Lyrik & Dramatik

Gedichte für den Sohn

Frieda Hirsch

Gedichte für den Sohn

Leseprobe:

Die Lyrikerin Frieda Hirsch


Gedanken zum Geleit
Aus dem Gesamtwerk eines Lebens von acht Jahrzehnten sind über siebzig Gedichte aus den letzten dreißig Jahren in diesem Buch versammelt.
Eindeutig und einer Maxime gleich ist ihre Forderung im kurzen Text:

Dichter sein
Taumle nicht!
Aufrecht stehe!
Bürden trage!
Klage nicht!
Du siehst mehr - also tröste!

Das Wesentliche ist lautlos heißt es in einem der früheren Gedichte von Frieda Hirsch. Bei allen ihren Publikationen strebt sie nach dem Wesentlichen, wie sehr sie auch gelegentlich dessen Zerstörung und Entweihung erlebt.
Der Wurzelgrund ihrer Herkunft, das nördliche Burgenland, liefert Sedimente, Atmosphäre und Meilensteine für ihre Literatur, die geprägt ist von ihren vielfältigen Begegnungen mit Menschen und mit der Natur. Und gerade in dieser Dichte der Schaffenselemente schärfte sich ihr Blick für das Wesentliche.
Dieses bedarf keiner gellenden Präsenz und keiner eitlen Pose. Es erschließt sich erst allmählich den genauen Beobachtern und ernsthaften Lesern.
Erst in der Vielgestaltigkeit des Loslassens wird das Unverlierbare erkennbar.

In der Sturmflut habe ich mich verloren.
Im heißen Strohacker bin ich lichterloh verbrannt.
In den Nachtwind habe ich meine Seele gestreut
und im Frühnebel hat sich meine Spur verwischt.
Lange nach mir haben sie meine Verse gefunden und geweint.
Nur wenn wir lieben, haben wir Ewigkeit in uns.

In den Gedichten von Frieda Hirsch gibt es auch Kritik an gesellschaftlichen Missständen und sie führt Klage über Ungerechtigkeit und Leid, doch aus so mancher Erkenntnis erwächst nicht nur Schrecken, sondern auch Bereicherung und es entsteht ein Sich-öffnen gegenüber den metaphysischen Kräften, dem Göttlichen. Es kommt somit letztlich zu einem Heraustreten aus der Wehmut in eine nahezu unzerstörbare Zuversicht.
Ob im Heimweh in der Ferne oder im Mitfühlen mit leidenden Geschöpfen jeglicher Art, Hoffnung und eine gewisse Lebensfreude schimmern durch und werden zu bleibenden Lichtpunkten darin.
Diese Lyrik berührt einerseits durch feine Nuancen und anderseits durch unbeirrbare Deutlichkeit.


Sidonia Gall

Ein Ur steigt durch die Nebel
Und überall ist Licht!
Das Wesentliche ist lautlos, geheimnisvoll.
Menschen haben es zu Tode gebrüllt, entweiht.






Dichter sein

Taumle nicht!
Aufrecht stehe!
Bürden trage!
Klage nicht!
Du siehst mehr - also tröste!






Zuversicht

Bei Linden Trost suchend
läufst du zu schütteren Akazien.
Ihr Laub verliert sich leicht.

In Baumkronen Gott suchend,
ist der Wind deine Antwort.
Sahst du soeben den Lichtstrahl,
der dich - nur einen Augenblick lang - blendete?






Südburgenländische Frauen

Wie brütend sitzen sie auf Kürbissen.
Sie ernten und reden.
Gute Frauen, viele gute Frauen
sind es, die meinem Land sein behütetes Gepräge geben.






An Ingeborg Bachmann

Verbrennen werde ich
wie Du.
Mich aber wird
die Sonne versengen,
der Steppenwind wird
mich zerstäuben.

Ich werde im Schilf
in die Irre gehen.
Ich werde verloren gehen.

Weiße Falter
brautgewandet,
werden mich umkränzen
und mannshohe Disteln

werden bei mir
Totenwache halten.






Der Akazienbaum

Hab einen Akazienbaum getroffen.
Inmitten von Tannen, Fichten,
stattlichen Kastanien.

Dünn stand er da, er grüßte stumm,
erzählte von daheim, vom Kukuruz
und vom Getreidewiegen.

Brachte mir Mohnblumen
und Rittersporn, dazwischen
grünen Klee, als Strauß.

Der Kindheit Freud und Leid durchströmte
sein Geäst, die kahle Rinde.

Inmitten einer Stadt
mit schönsten Bäumen,
stand ein Akazienbaum
am Wegrand für mich da.

Er grüßte stumm,
erzählte von daheim, vom Kukuruz
und vom Getreidewiegen.






Abend bei der Alten Donau

Verklungen das Schlummerlied
Der Amselmutter.
Einmaliger Unterton, glucksend, tröstend,
Beruhigend, auch für mich.
Dazu, wie begleitend der Sprachgesang
Junger Nigerianer, geheimnisvoll, naturhaft.
Ich habe meinen alten Körper
Auf die weiche Wiese gebettet
Und ich bete mit den Unken,
Herr, Dein Wille geschehe.






Don Giovanni

Wer ich wahrlich bin, was ich denke,
wie ich fühle, darüber läßt sich nicht
von Menschen urteilen.
Einzigartig aber
Ist der Geist, den niemand je gesehen,
der allein das Göttliche in uns birgt.
Solange ich klar fühle, habe ich die Gewißheit:
Niemals werden wir verloren sein, weil
Ein Göttliches in uns waltet.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 88
ISBN: 978-3-99064-053-1
Erscheinungsdatum: 08.11.2018
EUR 14,90
EUR 8,99

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