Lyrik & Dramatik

Wind weht überall

Gertrud Lahnsteiner

Wind weht überall

Leseprobe:

„Um klar zu sehen reicht oft ?ein Wechsel der Blickrichtung.“
Antoine de Saint-Exupéry

***

Vorwort

Als ich vor mehr als zwei Jahrzehnten meinen Beruf als Lehrerin krankheitsbedingt aufgeben musste, suchte ich nach einer sinnvollen Beschäftigung, die meine Leere auszufüllen imstande war. Da meine Mobilität seit damals eingeschränkt ist und ich nicht wusste, wie weit sich mein Zustand verschlechtern würde, kam mir die Idee, mit dem Schreiben zu beginnen. Inzwischen hat sich eine große Zahl von Gedichten in Schriftsprache und Mundart angesammelt, dazu auch Kurzgeschichten und Abhandlungen zu verschiedenen Themen. Endlich entschloss ich mich, einen Teil meiner Gedichte in einem Buch zu veröffentlichen und so meine Gedanken weiterzugeben. Das Schreiben betrachtete ich oft als Alltags- und Krankheitsbewältigung und ich lernte, mit meinen Beeinträchtigungen zu leben und weiterhin an den Dingen teilhaben zu können, die mir wichtig waren und sind. Zu meinem Glück hatte ich die Unterstützung meiner ganzen Familie und Medikamente, die geeignet waren, meine Krankheit weitgehend zu stabilisieren, sodass ich Tätigkeiten, die mir etwas bedeuten, weiter ausüben kann. Vielleicht gelingt es, mit meinen Gedanken anderen Mut zu machen und sie auf die kleinen Dinge im Leben hinzuweisen, die oft übersehen werden. Ich lernte neue Sichtweisen des Daseins und manches veränderte sich für mich, und das war gut so.

Gertrud Lahnsteiner


Unterwegs

Ein ganzes Leben sind wir auf der Fahrt
auf breiten Straßen und auf schmalen Wegen,
an mancher Stelle wird auch mal verharrt,
solange wir auf Erden sind zugegen.

Wir sind auf dem Weg zu immer anderen Orten,
wer stehen bleibt, der kommt nicht gut voran,
wir streben fort in Taten und in Worten,
so manche Steigung führt recht steil bergan.

Auf dem Weg sind viele stets in fremde Länder,
in einem anderen Land ist vieles für uns neu,
die Leute tragen andere Gewänder,
in manchem Staat sind Menschen noch nicht frei.

Wir brechen oftmals auf zu fernen Zielen,
wenn sie auch unerreichbar anfangs für uns scheinen,
mit Zähigkeit und unbeugsamem Willen
kann ein sehr hohes Ziel die Kräfte in uns einen.

In neue Gegend will so mancher reisen
und kennenlernen Völker und Kultur,
auf jeder Reise wird es sich erweisen,
vergänglich sind der Mensch und die Natur.

Aus Tälern wandern wir zu sonnigen Höhen,
hoch oben ist der Alltag für uns weit,
auf Bergen, da erfahren wir trotz Mühen,
schön ist das Leben, auch in unserer Zeit.

Die Wege führen uns zu anderen Menschen,
wenn sie entgegenkommen, wird oft viel erreicht,
Beziehungen und Freundschaft wir uns wünschen,
doch die Begegnung ist nicht immer leicht.

Wir sollen immer wieder durch das ganze Leben
auch auf dem Wege zu uns selbst sein,
wer selbst sich findet, der kann anderen geben
und sich aus der Befangenheit befrei’n.

Stets unterwegs sein ist der Lauf der Zeit,
zum Teil kann jeder seinen Weg erwählen,
den anderen hält ein Geschick bereit,
geh voran, der Mut soll dir nicht fehlen.


Wege

Wege weisen durch die Lande,
sie durchziehen alle Welt,
knüpfen fester viele Bande,
jeder seinen Sinn erhält.

Wege führen über Felder,
zeigen uns der Pflanzen viele,
sie durchschlängeln auch die Wälder,
streben hin zu einem Ziele.

Wege bringen uns zu Leuten,
machen Kennenlernen möglich,
wenn wir freudig sie beschreiten,
machen Strecken sie erträglich.

Wege führen über Meere,
bringen uns den Berg hinan,
irrend ziehen wir die Lehre,
was ein Weg bedeuten kann.

Immer müssen wir entscheiden,
wählen mit geübtem Blick,
wenn den falschen wir beschreiten,
gibt es oftmals kein Zurück.

Wege sollen wir bereiten,
ebnen Berge und auch Gräben,
denn in unwegsamen Weiten
kann es keine Wege geben.

Menschen sollen Wege finden,
Brücken schlagen, wo es geht,
dass die Völker sie verbinden,
Einigkeit durch sie entsteht.

Wege können uns erfreuen,
sie bedeuten manchmal viel,
wenn den Gang wir nicht bereuen,
merken wir: Der Weg ist Ziel!


Verkehr

Immer stärker, immer mehr
wird seit Jahren der Verkehr.
Autos, Busse, Motorräder,
Fahrzeuge nützt fast ein jeder.

Mopeds, Fahrräder, Maschinen
auch den Menschen häufig dienen.
Fußgängern wird der Verkehr
immer noch gefährlicher.

Eine Straße überqueren
muss man schon die Kinder lehren.
Gehsteig, Ampel, Zebrastreifen,
ihren Schutz lerne begreifen!

Staus entstehen auf den Straßen,
die sich kaum noch regeln lassen,
alles ist komplett verparkt,
oft droht ein Verkehrsinfarkt.

Unfälle passieren täglich,
viele Fahrten enden kläglich,
Pannen gibt es immer wieder,
Einsätze für Ordnungshüter.

Smog droht vielen großen Städten,
Abgase zu viel sie hätten,
so ist es, wie man versteht,
keine Lebensqualität.

Regeln werden ignoriert,
Rücksichtslosigkeit regiert,
hohe Fahrgeschwindigkeiten
vermindern stets die Sicherheiten.

Aber trotz der schlimmen Lage
finden wir noch alle Tage,
sozusagen dort und hier,
einen Straßenkavalier.


Auf der Suche

Auf der Suche ist ein Mensch ein ganzes Leben,
Verschiedenes hofft er dadurch zu finden,
nicht immer wird Erfolg es dabei geben,
zu viele Hindernisse sind zu überwinden.

Die einen suchen eifrig nach der Wahrheit,
um unser Dasein besser zu durchschauen,
oft bringt das Wissen nicht gewünschte Klarheit,
und jeder Weisheit darf man nicht vertrauen.

So suchen Leute nach dem rechten Glauben,
sie wollen sich an Werten orientieren,
die Zuversicht soll jenen niemand rauben,
sie sollen ihre Hoffnung nicht verlieren.

Wir hoffen, Freude öfter mal zu finden,
Vergnügen möchten gerne wir erleben,
die Trübsal und die Trauer überwinden,
das werden ständig wieder wir erstreben.

Wir suchen Liebe und Geborgenheit,
bei Menschen, denen wir vertrauen können,
es ist nicht leicht, auch nicht zu unserer Zeit,
das zu bekommen, was wir längst ersehnen.

Auch Ruhm und Ehre sind gesuchte Ziele,
und einige wollen durchaus etwas gelten,
jedoch erreichen diese nicht so viele,
große Persönlichkeiten, die sind eher selten.

Gar viele Völker wünschen sich den Frieden,
nicht alle Menschen können ihn erreichen,
wo die Bereitschaft fehlt, da wird er nicht beschieden,
erstarrte Sinne sind schlecht zu erweichen.

Inständig suchen wir nach unserem Glück,
ein ganzes Leben lang wird es von uns erträumt,
Verlorenes kehrt nicht zu uns zurück,
es zu ergreifen wird so oft versäumt.

Auf unserer Wanderschaft wird nie die Suche enden,
von dem Gesuchten werden einiges wir finden,
nur selbst können wir das Schicksal wenden,
wenn Blindheit wir beim Suchen überwinden.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 102
ISBN: 978-3-903067-72-1
Erscheinungsdatum: 25.04.2016
Durchschnittliche Kundenbewertung: 4
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