Krimi & Spannung

In mir. Dieser Traum.

Katharina Babatz

In mir. Dieser Traum.

Leseprobe:

Kapitel 1



Vergangenheit


Mein Name ist Julie und das ist meine Geschichte.
Ich bin ein ganz normales Mädchen aus einer ganz normalen Familie. Meine Freunde sind ganz normal, genauso wie meine Hobbys und mein Job. Ich bin Schriftstellerin, besitze ein Pferd und eine Katze. Ich lebe schon lange in meiner eigenen Wohnung und ich habe in meinem jungen Leben schon viel erreicht. Zumindest so viel, dass ich mir über Geld momentan keine Gedanken machen muss.
Ich habe nie viel Wert auf ein schickes Äußeres gelegt. Ich musste mich nicht besonders schön kleiden, um den Männern zu gefallen. Es schien, als würde ich sie förmlich anziehen.
Ich hatte viele Bekannte, wenige sehr gute Freunde und mit ihnen immer sehr viel Spaß. Wir waren immer viel unterwegs, haben das Leben einfach genossen.
Aufgrund meines Jobs war ich oft in fremden Städten unterwegs. Dadurch habe ich noch mehr Menschen kennengelernt. Zu manchen hielt ich über längere Zeit den Kontakt, andere habe ich kurze Zeit später vergessen. Nie blieb jemand wirklich lange in meinem Gedächtnis. Mit einer Ausnahme. Es gab einen Mann, der es geschafft hat, mir den Kopf zu verdrehen. Seinen Namen werdet ihr später erfahren.
Ich habe ihn auf einer Aftershow-Party in Düsseldorf kennengelernt. Der Anlass war eine große Buchmesse, ich hielt hier eine kleine Lesung aus meinem neuen Roman. Er fiel mir unter all den vielen Menschen erst gar nicht auf, bis er auf mich zukam und mich ansprach. Sein Aussehen fiel mir direkt positiv auf. Er trug ein schwarzes Hemd, dazu eine dunkelblaue Jeanshose. Schwarze Sneakers rundeten das Bild ab. An seinem linken Oberarm blitzte hin und wieder ein Tattoo hervor. Seine Haare trug er kurz.
Ich war nie der Typ dafür, mir Männer so genau anzusehen. Doch irgendetwas war anders. Wie er mit mir sprach, wie er sich dabei bewegte. Sein Blick war mir gegenüber so freundlich und warm. Ab und zu schenkte er mir ein Lächeln, wie ich es schon lange nicht mehr von einem Mann gesehen habe. Die meisten Männer lechzen mir mit ihren geilen Blicken hinterher. Doch er schaute mir die ganze Zeit über in die Augen, mit einem so respektvollen Blick. Er schmeichelte mir, ohne mir dabei zu nahe zu kommen. Er wahrte eine Distanz, die eine Sehnsucht in mir entfachte. Die Sehnsucht nach mehr. Mehr Körperkontakt, mehr Intimität.
Ich wusste relativ schnell, dass ich diesen Mann wiedersehen wollte.
Wir unterhielten uns sehr lange und schlenderten dabei durch die Buchmesse. Meinen Manager, die Presse und all die Fans vergaß ich völlig. Ich hatte nur Augen für ihn. Ich gab ihm meine private Nummer. Diese vergab ich nie, denn mir war es wichtig, mein privates Leben gut unter Verschluss zu halten. Doch ihm vertraute ich und ich freute mich insgeheim schon auf ein Wiedersehen.
Die Zeit verging wie im Flug und irgendwann verabschiedeten wir uns. Er musste weg und ich wieder zu meinem Manager. Der Tag hätte für mich nicht schöner sein können. Ich hatte nicht viel über ihn erfahren. Wo er herkam, wie sein kompletter Name lautete, was er heute noch vorhatte. Ich wusste nur, dass ich mich in seiner Nähe sehr wohlfühlte und wir uns nett unterhalten hatten.
Der Tag auf der Buchmesse war schnell vorbei und ich war froh wieder zu Hause zu sein. Solche Messen sind immer sehr anstrengend, doch ich mag sie gern. Man trifft viele Menschen, kann sich mit anderen Schriftstellern austauschen, lernt seine Fans besser kennen und man ist wenigstens für einen oder zwei Tage nicht ganz so einsam. Denn, auch wenn ich wirklich gute Freunde habe und wir immer versuchen viel zu unternehmen, arbeiten muss ich letzten Endes alleine. Alleine in meinem Arbeitszimmer. Stunde für Stunde, und das oft tagelang, ohne dass jemand etwas von mir hört oder sieht.
Zu Hause wurde ich fröhlich von Kater Max empfangen. Max begleitet mich schon seit drei Jahren und ist mein treuer Partner in einsamen und arbeitsreichen Nächten.
Als ich mich damals für ein Haustier entschied, bin ich in das städtische Tierheim gegangen, um mich dort umzusehen.
Es waren viele Katzen dort. Alte und junge, große und kleine. Manche kamen direkt zu mir, andere waren scheu und brauchten etwas mehr Zeit, um sich mir zu nähern. Max saß in der letzten hinteren Ecke und blickte traurig gegen die Wand. Er war ganz klein und dürr. Sein rotes Fell hatte keinen Glanz. Er war anders als die anderen, genau wie ich. Ich näherte mich ihm langsam, um ihn nicht zu verschrecken. Ich wollte ihn kennenlernen und ich glaube, er wusste das. Ich habe Max an dem Tag nicht gestreichelt oder auf den Arm genommen, wie es andere Katzen eingefordert hatten. Ich war nur bei ihm, saß neben ihm und erzählte ihm von mir und meinem Leben. So verbrachte ich alle darauffolgenden Tage. Jeden Tag war ich um dieselbe Zeit da.
Am fünften Tag kam Max dann endlich zu mir. Er miaute, drückte seinen Kopf an meinen Arm und fing an zu schnurren. Ich war mir sicher, dass er bereit war mit mir mitzukommen.
So begann eine wundervolle Beziehung zu einem ganz besonderen Kater. Damals war Max noch sehr jung und klein. Heute ist er ein richtiger Kraftprotz mit kupferrot glänzendem Fell.
Wie jeden Abend zog ich mich im Schlafzimmer um. Vor meinen Fenstern hängen keine Gardinen, denn mein Blick fällt auf weite Felder und Wald. Ich fühle mich hier sicher und unbeobachtet, auch wenn ich im Erdgeschoß eines Drei-Parteien-Hauses wohne.
Max sitzt abends immer auf der Fensterbank, während ich mich fürs Bett fertig mache. Er sitzt dort seit drei Jahren, Abend für Abend, als würde er aufpassen, dass mir keiner zusieht. Nur heute saß er nicht dort. Ich war so müde, dass es mir zwar auffiel, ich mir darüber aber keine Gedanken mehr gemacht hatte. Ich wollte einfach nur schlafen. Ich legte mich ins Bett und innerhalb weniger Sekunden fiel ich in einen ruhigen Schlaf.
Heute weiß ich, dass Max mir damit zeigen wollte, dass wir nicht allein waren, dass ich beobachtet wurde, dass ich, so wie er, aus dem Zimmer gehen sollte.



Traum


Er ist hier. Ich kann ihn hören. Er läuft den langen Flur auf und ab. Das Laminat knirscht unter seinen Schuhen. Ich kann ihn nicht sehen. Ich kann nichts sehen. Doch ich weiß, wo ich bin. Ich bin dort, wo er mich immer hinbringt, wenn ich nicht brav bin. Ein kleiner Raum, ganz oben auf dem Dachboden. Es gibt kein Fenster, kein Licht. Hier ist es kalt, die Luft ist stickig.
Er fesselt mich an Händen und Füßen und schleppt mich hier rauf. Ich bleibe so lange hier, wie er es für nötig hält. Manchmal ein paar Stunden, manchmal auch ein paar Tage.
Die meiste Zeit weine ich vor mich hin. Mein ganzer Körper schmerzt, es ist bitterkalt, der Boden ist hart. Wenn er zu mir kommt, um mir trockenes Brot und Wasser zu bringen oder um hinter mir aufzuräumen, dann spricht er kein Wort mit mir. Er schweigt die ganze Zeit. Die meiste Zeit sieht er mich nicht an, und wenn er es tut, dann ist sein Blick voller Hass und Gewalt. Ich verharre in der letzten Ecke, aus Angst, er könnte mir wieder wehtun. Sobald er weg ist, muss ich wieder weinen.



Vergangenheit


Ich liebe mein Leben und vor allem liebe ich meinen Job. Von Sonnenstrahlen geweckt zu werden ist einfach ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Ich muss mir selten einen Wecker stellen, lediglich, wenn ich Termine habe, wie gestern die Buchmesse, muss ich pünktlich aufstehen. An allen anderen Tage stehe ich auf, wenn ich es für richtig halte. Oder wenn ich wie heute von der Sonne geweckt werde.
Ich fühle mich ausgeruht, entspannt. Ich habe gute Erinnerungen an gestern und freue mich auf diesen neuen, spannenden Tag voller Arbeit und Ideenreichtum.
Max ist schon lange vor mir wach und erkundet draußen die Welt. Ich stehe jeden Morgen alleine auf, denn Max liebt es, den Sonnenaufgang draußen zu erleben. Nur wenn das Wetter sehr schlecht ist, treffe ich ihn morgens in der Wohnung an.
Während die Kaffeemaschine arbeitet, blicke ich mich in meiner Wohnung um.
Die Wohnung war damals ein richtiger Glücksgriff. Ich hatte lange nach etwas Passendem gesucht und nie etwas gefunden. Bis ich diese Wohnung durch Zufall in der Zeitung entdeckte. Die Anzeige war nicht besonders vielversprechend. Sie war sehr kurz gehalten, viele Informationen fehlten, sie wurde nicht genau beschrieben. Es stand lediglich drin, dass eine Wohnung im Grünen zu vermieten war. Normalerweise achte ich auf solche kleinen Anzeigen nicht, denn jede verlorene Minute am Telefon ist Verschwendung. Doch bei dieser Anzeige hatte ich ein gutes Gefühl, dass es wirklich passen könnte. Also rief ich unter der angegebenen Nummer an und machte einen Termin aus.
Zwei Tage später stand ich mitten im Nirgendwo, am Rande einer Landstraße vor diesem Haus. Ich glaube, es ist das einzige Haus im Umkreis von einem Kilometer. Nicht dass mich das gestört hätte, es fühlte sich im ersten Moment nur sehr komisch an. So ganz allein hier draußen, umgeben von Wald und Feld. Eine ältere Frau machte mir die Tür auf, nachdem ich zweimal geklingelt hatte. Sie war auch diejenige, mit der ich telefoniert hatte. Sie erwähnte am Telefon schon, dass ich womöglich zweimal klingeln müsste, ehe sie die Klingel hören würde.
Die alte Frau ist die Eigentümerin des Hauses. Sie ist bestimmt schon weit über 70 Jahre alt, hat grauweißes Haar und macht einen gepflegten, sehr gebrechlichen Eindruck. Der Flur des doch sehr großen Drei-Parteien-Hauses wirkt gemütlich einladend und erstreckt sich weitläufig nach vorne. Überall hängen Bilder aus alten Zeiten an den weißen Wänden. Links neben der Haustür steht eine antike, schwarz lackierte Holzbank. Kleine Kissen und eine Decke liegen auf dieser Bank und warten auf jemanden, der sich zur Ruhe setzen will. Rechts neben der Holzbank steht ein Blumenkübel mit einer wunderschönen, rot blühenden Blume. Weiter geradeaus geht es auf die Eingangstür der alten Dame zu. Rechts erstreckt sich eine lange Wand, mit einer zweiten Eingangstür, die kurz vor einer Ecke liegt. Dies ist die Tür zu meiner Wohnung. Hinter der Ecke führt eine Treppe nach oben, dort liegt die dritte Wohnung in diesem Haus.
Auch die dritte Wohnung war zu diesem Zeitpunkt unbewohnt, doch ich interessierte mich für die Erdgeschoßwohnung und schenkte somit der Treppe keine Aufmerksamkeit.
Die alte Dame ging sehr langsam vorneweg und führte mich zu meiner Wohnung. Hinter uns fiel die schwere Außentür ins Schloss.
Die Eingangstür zu meiner Wohnung war bestimmt ebenso alt wie die Holzbank und fast so schwer wie die große Haustür. Die alte Dame hatte alle Mühe, die Tür aufzubekommen.
Die Tür knarrte beim Öffnen und gab kurze Zeit später den Blick in das Wohnzimmer einer Wohnung frei, welche so lichtdurchflutet war, wie ich es so noch nie gesehen hatte. Es gab somit keinen eigenen Flur und man stand direkt im Wohnzimmer. Zu meiner Rechten erstreckte sich eine riesige Fensterfront, welche den Blick auf den Vorgarten freigab. Zu meiner Linken blickte man auf eine offen gehaltene Küche mit Blick ins Grüne, ebenfalls durch ein großes Fenster. Geradeaus blickte man auf einen Kamin, rechts daneben führte eine Tür in das ebenso große Schlafzimmer, welches ebenso große Fenster aufwies wie das Wohnzimmer. Von hier führte eine Tür in ein Badezimmer, in dem man jeglichen Luxus vorfand. Eine Eckbadewanne, eine große Dusche mit Glastüren. Für mich war ein Traum wahr geworden.
Die alte Dame wartete die ganze Zeit über an der Eingangstür und sprach kaum ein Wort.
Ich wusste nicht viel über sie und ich hatte auch nicht das Gefühl, das sich dies je ändern würde. Ich blickte mich in Ruhe noch einmal um und stellte mir vor, wie ich diese Wohnung einrichten würde, wo die Couch hinkommen würde, meine Schränke mit all den Akten. Wo mein Schreibtisch stehen müsste, damit ich am Tage immer genug Licht hatte, um zu schreiben. Wie ich das Schlafzimmer aufbauen würde, um meine eigene Wohlfühloase zu erschaffen.
Letztendlich musste ich nicht lange überlegen, ob ich diese Wohnung nehmen würde oder nicht. Ich wollte sie, und das so schnell wie möglich.
Also sprach ich mit der alten Dame darüber, wie denn alles Weitere ablaufen würde, wann ich einziehen könnte, wie die Hausordnung ist und all den anderen Krempel, den ich so gewöhnt war. Ich merkte schnell, dass es die alte Dame nicht sonderlich interessierte, was ich hier tun würde und wie ich es umsetzen wollte. Sie wollte einfach ihre Ruhe und eine nette Nachbarin.
Ich bekam also die Zusage und direkt einen Schlüssel, damit ich sofort anfangen konnte. Ich war zu diesem Zeitpunkt einfach nur glücklich. Glücklich darüber, endlich das für mich passende Zuhause gefunden zu haben. Ich ließ die alte Dame mit all ihren Geheimnissen in Ruhe, auch wenn ich sehr neugierig war, denn sie machte neben ihrem gepflegten Äußeren auch einen sehr geheimnisvollen Eindruck. In meinen Augen ist es sonderbar, so weit außerhalb der Stadt, ganz alleine, in einem großen Haus zu wohnen.



Traum


Ich war wieder böse. In seinen Augen war ich böse. Dafür muss ich jetzt bezahlen. Er sagt, ich muss dafür bezahlen. Ich bin immer noch gefesselt. Ich kann mich nicht bewegen. Das ist auch gut so, meint er. Denn es wird wehtun, sagt er. Ich habe Angst, fürchterliche Angst. Er wird mir meine bösen Gedanken austreiben, sagt er. Er meint es nur gut mit mir, glaubt er. Ich weine, wie jedes Mal, wie jeden Tag, wie jede Minute.



Vergangenheit


Mit Kaffee und Brötchen zum Frühstück und einem Haufen von Ideen setze ich mich an meinen Schreibtisch und gehe den gestrigen Tag noch einmal gedanklich durch. Max ist inzwischen auch wieder zurück und vergreift sich an seinem Frühstück. Ich habe viele potenzielle Verlage kennengelernt, die allesamt sehr daran interessiert sind, dass ich für sie Bücher schreibe. Ein paar sind an Romanen interessiert, wieder andere wollen Sachbücher über Pferde. Mittlerweile bin ich in der Position, mir selber aussuchen zu können, was ich zuerst schreibe. Das war natürlich nicht immer so und es war ein langer, harter Weg bis dahin. Ich bin froh diesen Weg eingeschlagen und vor allem durchgezogen zu haben. Nicht jeder schafft es so weit, auch wenn es viele Talente gibt. Doch letztendlich fehlt es oft an Durchsetzungsvermögen und Willensstärke. Man braucht gute Freunde und einen guten Manager, um das, was man liebt, zu Ende zu bringen, bis man da ist, wo man hinwill. Ich habe mein Ziel erreicht und ich bin auch ein bisschen stolz auf mich. Denn nicht alle haben an mich und meine Ideen geglaubt.
Zeit ist auch ein wichtiger Faktor, wenn man wirklich etwas schaffen will. Vielen fehlt die Zeit oder sie setzen ihre Prioritäten falsch. Wenn man schreibt und richtig im Fluss drin ist, dann vergeht die Zeit wie um Flug, ohne dass man das Gefühl hat, viel zu schaffen. Man überdenkt manche Sätze zwei- oder dreimal. Verändert hier und da einen Satzbau oder einzelne Wörter. Manchmal schafft man ganze Seiten in ein paar Stunden und manchmal nur einen Absatz. Wenn man das Schreiben als Hobby betreibt, fällt es schwer, sich dafür wirklich Zeit zu nehmen. Denn bis man den Anschluss der letzten paar Zeilen gefunden hat, können Minuten oder Stunden vergehen. Manchmal ist man auch so müde und kaputt, weil der Job wieder so anstrengend war, dass man nicht die Motivation hat, zu schreiben. Oder es fehlen einem die Ideen. Bei mir ist es so, dass ich das komplette Buch in meinem Kopf haben muss, bevor ich anfangen kann zu schreiben. Das Grundgerüst muss tief in mir drin festsitzen, erst dann kann ich Zeile für Zeile schreiben. Früher habe ich mein Geld damit verdient, in Kneipen zu kellnern oder im Altenheim zu arbeiten. Wechselschichten und Stress waren für mich Alltag, und das kann einen richtig fertigmachen. Oft fehlte mir die Kraft, zu schreiben, und ich glaube, dass es deswegen so lange gebraucht hat, bis ich den Durchbruch geschafft habe. Umso mehr erfreut es mich, jetzt zurückzublicken und sagen zu können, dass ich es wirklich zustande gebracht habe, ohne dass mir jemand geholfen hat.
Während ich all die potenziellen Verlage im Internet recherchiere, bleiben meine Gedanken an diesem Mann hängen. Dieser Mann, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich erinnere mich an sein Aussehen, seinen Ausdruck, die Art wie er mit mir gesprochen hat, wie er mich angesehen hat. Ich merke, wie ich lächeln muss. Er geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ich werde ihn auf jeden Fall kontaktieren, ich muss ihn einfach besser kennenlernen. Doch ich werde noch warten, denn er hat meine Handynummer und es interessiert mich sehr, ob er sich zuerst meldet.
Also schiebe ich den Gedanken erst mal beiseite und widme mich einem neuen Projekt.
Ich habe mich für ein Sachbuch entschieden. Es soll sich um die anatomisch und biomechanisch korrekte Arbeit am Pferd vom Boden aus drehen. Es gibt viele solcher Bücher, man bekommt sie fast nachgeworfen. Doch dieses hier beruht einzig und allein auf meinen Erfahrungen, meiner Ansicht und ich weiß schon jetzt, dass es gut werden wird.
Also fange ich an zu schreiben, Zeile für Zeile, Stunde für Stunde.



Traum


Mein ganzer Körper schmerzt. Ich fühle mich, als würde ich in Flammen stehen. Diesmal war er noch aggressiver, er schlug noch fester zu als sonst. Die Schnitte sind tiefer als bisher und bluten stärker. Doch er treibt es nie so weit, dass ich ohnmächtig werde. Er bleibt immer kurz vor der Grenze, um mich dann wieder wegzusperren und mich mit meinem Schmerz und den Wunden allein zu lassen. Ich weine, wie jedes Mal. Mein Herz brennt vor Wut und vor Trauer. Ich hätte nie gedacht, dass mein Leben, mein glückliches, perfektes Leben, so enden wird. Ich hätte nie gedacht, dass er mir so etwas antun könnte, doch ich habe mich getäuscht.
Ich kann ihn reden hören, er telefoniert. Er scheint aufgebracht. Ich kann nicht verstehen, worüber er spricht oder mit wem, und es interessiert mich auch nicht. Ich will raus hier, ich muss hier einfach raus.



Vergangenheit


Die Stunden vergehen wie im Flug. Die Sonne neigt sich langsam zum Nachmittag herab. Ich habe viel geschafft und lege endlich meine Arbeit nieder. Es wird ein paar Monate dauern, bis ich fertig bin, doch meist bringe ich es fertig, vor dem gewünschten Termin fertig zu sein. Wenn der Anfang bewältigt ist, dauert es meist nicht lange. Mein Handy war den ganzen Tag über still. Meine Freunde wissen sehr gut, wann ich erreichbar bin und wann nicht. Dem Verlag, mit dem ich zusammen dieses Buch herausbringen werde, habe ich bereits vor Stunden geschrieben. Ich freue mich auf diese Zusammenarbeit, denn es ist ein bekannter Verlag, dessen Bezahlung sich sehen lassen kann, wenn das Buch Abnehmer findet. Und das wird es, davon bin ich überzeugt.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 74
ISBN: 978-3-95840-403-8
Erscheinungsdatum: 09.01.2018
Durchschnittliche Kundenbewertung: 3
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