Humor & Satire

Was Sie sagen, ist nicht wichtig!

Bernd W. Dresia

Was Sie sagen, ist nicht wichtig!

Leseprobe:

Vorwort

Dieses Buch ist entstanden, weil es geschrieben wurde. Ja, genau das ist der Grund, weswegen es auf diese Welt kam. Und selbstverständlich außerdem, weil nicht nur Sie sich schon oft gefragt haben, was eigentlich hinter den geheimnisvoll verschlossenen Türen der Industrie- und Handelskammern, kurz auch als IHK bezeichnet, in Wirklichkeit geschehen mag.

Mit dem tiefen Wissen über die internen Vorgänge innerhalb der gesamten IHK-Organisation ausgestattet, entschloss sich der ein bisschen verrückte Autor, dieses Buch zu schreiben, um auf überraschend humorvolle Weise die bislang gut behüteten eigentlich aber offenen Geheimnisse der fast überall und nicht selten im Verborgenen Einfluss nehmenden Organisation zu lüften. Und ab und zu mal lüften ist schließlich gut, wenn der gute Sauerstoff im Zimmer verbraucht und die Luft zum Schneiden dick ist.

Die IHK gibt wie ein auf die Brust trommelndes Gorillamännchen vor, für Millionen von Gewerbebetrieben in ganz Deutschland zu sprechen, und versucht damit, die zwangsweise erhobenen Beiträge (welche die IHK zur Finanzierung der eigenen Verwaltung und anderer Institutionen dringend benötigt) zu rechtfertigen. Was wahr ist und was nicht, wissen Sie, sobald Sie dieses Buch gelesen haben. Falls Sie es dann doch nicht wissen sollten, na ja, dann haben Sie sich wenigstens gut unterhalten.

Wie kommt es, dass Millionen Menschen, die mit dieser Organisation leben (müssen), keine blasse und noch weniger eine farbenfrohe Ahnung haben – und das auch so vielfach über Jahrzehnte hinnehmen –, welchen Zweck diese Institution IHK, diese Leute, die dort beschäftigt sind, erfüllen? Was treibt derart viele Menschen dazu, für etwas zu bezahlen und bis zum seligen Ende als gegeben anzuerkennen, wovon sie keinen für sie erkennbaren Nutzen haben? Welche mysteriöse Mission hat die IHK zu erfüllen? Beantworten Sie sich diese und andere Fragen, wenn Sie die im Raum umherschwirrenden Fragezeichen mit der Lektüre der Geschichten und Gedichte eingefangen haben. Oder Sie beantworten die Fragen eben nicht und lesen das Buch aus Spaß an der Freude noch einmal.

Hier und da mag es vielleicht so erscheinen, doch dieses Wunderwerk der Schreib- und Dichtkunst wurde nicht mit der Absicht verfasst, Menschen oder Institutionen zu verunglimpfen oder lächerlich zu machen. Sie können sicher sein, das schaffen Menschen für sich und für andere schon ganz von alleine, dazu braucht es diese Worte nicht. Die seltsamen Episoden und die Personen, die sämtliche Beschreibungen erst möglich machten, sind keineswegs völlig frei erfunden. Damit sich jedoch niemand, der meint, sich in der einen oder anderen Passage erkennen zu wollen, ärgert oder gar schlimmes Magendrücken verspürt, wurden Namen geändert, manchmal auch ganz weggelassen. Wenn Sie trotzdem jemanden zu identifizieren glauben: herzlichen Glückwunsch!

Sie werden erleben, wie ernste Themen ziemlichen Spaß bereiten können und welch bitteren Einschlag witzige Erlebnisse bisweilen haben, sobald der wahre Hintergrund offenbar wird. Genießen Sie die zum Teil mit bissigem Humor gewürzten Passagen, lachen Sie, lästern Sie, schütteln Sie Ihren Kopf und wundern Sie sich, während Sie mittendrin sind beim Tratsch und Klatsch, über die Ereignisse und Menschen rund um die IHK. Lehnen Sie sich entspannt zurück und amüsieren Sie sich über das, was in der seriös und unnahbar wirkenden Welt der IHK so alles geschieht.

Denken Sie dabei immer daran: Die Wahrheit kann nie böse gemeint sein!


Die Themen

Der Auftakt oder: Was liegt an, Leute? 118
Die Residenzen 110
Die Institution 116
Die Struktur 122
Die Aufgaben 129
Der Dachverband 139
Die Kooperationspartner 142
Die Ja-Sager 154
Die Nein-Sager 159
Die Philosophie 164
Die Vollversammlung 168
Das Präsidium 73
Die Gremien 177
Die Hauptgeschäftsführer 182
Die Geschäftsführung 191
Der Personalrat 103
Die Personalversammlung 109
Die Mitarbeiter 117
Die Besten 131
Die Arschkriecher 140
Die Mutanten 148
Die Gefährlichen 155
Die IHK-Zeitschrift 168
Die Sprache 173
Die Feiern 182
Die Geschichten oder:
Das war einmal und es ist kein Märchen
Teil 1: Trauriges 192
Teil 2: Lustiges 202
Teil 3: Dämliches 221
Das Peterprinzip in der IHK 237
Der Aufsatz 243
Die Zugabe 248
Die Sprüche 255
Das lustige kleine IHK-Lexikon 262
Der Auftakt oder:
Was liegt an, Leute?

Das große Glück des Zwangs
In Deutschland gibt es ein Gesetz,
das spinnt so fein und fest ein Netz,
um Betriebe zu umhüllen,
die still und heimlich Kassen füllen,
für andre leider, sieh mal da,
es freuet sich für Sie, aha,
mit großem Dank die IHK.
Die dürfen es und tun es auch,
zwingen euch, so ist es Brauch,
als Mitglied einzutreten, seht,
wo ein Gewerbe neu entsteht.
Wie schließlich üblich auf der Welt
als Mitglied zahlt ihr jeweils Geld,
das hier jedoch ins Leere fällt.
Beschwerden, Klagen, jeder Streit,
bringt die Sache nicht sehr weit,
denn das Gesetz beschützt den Laden,
die Politik will gar nichts dazu sagen.
Sie kann nichts Schlechtes dabei finden,
Menschen per Diktat zu binden,
um sich für andre abzuschinden.
Ach, käme doch ein kluger Denker,
ein weiser Mensch, ein Lenker,
mit Mut, mit Klasse und dem Drang,
Schluss zu machen mit dem Zwang,
der nicht dem Freiheitswunsch entspricht,
doch ein Ende dieser Pflicht,
ist keineswegs in Sicht.

Munter darf die IHK kassieren,
weiterhin wird nichts passieren,
da alle brav nur sitzen
und für die Beitragszahlung schwitzen.
Was das bewirkt, das ist schon klar:
es freuet sich für Sie, ja, ja,
schon wieder nur die IHK!


Die Residenzen

Der unerschrockene Spartaner Leonidas soll einst einen seiner besten Leute kurz vor dem Kampf gegen das übermächtige Heer des Perserkönigs Xerxes im Angesicht des sicheren Todes seiner 300 Krieger mit einer Botschaft zurück nach Hause geschickt haben, die zur Legende wurde:

Wanderer kommst Du nach dorten,
sage, Du habest uns hier liegen geseh’n,
wie das Gesetz es befahl.

Die tapferen und unbeugsamen Helden der IHK könnten sich diese Nachricht mit leichten Abwandlungen zu Eigen machen, die dann etwa so lauten könnte:

Gewerbetreibender, kommst Du zu uns,
frage Dich nicht, warum Du uns hier in feudalen Gebäuden sitzen siehst, denn das IHK-Gesetz erlaubt uns das.

Unendliche Weiten, grenzenlose Ausdehnung – diese Attribute charakterisieren Deutschland nicht gerade. Dennoch finden Sie über 80 Mal in diesem flächenmäßig überschaubaren Staat eine Industrie- und Handelskammer. Mit der Addition der installierten Nebenstellen wird die Anzahl der Orte, auf deren Grund und Boden ein von der Industrie- und Handelskammer genutztes Gebäude steht, dreistellig. Falls Sie einmal eine der vielen Dienststellen suchen sollten, orientieren Sie sich der Einfachheit halber dorthin, wo die Immobilienpreise besonders hoch sind. In Innenstädten, Bankenvierteln, in der Nähe von exquisiten Geschäftszentren sollten Sie beim Finden erfolgreich sein.

Die Industrie- und Handelskammer nennt sich kurz IHK (was wirklich nicht Ich Habe Kreuzschmerz heißt) und wurde – zwar nur mit einer einzigen Erwähnung im Zuge einer fortwährenden Aneinanderreihung von Abkürzungen, aber immerhin – vor ein paar Jahren sogar in den Musikcharts von der Hip-Hop-Gruppe Die Fantastischen Vier per Deutschrap besungen. Ob im Norden, Westen, Süden oder seit dem Mauerfall zudem im Osten nummerisch aufstrebend, überall finden Sie eine IHK. In Gebieten, die sich durch Weitläufigkeit und bisweilen dschungelartiges Grün kennzeichnen, gibt es Neben- und Zweigstellen, um dem letzten Einmannbetrieb oder Einfrauunternehmen das Gefühl geben zu können: „Die IHK ist auch in der rauen Wildnis für Sie da!“ Wenngleich viele der Selbstständigen durch dieses aufdringliche Heranrücken eher das Gefühl im Bauch haben, die IHK säße ihnen auch auf dem manchmal so beschaulichen Land im Nacken, behauptet die IHK-Organisation steif und fest, man wolle die Betreuung auch in den ländlichen Gebieten sicherstellen. Betreuung, aha. Betreuung? Wer, was, wem, womit, wieso, wer will das, was soll das, wann hört das auf?

Liebe Selbstständigen, das hört erst auf, wenn Sie aufhören! Ja, so ist es und Sie ändern es nicht, es sei denn, Sie sorgen dafür, dass sich Grundlegendes ändert! Bis es so weit ist, krallt sich die IHK jeden zu ihr passenden Gewerbeanmelder – nach dem Gleichheitsgrundsatz natürlich auch die Gewerbeanmelderinnen – und reiht sie in die Armee der nicht gefragten IHK-Mitglieder ein. Und exakt, weil das so ist, sollen Sie unter Zuhilfenahme eines anonym gehaltenen Beispiels nun erfahren, was Sie interessiert. Anonym deshalb, weil die mitunter zwischen Arroganz und fehlendem Selbstbewusstsein pendelnden Leute von der IHK je nach Wetterlage ganz doll schnell beleidigt sind. Die mit dem Käsepiker erwischte und in diesem kleinen Kapitel sezierte IHK steht exemplarisch für viele, wenn nicht für alle anderen Industrie- und Handelskammern und könnte deshalb auch erfunden sein.
Mitten in einer nicht unbedeutenden deutschen Stadt befindet sich das Hauptquartier der heimlichen Herrscher der regionalen Wirtschaft. Der, warum auch immer, unter Denkmalschutz stehende Gebäudeklotz erinnert von außen deutlich mehr an eine Behörde als an eine nominell der Wirtschaft nahestehende Vereinigung. Den Kampf König gegen Amtsschimmel haben die Majestäten gewonnen, weshalb es im Entree der IHK einigermaßen gehoben bis elitär aussieht. Womöglich hofft die IHK als graue Maus der Exquisitklasse auf diese Weise, das Image des außerhalb des Blickfeldes vegetierenden Mauerblümchens loswerden zu können. Die durchaus gute und moderne Idee eines IHK-Präsidenten, mit der Umgestaltung des Eingangsbereichs mehr Transparenz, fühlbare Kundennähe und optische Qualität schaffen zu können, hat sich allerdings trotz des immensen Aufwands auch nach Jahren wohl noch nicht ganz bis zu den Büros herumgesprochen.
Auf der einen Seite steht die vernünftige Idee, auf der anderen Seite sind leider die Ausgaben für derartige Aktionen zu verbuchen und das kann gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten immer etwas unschön sein. Für die IHK scheint dieser Punkt jedoch kein Problem aufzuwerfen, denn die Finanzen sind durch die Pflichtbeiträge der Gewerbetreibenden gesichert. Aus diesem Grunde wünschte sich der Beherrscher des Herrschergefolges, der sich in IHK-Kreisen per Gesetz Hauptgeschäftsführer nennen darf, auch eine räumliche Erweiterung dieser IHK mittels Anmietung oder gar Kauf eines längst nicht mehr von einer Behörde genutzten Gebäudeteils. Vielleicht durfte es am Ende der Diskussion auch etwas mehr und eine komplette Aufstockung des Gesamtbaus sein? Wie das in einer Phase eines vorgeblichen Personalabbaus und dringend in Auftrag gegebener Entwicklung von Sparplänen zusammenpassen soll, weiß eventuell der berühmte Geier. Nicht der Ede, der lange Zeit als Trainer im Bundesligafußball Furore machte, sondern der am Halse nicht Gefiederte, der schon längst pleite wäre, gäbe es da nicht eine zugunsten der IHK gesetzlich festgelegte Einkommensregelung, die für jede IHK angesichts des Zahlungszwangs der Mitglieder einen gewissen Ausgabekomfort schafft. Und so ist immer wieder in den Tageszeitungen zu lesen, dass die IHK mit einem Aufgabenbereich in neue, großzügigere Räume umgezogen ist, um der Privatwirtschaft im Zuge beispielloser finanzieller Risiko­freiheit mit freiwilligen Dienstleistungen tüchtig Konkurrenz zu machen. Der zweite Teil des Satzes fehlt natürlich im Zeitungsbericht, denn dieser Aspekt ist ausschließlich zum Verschweigen und lautlosen Hinunterschlucken geeignet.
Weil Geld, wie gesagt, halt keine Rolle zu spielen scheint, war es auch überhaupt keine Schwierigkeit, im Jahre Nochnichtsolangeher neben den schon existierenden IHK-Zweigstellen in Weitdraußen und in Verdammtweitdraußen, die in der IHK eigenen Gebäuden residieren, eine weitere Zweigstelle in Ziemlichweitdraußen zu gründen. Diese Maßnahme kostete beinahe fast so gut wie kein Geld und die vierstellige monatliche Euromiete war letztlich ein Klacks klingender Münze. Das alles war so billig, dass diese Zweigstelle nach ein paar Jahren die ursprünglichen Büros wieder verließ, um quasi einen Eingang weiter zu ziehen. Damit sich der Aufwand auch lohnte, musste die Fläche größer sein, den Umbau zahlte die IHK übrigens selbst, neue Möbel wurden angeschafft und der Mitarbeiterstab wurde um 20 Prozent aufgestockt. Diese Dependance hat schon damals außer dem Hauptgeschäftsführer der IHK niemand gewollt und schon gar keiner gebraucht. Spätestens der Umzug in noch teurere Räume stand in keinem Verhältnis zu dem auch in Zahlen ausdrückbaren (fehlenden) Nutzen für die Gewerbebetriebe in der Region Ziemlichweitdraußen.
Viel Freude bereitet den Verantwortlichen der IHK auch die autonom immer wieder genutzte Möglichkeit, regelmäßig ganze Abteilungen innerhalb des Haupthauses umziehen zu lassen. Selbstverständlich werden die Räume den neuen Bedürfnissen baulich und technisch angepasst, Renovierungen sind obligatorisch, weil die alten Schränke in den neuen Büros anders aufgestellt werden müssen, alternativ neu erworbene Mobilien nicht an schmutzigen Wänden stehen sollen und der freie Blick auf die Ränder der alten Möbelstandorte nun nicht so richtig schön und nicht gewünscht ist. Kosten? Das kostet nichts, das zahlt die IHK doch selbst.
Das Gebäude ist groß und so bieten sich dem Interessierten immer wieder Gelegenheiten, ein wenig Schwung in die flunderflach gesessenen, anatomisch fest verbundenen Sitzkissen der IHK-Mitarbeiter zu bringen, die nämlich die Schränke selbst ausräumen und die Kisten mit Utensilien füllen. Umgekehrt geht das natürlich auch: Kisten ausräumen und Schränke füllen. Wie antwortete eine Dame doch so schön auf die spitzbübische Bemerkung eines Kollegen, dies sei eventuell nicht unbedingt ein Teil der Aufgaben, die im Interesse der Kundschaft auszuführen seien? „Das macht mir doch nichts aus, denn in der Zeit muss ich mich nicht um die Leute kümmern, weil ich außerdem meine Unterlagen nicht griffbereit habe. Dafür kann ich nun wirklich nichts!“ Richtig, dafür, kann sie nichts. Das ist dann ja schätzungsweise das IHK-Mitglied schuld, weil auf dem Wunschzettel der Gewerbetreibenden ganz bestimmt weit oben steht: Eine interne IHK-Mitarbeiterwanderung wäre toll!
Eigene Parkplätze hat diese IHK übrigens auch. Die sind den privilegierten Mitarbeitern vorbehalten. Da stehen sie, die einfachen Gefährte, die klapprigen Kraftfahrzeuge der IHK-Bediensteten, die sich allenfalls mal ein superbilliges Cabriolet mit Stern leisten können und dieses auf dem Kammergrundstück vor neugierigen Blicken und natürlich vor Regen schützen müssen. Apropos Stern: Hier steht auch der Dienstwagen des Hauptgeschäftsführers, wenn das Auto ausnahmsweise nicht dienstlich oder noch dienstlicher benötigt werden sollte. Früher musste sich der Hauptgeschäftsführer mit einem bescheidenen Modell aus der regionalen Produktion begnügen, einem für diesen Rang schier einfallslosen Exemplar. Da macht ein für einen echten Geschäftsmann geeignetes Kraftfahrzeug doch schon deutlich mehr her. Na ja, sicher auch preislich, gewiss. Doch der Händler kommt der IHK wahrscheinlich gerne entgegen und außerdem ist das Geld ja da. Man würde es doch ansonsten nicht ausgeben, nicht wahr, Herr Hauptgeschäftsführer?

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 276
ISBN: 978-3-85022-980-7
Erscheinungsdatum: 18.11.2009
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 16,90
EUR 10,99

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