Lyrik & Dramatik

Und ewig siegt die Liebe

Zimmermann D., Breininger W.

Und ewig siegt die Liebe

- Lebenshilfe in Reimen

Leseprobe:

<p>Welcher Mensch hat nicht schon erfahren, wie schmerzhaft Liebe sein kann, wie sehr er unter ihr litt, als sie unerwidert blieb, wieviel Seelennot sie ihm brachte, als er in seiner Liebe hintergangen, getäuscht oder höhnisch verlacht worden ist? Nicht wenige Menschen lassen daher Liebe erst gar nicht zu, sie verweigern sich ihr aus Angst, mehr Kummer und Elend durch sie zu erfahren als Freude und Glück, denn, so sagen sie, schnell zerbreche die Liebe, während Wut, Haß und Verbitterung meist lebenslang anhielten. Oder es streiten viele Menschen die Liebe als einen beglückenden, beseligenden Gefühlszustand gänzlich ab und behaupten, die große Liebe gäbe es gar nicht, Lüge und Betrug sei das alles, ein Kindermärchen mit schlechtem Ausgang. Doch die Menschen, die so reden, sind im Grunde ihres Wesens traurig, sie fühlen sich um etwas gebracht, sie haben das Gefühl, etwas verloren zu haben, und sie stöhnen unter Qualen, die sie nicht benennen können. Es ist das Leben, das sich in ihrem Innern wehrt und das ohne Liebe nicht sein kann, es ringt das Leben mit diesen Menschen und zwingt sie, in sich zu horchen. Tief in ihnen ruft unabänderlich und unvergänglich die Stimme der Sehnsucht. Sie ruft nach Liebe, so sehr auch Menschen die Liebe verhöhnen und verfluchen, denn nur die Liebe hält das Leben aufrecht, nur die Liebe schenkt den Menschen ein erfülltes Leben.<br /><br />Häufig haben Menschen deshalb eine Art Vergleich mit sich geschlossen, der ihnen vom herrschenden materialistisch-liberalistischen Ungeist verderblich und zerstörend eingeflüstert wurde, ein Ungeist, den Lebensfeinde zu einer Weltanschauung erhoben. Diese Weltanschauung macht den Menschen zum gefräßigsten Raubtier auf Erden, sie verneint seine Gebundenheit an Sitte und Moral, sie erklärt Geiz, Gier, Habsucht, Selbstbezogenheit zu ihren höchsten Werten, und sie redet der Beliebigkeit das Wort, das heißt der Unverantwortlichkeit, der Gewissenlosigkeit und Unzuverlässigkeit, weil alles Denken und Handeln dieser Weltanschauung auf den größtmöglichen Gewinn an stofflichen Gütern ausgerichtet ist, weil sie stets den Eigennutz dem Gemeinwohl vorzieht. Solche materialistisch-liberalistisch eingestellten Menschen geben ihrer noch dunkel empfundenen Liebessehnsucht nach, ohne sich allerdings festzulegen. Ja und nein; unverbindlich soll die Liebe sein. Auf Wahlmöglichkeiten wollen sie nicht verzichten. Ein anderes Liebesobjekt könnte größere Reize, größere Wollust bieten, was nach der Denkweise dieser an Geist und Seele erkrankten Menschen größeren Gewinn für sie verspricht. Für diese Menschen ist Liebe nur noch Befriedigung eigener Triebe und Gelüste, sie ist ihnen nur noch ein geschäftliches Unternehmen, das sie leichthin und ohne Bedauern aufgeben, wenn es keinen Gewinn, keinen Vorteil für sie mehr bringt. Diese Menschen sind nicht mehr fähig zu lieben. Und da sie nicht mehr lieben können, ist auch ihr Leben schwach und kümmerlich. Es treibt kaum noch Säfte, langsam und träge quält es sich und hofft auf Erlösung.</p><p><br />Wessen Fühlen und Denken indes noch nicht vom bösen Ungeist unserer Zeit gleich wucherndem Unkraut erstickt worden ist, der folgt diesem Irrweg materialistisch-liberalistischer Anschauung nicht, der weiß um die Lebenskraft unverbrüchlicher Liebe, der spürt die Liebessehnsucht in seinem Herzen pochen, die Sehnsucht nach tiefer, dauernder, verpflichtender Liebe. Nur diese nach Verwirklichung drängende, nur diese fromme, ehrsame Sehnsucht nach Liebe ist die große Antriebskraft eines jeden Menschen, nur durch sie lebt die Welt. Sie schenkt uns nicht nur unser Dasein, sondern muß unsere ständige Begleiterin sein, wollen wir seelisch, geistig und körperlich gesund bleiben. Auf allen nur denkbaren Gebieten des Lebens wirkt sich dieses Liebesverlangen schaffend und fördernd aus, so auf unsere Kultur und Zivilisation, auf Arbeit und Wirtschaft, auf Forschung und Bildung, auf unser Gemeinwesen insgesamt. Wieviel Ruhm, Ansehen, Reichtum ist im Ringen um die Liebe eines geliebten Menschen erworben worden, und nicht selten war dieser geliebte Mensch auch nur gedacht, wie etwa die Mutter Gottes, der zu Ehren zahllose Kunstwerke geschaffen wurden, viele menschendienliche Einrichtungen und anderes mehr zum Segen der Menschheit, oder wie auch die meist ebenso nur in der Vorstellung bestehende „edle frouwe“ des Mittelalters, die als vollkommene Frau, als hehre Verkörperung reiner Liebe und hohen Anstands in Liedern und Gedichten gepriesen wurde, für die zu kämpfen Männer in Schlachten zogen, die zu Heldenmut und zu frommer Tat herausforderte, die zu sittlichem Verhalten und zur Achtung des Lebens erzog.</p><p><br />Liebe ist daher ein Tätigsein aus innerem, freiem Antrieb. Eine beglückende Liebesbeziehung fällt dem Menschen somit auch nicht mühelos zu. Darüber täuschen sich nur zu gern all jene, die zwar nach Liebe hungern und dürsten, gleichwohl aber leichthin annehmen, die Liebe geschehe von alleine, stelle sich wie zufällig ein, ohne etwas dafür getan haben zu müssen. Schuld an dieser Vorstellung ist, daß über die Liebe oft genug nur ungenaue Vorstellungen verbreitet sind. Liebe ist nicht die Zuneigung zu einem hübschen Geschöpf mit langen Beinen, ist nicht die sexuelle Befriedigung, ist auch nicht das bloße Verliebtsein, und um Liebe handelt es sich ebenfalls nicht, wenn man sein ersehntes Liebesglück nur darin sieht, selbst geliebt zu werden und also nur artig und freundlich ist und sich als begehrenswert zur Schau stellt, anstatt selber zu lieben, anstatt selber in tätiger Liebe einem anderen Menschen zugewandt zu sein.</p><p><br />Die Liebe verlangt ein selbstloses Tun, sie ist uneigennützig und nicht berechnend –, und wie dieses uneigennützige Tun zu Liebe wird, ist zu erlernen wie ein Kunsthandwerk. Zu lernen ist dabei vor allem das Geben. So schreibt auch der bekannte Soziologe und Psychologe Erich Fromm in „Die Kunst des Liebens“, daß Liebe „in erster Linie ein Geben und nicht ein Empfangen“ sei, wobei „der wichtigste Bereich des Gebens nicht im materiellen, sondern im zivilen Bereich“ liege. Dieses Geben ist mithin ein Geben von sich selbst. Der eine gibt dem anderen von seiner Freude, seiner Traurigkeit, von seinem Wissen, von seiner Offenheit und Anteilnahme, von seiner Bereitschaft, zu verstehen und zu begreifen, von seiner Anschauung der Dinge und der Welt. Er gibt von allem, was in ihm lebendig ist. Und durch dieses Geben weckt er schlummerndes Leben im anderen, es wird das Leben des anderen dadurch bereichert, sein Lebendigsein steigert sich, und der andere ist imstande, nun seinerseits in diesem Sinne zu geben. Aus diesem wechselseitigen Geben und Empfangen erwächst zwischen den beiden Menschen etwas Drittes, erwächst ein drittes Leben, das nur diesen Zweien gehört und sie fest miteinander verbindet. Dieses gemeinsame dritte Leben aber ist die Liebe.<br /><br />Damit dieses dritte Leben nicht wieder schrumpft und verkümmert, muß es gefüttert, muß die Liebe mit Lebensmitteln der Fürsorglichkeit, des Verantwortungsbewußtseins, des tiefen Verständnisses für den anderen und der Achtung vor ihm genährt werden. Mächtig wächst dann die Liebe gleich einem Baum in die Höhe, den Stürme nicht entwurzeln können und der bekömmliche Früchte trägt jedes Jahr. Eine dauerhafte, innige Liebe hält dann die beiden Menschen zusammen, die sich aus ihrer seelisch-geistigen Mitte gegenseitig in der vollen Entfaltung ihrer Persönlichkeit unterstützen und in der Freude über die schöpferische Fortentwicklung des anderen zu einer glücklichen Einheit größter Vertrautheit verschmelzen, ohne dabei ihre Eigenständigkeit zu verlieren.</p><p>Nun, das sei all jenen getrommelt und gepfiffen, die der Liebe adieu sagen möchten oder sie schmähen und gering von ihr denken. Ohne Liebe ist das Leben fade und öd, ohne Liebe ist kein Leben mehr. Strenge sich daher ein jeder an, und die Liebe schwebt herbei wie eine lichte, lockige Engelsschar. Die folgenden Gedichte sind nun zwar bestimmt nicht engelsgleich und wollen Anstrengung und Mühe auch nicht ersetzen, doch sollen sie ein wenig Mut machen und den Glauben schenken, daß eine treue, andauernde Liebe nicht nur machbar, sondern auch das Segenreichste für die Vervollkommnung des Menschen ist.<br /><br />Zu den Gedichten ist noch anzumerken, daß sie im Dialog zwischen meiner Frau und mir stehen, vorab meine Gedichte und folgend –, um das Liebesempfinden noch deutlicher auszu­drücken –, die meiner Frau. Auch will die Reihenfolge der Gedichte auf die Entwicklung unserer Beziehung hinweisen. Die am Anfang stehenden Gedichte „Herbst“, „Betrachtung“ und „Das Leben trägt uns durch die Zeit“ wurden noch ganz unter dem Eindruck erlebten Schmerzes und großer Verlassenheit geschrieben, doch beginnt mit den Gedichten „Die Ostsee“ und „Bald kommt auch für uns die Zeit“ ein neues, frohes, freudiges, tätiges, schöpferisches Leben. Davon erzählt der Großteil der Gedichte. Ferner wollen die Gedichte über die Ehe als der amtlich gefestigten Form der Liebe hervorheben, wie wichtig diese Einrichtung für die gesunde Fortentwicklung der Menschen ist. Schließlich sei auch noch das sich sehr menschenfeindlich anhörende Gedicht „Frieden“ erwähnt, das auf tatsächliche Lebensbedrohungen hinweisen und dazu ermahnen will, rücksichtsvoller, einsichtiger, liebevoller mit Natur und Mensch umzugehen. Zuletzt aber steht das Gedicht „Die Jahreszeiten“, das daran erinnert, daß alles Geschehen auf unserer Erde, und so vor allem das Leben und die Liebe, im ewigen Kreislauf göttlicher Allmacht liegt.</p><p></p><p class="align-center"><br /><span style="font-weight: bold;">Meiner lieben Waltraud</span></p><p></p><p style="font-weight: bold;">Herbst</p><p>Jetzt kommen die grauen Tage.<br />Der Nebel steigt, es fällt das Blatt.<br />Es neigt sich still die Waage.<br />Und das Licht wird trüb und matt.<br /><br />Los, schenk’ ein den Wein, den holden,<br />Wir wollen lachen und fröhlich sein,<br />Wollen die letzten Tage uns vergolden<br />Und nicht schauen düster drein.<br /><br />Der Tod ist unausweichlich.<br />Unser Leben ist erfüllt.<br />Daß wir nun trinken, ist verzeihlich,<br />Bald die Nacht uns ganz umhüllt.</p><p></p><p></p><p style="font-weight: bold;">Vergiß es</p><p>Sie wollte Kost und Wohnen frei,<br />Gab sich voller Liebesdienerei,<br />Du glaubtest ihrem falschen Spiel,<br />Sie erreichte ihr geheimes Ziel –,<br />Vergiß es.<br /><br />Sie wollt’ dazu noch Kinder haben,<br />Der erfüllten Ehe frohe Gaben.<br />Dir waren Kinder auch ein Segen,<br />Warst ihr als Besamer nur gelegen –,<br />Vergiß es.<br /><br />Fest an sich von Anfang schon,<br />Band sie Tochter und den Sohn.<br />Was du sagtest, wog nicht schwer,<br />Zogst meist ergeben hinterher –,<br />Vergiß es.<br /><br />Sie verlangte stets, besonders Geld,<br />Zufrieden war sie nie gestellt.<br />Ihrem Willen schicktest du dich drein,<br />Hofftest noch auf Lieb’ und Glück daheim –,<br />Vergiß es.<br /><br />Sonntags aber war sie frommer Katholik,<br />Zur Kirche eilte sie mit entrücktem Blick.<br />Lobpreiste Gott, den Vater, und Maria, Josephs Weib,<br />Und trank vom Blut und aß von Jesu Leib –,<br />Vergiß es.</p><p></p>

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 104
ISBN: 978-3-99003-485-9
Erscheinungsdatum: 17.05.2011
EUR 16,90
EUR 10,99

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