Lyrik & Dramatik

z´schod für d´Lod

Johann Staffenberger

z´schod für d´Lod

Leseprobe:

z’ schod für d’ Lod“ – so heißt der längst erwartete vierte Gedichtband von Hans Staffenberger und ich durfte bereits meine neugierige Nase hineinstecken.

Hans Staffenberger hat wieder eine Sammlung seiner Gedichte zusammengefasst, die so richtig aus dem Leben gegriffen sind.
Es finden sich amüsante Ereignisse in mundartlich gereimter Form ebenso wie besinnliche Verse, die die Leserinnen und Leser nicht unbeeindruckt lassen. Hans Staffenberger versteht es, mit der unvergleichlichen Kraft der Mundart Gefühle und Befindlichkeiten auszudrücken. Oft hat man den Eindruck, als könnte er in die Menschen hineinschauen und deren Stimmungen wiedergeben, er beweist in seinen Werken große Sensibilität für die Mitmenschen und seine Umgebung.

Sehr sympathisch finde ich seinen Zugang zu sogenannten „Frauenthemen“. Auf den ersten Blick vermutet man einen Angriff auf weibliche Schwächen, doch beim genaueren Hinhören kann man sozusagen ein liebevolles Augenzwinkern wahrnehmen, das eine anerkennende und wertschätzende Haltung verrät. Diese Gedichte trägt er gerne mit Charme und einem schelmischen Gesichtsausdruck vor, sodass ohnehin kein Unmut bei den Zuhörerinnen aufkommen kann. Überdies präsentiert Hans Staffenberger ja auch immer wieder Gedichte, bei denen auch den „Herren der Schöpfung“ der eine oder andere allzu bekannte „Tritt ins Fettnäpfchen“ unterhaltsam vorgeführt wird.

Ich genieße es jedes Mal, mit Hans eine Aufführung zu planen.
Egal, ob wir ein Frühlingssingen, Adventkonzerte oder sonstige Auftritte organisieren, stets ist er es, der die Lieder unserer Singgemeinschaft mit seinen Gedichten und Versen unterstreicht und so diese Veranstaltungen und Feiern zu einem harmonischen Ganzen werden lässt, wofür ich ihm sehr dankbar bin.
Ich wünsche Ihnen entspannte Stunden und viel Vergnügen beim Lesen.

Monika Mayer
Chorleiterin der Singgemeinschaft Kogl

<strong>Erinnerungen</strong>

Manchmal, waun i durch’s Dörfl spazier
und in mir so a weng die Erinnerung g’spüar,
dann denk i oft dran, wia a Kind i no woa,
und das liegt ja a schon z’ruck a poar Joah’.
Auf der Straßn woa’s damals weitaus leiser,
die Leut, die g’wohnt habm in die Häuser,
lebm zum Teil schon längst nimmermehr,
es is ja do schon a Zeitl her.
Zu manchm Platz, der mir so vertraut,
kannst heut nimmer hin, der is verbaut.
Sogoar die Wegerln, wo durch Hunderte Joah’
die Leut ganga san, die san in Gefoah’.
„Betreten verboten“ steht auf d’ Wiesngründ,
wo wir no Blumen brockt habm als Kind.
Wauns d’ heut wen grüaßt, schaut di der groß an –
wia ma eahm sein’ Gruaß nur aufzwinga kann?
Von d’ Kinder wü i goar net redn,
bei uns hat’s no g’hoaßn: Grüaß ja an’ jedn!
Es fallt ma koa Haus ein in all die Joah’,
wo i als Kind net drinnen woa.
Heut schaut das alls ganz anders aus,
ma hat’s G’fühl, a Mauer steht um jed’s Haus.
Die Leut, die kemman von irgendwo her,
du kennst d’ meistn Nachbarn bald nimmermehr.
Aber es gibt a Ausnahmen, net alle san so
und der Gedankn stimmt mi froh.
I kumm zu an’ Bankerl und setz mi durt hin,
wo i damals a schon g’sessn bin.
I betracht die Wiesn, die Äcker, den Wald
und i woaß, warum’s ma da so g’fallt.
Mei Platzl im Dörfl bedeut ma vü
und i g’spüar das schöne Hoamatg’fühl
und i g’freu mi a über a Menge Leut,
die ma Freund woa’n san da im Lauf der Zeit.

<strong>Gspannl-Nostalgie</strong>

Siachst heut a Rösslgspann wo foahrn,
dann fallt das auf wia vor fuchzg, sechzg Joahrn,
waun a Auto g’foahrn is auf der Straß –
a Auto besitzn, das woa damals was.
Heut is das bald schon umgekehrt –
hast a Ross, g’hörst zum Adel, so a Ross is was wert.
I denk da ganz gern an die früahere Zeit,
wo s’ no mehr mit d’ Ross g’foahrn san, die Leut.
Mei Vater woa a ganz stolz auf sein Gspann,
waun’s passt hat, is er dann und wann
ausg’foahrn mit sein Steirerwagn
und is halt a an so b’sondern Tagn,
wia’s damals a schon üblich woa,
beim Wirtn einkehrt – eh ganz kloar,
das hoaßt – er hat koa Chance net g’habt,
das Ross is schnurstracks zuwitrabt
und hat si am „Rossparkplatz“ nebm der Straßn
freiwillig am „Roasbam“ anbindn lassn.
Da habm a schon andere seiner Art
geduldig auf die Kutscher g’wart.
Die woa’n net im Stress, san gmüatli g’sessn,
habm d’ Vierterln trunkn und Würschtln g’essn,
Kartn g’spielt und diskariert.
Oft habm d’ Wangerln und d’ Ohrwaschln schon a weng glüaht,
aber „null Komma fünf“ woa da no koa Thema,
so a Gspannl is kaum in a Planquadrat kemma.
Und d’ Ross habm nach die durchzechtn Stundn
a ohne Steuerung hoamzua g’fundn.
Der Kutscher is obmg’loahnt, voll bequem,
als hätt’ er a Navigationssystem.
Da hat eher das Ross hin und wieder g’schaut,
ob’s eh den Kutscher net obehaut.
Und der Gegnverkehr? – Geh, san ma uns ehrlich,
der woa damals weitaus net so g’fährlich.
A Angst uman Vatern habm wir nia g’habt,
’s Rössl is allweil brav hoamzua trabt.
Auf der Straßn woar’s jednfalls zu der Zeit
weitaus g’müatlicher als heut.

<strong>Winter, ade<strong>

Jetzt könn ma si endlich g’freun über’s Wetter,
so richtig g’jammert hat schon a jeder.
I hab a schon g’woart, dass si der Winter verschleicht,
und irgendwann, da hat’s ma dann g’reicht.
I hab g’moant, i brauch koa Schneeschaufl mehr,
da kimmt glei wieder so a Patzn daher.
Da woa i dann schon so fuxteufelswild,
hab’s Fenster aufg’rissn und aussibrüllt.
Da hab i eahm, wia ma sagt, die Levitn g’lesn,
von da an is er dann „schneestad“ g’wesn:
„Winter“, hab i aussig’schrian, „Winter, ade,
du tuast uns heuer schon ordntli weh.
Rundumadum, da jammern die meistn,
sie könnan si di schon längst nimmer leistn.
Die habm bis auffi von dir gnua,
wolln aussi aus die Winterschuah
und eini in a luftigs G’wand
und dass du di endlich verzupfst aus’m Land.
Koa Wunder, dass di schon alle verachtn –
wo bist denn g’wesn zu Weihnachtn?
Da woas’ d’ bestnfalls a kloaner Zwerg,
hast di versteckt hoch drobm in die Berg,
und jetzt macherst so lang schon auf ‚Weißer Riese‘ –
wauns d’ net bald abdampfst, kriag i die Krise!
Winter, ade – verschwindt mit dein Schnee!
Wir wanan dir koa Zacherl nach,
wauns’ d dahinschmilzt und obe rauscht in’ Bach.
Da brauch ma net redn, Winter, ’s is Zeit,
nimm a weng Rücksicht auf die Leut!
Die san schon alle deprimiert,
weil’s net und net a weng wärmer wird.
Im Prater drunt, das Schweizerhaus
hat d’ Saison eröffnet, durt schaut’s traurig aus.
Durt setzt si in die Kältn neahmd mit an’ Bier
und sein Stelzerl – und alls nur wegn dir!
Die Schanigärtn, die werdn g’miedn,
setzt di a Randl nieder, holst da(r) glei die Hämorridn.
Und alle G’sichter schaun schon so z’wider –
drum, Winter, ade, und kumm erscht wieder
so um Weihnachtn, da machst uns a Freud,
aber jetzt vergunn uns bitt schön die Frühlingszeit!“

<strong>Frühling is wieder,</strong>

auf Ja und Na bliaht der Flieder.
Es geht so schnell, ma glaubt’s ja kaum,
der Wald hat schon wieder an’ greanen Flaum,
die Vogerln zwitschern in der Fruah,
zum großen Konzerthaus wird die Natur.
A bunte Farbmpracht schmückt den Gartn,
a Aufbrechn, a Aufbliahn is allerortn.
Das Winterg’wand verschwindt im Kastn
und so mancher fangt schnell an zum Fastn,
denn jed’s Joah gibt’s den gleichen Schock:
Es passt koa Hosn und koa Rock.
Ma durchstöbert die Gazetten, surft im Internet
und suacht nach der Früahjoahs-Wunderdiät.
Bewegung kummt wieder in die Leut,
denn jetzt hoaßt’s abnehman, jetzt wird’s Zeit.
Es war’ ja so a schöne Zeit,
gab’s net die Früahjoahsmüadigkeit,
die ins Wohlbefinden einispuckt,
und der Kreislauf spielt halt manchmal verruckt.
Aber allgemein herrscht wieder reges Getua,
d’ Nächt werdn kürzer und die Rockerln dazua.
In d’ Schanigärtn klingeln wieder die Kassen,
Saisoneröffnung is auf Balkon und Terrassn.
Und wia jeds Joah eröffnet der Lenz
die Gemüsegartl-Konkurrenz.

<strong>Grüaß di Gott, liaber Frühling</strong>

Grüaß di Gott, liaber Frühling, es woa schon Zeit,
dass d’ kemma bist. Du machst so vü Freud.
Die kalte, finstere Zeit druckt auf ’s Gmüat,
aber sobald’s wieder heller und freundlicher wird,
kanns a in uns wieder liachter werdn,
durch di, liaber Frühling, so habm ma di gern.
Am Anfang bist zaghaft, aber dann geht’s dahin
und wia über d’ Nacht bist mittn drin
in die Gärten, in d’ Wiesn, in d’ Felder, im Wald.
Zoagt si a ’s Wetter mitunter no kalt –
du bist net zan bremsn. Und jedes Joah
lasst du uns vergessn, dass’s Winter woa.
’S is jeds Joah a Wunder, wia auf amoi alles bliaht,
die Bam wieder austreibm und ma wieder g’spüart,
wia’s aufwärts geht mit der Natur.
Es wird allweil zeitiger hell in der Fruah
und d’ Vogerl singan voller Freud –
mein Gott, is das a schöne Zeit!

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 102
ISBN: 978-3-99003-560-3
Erscheinungsdatum: 26.09.2011
EUR 16,90
EUR 10,99

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