Humor & Satire

Brüste und Schenkel

Manuel Figl

Brüste und Schenkel

Leseprobe:

Das erste Mal

Das ist also der erste Satz. Der erste Satz meines ersten Buches. Das ist schon ein komisches Gefühl. Ich habe mir früher nie erträumen können, mich eines Tages vor den Computer zu setzen und in die Tasten zu hauen. Das Schreiben an sich ist nichts Neues für mich. Ich bin auch für die Spielberichte des örtlichen Fußballklubs zuständig. Eigentlich eine ganz interessante Arbeit. Man muss immer sehr achtsam sein, denn eine Wiederholung gibt es nicht. Es ist also nicht möglich, in die Vergangenheit zu schauen, man muss im Hier und Jetzt seine Arbeit bestmöglich erledigen. Und das ist es, was mir so gefällt. Es gibt kein Zurück!
Erinnern Sie sich an Ihr erstes Mal? Es war mit Sicherheit ein prickelndes und befriedigendes Erleben. Minuten, die man nie wieder vergessen wird. Wenn man sich noch dran erinnern kann. Das ist ja auch so ein Phänomen der heutigen Jugend. Man findet sich in Discos zusammen und trinkt in geselliger Atmosphäre ein alkoholisches Mixgetränk. Und aus einem werden dann mehrere, und schlussendlich wacht man am nächsten Morgen neben einem Mädchen auf, dessen Namen man nicht (mehr) weiß. Noch düsterer schaut es aus, wenn man sich nach den Geschehnissen der letzten Nacht erkundigt. Außer kleinen Erinnerungsfetzen nichts da. Am peinlichsten ist es ja, wenn man neben einer Person aufwacht, mit der man bis zu diesem Zeitpunkt nur eine normale Freundschaft gepflegt hat. Wie soll man sich verhalten? Soll man für immer schweigen, oder soll man es doch seinen engsten Freunden gestehen? Ich denke, dass einem die Entscheidung sowieso abgenommen wird, denn irgendwann plaudert man das Geheimnis aus. Spätestens im nächsten Suff.
Waren Sie schon mal auf Maturareise? Ich hatte das Vergnügen eine ganze Woche lang. Sieben Tage Party nonstop. Und es ist jede Nacht eskaliert, wie die heutige Jugend sagen würde. Betrunkene Mädchen, die kaum noch gerade stehen konnten und nicht mehr wussten, wo sie waren. Aber das spielte alles keine Rolle. Solange sie mit dem anderen Geschlecht schmusen konnten, war ihnen der Grad ihrer Alkoholisierung egal. Beim Rummachen blieb es aber selten. Oftmals endete es mit einem verlegenen Austausch der Worte: „Was ist gestern passiert?“, „Wer bist du?“ oder „Hatten wir gestern Sex?“
Die folgende Geschichte ist wirklich so passiert. Ich erzähle Ihnen das bereits vorher, denn sie wirkt sehr unglaubwürdig. Aber machen Sie sich selbst ein Bild davon.
„Beeilt euch, Burschen. Wir sind schon spät dran.“
Meine Klassenkameradinnen waren bereits ganz nervös. Für diesen Abend war ein Auftritt eines berühmten DJs angekündigt. Selbstverständlich wollten sie sich die besten Plätze sichern. Am besten in der ersten Reihe, um vielleicht einen Handschlag oder eines seiner T-Shirts ergattern zu können.
„Keinen Stress, meine Süßen. Wir trinken nur schnell den Wodka aus und dann wird ordentlich Party gemacht.“
„Michael, du bist ja jetzt schon komplett voll.“
„Haha, nur voll vor Liebe.“
Kaum einer konnte sich das Lachen verkneifen. Michael war eben ein Frauenversteher. Er wusste, was die Mädels hören wollten. Dass er vom Konzert nicht mehr viel mitbekam, muss ich Ihnen nicht sagen. Aber nicht des Alkohols wegen. Ein Mädchen hatte sich seinem Blickfeld genähert, und schon war es aus mit der Aufmerksamkeit für den internationalen Topstar. Das ist aber nur eine kleine Randnotiz. Meine Geschichte ist noch viel interessanter. Hoffe ich zumindest.
Also, wo war ich? Genau, jetzt fällt es mir wieder ein. Nachdem die Flaschen ebenso wie einige Harnblasen geleert waren, gingen beziehungsweise torkelten wir in Richtung der Bühne. Und nachdem der Lift wieder mal seinen Geist aufgegeben hatte, mussten wir über die Stufen zuerst einmal ins Erdgeschoss finden, um in weiterer Folge raus zum Festgelände zu wanken. Mit Sicherheit wissen Sie, wie schwer es ist, betrunken ein Stockwerk nach unten zu gelangen. Meine Wenigkeit hat dreimal das Gleichgewicht verloren. Aber auch das ist nur ein Richtwert. Wie auch die anderen Zahlen und Fakten in dieser Geschichte. „Alle Angaben ohne Gewähr.“ Wir schafften es schlussendlich samt und sonders zur Bühne und bekamen gute Plätze. Bei einem Bier vertrieben wir uns die Zeit. Obwohl, ein Bier war es mit Sicherheit nicht. Mit drei aus Hopfen und Malz gebrauten Getränken in zwanzig Minuten war man voll dabei. Nach und nach trudelten auch die anderen Maturanten ein. Aus ganz Österreich waren sie angereist. Links neben uns standen Oberösterreicher und rechts neben uns feierten Steirer. Hinter uns waren es Wiener, die uns Getränke in den Nacken schütteten.
Markus und Lukas hießen meine beiden Kameraden, die eine Fernbeziehung am Laufen hatten. Beziehungsweise zu diesem Zeitpunkt gerade nicht. Beide waren kurz zuvor eiskalt abserviert worden. Fragen Sie mich bitte nicht, warum. Die genauen Gründe waren auch mir ein Rätsel. Beide waren echt tolle Burschen. Richtige Gentlemen. Sie betrogen ihre Freundinnen nie. Selbst wenn sie betrunken waren, hatten gamsige Mädchen bei ihnen keine Chance. Auf jeden Fall waren beide verständlicherweise sehr traurig, aber gleichzeitig hatten sie das Bedürfnis, sich mit anonymen One-Night-Stands zu trösten. Und da kommt so eine Maturareise gerade recht. Erwähnen sollte ich auch noch, dass Markus’ Partnerin aus jenem Bundesland kam, in dem man zu jeder Speise Kürbiskernöl beimengt, während Lukas die Vorzüge seiner Flamme aus der oberösterreichischen Landeshauptstadt genoss.
Und schon ging es los. Beide versuchten es mit Anmachsprüchen der feinsten Art. Um Ihnen das Geschehen möglichst realitätsnahe schildern zu können, werde ich vor den einzelnen Sätzen die Anfangsbuchstaben der jeweiligen Personen setzen. Ich quassle schon wieder so viel. Tut mir leid.
M = Markus
L = Lukas
A = Anna (Markus’ Flirtpartnerin)
C = Carina (Lukas’ Flirtpartnerin)

Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass M nur mit A quatscht, während sich L nur mit C dem Dirty Talk in vollster Weise hingibt.
Beide torkelten auf die Mädchen zu und gaben ironischerweise denselben Satz im selben Augenblick von sich. Selbst für mich klang das herb, obwohl ich bereits einige Bierchen intus hatte. Überraschend waren daher die relativ positiven Antworten. Obwohl eigentlich doch nicht, denn wer mit dem Ziel „keusch zu bleiben“ auf Maturareise fährt, ist wohl total fehl am Platz.

M: Ich habe mein Pferd verloren. Darf ich stattdessen auf dir reiten?
L: Ich habe mein Pferd verloren. Darf ich stattdessen auf dir reiten?
A zu M: Du taugst mir. Kommst gleich direkt zur Sache. Aber lass uns mal zuerst wenigstens ein bisschen kennenlernen.
C zu L: Bombenidee. Ich brauch unbedingt mal wieder Sex. Ich hab grad eine Trennung hinter mir. Fernbeziehungen sind eben nicht das Wahre.
M zu A: Gut. Wie heißt du?
A zu M: Setz deine Brille auf. Dann erfährst du es.

Entschuldigen Sie bitte, dass ich diese Dialoge schon wieder unterbreche. Mit Sicherheit warten Sie schon auf das Ende dieses Erlebnisses – auf den Höhepunkt, wenn man so will. Ich kann Ihnen versichern, dass dieser kommen wird, aber um zum vollständigen Verständnis beizutragen, muss zuerst das mit den Brillen geklärt werden. Nichts ist nämlich nerviger als eine unvollständig erzählte Geschichte. Aber wem sag ich das!
Also, das mit den Brillen war so. Ein amerikanischer Hightech-Konzern hatte Minicomputer in Form von optischen Sehhilfen entwickelt. Mit diesen war es möglich, seine Bekanntschaft kennenzulernen, ohne miteinander ein Wort kommunizieren zu müssen. Dieses Produkt gab es in verschiedenen Farben. Mir persönlich gefiel die himmelblaue am besten. Natürlich war es damit auch möglich, potenzielle Partner nach unterschiedlichen Kriterien zu filtern und somit seine ideale Ergänzung für eine Nacht oder für den Rest seines Lebens zu finden. Dafür war es aber nicht notwendig, seine Brille abzunehmen und die Buchstaben einzeln einzutippen, sondern der Miniprozessor nahm die Gedanken des Hirns wahr und verarbeitete die Daten. Eine sinnvolle Erfindung in Kombination mit dem Alkohol, denn im betrunkenen Zustand geben Menschen Sachen von sich, die überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen. Ich hab mal ein Mädchen getroffen, das behauptet hat, sie wäre bereits mit einem US-amerikanischen Sänger im Bett gewesen wäre. Weiters hätte sie Stellungen drauf, von denen ich nicht mal wüsste, dass sie existieren. So verlockend das Angebot auch war, hab ich dankenswerterweise abgelehnt. Ebenso damals auf einer Party an einem lauen Sommerabend. Meine damalige Freundin war nicht mit, da wir uns heftig gestritten hatten. Um mich zu trösten, schlugen meine Kumpane vor, viel Alkohol zu konsumieren. Zwangsweise führte der übermäßige Konsum des Nervengifts zu Tanzeinlagen mit fremden Mädchen. Als die Lieder zu später Stunde langsamer wurden und sich die Hüften immer mehr aneinanderschmiegten, hörte ich aus dem Mund der jungen Blondine folgende Worte: „Es gibt in der Nähe einen netten Platz, an dem uns keiner stören würde.“ Sie werden sich vielleicht fragen, ob mit mir etwas nicht stimmt, da ich dieses Angebot nicht angenommen habe. Sie haben ja recht, aber ich habe mein Schatzi damals wirklich über alles geliebt und hätte sie nie betrügen können. Dass ich das von ihr nicht behaupten kann, hat sich einige Wochen später herausgestellt, als sie mit einem anderen Typen durchgebrannt ist. Aber mittlerweile ist mir das schon ziemlich egal. Und es ist ja auch schon eine Zeit lang her.
Kommen wir nun zurück zu dem Flirt zwischen den zwei Machos und den gamsigen Mädels. Während ich Sie mit meinem persönlichen Leidensweg zugetextet habe, waren Markus und Lukas inzwischen einige Schritte weiter und unterhielten sich bereits über den möglichen Verlauf des weiteren Abends.

L zu C: In deinem Profil unter „Sexuelle Vorlieben“ steht, dass deine Lieblingsposition die Reiterstellung ist. Das trifft sich ja perfekt mit meinem Anmachspruch. (Lacht.)
C zu L (grinst verschwitzt): Das stimmt. Wenn ich so auf einem Typen oben sitze, mit meinen Händen seine Brust massiere, während er immer schneller und fester sein bestes Stück in mich hineinschiebt, führt das bei mir zum ultimativen Orgasmus. Und eine Frau kann bekanntlich mehrere kurz hintereinander haben. Mit meinem damaligen Ex hatte ich es auch immer so. Beziehungsweise fast. Wir führten eine Fernbeziehung.
L zu C: Habt ihr das über eine Web-Kamera gemacht?
C zu L: Jop. War mal was anderes. Ich bin auf einer Bettdecke gesessen, die mit Polstern gefüllt war. Meinen Orgasmus hatte ich, aber mit einem richtigen Mann ist es mir lieber. Wie etwa mit dir.
L zu C: Es wäre mir eine Ehre, heute dein Pferd sein zu dürfen. (Grinst.)
C zu L (lacht): Du bist echt süß.
Ähnlich verlief es auch zwischen Markus und Anna.
M zu A: Wie ich hier sehe, gefällt dir Sex in allen Facetten. Und besonders an allen Orten.
A zu M: Und mit jedem Typen. (Kichert.)
M zu A: Taugt mir. (Grinst.)
A zu M: Das ist meinem damaligen Freund zu viel geworden. Er hat sich zu sehr an mich geklammert. Eines Morgens hat er mich mit einem anderen im Bett erwischt.
M zu A: Du vögelst schon in der Früh?
A zu M: Bei jeder Gelegenheit. Nein, ich war am Vorabend fort, und jedes Mal, wenn ich betrunken bin, gebe ich mich der Liebe mit einem mir Fremden hin. Ich mag einfach den Kick, es mit Menschen zu tun, die mir zwei Stunden vorher noch komplett fremd waren.
M zu A: Du wirst mir immer sympathischer.

Sie können sich vorstellen, wie die folgenden Stunden verlaufen sind. Hemmungslose Schreie der Mädchen auf die immer härter werdenden Stöße des Penis in die Vagina. So ein befriedigendes Gefühl kennen Sie wahrscheinlich selbst auch. Es ist einfach befreiend, wenn alle Muskeln für kurze Zeit erschlaffen. Außerdem verbrennt man einige Kalorien, allerdings nicht so viel, als wenn man den Höhepunkt nur vortäuschen würde. Ich hab es zuerst auch nicht glauben wollen, aber es ist ganz logisch, denn man muss die Muskeln anstrengen, um so zu tun, als wären sie in vollkommener Ruhe. Verstanden? Ja? Perfekt!
Wenngleich der „echte“ Koitus einer der schönsten Gefühle ist, die es gibt, ist er doch in einigen Situationen unpassend. Denken Sie an ein Techtelmechtel im Meer. Wenn da die Muskeln schlappmachen, liegt man wenige Momente später mit seinem Partner auf dem Meeresgrund in 30 Meter Tiefe. Und ob es dort so spaßig ist, wage ich zu bezweifeln. Am mutigsten finde ich die Paare, die es in öffentlichen Verkehrsmitteln tun. Obwohl, manchmal überkommt einem einfach die Lust. Da kann man nichts dagegen machen. Und wenn auch die Bezeichnung noch einlädt, ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit, diesem Verlangen zu widerstehen. Bestes Beispiel ist die Wiener U-Bahn-Linie „U 6“, die man auch als „U Sex“ bezeichnen könnte.
Mein erstes Mal ist noch immer nicht vorbei. Kann man gar nicht glauben, oder? Es kursiert ja noch immer der Leitsatz, dass Männer nur einmal können. Falls sie überhaupt können. Ich bin der Meinung, dass dies völliger Bullshit ist. Genauso Folgendes: Wesen des männlichen Geschlechts lügen nämlich nach einer Studie bis zu 200 Mal pro Tag. Etwas viel, oder? Dann müsste ja jeder Satz geschwindelt sein. „Schatz, du siehst heute super aus!“ entspräche demnach ebenso wenig der Wahrheit wie „Ich verspreche dir hoch und heilig, dass ich keine Affäre mit der Nachbarin habe“.
Entschuldigen Sie bitte, ich bin etwas von meiner Geschichte abgewichen. Also, wo waren wir stehen geblieben? Genau, jetzt hab ich es wieder. Beide Paare verbrachten die Nacht in den Federn. Beziehungsweise am feuchten Strand, was Carina und Lukas betraf. Beiderseitige Körpervereinigung an belebten Orten hat Vor- und Nachteile. Ich war mal Zeuge eines Geschlechtsaktes, bei dem zumindest der weibliche Partner noch Jungfrau war. Oder hatte das Blut, das an ihren Schenkeln gemächlich in Richtung der Knie floss, eine andere ganz andere Bedeutung? Ich hoffe nicht. Es war im Sommer. Da spielen die Gefühle sowieso schon verrückt. Schmetterlinge im Bauch und so weiter. Und wenn man bereits den richtigen Partner gefunden hat, dann gibt’s kein Halten mehr. Überall findet man den verliebten Teil der Bevölkerung. Im Park, in den Umkleidekabinen diverser Geschäfte und selbst in Flugzeugen können sie ihre Triebe manchmal nicht mehr zügeln. Mir ist das eigentlich ziemlich egal, wer es wann, wo und mit wem macht. Aber es ist schon nervig, wenn man hoch über den Wolken mal auf die Toilette muss. Denn aus dem Fenster pinkeln kann man schlecht. Und dann muss man warten, weil die einzige Sanitäranlage von zwei „Schmetterlingen“ besetzt ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Am schlimmsten ist es, wenn sie nach einer halben Stunde noch immer nicht fertig sind. Das hat stets nur zwei Gründe. Der wahrscheinlichere wäre, dass beide eingeschlafen sind, weil es so befriedigend und kraftraubend war. In den seltensten Fällen hält der Mann so lange durch, es sei denn, er hätte zuvor eine dieser Potenzpillen genommen. Ich hab so was noch nie probiert. Ich steh nicht so auf Tabletten und so ein Zeugs. Mir sagen Präparate ohne künstliche Zusatzstoffe mehr zu. Denn nichts kann einen romantischen Abend mit Sonnenuntergang und Candle-Light-Dinner ersetzen. Nicht mal eine dreistündige Erektion. Und die hatten die beiden „Helden“ Markus und Lukas nicht mal annähernd.
Die Technik von heute macht uns zum gläsernen Menschen. Würden diese Hightech-Brillen nicht existieren, säßen die beiden Mädels nun alleine mit ihren mehr oder weniger gewollten Babys zu Hause. So haben sie die Väter ausfindig machen können und leben nun ihr geruhsames Familienleben. Beide sind sehr glücklich, wenngleich sie am Anfang Dusel hatten. Ich könnte nun schreiben, was sie beruflich machen und so weiter, aber ich denke, dass Sie das herzlich wenig interessiert.
Ähnlich wie in dieser Geschichte zählen im echten Leben oft nur die Extreme. 95 % schauen lediglich aufs Aussehen. Der Charakter eines Menschen ist den meisten Singles wurscht. Obwohl man auch auf der Suche sein kann, wenn man gebunden ist. Natürlich spielt auch hier das Außergewöhnliche mit. Der Reiz, Sex mit anderen zu haben und somit etwas Verbotenes zu tun, ist neun von zehn Leuten wichtiger als eine ehrliche und vertrauensvolle Partnerschaft. Aber na ja, dagegen kann man nichts machen.
Langer Rede kurzer Sinn ging es nach sieben Tagen schweren Herzens wieder zurück in die Heimat. Wieder zurück in die gewohnte Welt. Doch sie sollte nicht mehr die gewohnte sein.


Landeanflug und Ankunft

„Bitte alles anschnallen. Wir beginnen nun mit dem Sinkflug auf Wien.“
Viele bekamen diese Aufforderung des Piloten nicht mit. Die meisten schliefen. Wer möge es ihnen verdenken? Eine Woche Feiern hinterlässt eben seine Spuren. Neben langfristigen Schäden an der Leber äußerten sich die kurzfristigen in Form einer gewaltigen Müdigkeit. Zum Schlafen kam man in den letzten sieben Tagen wirklich wenig. Untertags am Strand, dann schnell einen Happen essen, duschen und sich fertig machen für die kommende Nacht. Ich sehe solche Partys fast wie ein Videospiel. Stellen Sie sich mal Folgendes vor: Der „Aufreißer“ – in den meisten Fällen ist es der Mann – muss gewisse „Missionen“ erfüllen, um ein „Level“ aufzusteigen. Der Beginn besteht darin, den „Start-Button“ zu drücken – sprich das Mädchen anzusprechen. Im Verlaufe des Games kommt dann der entscheidende Moment. Der Moment, der darüber entscheidet, ob man weiterhin in der „Liga mitspielen“ darf oder ob man den „Reset-Knopf“ drücken und bei einem anderen Girl einen Neustart wagen muss. Es gibt natürlich auch eine „Combo“. Damit ist gemeint, dass man neben dem eigentlichen Objekt der Begierde zusätzlich noch die betrunkene Freundin abschleppen kann. Es gibt auch den „Royal Flush“, aber den bekommt man nur einmal in seinem Leben. Wenn überhaupt. Denn es existieren nicht viele Schwestern, die einem den Geschlechtsverkehr zur gleichen Zeit versüßen. Meistens vögelt man sie neben- beziehungsweise nacheinander. Daraus resultiert in den meisten Fällen eine böse Schwester und eine „böse“ Schwester. Sie werden wissen, wer wer ist? Ja? Sie nicken. Gut.
Durch diesen Ausflug in die Welt der Videospiele verschlief auch ich fast die Landung. Ein bisschen rumplig, aber wenigstens wurden dadurch die meisten aus ihren süßen Träumen gerissen. Dem obligatorischen Händeklatschen folgten noch einige Minuten, in welchen wir im Flugzeug ausharren mussten, bis die endgültige Landeposition eingenommen wurde. Zeit genug, um sich noch mal umzublicken. Jetzt wünschte ich zu wissen, wie das Leben der einzelnen Menschen weitergehen würde. Mit Sicherheit hatten sich zahlreiche Pärchen geformt, die sich auch nach der Reise noch lieben würden. Rechts vorne sehe ich eines. Er mit weißem T-Shirt, blauer Jeans und einem Sombrero auf dem Kopf. Sie mit einem Spaghettiträger-Leiberl, kurzem Minirock und einer Brille auf der Stirn. Ich konnte nicht erkennen, welches Fabrikat es war. Egal. Was mir nicht verborgen blieb, war ihre innige Umarmung, während beide schliefen. Er hatte den Arm um sie geschlungen. Sie kuschelte sich an seine Brust. Nichts Ungewöhnliches, werden Sie meinen. Auch ihre Hände waren dort, wo sie hingehören. In die Nähe seines Geschlechtsteils. Genauer gesagt, lagen ihre Finger auf seiner Jeans. Auch eine kleine Wölbung in der Nähe seines Hosenschlitzes war auszumachen. Süß.
„Wir haben nun die endgültige Parkposition. Wir danken, dass ihr euch für unsere Airline entschieden habt, und wünschen euch für die Zukunft alles Gute!“
Beim Warten auf das eigene Gepäck blickte ich mich ein wenig in der Halle um. Bilder von Wiener Schnitzel, Sachertorte und Kaiserschmarren ließen mich irgendwie stolz sein, wieder in meiner Heimat Österreich zu sein, wenngleich die schönste Woche meines Lebens hinter mir lag. Ah, da ist mein Koffer. Ein schwarzer mit roten Streifen. Er hatte die Reise also auch gut überstanden.
„Gehen wir noch eine Leberkäs-Semmel essen?“, fragte Michael in die Runde. Einstimmig wurde dieser Vorschlag angenommen. Musste er eigentlich auch, denn wir hatten für die Rückfahrt einen Bus angemietet, und es wäre nicht sehr sozial gewesen, wenn wir wen am Flughafen zurückgelassen hätten. Eine Gruppe Jugendlicher watschelte zu jenem Restaurant, in welchem man sich auch schon vor dem Abflug gestärkt hatte. Allerdings waren jetzt alle ausgepowert, und in einigen Mädchen reifte bereits ein Embryo heran. Nur wissen taten sie das zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Deshalb bestellten sie sich einen alkoholischen Cocktail. Quasi als Abschluss zur Maturareise.
„Hattet ihr nicht genug sex on the beach?“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 60
ISBN: 978-3-99048-051-9
Erscheinungsdatum: 26.05.2015
Durchschnittliche Kundenbewertung: 4
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