Science Fiction & Fantasy

Domino-Rubbel-Teufel und die

Friedrich Wolf

Domino-Rubbel-Teufel und die

Zwillinge Markus und Magdalena auf der Flucht

Leseprobe:

Erster Band der Geschichte „Domino-Rubbel-Teufel und die Zwillinge“
Heimlich verließen die Zwillinge Magdalena und Markus durch den leeren Pferdestall das Haus ihrer Pflegeeltern, die schon sehr früh am Morgen, lange bevor die Sonne aufging, mit dem Pferdewagen zum Geburtstagsfest einer alten Verwandten gefahren waren. Eine Gelegenheit wie diese hatte es schon lange nicht mehr gegeben.
Nach dem Tod ihrer Eltern, die mit einem Ochsenfuhrwerk Holz aus dem Wald holten und dabei tödlich verunglückten, waren Magdalena und Markus in die Obhut ihres herzlosen und bösartigen Onkels und seiner lieblosen, geizigen Frau gekommen. Sie fühlten sich dort wie Gefangene.
Magdalena seufzte und sagte zu ihrem Zwillingsbruder: „Wann hört es endlich auf zu schneien? Ich friere, ich spüre meine Füße und meine Zehen nicht mehr.“ Denn sie hatte keine richtige Winterbekleidung – sie trug keine Strümpfe, und ihre Schuhe verdienten diese Bezeichnung nicht mehr. Auch Markus fror sehr, denn auch er war viel zu leicht bekleidet, und auch seine Schuhe waren kaputt.
Als die Morgensonne aufging, hörte es endlich zu schneien auf. Markus griff seiner Zwillingsschwester stützend unter den Arm. „Wir dürfen nicht stehen bleiben, wir müssen immer weiter-
gehen, sonst erfrieren wir!“, sagte er.
Stunde um Stunde gingen sie am Rand des nebelverhangenen, blätterlosen, verschneiten Laubwaldes entlang, und es schien, als ob die kahle, verschneite Landschaft, die sie hinter sich ließen, vorne gleich wieder nachwuchs.
Wenn Markus sie nicht so sicher auf den richtigen Weg zum Talausgang geführt hätte, hätten die beiden die Schlucht womöglich nie erreicht, die sich schließlich zwischen den mächtigen, aufragenden Felsen vor ihnen auftat.
Wie ein dickes Wolltuch trieb der Nebel durch den engen Felsspalt, als ob ihn Leute auf der anderen Seite herausziehen würden.
Erleichtert nach dem anstrengenden Marsch, ließen sich Markus und Magdalena über klaffende Abgründe und an scharfen Felsenkanten vorbei mit hineinziehen in den Spalt, der immer schmäler wurde, sodass ihre kleinen, sehr schwachen Körper gerade noch hindurchpassten. Sie glaubten, es nun geschafft zu haben, und sanken ganz erschöpft zu Boden,.
Aber auf der anderen Seite der steinigen Felsschlucht, der gefährlichen und gefürchteten Wolfsschlucht, wohnte angeblich eine vom Dorf ausgestoßene alte Frau, die sich „die Kräuterhexe“ nannte. Man erzählte sich, dass sie seit Jahren mit wilden Wölfen zusammenlebe und allen Tieren im Wald helfe.

Die Eisenbahnstrecke mit ihren vielen hintereinanderstehenden Strommasten war noch immer nicht zu sehen; nur ein steiniges und karges Gelände, ein riesiger alter Steinbruch, der stark nach verbranntem und verkohltem Holz roch.
Je weiter Markus und Magdalena in den aufgelassenen Steinbruch hineingingen, umso stärker wurde der Geruch.
„Wann kommen wir nur endlich zur Eisenbahnstrecke?“, kam es Markus schwach über die Lippen. Beim Anblick der trost-
losen, verschneiten, steinigen Landschaft vor ihnen verblasste auch noch das letzte bisschen Hoffnung, sie endlich zu finden.

Die Sonne stand unsichtbar über der hellen Nebeldecke, die durch den Steinbruch gespannt zu sein schien. Auf einem riesigen Felsvorsprung ließ sich eine Krähe vor den Zwillingen nieder und krächzte: „Geht weiter, geht weiter, es wird euch geholfen, es wird euch geholfen – fürchtet euch nicht!“
Danach flog sie wieder die steile Felswand hinauf und verschwand in der Nebeldecke.
In einem Seitenarm des mächtigen alten Steinbruchs zeigte sich eine ausgebrannte Landschaft mit großen verkohlten und leicht schneebedeckten Baumskeletten; eine Landschaft mit vielleicht zwei Dutzend einfach zusammengezimmerter Holzhütten, die sich aneinanderdrängten.
Eine armselige, kleine Siedlung ohne Menschen – nur ein Vogel flog über die niedrigen, leicht verschneiten Holzhütten und setzte sich auf den noch verbliebenen Ast eines vom Blitz gespaltenen Baumes.
Ein schwarzer Vogel auf schwarzem Holz.
„Grässlich“, sagte Markus, ohne seine Enttäuschung zu verbergen. Magdalena wäre am liebsten gleich wieder umgekehrt. Sie setzte sich unter einen Felsvorsprung, der den windgeschützten Eingang zu einer Höhle bildete.
„Markus, Markus!“, rief sie, „ich kann nicht mehr weitergehen!“
„Na gut!“, meinte ihr Bruder, „ein paar Minuten“, und setzte sich neben sie. Die beiden spürten nun mit einem Mal, wie todmüde sie waren.
Markus war gerade im Begriff einzuschlafen, da hörte Magdalena Wolfsgeheul.
Sie sprang auf und zog Markus am Arm: „Markus, Markus, hörst du die Wölfe nicht? Ich habe Angst!“ Er stand langsam auf und nahm sie an der Hand, und sie näherten sich zögernd der ersten Holzhütte.
Die Krähe ließ sich auf einem Dach nieder.
Ihr munteres Gekrächze hörte sich in dieser toten Landschaft sehr aufdringlich an.
Magdalena zeigte auf eine besonders hässliche Hütte, die an eine Felswand angebaut war. Eine Gestalt war davor aufgetaucht.
Mit dem Rücken zu Magdalena und Markus bückte sie sich, richtete sich wieder auf und warf einen Stein nach dem Vogel.
Das Geschoss klatschte an die Hauswand einer Holzhütte, und die Krähe flüchtete auf den sicheren Baumplatz von zuvor. Von dort krächzte sie wieder: „Fürchtet euch nicht.“
Die Gestalt reckte drohend ihre kleine Faust und huschte zurück in die hässliche Hütte.
Markus und Magdalena sahen sich an, nickten einander zu und schlichen vorsichtig weiter, bis sie die Hütte erreichten. Neben der Fensteröffnung, in der ein Lumpen als Vorhang hing, blieben sie stehen.
Ein kleines Holzstück knackte unter Markus’ Fuß. Der Vogel hockte sich auf das Dach gegenüber und krächzte laut: „Hol die Kinder rein, du alte Hexe, den beiden ist kalt, sehr kalt, und sie haben Durst und Hunger. Sonst holt dich der Teufel, du alte, hässliche Hexe!“
Magdalena drückte sich an die Bretterwand der alten Hütte und schob den Vorhanglappen leicht zur Seite, um hineinzusehen.
Ein heftiger Ruck ging durch ihren Körper. Ihr Arm verschwand – irgendetwas oder irgendwer hatte ihn gepackt und versuchte, sie durchs Fenster hineinzuziehen. Magdalena verkrampfte sich und stemmte ihre Knie gegen die Holzwand der Hütte. „Markus, Markus, hilf mir!“, keuchte sie und blickte ängstlich und verzweifelt zu ihrem Bruder.
„Ich werd’s dir schon zeigen, du hinterhältiger Teufel! Du Aas willst dich hier anschleichen und mich holen, na warte, du Teufel!“, schrie eine Frauenstimme hasserfüllt aus dem Innern. „Ich schneide dir einen Arm ab, dann kannst du niemanden mehr mitnehmen, du Teufelspack!“
Markus griff seine Zwillingsschwester mit beiden Armen, stemmte sein rechtes Bein gegen die Bretterwand der alten Hütte und befreite Magdalena aus der gefährlichen Lage. Wüstes Geschimpfe war die Antwort.
Die Zwillinge wichen verstört und ängstlich zurück, und Markus tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn.
„He!“, rief Markus zum Fenster hin.
„Wer seid ihr, und was tut ihr da?“
Markus klaubte einen kirschgroßen Kieselstein vom Boden auf und legte ihn in seine Steinschleuder. Ein Kopf schob sich vorsichtig aus der niedrigen Holztür der Hütte.
Eine leicht gebückte, verhärmt wirkende Frau in einem abgerissenen, schmutzigen, grauen Umhang mit Kapuze wurde sichtbar. Sie war barfuß und hielt drohend einen Stock in der Hand.
Als sie sah, wen sie vor sich hatte, sank die drohende Hand langsam hinunter. „Was wollt ihr?“, fragte sie feindselig.
„Wir suchen die Eisenbahnstrecke – den Bahnhof“, antwortete Magdalena.
„Den Bahnhof? Hm, warum denn?“ Die Frau blieb misstrauisch.
„Wir, wir suchen jemanden“, erwiderte Magdalena.
„Und wen sucht ihr?“, fragte die alte, leicht gebückte Frau, und der Blick aus ihren dunkelbraunen Augen hatte etwas Lauerndes.
Magdalena sah Markus fragend an. „Wir suchen die Eisenbahnstrecke, um zu unserem Großvater zu fahren“, erklärte dieser und vermied es, die Frau anzusehen.
Der verhärtete Gesichtsausdruck der alten Frau brach einen Moment auf, und ein Hauch von Wehmut oder Sehnsucht huschte über ihr altes, faltiges Gesicht. Sie starrte Markus an.
„Wie heißt du?“, fragte sie, „und wie alt bist du?“
Er antwortete: „Neun, zehn, so ungefähr.“
„Weißt du es nicht?“
„Ist doch egal“ knurrte Markus. „Was geht Euch das denn an?“ Er schlug die Steinschleuder gegen seinen Oberschenkel.
„Könnt Ihr uns nicht endlich sagen, wie wir zur Eisenbahnstrecke kommen?“, fragte Magdalena dazwischen.
„Wie heißt denn euer Großvater?“, wandte sich die alte, gebückte Frau an sie und überging die Frage.
„Wir suchen den Bahnhof, um zu unserem Großvater zu fahren“, antwortete Markus ärgerlich. „Was soll dieses blöde Ausfragen,
wir haben es eilig.“
Die Frau deutete ein Nicken an, lehnte sich an die Holzwand der alten Hütte und seufzte. Ihre Anspannung ließ sichtlich nach und nahm ihrem Gesicht etwas von seiner Härte.
„Du hast recht“, lenkte sie ein, „ich bin manchmal sehr in Gedanken.“
Sie machte eine schwache Bewegung mit dem Arm und sagte zu den Zwillingen: „Kinder, kommt, kommt herein. Ihr seid ja wirklich durchgefroren, wahrscheinlich auch sehr müde, durstig und hungrig. Kommt herein, kommt zur Feuerstelle und macht es euch gemütlich.“
Die letzte Helligkeit wich langsam der heraufziehenden Nacht, und der Mondschein warf sein bleiches Licht in den dunklen, verschneiten Steinbruch.
„Kommt doch endlich herein, ich will mich euch nicht aufdrängen müssen“, sagte die alte Frau und ging in die Hütte. Markus nahm Magdalena an der Hand, und sie gingen hinein.

Sie trauten ihren Augen nicht: Die alte, verkommene Holzhütte war nur ein kleiner Vorbau vor einem mächtigen Höhleneingang.
Die Geschwister blieben wie gelähmt stehen, Hilfe suchend umklammerten sie sich. Magdalena sagte mit leiser, zitternder Stimme: „Markus, ich habe furchtbare Angst.“
Auf einmal hörten sie die Stimme der alten Frau wieder: „Hallo!“, und noch einmal: „Hallo Kinder, kommt doch zur Feuerstelle, ich habe euch dort ein weiches Lager aus Stroh und Heu zurechtgemacht und euch auch frische Ziegenmilch und dazu frisches Fladenbrot angerichtet. Kommt, wärmt euch am Feuer, esst und trinkt.“
Magdalena und Markus ließen sich los und gingen vorsichtig und mit langsamen Schritten durch den mächtigen Eingang in die Höhle, die von einem Feuerschimmer hell erleuchtet, groß und sehr warm war.
Wiederum trauten sie ihren Augen kaum; denn eine so gewaltige, aus großen, schweren Steinen angelegte Feuerstelle hatten sie vorher noch nie gesehen.
Es war ein riesiger, mit Steinen umfasster Kreis, der hüfthoch war und mindestens zehn Meter Durchmesser hatte.
Magdalena und Markus gingen langsam und sehr aufgeregt um die Feuerstelle herum.
Markus blieb stehen und beobachtete die mächtigen Flammen, die nach oben zur Höhlendecke schossen, ohne sie zu erreichen – so hoch und mächtig war diese Höhle. Er war davon so beeindruckt, dass er nicht bemerkte, dass seine Zwillingsschwester weiterging.
Auf einmal riss ihn Magdalenas Aufschrei aus seinen faszinierten Gedanken. „Markus, Markus! Komm, komm schnell!“
Er zuckte wie von einem Blitz getroffen zusammen, denn er glaubte, es sei schon wieder etwas passiert. So schnell er konnte, rannte er um die Feuerstelle zu seiner Schwester und fragte ganz aufgeregt: „Magdalena, was ist los, was hast du? Ist dir etwas passiert?“
„Ach, Markus“, meinte sie, „bitte beruhige dich doch wieder. Schau doch, schau!“
Neben der riesigen Feuerstelle lag ein großer Stein wie ein Tisch, mit etwas kleineren Steinen zum Sitzen, die durch das Feuer angenehm gewärmt waren. Darauf standen zwei große Steinkrüge, die randvoll mit frischer Ziegenmilch gefüllt waren, außerdem zweimal fünf noch warme Fladenbrote und eine alte, verbeulte Blechschüssel mit schönen, roten Äpfeln.
Magdalena fing zu weinen an und fragte Markus: „Erinnert dich das an etwas?“ Auch Markus dachte sofort an die tödlich verunglückten Eltern und konnte seine Tränen nicht verbergen.
Sie fuhr mit schluchzender, seufzender Stimme fort: „Wie bei unserer Mutter, da gab es am Abend auch immer frische Ziegenmilch und warme Fladenbrote, und dazu eine Schüssel roter Äpfel.“
Er antwortete mit wehmütiger und erstickter Stimme: „Unser Vater hat jeden Abend unsere Kammer schön warm eingeheizt.“
Magdalena erinnerte sich weiter: „Wir mussten nie hungern oder frieren, wir waren warm angezogen und hatten gute Schuhe.“ Sie weinte immer noch. „Warum mussten unsere Eltern nur sterben, warum nur?“
Markus nahm seine Schwester in den Arm und tröstete sie: „Magdalena, du wirst sehen, wenn wir bei unserem Großvater sind, geht es uns wieder besser!“
Sie falteten ihre kleinen Hände und beteten zum lieben Gott. Sie bedankten sich für die warme Höhle und das Abendessen und baten darum, dass ihre Eltern in den Himmel kämen und sie ihren Großvater finden würden.
Als sie die Ziegenmilch getrunken und das Fladenbrot gegessen hatten, fielen Magdalena schon die Augen zu. Markus nahm sie in den Arm und sagte zu ihr: „Komm, jetzt legen wir uns schlafen.
Sie taumelte zu dem warmen Lager, das ihnen die alte, leicht gebückte Frau zurechtgemacht hatte. Dort legte sie sich hin und schlief sofort ein.
Markus ging noch einmal zurück in die alte Holzhütte, die vor den Höhleneingang gebaut war, damit nicht nur der Eingang selbst, sondern auch der helle Lichtschein der riesigen Feuerstelle von draußen nicht zu sehen war.
Er suchte die alte Frau, um sich zu bedanken, aber er konnte sie nirgendwo sehen oder hören.
Er schob den alten Lumpen, der vor der kleinen Fensteröffnung als Vorhang hing, zur Seite, um noch einmal nach draußen in den alten Steinbruch zu schauen; aber außer der kalten, finsteren, stürmischen Nacht und dem starken Schneefall konnte er nichts erkennen. So ging er wieder zurück in die warme Höhle, um sich auch schlafen zu legen.

Da lagen auf einmal neben Magdalena zwei dicke, warme Decken. Markus meinte zu sich selbst: „Irgendetwas stimmt doch hier nicht, das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Wo sind auf einmal diese beiden Decken hergekommen? Wer hat sie da hingelegt?“

Da er nicht auf die andere Seite der Feuerstelle sehen konnte, ging er noch einmal um den riesigen Kreis aus hüfthohen Steinen.
Immer wieder blieb er stehen und rief laut: „Hallo, ist da jemand?“
Er lauschte, aber Antwort gab nur das mächtige, knirschende Feuer.
„Hallo“, rief er noch einmal, „alte, gute Frau, wo seid Ihr? Ich möchte mich für meine Zwillingsschwester und für mich bedanken – für den warmen Schlafplatz und das gute Essen; und natürlich auch für die dicken Decken. Wo seid Ihr, gute Frau?“ Aber niemand antwortete.
Plötzlich schoss eine mächtige Stichflamme in die Höhe, und eine Funkenfontäne fiel herab. Markus taumelte vor Schrecken zurück und fiel zu Boden, er hob seinen rechten Arm und hielt ihn schützend vor sein Gesicht.
Gleich darauf flog ein zerzauster Rabe über die riesige Feuerstelle und krächzte laut: „Markus, du brauchst keine Angst zu haben, fürchte dich nicht. Lege dich auch schlafen und ruhe dich aus. Lege dich zu deiner Zwillingsschwester, decke dich ebenfalls mit der dicken, warmen Decke zu, glaube und vertraue mir: Es wird euch ganz sicher geholfen.“ Markus befolgte den guten Rat des alten, zerzausten Raben und legte sich schlafen.
„Danke, danke, lieber Rabe!“, sagte er noch, dann schlief auch er tief und fest.
Kaum war Markus eingeschlafen, flog der Rabe gegen die Felswand der Höhle und stürzte krächzend zu Boden. Jammernd wie ein Betrunkener taumelte er noch ein paar Mal mit seinem Kopf gegen die Wand.
Unter krächzendem Schimpfen und Stöhnen verwandelte er sich in die alte, barfüßige, leicht gebückte Frau in dem schmutzigen, grauen Kapuzenumhang – die vor langer Zeit von den Menschen aus dem Dorf Tiefenthal ausgestoßene, vertriebene und beschimpfte Kräuterhexe.

In diesem Moment kamen auch schon sämtliche Tiere des Waldes aus dem tiefen Inneren der mächtigen Höhle, um sich zu beraten, wie sie den beiden Zwillingskindern Magdalena und Markus weiterhelfen könnten. Sie setzten sich rund um die riesige Feuerstelle.
Der Kreis der Waldtiere schloss sich langsam. Als die Bärenfamilie – Griselli und Boris mit ihren zwei Bärenkindern – näher kam, umfing sie das angenehme, schummerige Dämmerlicht der Feuerstelle. Boris war glücklich, denn seiner Familie ging es gut, sie hatten sich einen gewaltigen Fettvorrat für den Winterschlaf angefuttert.
Plötzlich blieb er stehen. Auch Griselli und die beiden Bärenkinder hielten inne. Griselli schaute ihn fragend an und flüsterte:
„Boris, was hast du? Warum bleibst du stehen?“
„Ja, hörst du das nicht, Griselli? Dieses Gekicher und Gelächter ist doch sehr ungewöhnlich für den Ernst der Lage, in der sich die Kinder befinden.“
„Ja“, sagte die Bärin, „du hast ja recht, Boris, aber gehe bitte weiter, wir werden den Grund dafür gleich erfahren.“
Da kam ihnen Duks, der übermütige und vorlaute Waschbär, entgegen, und erzählte ihnen mit lachendem Gesicht von dem Missgeschick der alten Kräuterhexe, die sich jetzt noch den Kopf und die aufgeschürften Knie rieb.
„Ach“, sagte Boris , „davon wusste ich gar nichts“, und ging wieder pfeifend und froh gelaunt weiter.
Als die Bärenfamilie die riesige Feuerstelle erreicht hatte, schaute er prüfend über die Köpfe der versammelten Waldtiere. Seine Sorge galt den beiden Menschenkindern. Da Boris ein sehr liebevoller und verantwortungsvoller Bärenvater war, führte sein Weg als Erstes zu Magdalena und Markus. Griselli und die beiden Bärenkinder folgten ihm.
Er blieb vor der Schlafstelle der Zwillinge stehen und sprach mit gedämpfter Stimme: „Ihr armen Kinder, was hat man euch nur angetan?“
Die Zwillinge lagen aneinandergekuschelt auf ihrem frisch aufgeschütteten, wohlriechenden Schlaflager.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 212
ISBN: 978-3-99026-613-7
Erscheinungsdatum: 04.10.2012
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Krampus & Nikolo