Humor & Satire

Doktor mit Humor gesucht

Cornelia Lieding

Doktor mit Humor gesucht

Leseprobe:

So konnte es beim besten Willen nicht weitergehen! Nach dem Tod meines Mannes drohte unsere Familie ausei­nanderzubrechen. Jeder kam und ging, wie es ihm passte. Meine Kinder taten nur das, was sie wollten. Keine Spur von Hilfe im Haushalt. Wenn einer Hunger hatte, wurde der Kühlschrank geplündert, gemeinsame Mahlzeiten gab es nur noch selten.
Aber vielleicht war es auch meine Schuld, weil ich mich kaum noch um meine drei Kinder kümmern konnte. Ich hatte selbst genug Probleme zu bewältigen. Und die Trauer um einen geliebten Menschen musste erst mal verarbeitet werden. Mein lieber Ehemann war erst vor Kurzem in seinen besten Jahren verstorben. Ich war nicht mehr ich selbst, funktionierte nur noch automatisch, hatte keine Freude mehr am Leben. Und von einem Tag zum anderen musste ich mich allein um alles im und um das große Haus herum kümmern und außerdem um die Probleme meiner Kinder. Omas oder Opas gab’s keine mehr und wir hatten auch keine näheren Verwandten hier in der Gegend. Zurzeit ging mehr kaputt, als man reparieren konnte. Es war wie verhext und meistens konnte ich mir keinen Handwerker leisten. Hoffentlich würde die Elekt­rik noch eine Weile halten, das Licht in der Küche flackerte bereits verdächtig. Außerdem waren wir ständig knapp bei Kasse, denn unser Haus war noch lange nicht abgezahlt und die Witwenrente war nicht gerade wuchtig. Ich selbst hatte kein Einkommen. Früher waren wir finanziell gut zurechtgekommen, ich war zuständig für den Haushalt, Garten und die Kinder. Der Mann hatte eine gut bezahlte Arbeit und in seiner Freizeit kümmerte er sich um die handwerklichen Aufgaben oder wir machten schöne Familienausflüge. Aber nun hatte nichts mehr seine Ordnung, es herrschte das reinste Chaos, es wurde nur noch nach Wichtigkeit abgearbeitet, alles andere blieb eben liegen.
Meine mittlere Tochter, Kati, endlich 18 Jahre alt geworden, genoss das pure Leben, sie trieb sich an den Wochenenden nur noch in Discos oder bei unbekannten Freunden herum, am Tage war sie müde und launisch. Sie hatte schon immer ihren eigenen Sturkopf und ließ sich von mir auch nichts mehr sagen. Steffi, die ganz Große mit ihren 20 Jahren, war zwar viel ruhiger und vernünftiger als Kati, hatte auch endlich eine Arbeitsstelle gefunden, wollte aber noch lange nicht ausziehen, geschweige denn etwas Kostgeld dazugeben. Aber sie hatte mal wieder Liebeskummer und schloss sich ständig in ihrem Zimmer ein. Und der Jüngste, Alex, erst 14 Jahre, vermisste den Papa am meisten, verkrümelte sich nach der Schule schnell in seinem Zimmer und werkelte in jeder freien Minute an seiner Modelleisenbahn herum, ein letztes Andenken an seinen Vater. Aber so durfte es nicht weitergehen, es ging schließlich um die Zukunft der Kinder und auch um meine. Auch wenn der Verlust groß war, es musste wieder fröhlicher werden. Ich wollte unbedingt etwas verändern und dazu brauchten wir einen neuen Plan. Also zwang ich meine Kinder eines Tages an unseren großen runden Esstisch zu einer langen Gesprächsrunde. Jeder sollte erst mal zuhören und dann so viel sagen, wie er loswerden wollte. Also machte ich den Anfang und teilte ihnen mit, dass ich unbedingt mal Urlaub brauchte, aber dafür würde ich arbeiten gehen und jeder müsste im Haushalt etwas beitragen. Ich war sehr überrascht, dass alle Kinder von meiner Idee begeistert waren. Wir handelten noch ein paar Kleinigkeiten aus, aber im Großen und Ganzen war jeder mit den Änderungen einverstanden. In unserem Dorf gab es ein großes Ferienhaus mit vielen Zimmern, dort suchten sie ständig Leute zum Saubermachen. Dort würde ich ab sofort sechs Stunden täglich Zimmer reinigen. Die Große würde zu Hause unsere Spiegel, Waschbecken, Dusche putzen und die Fußböden wischen, außerdem etwas Kostgeld dazugeben. Die Mittlere sollte beim Kochen, Tischdecken, Aufräumen helfen und der Kleine übernahm den Garten und kleine Reparaturen, im Winter das Schneeschippen. Außerdem sollten die Kinder ihre Zimmer in Zukunft selbst sauber machen und in Ordnung halten. Wir schrieben alles auf eine Liste, damit es später darüber keine Diskussionen gab. Wer sich nicht daran hielt, dem würde nach der ersten Mahnung das Taschengeld gestrichen oder bei Steffi vom Lohn abgezogen.
Es klappte alles viel besser, als ich zuerst gedacht hatte, auch wenn ich abends fix und fertig und meistens vor 21.00 Uhr im Bett war. Aber Ende des Monats hatte es sich gelohnt und immerhin hatten wir nun ein bisschen mehr vom lieben Geld übrig.
Und endlich hatten wir so viel Geld gespart, dass es für einen kurzen Sommerurlaub reichte. Das Ziel war uns egal, Hauptsache Sonne, Strand und viel blaues Meer. Da waren wir uns sofort einig. Wir buchten „Last Minute“, denn da konnten wir nochmals ein paar Euros sparen, und landeten irgendwo in Spanien. Dort beschlossen wir erst mal getrennte Wege zu gehen, uns nur zum Frühstück und Abendbrot zusammenzusetzen. Ich hatte andere Pläne, ich wollte mal wieder so richtig ausgehen, flirten, mich amüsieren und Spaß haben. Vielleicht mir einen netten Kerl angeln und paar schöne Stunden mit ihm verbringen, deshalb bekamen die Kinder auch ein separates Zimmer zum Schlafen.
Und da kam mir dieser Tanzabend genau richtig. Ich war voller Hoffnung, hatte mich extra chic angezogen, geschminkt, und da sah ich auch schon mein perfektes Opfer. Der Herr war groß, schlank, vornehm angezogen und hatte umwerfend braune Augen. Zunächst warfen wir uns kurze Blicke zu. Da er keine Anstalten machte, sich an meinen freien Tisch zu setzen, machte ich den Anfang, nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte ihn einfach, ob er Lust zum Tanzen hätte. Es war, als ob er nur einen Moment zögern würde, aber schließlich tanzten wir schweigend. Es tat gut, sich nach so langer Zeit der Einsamkeit wieder an jemanden schmiegen zu können. Mein Körper war in Aufregung, Tausende Schmetterlinge tanzten im Bauch. Der charmante, glatt rasierte Mann war ganz nach meinem Geschmack. Seine Hände rutschten von meiner Taille weiter nach unten, ich wusste nicht, ob es Absicht oder nur aus Versehen war. Für mich war es ein gutes Zeichen und ich schlang meine Arme um seinen Hals, dabei bewegten wir uns weiter im Rhythmus der Musik. Auf einmal war ich mit meinem Gesicht ganz nah an seinem Hals und genoss den dezenten Duft seines Rasierwassers. Ich fing an, ihn einfach mit den Lippen zu berühren, sanft zu küssen. Als keine Reaktion von ihm kam, machte ich weiter und wanderte langsam in Richtung Ohr. Ich war überglücklich, ich konnte mich kaum noch bremsen, wollte ihn verführen, war wie in Trance und fing an, sein Ohrläppchen anzuknabbern. Es war, als ob es nur noch uns zwei gäbe und wir uns nicht in einem überfüllten Tanzlokal hin und her bewegten. Hoffentlich hörte die Musik nicht auf. Doch ganz plötzlich riss er sich von mir los, starrte mich entsetzt an. „Was soll das werden?“
„Entschuldigung, es ist so heiß hier drin“, stotterte ich, etwas Besseres viel mir in diesem Moment nicht ein. Und es war zum Glück nicht sehr hell, sonst hätte er gesehen, dass ich im Gesicht knallrot geworden bin. Er drehte sich um und wollte mich stehen lassen, als noch mehr graziöse Damen hereinspazierten. „Hätten Sie Lust ein bisschen am Strand spazieren zu gehen? Da ist es nicht so warm“, fragte er mich. Ohne eine Antwort abzuwarten, nahm er meine Hand und zog mich durch die Menschenmassen hinaus. Es tat wirklich gut, die kühle Luft einzuatmen, keine Wolke war zu sehen, nur Hunderte Sterne funkelten und mittendrin der weiße Vollmond. Er hielt immer noch meine Hand und wir liefen einfach los. „Sieht der Himmel nicht wunderschön aus? Ich habe noch nie eine Sternschnuppe gesehen, und Sie?“ „Mmh, ja, vielleicht, nein, ich glaube nicht.“ Aber er hatte wohl keine Lust zu einer Unterhaltung. Also konnte ich auch eine Weile schweigen, genoss einfach meine tollen Gefühle, ich war wieder jung, zog meine Sandalen aus und schlenderte neben ihm her. „Ich bin noch nie im Sand barfuß gelaufen. Darf ich Ihren Namen erfahren?“ Er blieb stehen, drehte sich zu mir um und kam ganz nahe an mich heran. „Haben Sie sich endlich abgekühlt?“ Mein Herz raste und ich machte noch einen Schritt, ich wollte mehr. Doch leider kam ich zu keiner Antwort, denn im selben Moment stach mich etwas in den Fuß. „Autsch, mich hat etwas gepikst“, der Schmerz durchströmte den ganzen Körper. Er lachte leise. „Darf ich mal sehen?“ Er dachte wohl, dass ich nur Spaß machte. Ich versuchte den Fuß so hoch wie möglich zu heben. „Ich glaube, ich habe mir etwas eingetreten“, jammerte ich. Er sprach nun ganz ernst. „Das sieht auch gar nicht gut aus, wir müssen sofort zum Hotel zurück.“ Na toll, das war’s wohl mit Urlaub. Den Rest des Weges humpelte ich nur auf der Ferse, klammerte mich an ihm fest und versuchte nur, den Schmerz zu unterdrücken, bloß nicht rumheulen. Gut, dass er im Dunkeln nicht mein Gesicht sah, es war mir so peinlich. Mein Zimmer lag zum Glück gleich unten neben dem Eingang.
Der Portier sah mich besorgt an. „Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“ „Ich glaube, ich brauche dringend einen Arzt“, schnaufte ich. Endlich meldete sich auch meine Begleitung zu Wort. „Lassen Sie mal, ich mach das schon. Ich kümmere mich um die Dame.“ Kurz darauf erreichten wir mein Zimmer, an der Tür ließ ich den Herrn los, um aufzuschließen. Zum Bett war es nicht weit, ich ließ mich einfach darauf fallen und schmiss meine Handtasche in die Ecke. Es war, als ob er nicht mehr anwesend wäre. Ich drehte mich um, er war wirklich weg, aber die Tür stand immer noch offen. Ich schimpfte los, fluchte, stöhnte. „Das darf doch wohl nicht wahr sein, lässt mich hier allein zurück!“ Ich ließ mich zurück auf mein Kissen fallen. „Hoffentlich wecke ich meine Kinder nicht, die brauchen die ganze Geschichte nicht gleich zu erfahren.“ Aber nebenan war kein Mucks zu hören. In meinem Fuß steckte etwas Schwarzes und ringsherum war es gerötet. Es tat höllisch weh und begann auch noch dick zu werden. „So ein Mist, was mache ich jetzt bloß?? Ich wollte mich gerade wieder hochraffen, als derselbe Herr unmittelbar mit einem Köfferchen vor mir stand. „Führen Sie immer Selbstgespräche?“ Erschrocken starrte ich ihn an. „Helfen Sie mir jetzt oder muss ich doch noch den Portier anklingeln?“ „Ja, na klar, helfe ich Ihnen, bin schließlich Arzt“, brummte er zurück. „Okay.“ Ich drehte mich auf den Bauch und vergrub mein Gesicht im Kissen. Schlimmer konnte es ja nicht werden. Sollte er ruhig machen, wenn er nicht reden wollte, würde ich eben auch schweigen. Auf so eine wortkarge Unterhaltung hatte ich auch keine Lust. Es gab nur eine Erklärung dafür, warum er sich plötzlich so mürrisch verhielt, er war verheiratet, alle gut aussehenden Männer waren das. Ausgerechnet ihn musste ich anmachen, der kein Interesse an mir hatte. Dieser Urlaub war dumm gelaufen, am liebsten würde ich sofort heimfliegen. Tausende Leute tummelten sich am Strand und ausgerechnet ich trat mir irgendetwas in den Fuß. Ich hörte es ein paar Mal klappern und rascheln, aber mir war sowieso schon alles egal. „Achtung, es wird jetzt ein bisschen wehtun“, meldete sich wieder der Brummbär. „Au“, ich krallte mich am Laken fest und biss die Zähne zusammen, die Tränen konnte ich allerdings nicht mehr zurückhalten. „Das war ein Stachel vom Seeigel, das Schlimmste ist nun vorbei, ich mach noch ein Antibiotikum drauf.“ Und wirklich, es wurde gleich angenehm kühl an der Schmerzstelle. Ich bemerkte noch, dass er einen Verband drum wickelte. Als ich hörte, wie er die Tür öffnete, wollte ich mich noch bedanken, aber da war er schon verschwunden. Irgendwann war ich erschöpft eingeschlafen, ohne mich noch mal umzudrehen, geschweige denn auszuziehen.
Dieser Doktor, eine Etage über mir, kramte noch in seinem Koffer und brachte wieder Ordnung hinein.

Er wollte nicht schon wieder zum Hauptgesprächsthema werden, aber es war nun mal seine Pflicht gewesen, der Dame zu helfen, auch wenn sie sich morgen an ihn hängen würde, wie eine Klette. Wenn die Frauen einmal wussten, dass er Arzt war und wahrscheinlich genug Geld hatte, konnte er sich kaum vor ihnen retten. Aber nach drei geschiedenen Ehen war er nun blank und würde sich nicht gleich wieder einen langen Urlaub leisten können. Seine letzte Ehefrau hätte ihm, wenn es möglich gewesen wäre, noch das letzte Hemd ausgezogen. Zum Glück hatte er keine Kinder, sonst müsste er noch mehr bezahlen. Eigentlich hatte er nichts gegen Kinder, aber die meisten waren laut, konnten sich nicht benehmen. Er sah es jeden Tag, am Esstisch wurde gerülpst, gezankt, laut geschrien, wenn sie nicht ihren Willen bekamen, und ständig hatten sie ihre Finger in der Nase. Und er hasste Frauen, die sich gnadenlos an ihn heranmachten und ihn bedrängten.
Morgen würde er noch mal nach seiner Patientin sehen und dann würde er einfach heimfahren. Er konnte und wollte sich nicht noch mal mit einer Frau einlassen. Er hätte fast nachgegeben, er hätte fast geglaubt, dass diese Frau anders wäre, aber sie wollte doch auch nur das Eine. Aber für eine schöne Nacht, sich dann wieder monatelang auf den Gerichten rum treiben, nein, danke, davon hatte er nun endgültig genug. Er wollte doch nur in Ruhe seinen Vortrag ausarbeiten und diese Reise konnte er von der Steuer absetzen. Warum war er ausgerechnet hierher geflogen? Dieser Ort war doch bekannt für heißhungrige Singles.
Am nächsten Morgen humpelte ich zum Bad, machte mich frisch und zog etwas Bequemeres an. Die Kinder wollten natürlich alles wissen, aber ich erzählte ihnen nur das Nötigste. Sie waren gerade zum Frühstück unterwegs, als der Doktor kam. „Na, wie geht es Ihnen heute?“ Es klang schon ein bisschen freundlicher als gestern Abend, aber immer noch sehr distanziert. „Ja, viel besser, Sie haben mir aber immer noch nicht Ihren Namen gesagt.“ „Doktor S. Kubisch, ich will mir Ihren Fuß noch einmal ansehen.“ „Okay, ich heiße M. Wünsche.“ Wenn er seinen Vornamen nicht nannte, brauchte er meinen auch nicht zu wissen. Ich streckte ihm meine Hand entgegen und schüttelte seine kräftig. Ich würde ihm noch seine Freundlichkeit entlocken und legte mich brav hin. Als er den Verband abmachte, durchfuhr mich ein angenehmes Kribbeln. Seine Hände waren groß, aber sehr vorsichtig und bei der ersten, kleinsten Berührung zuckte ich zusammen. „Tut es noch sehr weh?“ „Nein, ich bin nur kribbelig.“ Seufz, warum muss man sich in den Mann vergucken, der kein Inte­resse an einem hat? „Es sieht auch ganz gut aus, Sie brauchen nur einmal abends die rote Stelle einpinseln, heute aber sollten Sie vorsichtshalber den Fuß noch schonen. Das war’s dann.“ Er stellte mir ein kleines Fläschchen hin. „Ich danke Ihnen.“ Ich sah in sein Gesicht. Wenn er bloß nicht so gut aussehend wäre! Doch ich hatte eine letzte Idee. „Kann ich mich dankbar erweisen und Sie mal zu uns einladen? Kost und Logis sind natürlich frei. Kein Lärm, pure Natur, Berge, viel Wald, keine Industrie. Was halten Sie davon?“ Er sah mich skeptisch an. „Natürlich ganz unverbindlich.“ Er hatte es doch geahnt und grinste zurück. „Die Rechnung bringe ich Ihnen noch vorbei.“ Verdammt, er hatte mich durchschaut. Es war offensichtlich, dass er nichts von mir wollte, seufz. Zum Glück kamen in dem Moment meine Kinder hereingestürmt, sonst wäre ich wieder rot geworden. Sie hatten ein Tablett dabei, voll mit leckeren Sachen. Das war doch mal etwas anderes, Frühstück im Bett. „Das ist aber lieb von euch! Darf ich euch Doktor S. Kubisch vorstellen? Und das sind meine Kinder, Steffi, Kati und Alex.“ Sie gaben ihm die Hand und waren ausnahmsweise sogar freundlich. Nur die Mittlere musste wieder ihren Senf dazugeben. „Ach, endlich mal ein Doktor, da kann es ja wieder aufwärts gehen.“ Ich wollte gerade noch etwas sagen, aber da war der Doktor leider schon verschwunden. „Das hast du ganz prima gemacht, Kati!“ „Was hast du denn, Mutti? Er sah doch toll aus.“ „Ja, aber leider hast du ihn vergrault.“ „Er wird doch bestimmt wieder kommen, oder?“ „Nein, das glaube ich nicht, er mag mich nicht“, und schon kamen mir wieder die Tränen. „Ach komm, Mutti, sei nicht traurig, der Urlaub fängt doch erst an.“ „Ja, du hast recht, Kleiner, die nächsten Tage machen wir gemeinsame Ausflüge und lassen die Männer in Ruhe.“ Meine Kinder merkten schnell, dass ich noch allein sein wollte, und verzogen sich wieder. Nun konnte ich erst mal ordentlich frühstücken. Die Kinder waren mir wichtiger, entweder der Doktor oder gar kein Mann. Noch mal würde ich mich nicht wieder an einen Kerl ranschmeißen. Verdammt, ich war vierzig und kein junges Luder mehr! Was hatte ich mir dabei nur gedacht? Und außerdem war ich an keinem anderen interessiert, die anderen sahen nicht halb so gut aus wie dieser Doktor. Beim Flirten müssen schon Gefühle dabei sein, sonst geht nichts, das war bei mir eben so. Da würde ich doch lieber allein bleiben, als mit irgendeinem Aufschneider zu turteln.
Die nächsten Tage waren dann doch noch ganz lustig, ich konnte wieder laufen und mein Fuß tat kaum noch weh. Ich versuchte nicht mehr an ihn zu denken und machte jeden Spaß mit den Kindern mit. Ich sah den Doktor zwar noch ab und zu, aber wir sprachen nicht mehr miteinander. Und wenn er schon beim Frühstück saß, setzte ich mich mit dem Rücken zu ihm hin. Ich wollte mich nicht aufdrängen. Wer nicht will, der hat schon.
Bestimmt schon zehn Minuten starrte Dr. Steffen Kubisch auf die Rechnung. Er hatte keine Ahnung, welche Summe er verlangen sollte. Den Stachel entfernen, war nicht der Rede wert und die Tropfen auch nicht. Aber er wollte ihr damit eine Lektion erteilen. Wie sie sich einfach an ihn rangemacht hatte, war schon unglaublich schamlos gewesen. Wäre er jünger gewesen, hätte er bestimmt nachgegeben, aber nicht mehr heute. Allerdings hatte sie ihn die letzten Tage in Ruhe gelassen. Und das war auch besser so. „Ach was soll’s“, er hängte einfach eine Null an die ersten zwei Zahlen dran, Urlaubszuschlag fertig. Morgen würde er die Rechnung dem Portier geben und danach sofort abreisen. So würde er sicher sein, dass sie sich nicht noch mal absichtlich über den Weg laufen würden.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 46
ISBN: 978-3-99026-414-0
Erscheinungsdatum: 15.03.2012
EUR 13,90
EUR 8,99

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