines Großvaters:
„Leben und Tod. Leben und Tod. Bedeutet das … Ich bin … Bin ich etwa gestorben? Ist es das, was du mir klarmachen willst? Und du? Bist du etwa auch … tot? Großvater, ich bitte dich, sprich klarer mit mir. Ich … Ich … Es ist gerade ein wenig zu viel für mich. Ich meine, eigentlich war es mir immer egal, ob ich lebe oder – na ja – nicht. Aber nun? Es ist so viel geschehen, ich … ich kann noch nicht sterben.“
In diesem Augenblick wurde das Licht vor ihm unsagbar hell und er wurde so stark geblendet, dass er gar nichts mehr sah außer Weiß. Dann ein lauter Knall, und als er seine Augen wieder öffnete, war aus dem unsagbar heißen Licht von zuvor ein blauer Schein geworden, der zu flimmern schien. Wie ein altes Video, das überblendet schien und über einen Projektor lief. In diesem Moment sprach Giro ein wenig verängstigt in die Dunkelheit:
„Was … Was war das? Was nun? Großvater, bist du noch hier?“
Während er fragend und verwirrt zugleich um sich blickte, erklang auf einmal die Stimme von Dong wieder, wobei sie Giro sichtlich erschreckte.
„Ich gratuliere dir. Du hast deine Fesseln abgelegt. Vor dir liegt nun das Leben. Nur eines noch, Giro. Wenn du zurück bist, dann suche deinen Bruder, er braucht dich. Und beschütze Naomi, sie ist äußerst wichtig. Und danke, dass du mich endlich nach all der Zeit wieder Großvater nennst. Dieses Wort aus deinem Munde werde ich nie vergessen, mein Junge.“
Dies klang für Giro wie ein Abschied für immer und er sagte sichtlich erschüttert:
„Was? Das Leben? Du meinst, ich gehe durch das blaue Lichtdings und dann lebe ich? Und du? Was ist mit dir?“
Dong antwortete nachdrücklich: „Ach Giro, ich bin doch schon weiter als du mit meiner Reise und von hier aus gibt es kein Zurück mehr, nur noch ein Voran. Es tut mir so leid. Aber so ist der Lauf des Lebens nun mal.“
Giro fragte traurig: „Sehe ich dich darum nicht? Wo bist du nur?“
Dong meinte nur friedlich: „Auf meiner Reise, und du musst auf deine. Nun kehre zurück. Du warst schon zu lange im Zwiespalt.“
Das musste Giro zuerst mal verdauen, bevor er seinem Großvater eine Antwort geben konnte, denn auch wenn er oft gefühlskalt tat, war er es in Wirklichkeit ganz und gar nicht. Es hatte ihn gerade sehr getroffen, vom Ableben seines Großvaters zu erfahren. Da verlor sogar die Tatsache, dass er gerade selbst zwischen Leben und Tod stand, an Gewicht. Also sagte er sehr erschüttert zu seinem Großvater:
„Ich kann also zurück und du bist unwiderruflich tot? Schwer zu begreifen, die ganze Sache hier. Ich kann dich nicht einfach durch das blaue Lichtdings mitnehmen?“
Dong meinte ernüchternd: „Es ist, wie es ist. Und nun gehe, sonst wirst du noch zu einem Paradoxon.“
Giro fragte leicht verwirrt: „Paradox, was???“
Dong antwortete: „Ein Widerspruch. Inexistent und doch existent, in etwa wie ein Schatten. Also gehe nun! Los!“
In den Augen von Giro war er schon sein Leben lang ein wandelnder Schatten. Jedoch klangen die Worte seines Großvaters ziemlich einschüchternd und wie ein harter Weckruf aus der Dunkelheit heraus. Also begab er sich, wenn auch mit zwiespältigen Gefühlen, in Richtung des blauen Lichtschimmers. Während er darauf zuging, wurde der Film immer klarer und er erkannte seinen leblosen Körper, liegend in einer modrigen Badewanne. Er ging, ohne weiter darüber nachzudenken, immer näher auf das zitternde und wackelnde Blaulichtbild zu. Da – auf einmal wie ein Flug durch tausend Wolken über tausend Meilen. Unter ihm einfach nichts und dann wie ein Schlag auf den Kopf und zurück. Was zum Teufel war das? War das real? Echt? Das konnte nicht sein. Oder hatte er nur zu viel getrunken und lag darum in der Badewanne? Vor allem – was war das für eine Badewanne und wo befand er sich? Kopf und Nacken schmerzten. Die Füße waren eingeschlafen und kribbelten beide wie irre. Aufstehen war eine wahre Pein, musste jedoch sein. Oh mein Gott, wo bin ich nur?, dachte er, entkräftet wie nach einem Marathonlauf durch die Dünen. Endlich stand er mit seinem Katerschädel wieder auf seinen noch immer schlafenden Füßen und wackligen Beinen. Das Badezimmer, in dem er sich befand, war schäbig und hatte kein Fenster. Es war ein Wunder, dass keine Kakerlaken Party feierten. Er war definitiv nicht mehr in der mediterranen Villa. Also wo war er? Und wie war er nur hierher gelangt in diese eklige Badewanne? „Ich bin ein Wolf, ich gebe niemals auf, auch wenn mein Marsch endlos sein sollte.“ Diese Worte gaben ihm stets Kraft. Sein Vater Jerome sprach sie zu ihm, wenn sie zusammen Falken jagten und mal wieder geduldig auf Beute warten mussten. Sie waren Wölfe und mussten geduldig bleiben, um an ihre Beute zu gelangen. Er lernte viel von seinem Vater. Auch wenn er nach dem Ableben seiner Eltern nicht gerne über sie sprach oder nachdachte, wusste er stets, was sie ihm alles mit auf den Weg gegeben hatten – außer den Sorgen versteht sich. Er hatte viel von ihnen gelernt und auch von ihrem Charakter sowie ihren Wertvorstellungen hatte er einiges mitbekommen. Dies wusste er nur zu gut, es war ihm stets bewusst. Doch was nun? Zuerst raus aus diesem Badezimmer, und zwar sofort! Egal, was hinter der vergilbten Tür war, es konnte nicht übler als seine zwiespältigen Gefühle oder dieses Badezimmer sein.



Kapitel 2
Der zweite Schreck

Raus aus dem schäbigen Loch, das ein Badezimmer sein sollte, rein in den nächsten dürftig wirkenden Raum. Dieser war nicht viel größer als das schäbige Badezimmer von gerade eben. Hier, in diesem Raum mit einem Doppelbett, einem alten Fernseher auf einer wackligen Kommode und einem modrigen Minibarkühlschrank wurde ihm klar, dass er sich höchstwahrscheinlich in einem verwanzten Hotelzimmer befand. Doch wo? Und wie war er bloß in aller Welt hierhergekommen? Wo waren Naomi und ihr nerviger Bruder Ruben hin? Er hatte einfach keine Ahnung und so setzte er sich, immer noch ziemlich belämmert, auf das eklig wirkende Bett. War sein Großvater wirklich gestorben und dies alles real? Diese Frage gab ihm gerade am meisten zu denken und beschäftigte ihn sehr. Es fühlte sich schließlich alles so real an, also war es das wohl auch. Oder? Als er da so in Gedanken versunken auf dem Bettrand saß, in dem schäbigen Hotelzimmer, war er mental komplett weggetreten. Auf einmal öffnete sich die Zimmertür. Es waren Naomi und ihr Bruder Ruben, die das düstere Zimmer betraten. Man hätte nun denken können, dass die beiden erfreut wären, ihn bei mehr oder weniger guter Gesundheit vorzufinden. Aber nein. Nach einem erschütternden Schrei von Naomi zog ihr Bruder eine Knarre und richtete diese sogleich angespannt auf Giros Gesicht. Dieser war zuerst ganz perplex, denn das hatte er beim besten Willen nicht erwartet. Was war bloß los? Warum reagierten die beiden so auf ihn? Hatte er ihnen etwas getan? Während er sie erstaunt ansah, stand er langsam auf und sagte dabei ruhig:
„Wow … Alles klar? Ich weiß zwar nicht, was ich euch getan habe, dass ihr gleich so wütend auf mich seid. Aber wir können es sicher auch in Ruhe klären. Kommt schon. Ich bitte euch.“
Die beiden sahen ihn einen Augenblick lang nur angespannt mit großen Augen an und es herrschte eine sehr unangenehme Stille in dem armseligen Hotelzimmer. Doch dann sagte Ruben mit rauer Stimme und immer noch gänzlich angespannt:
„Du bist tot! Was soll das hier?! Bist du einer von denen? Los, sag schon! Sonst schieße ich dir mitten in den Kopf!“
Giro verstand wie so oft die Welt nicht mehr und sah die beiden äußerst verdutzt an, während er gestresst antwortete:
„Was?! Nein, schieß mir bitte nicht in den Kopf! Scheiße, Mann, beruhigt euch doch mal! Ich war tot, sagst du? Das versteh ich nicht …“
Doch bevor er weitersprechen konnte, unterbrach ihn Naomi und sagte ziemlich hart zu ihm:
„Erklär du es uns doch besser! Schließlich bist du derjenige, der tot war, und nun hier steht, als ob nichts gewesen wäre, nicht wir!“
Sie sah äußerst wütend aus und irgendwie fand er das echt anziehend, was komisch war. Oder? Obwohl ihm der wütende Anblick seiner Liebsten gefiel, versuchte er, weiter einzulenken. Er wollte schließlich nicht noch mal sterben und in diesem Zwiespalt-Dings landen. Was hatte sein Großvater gesagt? Er würde zu einem Paraschatten oder so irgendwas. Sein Kopf tat so weh und nun dieses Dilemma. Als hätte er nicht schon genug abbekommen. Aber da musste er nun mal wieder durch. Es gab kein Entkommen aus dem ekligen Hotelzimmer. Na gut, weiter im Takt, dachte er sich und sagte, immer noch ruhig und beherrscht:
„Okay … Okay … Alles gut … Ich war anscheinend nicht so ganz tot. Juhu! Oder etwa nicht?! Ich meine, seid ihr nicht froh, dass ich noch lebe? Besonders du, Naomi?“
Er sah sie einen Augenblick lang gebannt an, und als ihm keiner eine Antwort gab, sagte er ziemlich hart und direkt:
„Na gut, wenn das so ist, erschießt mich! Aber bitte, wie du gesagt hast, in den Kopf, nicht dass ich euch am Ende nochmals erschrecke oder besser gesagt, heimsuche! Ach ja, ich vergaß, Buh!“
Während er seine zynischen Sätze sprach, sah er beide mit einem eher gleichgültigen Blick an. Auf einmal griff Naomi an den Lauf der Waffe, die ihr Bruder immer noch auf ihn gerichtet hielt, und schob sie zur Seite. Dabei sah sie Giro jedoch mit hartem Blick an und meinte dann einlenkend:
„Vielleicht hat er ja recht und war nicht wirklich tot. Vielleicht haben wir uns geirrt und er war nur gänzlich weggetreten.“
Doch Ruben erwiderte wenig begeistert:
„Das ist ein zu hohes Risiko! Ich finde, dies ist eine äußerst schlechte Entscheidung. Nur dass du’s weißt!“
Während er sprach, ließ er Giro keinen Augenblick aus den Augen und sein harter Blick hatte es in sich. Doch Giro blieb erstaunlich ruhig und sah die beiden immer noch scheinbar unbekümmert an, wobei er sich wieder auf den Rand des ekligen Bettes setzte, um seinen brummenden Schädel zu halten.
„Ihr gestattet hoffentlich, dass ich mich setze. Ich hab nämlich übelste Kopfschmerzen und mir tut so ziemlich jeder Muskel weh. Ich fühle mich, als würde ich direkt aus der Hölle kommen. Nicht falsch verstehen!“
Nach dem die beiden sich ein wenig beruhigt hatten, jedoch immer noch relativ angespannt blieben, setzten sie sich zusammen auf das hässliche Doppelbett und versuchten, ein klärendes Gespräch zu führen.
Giro meinte sichtlich enttäuscht: „Ihr freut euch echt kein bisschen, mich zu sehen, oder? Nach all der Scheiße noch mehr Scheiße und kein Ende in Sicht!“
Naomi antwortete aufgebracht: „Giro! Du warst tot und das nicht nur ein paar Stunden! Nein, zwei ganze Tage lang! Zumindest dachten wir das.“
Giro fragte nur zynisch. „Da habt ihr wohl ein wenig falsch gedacht, wie es aussieht, oder?“
Ruben beruhigte. „Alter, du kannst froh sein, dass du jetzt wiederauferstanden bist, denn wir wollten dich gerade bestatten oder besser gesagt, verbrennen! Du weißt schon – wegen der Seuche und so! Stell dir nur mal vor, du wärst auf dem Scheiterhaufen erwacht! Das wäre ziemlich uncool gewesen!“
Giro empfand dies als noch schockierender und sagte wütend und entsetzt: „Wie bitte? Ihr wolltet mich auf einem Scheiterhaufen verbrennen? Na danke! Ihr seid echt übel drauf, hätte ich nie von euch gedacht! Besonders nicht von dir, Naomi!“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 414
ISBN: 978-3-99048-496-8
Erscheinungsdatum: 08.02.2018
EUR 15,90
EUR 9,99

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