Science Fiction & Fantasy

Das Tor nach Aquaterra – Band 2

Dora Schönfeld

Das Tor nach Aquaterra – Band 2

Liebe – Treue

Leseprobe:

Lacus Felix



Bella versuchte schon seit geraumer Zeit, Ordnung in ihre Koffer zu schaffen, damit auch nichts liegen blieb. Nur leider brachte sie nicht alles unter, egal was sie versuchte. Anna sah ihr schon seit einer halben Stunde zu, wie sie immer wieder alles umschichtete, und maulte entnervt zum hundertsten Mal.
„Jetzt gib schon her, ich hab doch gesagt, dass ich noch Platz habe, schließlich habe ich auch zwei Koffer mehr!“ Dabei entriss Anna ihr auch schon ihre Lieblingsklamotten. Mit einem Seufzer der Ergebung gab sich Bella geschlagen.
„Aber das bekomme ich wieder!“, schmunzelte Bella. Anna lachte nur erheitert. Sie verwendeten immer alles gemeinsam, es war völlig egal, wem was gehörte. Vor allem wenn sie in Zukunft auch noch beisammenwohnen würden. Als würden sie bereits zur Uni gehen und sich nun eine WG teilen. Sie freuten sich schon riesig auf das neue Leben und Anna sah wieder bedeutend besser aus, auch wenn sie noch äußerst schreckhaft war und sehr blass um die Nase wirkte. Wobei dies bei Anna eine Kunst war, denn sie hatte von Natur aus eine sehr helle Haut und so hellblonde Haare, dass sie schon fast weiß wirkten. Daher stachen ihre wiesengrünen Augen stark hervor.
„Das kann was werden! Wir beide in einer Wohnung. Schade, dass das die Klatschmäuler nicht mehr mitbekommen.“ Anna wirkte etwas wehmütig, was Bella mit hochgezogener Augenbraue quittierte.
„Ja, die würde es in der Luft zerreißen!“ Nach einer kurzen Atempause fuhr sie fort: „Aber bestimmt werden bei uns auch bald die Fetzen fliegen, so wie bei den Paaren, die schon lange zusammen sind; kaum ziehen sie in eine gemeinsame Wohnung, bemerken sie, dass sie keine Gemeinsamkeiten haben oder was sie alles stört!“ Theatralisch gestikulierte Bella mit ihren Händen und ließ Anna schön ihre Kleidung weiter einpacken. Für gewöhnlich war das ihr Steckenpferd, um sich zu beschäftigen.
„Bella, warum glaubst du, dass wir streiten?“ Dabei warf Anna sich mit ihrer zierlichen Statur auf ihren Koffer, um ihn zu schließen. Ja, Anna war schlank und größer als sie. Doch noch war Bella nicht so unzufrieden mit ihrer Figur, auch wenn sie ein bisschen zu starke Kurven aufwies und nur ein paar Zentimeter größer sein wollte.
„Ich werde bestimmt auf einen Tick von dir draufkommen, der mir tierisch auf die Nerven geht!“, drohte Bella mit erhobenem Finger. Endlich gewann Anna den Kampf und Bella schloss die Lasche.
„Da kannst du lange suchen!“, lachte Anna, aber auch über den Sieg über ihren widerborstigen Koffer.
„Du schläfst mit deinen Stiefeln im Bett! Gib es zu, Anna!“, donnerte Bella, während Anna schwungvoll den Koffer zu den anderen wuchtete, die schon zum Verladen bereitstanden.
„Spinnst du jetzt, Bella? Ich geh doch nicht mit Stiefeln ins Bett!“ Empört und doch schmunzelnd schüttelte Anna den Kopf, doch ihre Augen lachten mit Bella. Da erklang von draußen eine Hupe und Annas Augen wanderten in diese Richtung. „Los! Wir müssen raus! Sam wird schon ungeduldig“, rief ihr Anna noch lachend zu. Annas Laune war endlich wieder etwas besser. In den letzten Tagen konnten nur Bellas Geschichten über ihre Träume Anna etwas ablenken. Bella erzählte gerne über die fantastischen Bilder, die sie sehen konnte und an die sie sich noch erinnerte. Das rothaarige Mädchen spukte Bella ständig im Kopf herum, aber auch ihre Freunde hatten sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Sie würde sie immer und überall wiedererkennen, so dachte sie zumindest.
Anna beeilte sich, ihre Taschen und Koffer nach draußen zu schleppen. Mitten auf dem Gang begegnete ihr Sam, gut und adrett gekleidet, wie immer. Auch in der Jeans sah er elegant aus. Das bewirkte sein schwarzes tailliertes Hemd, das ihm so gut stand. Es passte perfekt zu seinem schwarzen Haar, das ihm wild um den Kopf flog, da es wie immer etwas zu lang war und bis zum Kinn reichte. Er sah doch tatsächlich Prinz Kaspian ähnlich!
„Setzt euch doch schon mal ins Auto, das mit den Koffern mache ich schon“, winkte Sam sie leicht überheblich hinaus. Anna überließ ihm ihre Taschen, dabei berührten sich ihre Hände und sie spürte wie immer dieses Kribbeln, das sie nur bei ihm überkam. Verlegen wich sie ihm aus und machte ihm Platz. Hatte sie ihn schon wieder zu lange angestarrt? Da schrie Bella in den Gang hinaus und rettete sie.
„Bist du dir da ganz sicher, Sam? Es sind viele Taschen!“ Sam kam mit seiner beeindruckenden großen Gestalt auf Bella zu. Seine schwarzen Haare waren wirr durcheinander und seine nachtdunklen Augen blitzten schelmisch.
„Hast du wirklich Angst, ich könnte unter der Last zusammenbrechen?“ Bella musterte ihn von oben bis unten und meinte todernst:
„Diese Gefahr besteht durchaus.“ Sam, der ihrer Musterung belustigt standgehalten hatte, knurrte nun leicht verstimmt.
„Krrrrmm! Du hast ja eine Meinung von mir!“, dabei bückte er sich, um die nächsten Taschen zu nehmen, und brummte mürrisch: „Husch, husch! Verzieh dich, Mädchen!“ Lachend marschierten sie zum Auto. Bella nahm verspielt Anna an der Hand. Sam hatten sie diese Woche so gut wie nie zu Gesicht bekommen, da er immer im Auftrag seiner Mutter unterwegs war. So war es nicht verwunderlich, dass sich Anna schon wieder verlegen zurückzog. Sie brauchte immer einen kleinen Anlauf, um warm zu werden. Sam holte sie ein, noch bevor sie am Auto ankamen. Demonstrativ positionierte er sich beim Kofferraum.
„Na, dann wollen wir mal sehen, ob ich das alles unterbringe!“ Sam runzelte skeptisch die Stirn und Bella grinste ihn frech an.
„Du magst ja groß und stark sein, Sam! Aber Tetris hast du noch nie gespielt, oder?“ Sams Augenbraue wanderte nun steil nach oben, gerade dass er ihr nicht den Vogel deutete. Anna begann herzlich zu lachen, schließlich war sie oft genug mit Bella im Urlaub gewesen.
„Sam, das Schichten der Koffer überlass besser Bella. Die hat da wirklich eine eigene Begabung, damit kein Raum ungenutzt bleibt.“ Nach wenigen Minuten, in denen Sam genau das getan hatte, was Bella von ihm wollte, war tatsächlich alles untergebracht. Auch so, dass Bella selbst noch Platz auf der Rückbank fand. Sam hob, sich ergebend, die Hände.
„Ein intelligenter Mensch erkennt das Genie in einem anderen. Also steigt endlich ein“, dabei lachte er mit ihnen, aber nicht, ohne den Kopf dabei zu schütteln. Schweren Herzens, aber doch aufgeregt in Anbetracht dessen, was alles an Neuem auf sie zukommen würde, stiegen sie ins Auto. Da drehte sich Anna zu Bella um und zeigte mit dem Finger drohend auf sie.
„Du gehst mit einem Negligé ins Bett, in der Hoffnung, mit diesem Teil in einem deiner Träume wach zu werden!“, triumphierend über ihren Geistesblitz zog Anna steil eine Augenbraue nach oben und konnte sich ein Lachen gerade noch verkneifen.
„WWAAASSS!!!!“ Bella schrie und ihre Stimme schwankte gefährlich. „Du hast sie doch nicht mehr alle! So ein Blödsinn!“ Schnell schnallte sie sich an, damit sie ihr glühendes Gesicht abwenden konnte, da steckte Sam grinsend seinen Kopf zur Tür herein. Sein Gesicht zeigte unverhohlenes Interesse.
„Wer geht im Negligé ins Bett?“ Seinen Augen war anzumerken, dass er sich sie schon in so einem Teil vorstellte, da blaffte Bella aus dem Auto:
„Du bestimmt nicht! Also steig jetzt endlich ein!“ Sam schmunzelte.
„Woher willst du das wissen?“ Jetzt war es an Anna, sich schnell abzuwenden. Sie musste verhindern, dass er ihr Mienenspiel bemerkte. Denn nun hatte sie pures Kopfkino. Lachend nahm Sam hinterm Steuer Platz und chauffierte sie Richtung Hinterm Stein am Traunsee entlang. Mit immer noch zornigem Blick musterte Bella den Wagen, denn die innere Unruhe machte sie nervös. Es war ja doch ein großer Schritt für die beiden. Vor allem für Bella, die ihre Familie und ihre Eltern ohne ein Wort hinter sich gelassen hatte. Vor dem Einschlafen nagte das Gewissen an ihr, sich doch noch bei ihnen zu melden, am Ende siegte aber immer wieder Annas Erlebnis, was ihre Familie ihrer besten Freundin angetan hatte.
„Sag Sam, bist du sicher, dass wir mit diesem kleinen Auto ankommen?“ Sam warf Bella durch den Spiegel einen finsteren Blick zu.
„Jetzt mach mal halblang, kleine Göre. Das ist das beste Auto hier und mit dem kommen wir hervorragend ins Gelände, wo wir auch hinmüssen. Da wäre eine Limousine fehl am Platz. Aber dieses SUV kommt mit allen Wegen, die ich von ihm verlange, klar. Okay?“ Anna witzelte zurück.
„Kleine, beleidige niemals das Auto eines Kerls, das könntest du bitter bereuen.“ Anna kicherte hinter vorgehaltener Hand und Bella verdrehte die Augen.
„Oh, du hast recht. Eigentlich sollte ich das bei sechs Brüdern besser wissen. Aber du sitzt auch vorn und bist nicht wie eine Sardine eingeklemmt“, was Bella wiederum so ernst vortrug, dass sie kurz von beiden geschockt angestarrt wurde. Dann lachte sie aber frei heraus. Kopfschüttelnd musterte Sam Bella im Rückspiegel. Ihre schwarzvioletten Haare trug Bella wie immer in einem Zopf, der bei jeder Bewegung lustig wippte. Sie trug ein einfaches grünes tailliertes T-Shirt, das ihre violetten Augen hervorhob. Dazu steckte sie in einer bequemen Jeans, die nicht zu hüftig geschnitten war. Anna dagegen trug zu ihrem sehr hellen blonden Haar ein violettes T-Shirt und ebenso eine Jeanshose, doch ihr standen die extremen Hüfthosen bestens.
Der Freisitz Roith, in dem sie diese Woche wohnten und den Sam sein Zuhause nennen durfte, hatte eine schöne Lage am Traunsee. So manche Hartgesottenen gingen schon baden. Sie schafften es bisher nur, die Beine im Wasser baumeln zu lassen. 15 °C waren ihnen einfach zu kalt. Dafür war es noch nicht warm genug. Es herrschten milde zwanzig Grad und der Regen an manchen Tagen trug nicht zur Verbesserung bei. Jetzt sah Bella einfach aus dem Fenster und nahm von ihrer Heimat und ihrem Zuhause Abschied. In Gedanken sah sie den Ort ihres Aufwachsens vor sich. Gschwandt, ein kleiner verschlafener Ort in der Nähe von Gmunden. Für sie war es der schönste Fleck Land im Salzkammergut. Es ging nun am Traunsee entlang, der sich an den Traunstein schmiegte. In seinem Seitenprofil wirkte er, als schliefe ein Riese auf einem Polster und an seiner Seite liege die Nixe, Blondchen.
Dahinter sah man noch die schlafende Griechin, den Erlakogel, um den sich viele Sagen rankten. Links vom Traunstein stand der Katzenstein, in dessen Senke sich der Laudachsee befand. Weiter hinten konnte sie das Tote Gebirge sehen. Südwest stand stolz das Höllengebirge mit den meisten Seen Österreichs. Der Vöcklaberg und der Hausruck bildeten im Westen das auslaufende Ende im Kreis, welche die Landschaft nach Norden und Nordost flach auslaufen ließen. Bei der Moaralm nahmen sie die Privatstraße weiter zurück Richtung Karbach. Aber mittendrin bogen sie ab und kamen zu einem Parkplatz, der eigentlich nicht mehr als eine größere Fläche für Holzarbeiten darstellte. Dort stellte Sam sein kleines Auto ab und half ihnen, ihre Koffer in eine Art Schubkarre umzuladen, die hier zufällig bereitstand. Es war ein altertümliches Gefährt, das eigentlich von einem Pferd gezogen wurde. Mit unverkennbarem Zweifel beäugten sie das Gefährt und blickten sich an. Es war deutlich zu sehen, dass ihnen mulmig zumute war.
„Dieses alte Ding soll unsere Koffer transportieren, ohne dass es zusammenbricht?!“ Sam hievte Koffer um Koffer hinein und sah Anna belustigt an.
„Keine Sorge, das Ding schafft mehr, als es den Anschein hat. Es wurde durch Magie verstärkt. Das Holz ist stark wie Eisen und leicht wie Alu.“
„Magie?“, kam es wie im Chor bei Sam an, der sich nicht beirren ließ, sich aber über ihre verdutzten Mienen freute.
„So, fertig! Auch wenn ich alles alleine machen musste.“ Euphorisch klatschte er in die Hände. „So, jetzt kommt das Beste überhaupt!“ Gespannt warteten sie auf seine weitere Ausführung. „Anpacken und schieben. Das Pferd erwartet uns erst auf der anderen Seite.“ Anna betrachtete Sam mit großen, ungläubig dreinblickenden Augen und deutete auf das Gefährt.
„Dieses Ungetüm sollen wir jetzt schieben?!“
„Ja! Was denn sonst?“ Sam versuchte den Karren zu schieben, der sich nicht wirklich von der Stelle bewegte. Er ging herum und schaute, ob ein Stein vor den Rädern lag, konnte aber nichts entdecken.
„Kommt, schiebt mit an, der Karren ist schwer wie ein Ochse!“ Schnaubend packten sie mit an und schoben aus Leibeskräften. Aber ein Rad schien verzwickt zu sein, denn es ging nur mühsam und sehr holprig vorwärts. „Was habt ihr da alles eingepackt?“, murrte Sam unter Anstrengung mit errötetem Kopf.
„Mein ganzes Zimmer?“, meinte Bella mehr fragend.
„Alles, was ich nicht wegwerfen wollte!“, kam es derweil von Anna. Sam schüttelte ungläubig den Kopf.
„Das gibt’s doch nicht! Weiber!“ Sam lachte aber über ihre unschuldigen Mienen. „Dann muss ich ein klein wenig schummeln.“ Sam streckte seine Handfläche nach vorn und ihnen fielen vor Staunen die Augen aus dem Kopf. Aus Sams Hand schien ein silberner Faden zu strömen und mit dem Mund bildete er leise Worte, die sie nicht verstanden. Dann atmete er tief durch und schob mit beiden Händen einen imaginären Gegenstand nach vorn. Dieser Gegenstand schien die Luft zu sein, da sich daraufhin Luft zu einem Wind steigerte und den Wagen in Bewegung setzte. Vor Staunen klappte ihnen die Kinnlade nach unten.
„Was hast du gemacht?“, stotterte Anna; Bella war nicht weniger verblüfft. Selbstgefällig zuckten seine Mundwinkel und er funkelte sie belustigt an.
„Das oder Ähnliches wirst du bei uns lernen, Anna. Ich habe mit ein bisschen Magie das Gewicht des Wagens verringert und mit dem Element Luft angeschoben. Ganz einfach!“
„Ganz einfach?!“ Anna konnte es nicht glauben - das sollte sie alles bald können?! Wo sie doch noch nicht einmal so wirklich kapiert hatte, was ein Terraner war?!
„Ja, kommt noch in der ersten Klasse dran!“, Sam schien sie missverstanden zu haben, Bella aber wurde gerade wach.
„Mensch, Anna! Du Glückskind! Ich beneide dich jetzt schon!“, staunend umrundete sie den Wagen und lief davor her, um zu testen, ob er nicht doch von irgendetwas gezogen wurde. Da rief sie auch schon mehr als nur verwundert: „Das ist wirklich kein Trick?“ Sam lachte, wurde aber sogleich wieder ernst.
„Wenn wir jetzt durch die Grenze schreiten, müsst ihr mir die Hand reichen, sonst kommt ihr nicht durch den Eingang! Der ist nämlich durch Magie verborgen.“ Nicht ohne Stolz fügte er an: „Ich habe eine Personenerkennung in den Zauber mit eingewoben, so muss jeder Neue mit mir durchs Tor oder mit einem anderen dafür bestimmten Terraner. Dies verhindert, dass jeder hineinspazieren kann. Denn dann wären wir sicher nicht mehr lange im Verborgenen auf dieser Welt, wenn uns jeder durch einen zufälligen Stolperer finden könnte. Das wäre das gefundene Fressen für die Jäger!“, fügte er noch murmelnd hinzu. Sofort blickte Bella zu Anna, die bei der Erwähnung der Jäger sofort blass wurde. Anna schluckte ihre Angst hinunter und umschlang Samuels warme Hand noch fester, die ihr Trost spendete. Der steuerte gerade direkt einen Felsen an.
Bella und Anna konnten sich nicht vorstellen, dass sie da wirklich einfach durchgingen, und warfen sich über Samuel hinweg zweifelnde Blicke zu. Aber von ihm kam kein Zaudern und als zimperlich wollten sie auch nicht erscheinen. Langsam verzog sich Annas Mund zu einem schiefen Lächeln, auch Bella spürte, wie ein solches Lächeln in ihr hochstieg, denn Anna hatte einfach ihre Augen geschlossen und ließ sich von Sam führen. Bella musste ein Kichern unterdrücken, so schloss auch sie ihre Augen und setzte nur nach Gefühl einen Fuß vor den anderen. Sam blieb dies bestimmt nicht verborgen, er verlor aber kein Wort darüber. Er sprach, wohl auch um ihnen zu helfen, über andere Dinge.
„Ich brauche nicht extra zu erwähnen, dass ihr euch abmelden müsst, wenn ihr das Resort verlässt?“, seine Stimme klang streng, was Bella zum Seufzen brachte.
„Gefangen im goldenen Käfig.“
„Besser als in einer Hütte unter lauter Jägern“, flüsterte Anna, der allein durch die Erinnerung der Schweiß ausbrach. Bella ließ sofort Sams Hand los, rauschte zu Anna und umarmte sie schnell und kurz. War ja klar, dass so ein Erlebnis nach einer Woche nicht vergessen war. Jede Nacht hatte sich Anna zu ihr gelegt, nachdem sie nach einem Albtraum immer schreiend wach geworden war. Bella löste sich wieder von Anna und blickte ihr tief in die Augen.
„Geht’s wieder?“ Anna nickte und Bella eilte wieder an Sams andere Seite. Erschrocken stellte sie fest, dass der Wagen direkt vor dem Felsen angekommen war. Schnell schloss sie erneut fest die Augen. Jeden Moment musste der Karren gegen den Felsen krachen und daran zerschellen und sie würden gegen den Karren laufen. Unwillkürlich hielt sie die Luft an. Ihr Herz klopfte einem Presslufthammer gleich in ihrer Brust. In den Augenlidern bekam sie schon Krämpfe vom Zusammenkneifen, doch sie wartete vergebens auf den Aufprall. Endlich atmete sie wieder ein, sie wäre sonst erstickt.
Nach wenigen Schritten blinzelten die beiden Mädchen und blickten sich voller Neugier um, um zu sehen, wo sie sich nun befanden. Sie kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Schmunzelnd beobachtete Sam die beiden. Er hob seine Finger an den Mund und stieß einen lang gezogenen Pfiff aus. Auch Anna schritt mit großen Augen umher, um alles in sich aufzunehmen. Weit legte sie den Kopf in den Nacken und betrachtete den steilen Felsen, durch den sie nicht gegangen waren. Denn es handelte sich hier lediglich um eine Illusion; in Wahrheit war es ein gewöhnliches Tal, an dessen Fuße sie entlangschritten. Gleichzeitig wandten sich die Mädchen um, da sie Hufgetrappel vernahmen. Von Weitem sahen sie einen schönen Fuchs auf sich zukommen. Direkt vor Sam hielt er an und ließ sich von ihm streicheln und liebkosen. Zögerlich näherte sich Bella, doch Anna schritt rasch an Sams Seite.
„Ist das …? Ist das schon ein Terraner?“, fragte Anna zaghaft. Sam sah sie entrüstet an, dann brach er in schallendes Gelächter aus.
„Nein Anna! Niemals würde sich ein Terraner dazu herablassen, sich als Lasttier missbrauchen zu lassen! Wie kommst du darauf?“ Sam schüttelten immer noch Lachanfälle. Anna sah ihn beleidigt an.
„Jetzt lach nicht! Woher soll ich wissen, in was ihr euch alle verwandelt?“ Anna warf ihm einen grimmigen Blick zu, sie mochte es nicht, wenn sie ausgelacht wurde. Das erinnerte sie zu sehr an die Schule. Langsam hatte sich auch Bella genähert.
„Was für Pferde sind es dann? Diese hier sind nicht gewöhnlich!“, stellte sie sachlich fest und wagte sogar, das Pferd zu berühren. Bella erntete einen ernsten Blick von Sam, der sie schweigend musterte, bevor er nachdenklich fragte:
„Wie kommst du darauf, Bella?“ Anna lachte und Bella verzog das Gesicht, bevor sie antwortete:
„Pferde mögen mich normalerweise nicht, doch dieses hier scheut nicht vor mir. Es lässt sich sogar streicheln“, sagte sie und demonstrierte es sogleich erneut. Sam atmete tief durch, setzte an, etwas zu sagen, und entschied sich dann spontan um. Während er ausatmete, sagte er eindeutig etwas anderes, als er ursprünglich zu sagen vorgehabt hatte.
„Es ist eine spezielle Züchtung, das wirst du im Unterricht noch mitbekommen. Das ist Cornu, mein Pferd, er hört auf mein Pfeifen. Ihn kann ich auch ohne Weiteres vor den Karren spannen, damit er uns beim Schieben hilft.“ Eifrig halfen sie alle zusammen, denn nun waren sie schon sehr gespannt auf das Resort. Sie marschierten einige Minuten in diesem Tal. Von Weitem konnten sie schon das Dorf sehen, das in einem großen Kessel eingebettet dalag. Rundherum ragten die Berge in den Himmel und formten einen natürlichen Schutz. Die Mitte bildete ein herrlich klarer See, aus dem ein wilder, reißender Fluss entsprang, über den alle paar Meter eine gebogene Brücke führte. Um den See herum verteile sich das Dorf, das sich weit verstreut angesiedelt hatte. Das Wetter spielte herrlich mit und die Sonne erleuchtete es von seiner besten Seite. Vereinzelt standen dort unten auch überdimensional große Bäume, in denen Treppen in die Kronen führten. Die Kronen waren in die Bäume gewachsene Häuser. Eine Brücke, bestehend aus Ästen, verflocht sich mit den Ästen des nächsten Baumes, um so eine Verbindung zu erschaffen. In den steilen Hängen sah man Häuser eingebaut, was eine große Fläche in den Ausläufen der Berge schaffte.
Stolz fragte Samuel:
„Seht ihr die größeren Gebäude im Zentrum des Dorfes auf dieser Anhöhe?“ Sam zeigte auf eine höher gelegene Lichtung, wo sich gleich mehrere neuere Bauten befanden, nicht unweit des Sees.
„Hm“, nickten die Mädchen. Sie waren sprachlos ob dieses Anblicks.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 368
ISBN: 978-3-99048-140-0
Erscheinungsdatum: 31.01.2019
EUR 20,90
EUR 12,99

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