Humor & Satire

Lach jetzt - stirb später

Elisabeth Schlumpf

Lach jetzt - stirb später

Leseprobe:

Motto

Humor ist die Eigenschaft, hinter dem
Ideal die nüchterne Wirklichkeit
und neben der Realität die bessere Möglichkeit zu sehen.

Humor ist der Regenschirm der Weisen.
(Erich Kästner)




Unernste Rechtfertigung des Unternehmens

Alters-Witze? Ist es erlaubt oder nicht vielmehr pietätlos, Witze zu erzählen über Menschen in einer Lebensphase, in der sie beeinträchtigt sein können durch zunehmende körperliche Beschwerden, verminderte sexuelle Potenz, schwächer werdende Sinnesleistungen?

Gewiss wird niemand so taktlos sein, in einer Familie von Betroffenen einen Alzheimer-Witz zu erzählen. Aber solange die Möglichkeit einer Erkrankung nur wie eine Drohung über der eigenen Existenz hängt, kann Humor befreiend wirken. Lachen entspannt das Zwerchfell und verscheucht drückende Sorgen oder Zukunftsängste.

Insofern scheint es berechtigt, auch über den Lebensabschnitt „Alter“ Witze zu machen, die auf eine Einschränkung hinweisen, aber in einer Form, die durch ihre unerwartete Pointe die Schwere des Phänomens relativiert und zum Lachen einlädt. Das hat nichts zu tun mit Sich-lustig-Machen über ältere Menschen, zumal wir alle wissen, dass das Alter unsere Zukunft ist.

Dennoch ziemt es sich eher, dass humorvolle Alte Witze über ihre Situation weitergeben, als dass Junge sich darüber mokieren. In der „(Alt-)Weibergruppe“, der ich angehöre – die meisten Frauen sind über sechzig, einige gegen siebzig und darüber –,
amüsieren wir uns über Alters-Witze, im Wissen, dass wir nicht sicher sein können, ob uns nicht eines Tages dieselben Gebrechen einholen.

Wir tauschen auch offen aus, was uns mit zunehmendem Alter zu schaffen macht: die Vergesslichkeit, das Nicht-mehr-so-gut-Funktionieren des Körpers, die Spuren des physischen Älterwerdens. Wir schauen aber nicht nur auf das halb leere Glas, sondern auch auf das, was wir mit dem Alter gewonnen haben: größere Gelassenheit, das Nichtmehr-so-wichtig-Nehmen von vielen Dingen, Entlastung von Strukturen und Programmen, erhöhte Lebensqualität durch Zeit-Haben für Beziehungen, kreatives Tun und Muße. Deshalb können wir auch herzhaft lachen über Witze, welche die Schattenseiten des Alters hervorheben.

Es gibt sogar humorvolle Aperçus über die unangenehmen Seiten des Alters wie den folgenden Spruch:

Wenn ich einst alt bin, nörgle ich nur noch. Das wird ein Spaß!

Falls Sie schon älter sind, reagieren Sie bitte nicht gekränkt auf die Witze, die etwas treffen, das Ihnen vielleicht zu schaffen macht! Falls Sie jünger sind, freuen Sie sich, dass Sie noch lange Zeit haben, bis das eine oder andere Thema in Ihrem Leben auftaucht.




Worum es geht

Es ist erstaunlich, wie viele Witze sich mit dem Alter beschäftigen, wenn man anfängt, sie zu sammeln. Es ist, als ob das Thema in der Luft läge. Tut es ja auch bei den demographischen Veränderungen unserer Zeit, sprich der ständig steigenden Anzahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft. Von überall her fliegen die Anekdoten einem zu, in Varianten, mit veränderten Umständen und Personen, aber mit demselben Kern. Missverständnisse aufgrund von nachlassendem Gedächtnis oder eingeschränktem Hörvermögen, Beziehungsschwierigkeiten wegen fehlender Sexualität oder Überlegungen zum Lebensende, das sind die Kernthemen, die Anlass geben zur humoristischen Verarbeitung der Alters-Defizite. Vom lakonischen Spruch wie dem, auf den ich im Norden Deutschlands gestoßen bin: „Oben klar und unten dicht, mehr wünscht man sich im Alter nicht“, bis zur ausführlichen szenischen Darstellung reicht der Bogen selbstironischer Kommentare zum Thema Altsein.

Meine Sammlung gliedert sich infolgedessen in vier Hauptbereiche entsprechend den Schwerpunkt-Themen:
– das Gedächtnis und seine Lücken
– die Sexualität und ihr Nachlassen
– Krankheiten als Geißel des Alters
– Was kommt nach dem Friedhof?

Weil sich in einigen Witzen, besonders in solchen, welche die Beziehung von alten Paaren beleuchten, die Themen von Vergesslichkeit und Sexualität potenzieren, habe ich noch eine spezielle Kategorie angefügt.
Und danach, als Sahnehäubchen, einige besonders schwarze Witze, die aber nicht geeignet sind für zartfühlende Gemüter.




Schwerpunkt Nr. 1:
Das Gedächtnis und seine Lücken

Ich brauche eine Brille, um meine Brille zu suchen, oder:
Wo hab ich bloß meine Schlüssel hingetan?

Das Kurzzeit-Gedächtnis funktioniert im Alter tatsächlich nicht mehr so gut; die zunehmende Vergesslichkeit kann irritieren. Ich lege den Schlüssel irgendwohin, drehe mich um und weiß nicht mehr, wo ich ihn abgelegt habe. Oder ich stehe im Badezimmer und frage mich: Was wollte ich eigentlich hier?
Lästig, diese Unterbrüche in der Erinnerung. Je mehr ich mich quäle, sie zu überbrücken, umso weniger gelingt es, den Faden wieder anzuknüpfen.
Sanft mit sich selbst umzugehen, zu warten, ob die Erinnerungsspur wieder auftaucht, oder sich zu sagen: „Dann war’s vielleicht gar nicht so wichtig“, das gehört zur Kunst, mit dem eigenen Alter umzugehen.
Denn Stress ist Gift im Alter, ebenso Vorwürfe an sich selbst oder Vergleiche mit früher. Könnte es nicht sein, dass der Speicher im Gehirn einfach zu voll geworden ist in einem langen Leben? Dass eine mildtätige Instanz durch die Maschen fallen lässt, was zu viel ist? Könnte eine maßvolle Leere nicht wohltuend sein?

Wie immer, Schönfärben hilft nicht über die Ausfälle hinweg, aber eine liebevolle Einstellung zu uns selbst als alte Menschen ist alleweil besser.
Peinliche Momente bleiben uns trotzdem keinesfalls erspart. Dazu ein paar Zeilen aus einem Gedicht mit dem Titel „Alt?“ von Franz Hohler:


Hast du genügend Sätze
für ein Gespräch
mit jemandem
dessen Name
dir nicht in den Sinn kommen will?

Der kürzeste Witz zu diesem Thema:

Mein Gedächtnis ist schlecht.
Wie schlecht?
Was ist wie schlecht?

Die schönsten Witze sind natürlich diejenigen, die nicht nur eine scharfe Pointe enthalten, sondern auch eine liebevolle Einstellung verraten. Mit einem solchen möchte ich beginnen.

Ein älteres Ehepaar sitzt in einem Selbstbedienungsrestaurant.
Er fragt sie galant: „Was kann ich dir bringen, Schatz?“
Sie: „Ich hätte gerne einen Milchkaffee. Soll ich dir’s aufschreiben?“
Er: „Aber nein, das kann ich doch behalten.“
Sie: „Ich hätte aber gerne ein Stück Schokoladentorte dazu. Soll ich dir’s nicht lieber aufschreiben?“
Er: „Nein, nein, das kann ich bestimmt behalten.“
Sie: „Aber weißt du, ich hätte auch gerne noch Schlagrahm auf der Torte.“
Soll ich’s dir nicht doch aufschreiben?“
Er: „Wo denkst du hin, das werde ich noch im Kopf behalten können.“
Eine Weile vergeht; dann kommt der Mann mit einem Tablett zurück.
Auf dem Teller liegen Bratkartoffeln und eine Bratwurst.
Sie (mit sanftem Vorwurf): „Aber Schatz, jetzt hast du doch den Salat vergessen!“

***

Eine Männergruppe vom selben Jahrgang beschließt nach dem Fünfzigsten, ihre Geburtstage alle zehn Jahre mit einem gemeinsamen Nachtessen zu feiern.
Zum sechzigsten Jubiläum soll’s in den „Hirschen“ des Nachbardorfes gehen.
Die Frau des einen Mannes fragt: „Warum geht ihr in den Hirschen?“
Er antwortet: „Ach, weißt du, es gibt dort so knackige Serviererinnen.“
Zum Siebzigsten geht’s wieder in den Hirschen, und die Frau fragt wieder: „Warum geht ihr auch diesmal in den Hirschen?“
„Ach, weißt du, da gibt es ein AHV-Menü.“
Zum Achtzigsten wiederholt sich die Szene. Sie fragt wieder und er antwortet: „Ach, weißt du, der Hirschen ist rollstuhlgängig.“
Zum Neunzigsten endlich lautet die freudige Antwort: „Weißt du, da waren wir noch nie.“

***

Auf meine Bitte, mir Alterswitze zu schicken, habe ich verschiedene Varianten desselben Themas bekommen. Hier eine schweizerische des obigen:

Vier Freunde treffen sich alle zehn Jahre einmal zu einem Nachtessen. Im Vorfeld wurde jeweils abgemacht, welches Restaurant besucht werden soll. Mit sechzig wollte Fritz ins „Rössli“. Auf die Frage der Kameraden, „weshalb ins Rössli?“, meinte Fritz: „Da hat es eine superherzige Serviertochter!“
Mit siebzig schlug Fritz wieder das „Rössli“ vor. „Weshalb?“, fragten die Kollegen. „Da gibt es ein superfeines Cordon bleu!“ Als Achtziger wollte Fritz wieder ins „Rössli“. „Das ist rollstuhlgängig und auch mit dem Rollator kommt man durch!“ Mit neunzig wurde lange beraten. Schließlich meinte Fritz wieder: „Wir gehen ins ,Rössli‘!“ Worauf die Freunde unisono fragten: „Sind wir dort schon einmal gewesen?“

***

Zwei sehr alte Männer treffen sich im Altersheim. Einer sagt zum anderen: „Kennen wir uns nicht? Ich glaube, ich kenne dich – wie heißt du schon wieder?“
Der andere erwidert: „Bis wann musst du es wissen?“

***

Ein Mann kommt zum Arzt und sagt: „Ich habe das Problem, dass ich dauernd Dinge vergesse.“ Der Arzt fragt nach: „Seit wann haben Sie denn dieses Problem?“ Der Patient erstaunt: „Welches Problem?“

(Aus: Das Ha-Handbuch der Psychotherapie von Bernhard Trenkle)

***

Drei alte Schwestern sitzen beisammen; die älteste ist 96, die zweite 94 und die jüngste 92 Jahre alt. Sagt die Älteste: „Ich möchte ein Bad nehmen. Ich gehe nach oben ins Badezimmer.“ Wie sie mit einem Bein in der Badewanne steht, zögert sie.
Da hört sie die 94-Jährige von unten: „Was machst du? Geht’s dir gut?“
Sie antwortet: „Ja, schon, aber ich weiß nicht mehr, ob ich schon gebadet habe oder nicht.“
Darauf die Schwester: „Ich komme hoch und sehe nach.“ Auch sie zögert in der Mitte der Treppe, worauf die Jüngste ruft: „Hallo, wie geht es euch beiden?“
„Ich weiß nicht mehr, ob ich schon gebadet habe.“ „Und ich weiß nicht mehr, ob ich schon oben war.“
Die Jüngste schlägt mit der Faust auf den Tisch. „Herrgott, seid ihr vergesslich! Ich komme gleich nach oben und helfe euch. Ich muss nur erst nachschauen, wer geklopft hat!“

***

Ein Golfspieler sucht einen Caddy, der ihm die Ausrüstung tragen und darauf achten soll, wohin der Golfball geflogen ist.
Es meldet sich ein Achtzigjähriger. Der Golfspieler, misstrauisch: „Können Sie denn noch sehen, wohin der Ball fliegt?“
„Aber sicher, ich trage ja noch keine Brille.“
Sie gehen auf den Golfplatz. Beim ersten Schlag fliegt der Ball in die Büsche.
Der Golfspieler: „Haben Sie gesehen, wo er hingeflogen ist?“ „Ja, natürlich!“
„Wohin denn?“
„Ja, das habe ich vergessen.“

***

Ein altes Paar kommt zum Abendessen zu einem befreundeten, ebenfalls bejahrten Paar. Nach dem Essen verziehen sich die Frauen in die Küche, um aufzuräumen.
Der Gastgeber bittet den Freund ins Wohnzimmer, wo sie von dem guten Essen schwärmen. „Übrigens“, sagt der Freund, „meine Frau und ich haben letzte Woche ein Restaurant entdeckt, wo man sagenhaft gut isst.“
„Das würde mich interessieren“, meint der Gastgeber, „wie heißt denn dieses sagenhafte Restaurant?“ Der Gast schaut verlegen in Richtung Küche: „Na ja, sag mal, wie heißt diese Blume mit dem gelben Innern und den weißen Blättchen ringsum, mit der man das Spiel ,Sie liebt mich, sie liebt mich nicht‘ macht?“
„Du meinst die Margerite?“ „Ach ja“, und in Richtung Küche: „Du, Margrit, wie heißt dieses sagenhafte Restaurant, das wir neulich entdeckt haben?“

***

Ein älteres Ehepaar bekommt Besuch. Der Besucher hört, wie die beiden sich fortwährend mit „Schatz“ anreden, und meint: „Das ist aber selten bei einem Paar, das schon so lange verheiratet ist wie ihr!“
„Ach, wissen Sie, das kommt daher, dass wir unsere Namen vergessen haben!“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 52
ISBN: 978-3-99048-314-5
Erscheinungsdatum: 22.03.2016
EUR 17,90
EUR 10,99

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