Science Fiction & Fantasy

Die Schattenbrut

Roxio Failer

Die Schattenbrut

Leseprobe:

KAPITEL 1
Die Vorstellung

Die Welt der Menschen. Eine Welt, in der schlechte Gedanken, negative Emotionen und Stress ein großes Problem darstellen. Um dieses Problem einzudämmen, existieren die sogenannten Behüter des Guten. Diese wachen über die Menschen und ihren Alltag. Sie sorgen dafür, dass diese schlechten Emotionen nicht die Überhand gewinnen. Diese Hüter werden von unserer Organisation begleitet, der auch ich angehöre. Wir sind Wächter, welche die Menschen beobachten. Doch da es uns nicht gestattet ist, in die Welt der Menschen einzugreifen, wurden durch uns vor sehr vielen Jahren die Behüter des Guten ins Leben gerufen.
Einer dieser Behüter des Guten war Chris. Dieser Junge hatte eine sehr lange Reise hinter sich und sehr große Kräfte. Ich begleitete ihn sein ganzes Leben lang. Es begann alles, als dieser Sprössling sechs Jahre alt wurde und wir zum ersten Mal seine Gaben bemerkten. Ich war zugeteilt, ihn zu beobachten. Er war bereits mein 832. Sprössling. Wir begleiten sie bis zu ihrem Tode. Sie glauben mir nicht? Nun, wir altern nicht. Wir von der Organisation sind nicht mehr an so etwas wie eine Lebenszeit gebunden.
Aber zurück zum Wesentlichen: Ich bemerkte immer wieder, wie Chris es schaffte, seine Hände mit einen dunklen, aber gleichzeitig leuchtenden Nebel zu umhüllen. Er selbst sah den Nebel nicht. Er spürte nur dieses kitzelnde Kribbeln, was ihm so gefiel.
Jeder Mensch hat in diesem Alter etwas Besonderes an sich und die meisten verlernen im Laufe ihres Lebens, ihre Kräfte zu nutzen, und erinnern sich irgendwann nicht mehr daran, dass sie jemals welche besaßen. Nur die, die eine gute Seele haben, das Gute im Leben sehen und positiv denken, behalten ihre Kraft und können lernen, sie zu beherrschen. Chris war ein gutes Kind, das anständig erzogen worden war. Er trug schon von klein auf eine Brille, war von je her etwas schmächtig gebaut und zog sich recht langweilig an, so urteilten andere Kinder. Meistens trug er eine normale Jeans, ein grünes Shirt oder ein weißes mit grünen Motiven darauf. Dazu hatte er meist eine Jacke an, die er offen trug. Diesen Kleidungsstil behielt er eigentlich immer bei.
Ich bemerkte leider, wie er immer von den anderen Kindern ausgeschlossen wurde. Es war seltsam und ich konnte es nie nachvollziehen. Er war ein gutes Kind, war aber schon von klein auf immer von Gleichaltrigen gehänselt worden. Da er ständig gehänselt wurde, fand er auch keine Freunde und war meist allein. Chris wollte schon mehrmals Zeit mit seinen Eltern verbringen, doch sie wiesen ihn jedes Mal zurück mit der Ausrede, dass sie arbeiten mussten.
Er stand dann eines Tages vor der Tür, die gerade von seinem Vater zugemacht worden war, nachdem er es wieder einmal versucht hatte. Sein Verhältnis zu seinen Eltern war noch nie gut gewesen und besserte sich auch nie. Seine Eltern hatten nichts weiter als ihre Karrieren vor Augen und sahen Chris weniger als einen Sohn und mehr als ein Objekt. Es kam auch schon mal vor, dass sie für mehrere Wochen auf Geschäftsreise fuhren. Dann hörte er seine Oma aus dem Nebenzimmer fragen: „Was ist denn los, mein Kleiner?“
Chris‘ Oma wohnte bei seinen Eltern, seit sein Opa verstorben war. Sie saß in einem alten Ledersessel im Wohnzimmer. In dem Raum hörte man eine große Standuhr ticken. Es befand sich ein Kamin im Haus, der anscheinend lange nicht benutzt worden war. Neben dem Ledersessel stand ein großes Bücherregal. Gegenüber dem Sessel auf der anderen Seite war ein Sofa platziert, von welchem man bequem auf den Fernseher schauen konnte, der sich im ausgeschalteten Zustand befand. Im Zimmer hingen Familienfotos.
Seine Oma war korpulent, hatte graues kurzes Haar. Sie schien schon über 70 Jahre alt zu sein. Sie lächelte und Chris lief zu ihr.
„Ich werde von den anderen Kindern in der Schule gemobbt und finde so keine Freunde. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Auch wenn ich sage, dass sie aufhören sollen, machen sie es nicht.“
Die Oma lächelte, schaute ihn an und sprach: „Mein Junge, du musst nicht nach Freunden suchen. Du musst sie finden. Versuch, die Gemeinheiten der Schüler nicht zu sehr an dich heranzulassen. Ich gebe dir einen Rat und ich möchte, dass du dir diesen gut einprägst: Verliere niemals die Liebe in deinem Herzen und das Licht in deiner Seele. Du bist doch so ein liebes Kind. Versuche, diese negativen Gefühle nicht an dich ranzulassen. Vergiss, was diese Menschen dir antun wollen. Kümmere dich nicht um sie. Lasse dich dafür von anderen lieben. Von den Personen, die dich gern haben. So wie ich es tue, mein Schatz.“
Chris umarmte sie und bedankte sich für den Rat.
Bevor er in die vierte Klasse kam, zogen seine Eltern um. Sie zogen sehr weit weg von allem, was Chris kannte. Der Grund dafür war wieder einmal ihre Arbeit. Der Schulwechsel tat meiner Meinung nach meinem Schützling nicht sehr gut, denn er war sehr schlecht in der Schule. Und nun musste er wieder den Anschluss finden in einer neuen Schule, die einen anderen Lehrplan verfolgte. Dazu kam, dass der Weg zur Schule sehr weit war und er ihn mit dem Fahrrad bewältigen musste.
Um dem ganzen Übel noch eins obendrauf zu setzen, war Chris‘ neue Klasse schlimmer als seine alte. Ich hatte Angst, er würde seinen positiven Glauben verlieren. Chris konnte sich nie gut gegen solche Personen wehren. Er wurde von anderen Mitschülern immer noch ausgeschlossen. Jungen gaben vor, seine Freunde zu sein, nur um ihn nachher zu hintergehen. Sie erzählten Unwahrheiten, um ihn damit weiter fertigzumachen, fingen irgendwann an, ihn auch körperlich anzugreifen.
Der Grund, warum mein Schützling aber weiterhin positiv durch das Leben gehen konnte, war der Rat seiner Oma, sowie ein Junge, den er in der fünften Klasse kennenlernte. Chris wurde wegen seinen schlechten Noten in eine andere Klasse versetzt. Als er das erste Mal das Klassenzimmer betrat, schaute er sich um. Einige gemalte Bilder von der Klasse hingen an der Wand. Es waren jeweils zwei Pulte aneinander geschoben worden, zwischen den Zweierreihen wurde eine Pultbreite Abstand gehalten.
Einige Schüler, die schon im Klassenraum standen, fingen an, über einen anderen Jungen zu tratschen, der ebenfalls bereits an einem Schülerpult saß.
Chris ging zu ihnen hin und fragte: „Stimmt mit dem Jungen da etwas nicht?“
Schnell merkte Chris, dass sich der Junge in derselben Lage befand, die er selbst zur Genüge kannte. Sie erzählten Unwahrheiten, prahlten damit, dass sich einer von ihnen als Freund des Jungen ausgegeben hatte, um an private Informationen ranzukommen und ihn danach damit fertigzumachen.
Mein Schüler drehte sich schließlich wortlos um, schob seine Brille hoch und setzte sich neben den Jungen. Der Junge schaute Chris verwundert an. Er hatte kurze schwarze Haare, trug ein Hemd und eine Uhr am Arm. Seine Hosen waren genau so schlicht wie die von Chris.
Er sagte dann stockend: „Hallo, ich bin Jan und wer bist du?“
Chris schaute zurück und erwiderte: „Hallo, mein Name ist Chris. Du scheinst nicht mit den anderen hier zu sprechen.“
Jan schaute wieder nach vorne und sprach: „Ja, ich bin nicht gerade beliebt in der Schule. Ich habe keine Freunde.“
Chris grinste ihn an und sagte dann nur knapp: „Bis jetzt.“
Jan betrachtete ihn fragend, aber auch misstrauisch. Mein Schützling erzählte ihm dann von seinen eigenen Erfahrungen mit Mobbing. Er öffnete sich ihm komplett, ohne Hemmungen.
Jan hörte ihm aufmerksam zu. Er musterte Chris, blieb aber still. Dieser Vertrauensbeweis genügte ihm und sie wurden am gleichen Tag noch beste Freunde. Sie machten jeden Tag etwas zusammen und hatten sehr viel Spaß. Sie gaben sich gegenseitig Kraft und in der zweiten Oberstufe war es endlich so weit: Chris wurde 16 Jahre alt.
Er hatte sich trotz seines schlechten Schullebens bisher ein unglaublich gutes Herz bewahrt. Er hatte bewiesen, dass er würdig war, ein Wächter zu werden.
Am Tag nach seinem Geburtstag saß Chris an dem See, der sich an seinem Wohnort befand. Die letzten Strahlen der Sonne schienen auf das Wasser. Das Wasser war ruhig und es ging ein kühler Wind. Vogelgezwitscher war zu hören. Im Wasser schwammen Enten und Schwäne im Einklang miteinander, sie wurden von einigen Passanten gefüttert.
Ich setzte mich neben Chris, so nah war ich ihm noch nie gewesen. Ich spürte seine Kraft so stark, dass ich kaum atmen konnte.
Ich wollte eben zu sprechen beginnen, als er sagte: „So, alter Mann. Ich habe Sie schon seit einer Weile bemerkt. Ich habe das Gefühl, Sie verfolgen mich. Also, wer sind Sie? Und warum kommt es mir so vor, als könne niemand sonst Sie sehen?“
Ich schaute auf den See hinaus, schluckte erst einmal schwer, weil ich nicht gewollt hatte, dass er mich bemerkt. Danach antwortete ich ihm: „Ich wurde auserwählt, dich zu beschützen. Ich bin dein Wächter, der dich durch dein Leben als menschlicher Hüter begleiten wird. Du kannst mich deinen Schützer nennen. Meinen Namen brauchst du nicht zu wissen. Und es ist tatsächlich so, nur du kannst mich sehen. Wir sind keine richtigen Menschen. Unseresgleichen ist eine Stufe weiter. Unsere Bestimmung ist es, das Gleichgewicht der Welt aufrecht zu erhalten. Und da wir selbst in die Welt der Menschen nicht eingreifen können, begleiten wir euch.“
Er sah mich verwirrt an und sagte: „Ich habe keine Ahnung, wovon Sie da sprechen.“
Ich erwiderte nichts mehr, fasste ihm an die Stirn und ließ seine inneren Kräfte frei. Seine Augen leuchteten auf und ein großer Energiestrom schoss aus ihm heraus. Danach verlor er das Bewusstsein. Dies war ganz normal. Nach einer Weile wurde er von einer Person auf der Bank geweckt, die ihn fragte, ob alles in Ordnung wäre. Mein Schüler nickte verwirrt und ging nach Hause. Kaum war er dort angekommen, fiel er ins Bett und schlief ein.



KAPITEL 2
Ungeahnte Kräfte

Chris wachte am nächsten Morgen verwirrt in seinem Bett auf. Ich sah seinem Gesicht an, dass er sich fragte, was da gestern geschehen war. Er grübelte lange nach, als auf einmal sein selbstgezeichnetes Comicbuch in der Luft schwebte.
Chris erschrak, kippte von seinem Stuhl und schrie: „Was zum Teufel?!“
Das Buch fiel zu Boden und mein Schüler stand verwirrt wieder auf. Sein Zimmer war eher klein. Das Fußende seines Bettes war gegen die Wand gerichtet. Oberhalb war ein Fernseher angeschraubt. Links vom Bett war ein Kleiderschrank aufgebaut worden, welcher den Rest der einen Seite der Zimmers einnahm. Gegenüber seinem Schrank war sein Pult, auf dem sich sein Computer, seine Zeichnungen und andere Dokumente befanden. Neben dem Pult stand ein kleiner Schrank, in dem allerlei Dinge lagerten, neben diesem befand sich eine Vitrine, die mit Figuren all der Dinge gefüllt war, die Chris so mochte.
Er hob sein Buch auf und beäugte es ungläubig, als auf einmal all der Krimskrams auf seinem Pult durch die Luft schwebte. Chris bemerkte, wie sein Zeichenstift an ihm vorbeiflog. Er drehte sich um und sah seine Sachen durch den Raum
fliegen.
Ich stand unsichtbar in seinem Zimmer und musste mir das Lachen verkneifen. Es war immer belustigend, dabei zuzusehen, wie ein neuer Schüler am ersten Tag seine Kraft kennenlernte. Je stärker die Kraft des Auserwählten war, desto schwerer war es, sie zu kontrollieren.
Mein Sprössling besaß eine der drei stärksten Kräfte, die es gab – die Kraft der Gravitation. Diese Kräfte werden nur alle tausend Jahre einem Jüngling geschenkt und ich hatte noch nie eine Person mit einer so mächtigen Kraft ausbilden dürfen. Als Chris dann klar wurde, dass er das war, wurde er auf einmal sehr still. Er setzte sich hin und alles, was gerade so durch das Zimmer schwebte, fiel zu Boden.
Dann starrte er die Wand an und fragte sich: „Ich, ich lasse die Dinge schweben? Ist es das, was der Greis meinte mit der Kraft? Kann ich wirklich Dinge schweben lassen? Das, das ist ja fast so, als ob ich die Gravitation manipu-“
Mein Schützling starrte erstaunt die Wand an und sagte ungläubig: „Ich, ich beherrsche die Gravitation?“
Gedanklich bei all den Dingen, die er nun tun konnte, fuhr er schließlich zur Schule. Er konnte seinem besten Freund Jan natürlich nichts davon erzählen. Nachdem er in der Schule ankam und sein Fahrrad mit einem Schloss absicherte, fingen auf einmal alle Fahrräder um ihn herum an, zu schweben. Chris schaute verwirrt und leicht panisch von links nach rechts, weil er nicht wollte, dass jemand anderes das sah. Zu seinem Glück war gerade niemand in der Nähe.
Als er auf die Schule zuging, sah er Jan, der zum Schulgebäude hochstarrte. Er schien verändert, so als ob er gewachsen wäre, und er hatte einen Bartansatz bekommen.
Chris ging mit kritischem Blick zu ihm, putzte seine Brille und fragte: „Jan? Ist alles okay?“
Jan drehte seinen Kopf schnell zu ihm, schaute ihn mit großen Augen an. Er schien leicht durcheinander und brabbelte dann: „Ja, ja, ist alles okay.“
Im Unterricht achtete Chris aufmerksam auf den Lehrer, als er aus dem Augenwinkel bemerkte, wie sein Radiergummi sich in die Lüfte erhob. Er hielt ihn fest, bevor es jemand sah, und konzentrierte sich mit einer Hand darauf, seine Schreibutensilien festzuhalten. Den ganzen Tag über musste er ständig sein Schulmaterial im Auge behalten.
Nach einem langen Tag saßen sie in der letzten Unterrichtsstunde. Sein Lehrer stand vorn und sprach: „Die Gesetze der Schwerkraft. Gravitation. Dies soll unser heutiges Thema sein.“
„Glück im Unglück“, dachte mein Schüler.
„Die Gravitation zu erklären, ist einfach. Ich werde nun diesen Stift fallen lassen.“
Der Lehrer hielt einen Kugelschreiber in der Hand und als er ihn losließ, schauten alle verwundert nach vorne. Der Lehrer wusste noch nicht, was geschehen war und sprach weiter: „Nun versteht ihr vielleicht, dass aufgrund der Erdanziehungskraft alles zu Boden fällt.“
Er unterbrach seinen Vortrag, als sein Kugelschreiber an seinem Kopf vorbeiflog. Als er den Stift losgelassen hatte, war dieser nicht wie erwartet zu Boden gefallen. Er begann zu schweben. Dies war das Werk von Chris, doch er konnte nicht willentlich etwas dafür. Es lag daran, dass er sich auf den Stift konzentrierte.
Als der Lehrer etwas sagen wollte, fiel der Stift auf einmal zu Boden. Weder die Lehrkraft noch die Schüler wussten, was sie sagen sollten. Dann ertönte die Klingel und die Schüler verließen den Raum, Chris sogar schnellen Schrittes. Nach Schulschluss fuhr er nicht nach Hause. Er fuhr zu einem alten Steinbruch, der stillgelegt worden war. Dieser lag auf einem Berg und war eine gute halbe Stunde entfernt. Die Gegend war von der Natur vollständig zurückerobert worden. Viele Büsche und Sträucher wuchsen aus dem vor Jahren plattgefahrenen Boden. Der Steinbruch war eindrucksvoll hoch und warf genug Schatten, um sich von der prallen Sonne zurückziehen zu können. Der Regen hatte dafür gesorgt, dass eine Art künstlicher See entstanden war, in dem vor allem Kaulquappen schwammen.
Chris las lange in seinem Schulbuch die Gesetze der Schwerkraft nach. Danach fing er an, mit den herumliegenden Steinen zu üben. Indem er sich auf einen Stein konzentrierte, wurde dieser langsam in die Luft gehoben und schwebte wie Gegenstände im All durch die Gegend. Sobald Chris ihn nicht mehr ansah, fiel er zu Boden.
Nun dachte er laut: „Gravitation kann ja auch umgekehrt funktionieren.“
Er streckte seine Hand nach einem Stein aus und erhöhte dessen Anziehungskraft. Es war ein sehr kleiner Stein und plötzlich fing er an, im Boden zu versinken. Dies lag daran, dass mein Schützling in jeder Sekunde das Gewicht des Steines um das Hundertfache erhöhte. Er stoppte dann und wollte ihn hochheben, scheiterte jedoch kläglich daran. Der etwa handgroße Stein wog nun immerhin mehrere hundert Tonnen. Nach weiteren harmlosen Übungen ging er nach Hause.
Die Tage vergingen, Chris fuhr jeden Abend zum Steinbruch, um seine Kraft kennenzulernen und zu üben. Er versuchte sich mittlerweile auch an großen Felsbrocken. Spontane Schwerkraftminimierungen wurden immer seltener. Er begann, die Grundsätze seiner Kräfte zu beherrschen. Er las auch viel über die Gravitation in Büchern und im Internet nach, um sie besser verstehen zu können.
Eines Tages, es war Samstag, wollte Chris mit dem Fahrrad zu dem Steinbruch fahren, doch plötzlich zersprang die Kette an seinem Fahrrad beim ersten Tritt in viele Einzelteile. Er seufzte und lehnte das Fahrrad gegen die Hauswand.
Dann überlegte er und dachte wieder laut: „Wenn ich alle möglichen Dinge schweben lassen kann, wie ist es denn bei mir?“
Er lief zu einer großen Wiese vor seinem Haus. Das Gras war kurzgeschnitten und eine warme Brise ging. Der Tag war leicht bewölkt. Chris atmete tief durch. Er begann, in eine Richtung zu rennen, nach zehn Metern sprang er etwa drei Meter hoch in die Luft und landete langsam wieder auf dem Boden. Er rannte weiter und nach weiteren zehn Metern sprang er nochmals in die Luft, etwa zwanzig Meter hoch, und schwebte wieder sanft zu Boden.
Er setzte sich erschöpft hin, schob seine Brille hoch und musste sich erstmals erholen. So hoch zu springen, ist natürlich nicht gerade gewöhnlich für einen Menschen. Ich setzte mich neben ihn, machte mich sichtbar und Chris erschrak erst einmal.
Ich sagte zu ihm: „Ich weiß, du hättest gerne ein paar Tipps, damit du deine Fähigkeiten besser kontrollieren kannst, aber ich darf dir nicht helfen. Das musst du alles selbst erlernen. Ich gebe dir aber einen Rat: Du kannst dich doch von der Erde abstoßen, so schwebst du auch.“
Mein Schützling überlegte lange und schob sich Ideen in seinem Kopf zurecht. Dann stand er auf, bedankte sich für den Rat und rannte erneut sehr schnell über die Wiese. Indem er seinen Körper so leicht machte, war er auch schneller als alle Menschen auf der Welt. Chris’ Geschwindigkeit nahm immer mehr zu, er sprang dann kurz hoch und als er landete, stieß er sich noch einmal von der Erde ab und flog in fünfzehn Metern Höhe durch die Luft. Er genoss es, aber wer würde das nicht? Ich meine, er flog schließlich gerade in der Luft. Nun, sozusagen. Nach einer Zeit holte ihn die Schwerkraft immer wieder zurück auf den Boden und er musste sich wieder von einer Hauswand, einem Baum oder anderen Objekten abstoßen, um wieder in die Lüfte zu kommen. Ich flog hinter ihm her und schaute ihm zu, wie er Bäumen und Häusern auswich und richtig Spaß dabei hatte.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 144
ISBN: 978-3-903155-96-1
Erscheinungsdatum: 26.09.2018
EUR 20,90
EUR 12,99

Schulbeginn-Tipps