Humor & Satire

Amüsante und ironische Gute-Laune-Kurzgeschichten für Erwachsene und für Ihr Nachtkästchen!

Erhard Roy

Amüsante und ironische Gute-Laune-Kurzgeschichten für Erwachsene und für Ihr Nachtkästchen!

Traumhafte Gedanken zum Ein- und Ausschlafen!

Leseprobe:

I) Heroische Gschichterl und andere Dummheiten

01) Robilein, der Brave

Fritz Blitz-Gscheit war ein Forscher und Nobelpreisträger auf dem Gebiet der metallurgischen Intelligenzeinflößungstechnik, die in Fachkreisen kurz als MUFTIK bezeichnet wird. So schuf er im wunderschönen Wien – schon nach wenigen Stunden Arbeit – sein Robilein, den unermüdlich fleißigen Dienstroboter.
Aufgrund der modernsten Akkus konnte dieser Metallbursche, der von seinem Meister sicherheitshalber stets am Gängelband gehalten wurde, elektrisch herumkurven, Jausensemmeln transportieren, Knopflöcher ausstanzen und – genau das war das Besondere – wie ein Kind jeden Tag Neues dazulernen.
Damit sein Robilein auch wirklich recht gescheit würde, setzte ihn Erfinder Blitz-Gscheit einfach tage- und nächtelang vor den Fernseher. So erfuhr und lernte Robilein von den Wundern dieser Erde, von Mann und Frau, von Hass und Liebe, von guten und nutzlosen – und zumeist humanoid aussehenden – ?Menschen.
Besondere Aufmerksamkeit erregte eine Talksendung, in der sein Erschaffer, Erzeuger und Bastler Blitz-Gscheit interviewt wurde. Robilein spitzte seine Metallohren. Hingebungsvoll und voller Ehrfurcht wollte er den Worten seines Meisters lauschen und diese mittels seiner Metalldrähte verinnerlichen. Blitz-Gscheit sprach vor einem Millionenpublikum: „Ich bedaure zutiefst mein Versagen! Leider ist es mir nicht gelungen, einen brauchbaren bzw. präsentierbaren Roboter zu bauen. Da mein hergestelltes Erstmodell mit seinen primitiven Funktionen in keiner Weise den Anforderungen und gesteckten Zielen entspricht, werde ich seine Verschrottung veranlassen. Dadurch können wenigstens die Entwicklungskosten von 3,50 Euro hereingebracht werden. Mein Versuchsroboter war leider bloß eine miserable und schlecht geschweißte Riesenniete!“

Robilein hielt seine rostigen Hände vor das Metallgesicht. Und nun sah er zum ersten Mal bewusst an seinem Metallkörper hinunter. Da hingen bereits lose Schrauben aus seinen Knien, instabil gewordene Stabilisatoren hielten ihn tief gebeugt, bei jeder Bewegung gab es quietschende Geräusche an allen Ecken und Kanten. Dieses arme Robilein, das bis jetzt doch immer so brav gehorcht und gelernt hatte, war verzweifelt. Ach, wie kam er sich als mißglücktes Versuchsmodell ausgenutzt und für dumm verkauft vor!
„Meister Blitz-Gscheit, warum nur hast du aus mir kein Meisterstück gemacht?“, murmelte er sonor durch seine Membran-Rostlöcher.
Robilein wurde klar, dass seine Existenz eher früher als später zu Ende gehen würde. Wegen seines systemimmanenten Dachschadens war’s wohl bald aus mit seinem meistens vor dem Fernseher verbrachten „Leben“. Sein Meister, ein Nobelpreisträger! Zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre. Weder noch konnte unser Robilein. Wie traurig!
Als Erstmaßnahme schaltete Robilein den Fernseher mit einem gezielten Fußtritt aus. Die Scherben des Bildschirms verteilten sich über den ganzen Fußboden.
Dann riss er mit seinen bereits schwindenden Kräften alle Lampen von den Wänden, vernichtete Kästen und Schränke, demolierte die Versuchsstation seines Unmeisters und bewaffnete sich. Schon in den Filmen von John Wayne und Burt Lancaster hatte er gesehen, wie ein Revolver professionell eingesetzt werden kann. Und genau einen solchen hatte er gerade in der Tischlade entdeckt.
Robilein saß mit der Waffe im Anschlag hinter dem Schreibtisch und wartete geduldig auf seinen Blitz-Gscheitling!
Auf der Holztreppe hörte er die Geräusche des nahenden Meisters. Robileins rechter Rost-Arm hob sich. Die Kimme des Revolvers war auf die Türe gerichtet. Die Klinke wurde nach unten gedrückt. Robilein war wachsam! Die Türe öffnete sich! Robilein war schussbereit! Blitz-Gscheit stand im Türstock! Robilein brach zusammen. Er konnte es nicht tun. Nein, das war gegen jede Roboterehre, gegen jedes Rechtsbewusstsein eines früher aufrechten Roboterwesens. Seine guten Manieren, die ihm TV-mäßig von Peter Alexander (RIP) beigebracht worden waren sowie seine Diener-Dienstauffassung verboten ihm das Schussattentat. Hilflos, verrostet, geschwächt, todesgeweiht saß Robilein da. Dann fiel er zu Boden und in seine Einzelteile.
Nobelpreisträger Fritz Blitz-Gscheit war ja wirklich ziemlich dumm. Mit erhobenen Fäusten stürmte er in blinder Wut ins todesfinstere Zimmer. Die Scherben auf dem rutschigen Boden taten das Ihrige. Sie empfingen den Flugkörper von Blitz-Gscheit mit hochgefährlichen Glasspitzen … und bohrten sich vielfach und tief in den Wissenschaftler hinein! Spitzenmäßig! Zu dumm für Blitz-Gscheit!
Der Bürgermeister der Stadt Wien ordnete ein Staatsbegräbnis auf dem Zentralfriedhof in Simmering an. MUFTIK-Wissenschaftler aus aller Herren Länder kamen zur Trauerfeier. Im Anschluss an die Gebete und Fürbitten für den armen Verrosteten wurden die Reste von Robilein in die Metallsammelbox des Ehrengrabes gefüllt.
Der dicke und doofe Dummkopf Blitz-Gscheit wurde hingegen im Friedhof der Namenlosen verscharrt.


02) Schneefrau vs. Schneemann

Winter. Winter im Winterwunderland. Winterlandschaft mit Schaffenden. Kinder schafften es, einen ganzen Tag lang Schneekugeln zu rollen. Ein Schneemann entstand und stand in der Winterlandschaft des Winterwunderlands.
Neuschnee fiel auf den Schneeriesen, der sich abends von allen lieben Kindern verlassen fühlte und es auch war. Allein, mit kitzelnden Schneeflocken auf der Eisglatze. Kein Hut wäre groß genug für ihn gewesen.
Zu Tränen gerührt vor lauter Einsamkeit, wegen heftigen Juckens am Kopf und wegen seiner unattraktiven Statur stand er hilflos am Waldrand. Niemand da!
Nur leise Musik. In seinem Kugelkopf. Weihnachtlich. Er träumte seinen Traum. Von seiner Traumfrau, weiß und unschuldig, die ihn irgendwann besuchen kommen würde. Alles könnte sie von ihm haben, den Besen, das Schwarze aus seinen Augen, seine Jutejacke und sogar seine Karotte.
Am nächsten Tag war alles unverändert. Ein existenzbedrohtes Dasein als Schneemann, Einsiedler, Eremit und Einzelgeschöpf am Waldrand. Und am Rand der Verzweiflung.
Am übernächsten Tag war alles verändert. Der traurige Schneemann traute seinen neugierig lugenden Kohleäuglein nicht. Sie war da! Wie aus dem Nichts! Geformt aus feinstem Pulverschnee, im Sonnenschein silbrig blitzend, mit reinstem Gesichtsschliff und mit dicken Schneekugeln, zwei mehr, als er selber hatte.
Sie stand ihm gegenüber. Aug in Aug! Aber zahnlos. Er spürte ihre Nähe. Sie verspürte … leider nichts. Oder vielleicht halt noch nicht? Stunden vergingen, man kam sich etwas näher. Sie blinzelte ihm zu. Er schwitzte vor Aufregung. Sie genoss die Wirkung ihrer Rundungen auf ihn sichtlich. Sie schoss ein Schneebällchen brutal zu ihm herüber. Treffer! Und was für einer! Sein linker Arm fiel ab und zu Boden. Dann hagelte es Schneebälle von ihr, die ihm den Kopf zertrümmerten, ihn auch noch den zweiten Arm kosteten und zu seinem tiefen Fall führten. Dann Ruhe! Nur noch wenige Schneereste zeugten von seiner einstigen Größe als Prachtkerl.
Was er nicht wusste und auch nie erfuhr: Sie, seine anbetungswürdige Weißkugelfrau, war eine aus- und eingebildete Miliz-soldateninfrantriewanderschneefrau, rekrutiert und lizenziert für Vernichtungseinsätze gegen alle Schneemänner dieser Erde!
M.f.G.!

Ihr Baron Münchhausen


03) Der flugunfähige Batman und seine brandgefährliche Fledermaus

Von der Nordsee bis zur Südsee, von der Ostsee bis zur – komisch, jetzt geht’s irgendwie unlogisch weiter – bis zum Atlantik ist der schwarzer Ritter, der rätselhafte Black Beauty, als Rächer der Nacht bekannt geworden: Fledermausheld alias Batman!
Der Arme, der durch einen verruchten Schicksalsschlag, nämlich die Ermordung seiner Eltern Thomas und Martha Wayne durch einen gewissen Joe Chill, zum Hüter des geordneten Nachtlebens von Gotham City als tapferer Kämpfer für Recht und Sitte mutierte, war freilich keineswegs zu beneiden. Master Bruce Wayne, der nach diesem vorgefallenen Kriminalfall, dem Todesfall seiner Eltern, fallweise und daher nächtens auch nicht zufällig von Plagegeistern geisterhaft geplagt wurde, hatte wegen dieses mordsmäßigen Vorfalls niemals tiefenpsychologische Betreuung von geisteswissenschaftlichen Betreuern. Das Leben war ihm schwer, und schwermütig bewies er in dieser Ausnahmesituation guten, aber schweren Mutes große Courage und zudem solches Engagement, dass er fortan auf Gangsterjagd ging. Was sollte er denn ansonsten tun? Däumchen drehen, den Herrgott einen guten Mann sein lassen, Sterngucker sein oder gar Beamter werden? Welches Schicksal, welches Los: elternlos, und dabei auch noch mehr oder weniger freu(n)dlos (Ansprache hatte er ja nur von seinem schlanken Neffen Dick und seinem Diener Alfred Pennyworth sowie vom Polizeichef James Gordon), also unbeweibt und somit glücklos allein.
Zu seinem geringen Trost hatte er auf der Habenseite seiner Gewinn- und Verlustrechnung ein
ordentliches Zuhause, Wayne Manor, mit der hochtechnisch ausgebauten Bathöhle,
paar Millionen Dollarscheinchen auf der Bank,
Wirtschaftsimperiümchen,
schickes Batmobil mit einem airgebrushten Fledermäuschen in leuchtgelber Ausführung
sowie einen im Alltagsleben fahrbaren Untersatz der kaum bekannten Marke Rolls-Royce,
Batmotorradl (dessen Farbe den Leserinnen und Lesern wohlbekannt ist).

Tja, das war’ s dann auch schon.
Eines stand ihm stets gut: sein Fledermauskostüm samt Kopfmaske mit Spitznase. Letztere war deutlich kürzer als jene von Pinocchio, dafür aber nicht so hölzern und folglich im Nahkampf nicht weiter störend. Besonders lustig anzusehen waren die nur angedeuteten Spitzohren. Vielleicht hatten sie bloß den simplen Grund, dass deren Anblick bei manchen aberwitzigen Gangstern unweigerlich zu körperlichen Krümmungen führte, sodass Baty seine Schläge leicht auf deren gebeugte Feindkörper ausführen konnte. Ein Tod aufgrund gaunerischer Lachkrämpfe ist allerdings in keiner Story belegt.
Batman hielt sich seit jeher fliegende Haustierchen aus der Gattung der Chiroptera, genauer gesagt der Mikrochiroptera, sprich Fledermäuse. Um welche der 900 Arten es sich konkret handelte, bleibt in den Comic-Zeitschriften unbeantwortet. Mickey-Mäuse dürften es nicht gewesen sein, da diese – wie jedes Kind seit 1928 von Anbeginn weiß – flugunfähig sind.
Wie auch immer, diese echolotigen Viecherl hatten Batman immer voraus, die Umgebung mit ihren Sinnen äußerst gut abzusuchen und zu erfassen. Während Eulen und Katzen natürliche Feinde der Fledermäuse sind, hatte Batman ganz andere: etwa den Pinguin, den Joker, den Rätselmann, Tiziano und so weiter frei nach dem Motto: Homo hominis lupus!
Eine junge F-Ledermaus war eine feurige Firemouse. Sie hauste seit Kurzem gemütlich an der Höhlendecke der für Garagierungszwecke benutzten Batcave und ließ sich jeden Tag ziemlich hängen. Nachts flog diese brandgefährliche Chioropteramaus fleißig umher, um den Geheimnissen der Bathöhle einigermaßen auf den Grund zu gehen. Dabei flog sie – ein wenig Feuer speiend – in alle Ecken und Winkel, ohne jedoch Näheres zu erkennen.
Dummerweise lag in einem Seitengang eine von Batman schlampigerweise weggeworfene Betriebsanleitung für den nicht realisierbaren Neubau eines Batmobils. Dieser Fehler des großen Nachthelden war fatal. Zunächst ging diese Broschüre, danach das Fell der nächsthängenden Fledermäuschen in Flammen auf. Das Feuer breitete sich rasch in der Höhle aus und erfasste in Windeseile jeden tierischen Bewohner sowie die technischen Bat-Gerätschaften. Hell erleuchtet und voller Gluthitze erstrahlte die Höhle und erhellte die dunklen Gänge und Räume. Der entstandene Schaden war enorm, eine Versicherungsdeckung für die geheime Höhle aber nicht gegeben. Wie tragisch! Nur gut, dass Bruce Wayne alias Batman genug Geld auf der Seite, aber nicht in der Höhle hatte. Damit konnte der Wiederaufbau viribus unitis kräftevereinigt mit seinem alten, aber bei Baustellenbeginn noch rüstigen alfredigen Butler durchgeführt werden.
Was wir daraus für eine Lehre ziehen können? Hast du keine Gebäudeversicherung, lass getrost deinen Butler die Wiederaufbauarbeit machen!


04) Angst, wozu?

Geht es Ihnen wie mir? Ich habe in meinem Leben niemals Angst, nein, nichts kann mich wirklich erschüttern. Wäre ich in einem früheren Leben Goliath gewesen, hätte ich diesen Zwerg David sicherlich im Hand- und Halsumdrehen besiegt.
Oder wäre ich die Ausgeburt eines Drachen geworden, hätte ich als Fafnir mit diesem Möchtegernritterlein Siegfried – pust, pust – mit einem gezielten Feuerstoß kurzen Prozess gemacht!
Vor der Titanic schwimmend hätte ich mit bloßen, wenn auch blutig roten Händen den Eisberg so weit zur Seite gedrückt, dass kein Unglück passiert wäre.
Selbst Superman hätte mich nicht besiegen können, da ich ihm muskelmaskulin zumindest gleichwertig bin! Sollte etwa mein Auto streiken, könnte ich es selbstverständlich getrost auf meinen breiten Schultern bis zur nächsten Werkstätte tragen!
Auch in der Schatzsuche bin ich unerreicht: Ich habe meine Frau schon nach vierzigjähriger Intensivsuche kennen- und vom Fleck weg lieben gelernt.
Bitte glauben Sie mir das alles! Bis jetzt hatte ich fast wirklich kein Angstgefühl entwickelt, aber – na ja – doch ein wenig Furcht in mir. Es geht nicht um langhaarige Spinnen, um dunkle Nächte, um tosende Gewitter. Es ist keine Furcht vor der palliativen Vorbereitung für die Pathologie des Krankenhauses, vor Geheimdiensten, vor freier Rede an die Völker, vor Unfällen, vor Computerabstürzen, vor Erdbeben, vor Zahnausfall, vor Krokodilen und Waranen. Nein, es ist bloß das Schaudern und Zittern vor meiner Schwiegermutter!


05) Halloween: Hart, aber fair!

Auf einer Lichtung in der mexikanischen Sonora-Wüste stand eine einsame Holzhütte, aus der Rauch aus dem Kamin aufstieg. Eine Wohninsel inmitten von Sand, Sand und wieder Sand.
Drei wüste Gestalten näherten sich verkleidet mit Totenkopfmasken, schwarzen, zerfetzten Umhängen und umgehängten Plastikknochen der Ansiedlung.
„Süßes oder Saures?“, schrien sie. Eine glatte Drohung!
„Rück’ sofort alles, was du hast, heraus!“, forderten die drei unisono. Dabei polterten sie heftig gegen die Eingangstüre, schmissen Steine durch die Fenster und schwenkten deutlich sichtbar brennende Fackeln..
„Süßes oder Saures, zum letzten Mal!“
Die Türe öffnete sich von innen. Langsam. Sehr langsam. Ein tiefschwarz gekleideter Cowboy erschien, schwer bewaffnet, böse lächelnd, einen Grashalm im Mund kauend. Dann hob der Cowboy seine rechte Hand. Nicht aber, um etwas auszuhändigen. Sondern, um den Revolver in der Sonne sichtbar blitzen zu lassen.
„Euer Leben ist nur der Urlaub vor dem Tod!“, sprach er.
Die Halloweener erschraken bis auf die Plastikknochen.
„Geld oder Leben?“, stellte der Cowboy als Alternativfrage.
Die vermummten, betrunkenen und eingerauchten Wüstengestalten berieten kurz über die Antwort. „Wir geben nichts, wir nehmen nur!“, sagten sie.
„Einverstanden!“, sagte Django und knallte sie der Reihe nach ab.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 218
ISBN: 978-3-903067-13-4
Erscheinungsdatum: 19.11.2015
EUR 21,90
EUR 13,99

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