Erotik & Sinnlichkeit

Der Pianist – wenn das Herz Polka tanzt

Katja Frühauf

Der Pianist – wenn das Herz Polka tanzt

Leseprobe:

Vorwort


Es war ihr fünfter Jahrestag und Alexander hatte Karten für ein Klavierkonzert gekauft, weil er wusste, dass dies Karens Lieblingsmusik war. Er wusste so vieles über sie. Er kannte sie so gut. Er war der perfekte Mann für sie. Immer freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Er brachte sie zum Lachen und war ihre Schulter zum Anlehnen.
Vorher waren sie bereits in einem edlen Fischrestaurant zum Abendessen und ein kühler Weißwein rundete das Dinner in entspannter Atmosphäre ab. Er lächelte ihr ins Gesicht und streichelte ihre Hand.
Die letzten fünf gemeinsamen Jahre waren geprägt von Liebe und Zärtlichkeit. Trotz einiger Streits hatten sie sich immer wieder versöhnt und selbst nachdem sie zusammengezogen waren, konnten die Routine und der Alltagsstress zweier Vollzeit arbeitender Menschen diese nicht auseinanderbringen. Sie waren wie Yin und Yang, wie Sommer und Winter, wie Tag und Nacht, zwei Pole, die sich gegenseitig anzogen und nie ohne einander sein konnten.
Sie saßen gespannt wartend in den Stuhlreihen des Konzertsaals. Alexander hielt Karens Hand ununterbrochen in seiner und strich mit dem Daumen über ihren Handrücken. An diesem Abend sah sie besonders schön aus in ihrem schwarzen Kleid und mit den hochgesteckten Haaren, auffälligen Ohrringen und einem wunderschön geschminkten Gesicht. Sie wirkte selbstbewusst und elegant, gleichzeitig verführerisch und traumhaft schön. Das war es, was er an ihr bewunderte. Sie sah in eleganten Kleidern genauso wunderbar aus wie ungeschminkt in ihrem ausgeleierten Schlafshirt.
Das Licht verdunkelte sich und die Scheinwerfer richteten sich auf das Podium, welches ein großer, schlanker Mann mit dunklen, kurzen Haaren betrat. Er trug einen dunkelblauen Anzug und verbeugte sich vor dem Publikum, bevor er am Flügel Platz nahm.
Dann griff er in die Tasten, die ersten Töne erfüllten den Raum und Karen hatte alles um sich herum vergessen. Gespannt beobachtete sie jede Bewegung des Pianisten. Seine Finger waren so grazil und schön, in einem Moment streichelten sie die Tasten, in einem anderen schlugen sie förmlich auf sie ein. Karen fühlte die Musik, die Töne klangen in ihr, so als würden die Saiten in ihr selbst vibrieren. Diese Musik füllte sie voll aus, machte sie glücklich und ließ sie für ein paar Minuten den Alltagstrott vergessen. Sie vergaß sogar Alexanders Anwesenheit neben sich, es gab nur sie und die Musik. Die Musik und den Pianisten. Sein Gesicht war ebenmäßig und seine Augen von so hellem Blau, dass sie mit dem Himmel konkurrieren könnten. Er war so konzentriert, dass er die Blicke der Zuschauer völlig ignorierte. Karen verfolgte jede seiner Bewegungen und fühlte mit dem Klavier mit. Der Zauber, den alle Pianisten auf sie ausübten, war erneut entfesselt. Sie war wieder die Karen, die sich ganz in der Musik verlor, die alles vergaß und sich nur auf den Pianisten fokussierte.
Karen konzentrierte sich so sehr auf den Mann am Flügel, dass sie fast erschrak, als dieser sein Konzert mit dem letzten Ton beendete. Die Zuschauer erhoben sich zum Beifall und nach der Vorstellung spazierte sie mit Alexander Hand in Hand in die laue Sommernacht. Er schien von ihrer Ekstase nichts mitbekommen zu haben, sie spazierten durch die nächtlichen Gassen und kamen irgendwann vor ihrer gemeinsamen Wohnung an.
Während sie sich auszogen und wuschen, sich nebeneinander die Zähne putzten, wie so oft in den letzten zwei Jahren, ging Karen den ganzen Abend gedanklich noch einmal durch. Es war ein wunderbarer Abend gewesen. Alexander hatte sich wieder selbst übertroffen. Doch der erhoffte Heiratsantrag war wieder nicht dabei gewesen. Dabei war sich Karen so sicher, dass Alexander der Richtige war. Sie kannten sich schon so lange und hatten allerhand zusammen durchgemacht.

Sie legten sich nebeneinander in ihr Bett, und Karen kuschelte sich an Alexander und sie wünschten sich eine gute Nacht. Nachdem er sie auf die Stirn geküsst hatte, drehte er sich auf die andere Seite und schlief schnell ein.
Karen konnte noch nicht gleich einschlafen, sie war noch aufgewühlt von dem Konzert. Ihre Gedanken drifteten zu dem Pianisten ab, der es geschafft hatte, ihr Blut seit Langem wieder einmal richtig in Wallung zu bringen, mit bloßer Musik …





1 Nur geträumt


Der Klavierspieler saß nur wenige Meter von ihr entfernt. Er berührte die Tasten und spielte eine unhörbare Melodie, die ihren Weg direkt in ihr Herz fand. Sie stand wie gelähmt da, während ihr Herz pochte und sie ihn gebannt beobachtete. Seine Finger sahen weich aus und seine Augen mit den langen Wimpern waren halb geschlossen, das Gesicht vor Konzentration angespannt, aber nicht verbissen. Er sah aus wie ein Engel und er fesselte sie mit sanften Tönen, die nur ihr Herz erhörte. Sie wollte wie die Tasten sein, seine Berührungen spüren und ihm ins Gesicht schauen, jedes Detail in sich festhalten. Doch je näher sie zu ihm ging, so kam es ihr vor, umso mehr entfernte er sich von ihr. Die Musik wurde lauter, drängender, fast schon unausstehlich, während seine Umrisse immer weiter verschwanden …

Karen schreckte aus dem Schlaf auf. Der Wecker schrillte und Alexander wälzte sich neben ihr auf die andere Seite. Es war sieben Uhr, höchste Zeit aufzustehen, doch an diesem Morgen blieb Karen verwirrt liegen, unfähig, sofort das Bett zu verlassen.
Alexander robbte an sie heran und nahm sie in den Arm, während er ihr ein verschlafenes „Guten Morgen“ ins Ohr raunte. Er war so niedlich, wenn er früh aufwachte und seine goldbraunen Haare nach allen Seiten von seinem Kopf abstanden. Karen kuschelte sich an seine breite Schulter und wunderte sich, dass ihr der Pianist nicht mehr aus dem Kopf ging.

Sie hatte schon lange eine Vorliebe für Männer gehabt, die Klavier spielten. Es löste in ihr eine Welle von Emotionen aus und augenblicklich fühlte sie sich zu diesen Männern hingezogen. Seit sie mit Alex zusammen war, hatte sie auch kein Konzert eines Pianisten mehr besucht und dachte, diese Neigung bereits verdrängt zu haben. Doch der Pianist verfolgte sie bis in ihre Träume, brachte sie durcheinander und verzauberte sie aufs Neue.
Andererseits hatte sie bei Alexander alles, was sie sich je gewünscht hatte. Sie konnten miteinander lachen und weinen, über ernste und interessante Dinge reden und immer wieder unternahmen sie kleine Ausflüge, lasen zusammen Bücher oder machten gemeinsam Sport. Auch er konnte sich für Musik begeistern. Während Karen fast ununterbrochen sang, sie bereute es, ihre Gesangsausbildung aus Zeitgründen aufgegeben zu haben, spielten sie beide Gitarre und er zuweilen auch Geige. Doch seine Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit konnten nicht verhindern, dass ihr noch immer ein kalter Schauer über den Rücken lief, wenn er zur Geige griff und den Bogen über die Saiten kratzte. Sie musste sich jedes Mal anstrengen, nicht aus dem Raum zu rennen, das Geräusch dieses Instruments war ihr alles andere als angenehm. Wieso, das konnte sie niemandem erklären.
Alex war fürsorglich und kümmerte sich gut um sie. Einmal im Jahr fuhren sie gemeinsam in den Urlaub und erkundeten neue Orte. Dabei waren sie oft sparsam, übernachteten im Zelt, anstatt in einem schönen Hotel. Sie hatte sich insgeheim gewünscht, dass er sie auch einmal richtig verwöhnen würde.

Da Karen noch immer keinen klaren Gedanken fassen konnte, stand diesmal Alex als Erster auf und schlurfte in die Küche. Auch Karen folgte ihm nach einer Weile, sie hatte sich über ihren Schlafanzug einen Morgenmantel angezogen. Eine große Tasse Kaffee erwartete sie dampfend auf dem Tisch, während Alex ihr ein Marmeladenbrot schmierte. Er musste später zur Arbeit als sie und an diesem Morgen genoss sie es, wie er sich um sie kümmerte. Das hatte er lange nicht mehr gemacht. Oft stand sie allein auf und frühstückte, bevor er überhaupt aus den Federn gekrochen kam, sodass sie ihn oftmals verabschiedete, wenn er das Schlafzimmer verließ.
Gemeinsam saßen sie auf den neuen Küchenstühlen, die sie sich vor einem Jahr hatten schenken lassen, es waren ergonomisch geformte, auf denen man ein wenig schaukelte. Während sie dankbar in das Marmeladenbrot biss, schaute er sie aufmerksam an, in der Hand einen großen Teepott, da er keinen Kaffee trank.
„Liebling, du siehst heute etwas durch den Wind aus“, stellte er mit besorgtem Blick fest.
„Ach, ich habe nur komische Dinge geträumt. Ist nicht weiter schlimm. Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung.“
Beruhigt widmete er sich seinem frisch aufgebrühten Tee. Als Karen fertig gefrühstückt hatte, suchte sie sich ihre Sachen für die Arbeit heraus, eine hellblaue Bluse und einen Bleistiftrock, dazu ein Paar Ballerinas. Sie trug nicht so oft Absatzschuhe, da Alex ein Stückchen kleiner war als sie und es ihr nicht gefiel, wenn sie ihn noch mehr überragte.

Sie ging ins Bad und putzte sich die Zähne. Alexander lehnte im Türrahmen und beobachtete sie, noch immer ein wenig schlaftrunken. Nachdem sie ein leichtes Make-up aufgelegt hatte und ein Spritzer Parfüm die tägliche Routine abrundete, drückte sie Alexander einen leichten Kuss auf die Wange und verabschiedete sich. Die Tasche stand schon im Hausflur, abmarschbereit neben der Wohnungstür. Sie wünschten sich gegenseitig einen erfolgreichen Tag und Alex drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, wie jeden Morgen. Als sie die Wohnung bereits verlassen hatte und der Fahrstuhl sich mit einem Klingeln öffnete, rief er ihr noch zum Abschied hinterher: „Ich habe dich lieb.“
„Ich dich auch.“ Dann schlossen sich die Türen und Karen fuhr nach unten. Auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle fiel ihr ein, dass sie am Nachmittag allein im Büro war. Wenn nicht zu viel Arbeit anstand, könnte sie noch einmal nach dem geheimnisvollen Klavierspieler suchen. Bestimmt konnte das Internet in dieser Situation einige nützliche Informationen liefern. Karen redete sich ein, dass sie weniger an ihn denken würde, wenn sie mehr über ihn herausfand und ihre Neugier damit befriedigte.
Mit zielstrebigem Schritt lief sie zur Haltestelle. Sie würde die Identität des Pianisten ausfindig machen …





2 Die immer lacht


Karen stieg in die Straßenbahn, die weißen Kopfhörer ins Handy eingestöpselt. Die nächsten fünfundzwanzig Minuten gehörten nur ihr, der Musik aus ihrer Bibliothek und der vorbeirauschenden Landschaft der Stadt. Prag war schon immer wie ihr Zuhause gewesen. Vor zehn Jahren hatte sie sich ihren Traum erfüllt und war in diese Stadt gezogen. Nun teilte sie sich eine Wohnung mit Alexander etwas außerhalb, in der Nähe der Filmstudios von Barrandov.
Karen fühlte sich in dieser Stadt wohl, die Stadt lebte, sie fühlte sich weniger eingeengt und offener behandelt. An der Abendschule lernte sie regelmäßig Tschechisch, sodass sie mittlerweile diese Sprache gut beherrschte. Doch auch bevor sie damit angefangen hatte, konnte sie sich mit Händen und Füßen irgendwie verständigen. Vor sieben Jahren, drei Jahre, nachdem sie ihre erste Wohnung bezogen hatte, schrieb sie sich für den ersten Kurs ein, bei welchem sie auch Alexander kennenlernte. Aus der flüchtigen Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft, vor fünf Jahren gestand er ihr, dass er sich in sie verliebt hatte.

Wie immer um diese Uhrzeit war die Straßenbahn recht voll, sodass sie sich in den Gang stellte, sich an der Haltestange über ihrem Kopf festhielt und aus dem Fenster schaute. In ihrem Kopf hallte ihr eigenes kleines Konzert, Alexander hatte ihr vor einem Jahr neue Kopfhörer geschenkt, die einen Klang erzeugten, als würde die Musik direkt im Kopf spielen.
Sie fuhren den Hang von Barrandov in Richtung Innenstadt herunter und ihr Blick schweifte über das Tal, wie die Moldau ruhig dahinfloss und auf der anderen Seite, dort wo sich die Altstadt befand, konnte sie schon die Ruderinsel und das Schwimmbad von Podolí entdecken. In ihren ersten Jahren ging sie dort oft schwimmen und anschließend in die Dampfkammer, auf dem Rückweg mit der Fähre über die Moldau stand sie auf der Ruderinsel und beobachtete die Boote. Als Karen klein war, ruderte sie selbst recht erfolgreich, später musste sie dieses Hobby aufgeben, da ihre Noten unter dem Leistungssport litten.
Vor drei Jahren entschied sie sich dann, in einen der zahlreichen Ruderclubs einzutreten, und zog nun selbst wieder zweimal in der Woche ihre Bahnen über die Moldau. Eigentlich unterschied es sich nicht vom Rudern auf der Elbe, wie sie es früher gewohnt war. Wahrscheinlich heißt es deshalb „Elberudern macht hart“. Bei dieser Erinnerung musste Karen unwillkürlich lächeln.
Früh ließ sie ihre Gedanken schweifen und es kam auch schon vor, dass sie es verpasste auszusteigen, doch in den letzten Monaten passierte ihr das nicht mehr.

Nach fünfundzwanzig Minuten Entspannung stieg sie aus der Bahn aus und steuerte auf ihren Arbeitsplatz zu: ein Reisebüro auf der Kleinseite, unweit vom Nikolausdom. Ihre Chefin und langjährige Austauschpartnerin von der Abendschule hatte sie, nachdem sie ihr Sprachzertifikat auf B2-Basis erreicht hatte, eingestellt. Karen mochte diese Arbeit. Sie konnte ihre Fantasie in neue Urlaubsangebote einfließen lassen und wenn sie Kunden zufriedenstellen konnte, dann war auch sie zufrieden.
Lenka war bereits im Büro, die Kaffeemaschine brühte schon die erste Tasse auf. Die beiden Frauen begrüßten sich und gingen die Aufgaben für den Tag durch. Karen sollte ein neues Programm für ausländische Studenten erarbeiten, wie sie ins Prager Stadtleben eingeführt werden sollten. Außerdem mussten die Kataloge aussortiert und die neu gelieferten in die Regale geordnet werden.

Im Sommer war nicht so ein großer Kundenbetrieb, erst gegen Ende August würden wieder etwas mehr Leute den Weg in das Reisebüro finden, wenn es um Winterurlaube oder den nächsten Sommerurlaub ging. Doch bis August waren noch zwei Monate Zeit.
Karen schaute aus der verglasten Fensterfront und fuhr den Computer hoch. Sie wollte so viel wie möglich schon bis zum Mittag schaffen. Danach würde sie Lenka ihre Ergebnisse zeigen und ihre Chefin würde dann zu einer Messe fahren und die Firma präsentieren. Dann hatte sie Ladendienst. Alleine.

Ein Bild von Lanzarote begrüßte sie, als sie ihr Kennwort bestätigte. Den Terminkalender musste sie auch mal wieder aktualisieren, es häuften sich Zettel mit anstehenden Terminen auf ihrem Schreibtisch. Manchmal war sie eben auch noch die Sekretärin ihrer Chefin, da diese es nicht schaffte, an alles zu denken, zumal sie noch auf viele Messen fuhr und neue Geschäftspartner anwarb. Bald würde Karen sie damit unterstützen, wenn sie ihre nächste Fremdsprachenprüfung abgelegt hatte. Denn erst dann war sie offiziell als Muttersprachlerin anerkannt und Lenka wollte eine Bloßstellung in einem Gespräch mit möglichen Partnern vermeiden und auf Nummer sicher gehen. Sie wollte nur das Beste für Karen und gab ihr sogar einen Zuschuss, falls sie die Prüfung bestehen sollte.

Karen suchte aus dem Register alle Kataloge, die bereits abgelaufen waren, und räumte sie aus den Regalen. Das wurde wieder eine große Fuhre Altpapier. Ein kleiner Zuschuss in die Trinkgeldkasse, die sie einmal im Jahr zusammen ausleerten.
Danach suchte sie die Kartons mit den neuen Katalogen aus dem Lager und registrierte diese, während Lenka die wenigen eintretenden Kunden bediente. Als wieder einmal zufriedene Kunden den Laden verließen, erkundigte sich Lenka: „Und, wie war dein Abend gestern? Hat er dich endlich gefragt?“
„Frag bloß nicht“, gab Karen zur Antwort, während sie weiter die Regale einräumte. „Er hat mich natürlich nicht gefragt.“
„Wieso denn das nicht? Ihr seid immerhin schon seit fünf Jahren zusammen!“
„Das wüsste ich auch gern, aber ich werde ihn nicht drängeln. Trotz allem hat er sich ein so schönes Programm ausgedacht.“
„Erzähl!“, forderte ihre Chefin sie auf, endlich die Katze aus dem Sack zu lassen.
„Wir waren in einem dieser neuen teuren Fischrestaurants und es war bombastisch. Toller Wein und ein stilvoll eingerichtetes Lokal mit schicken Kellnern und schneller Bedienung. Danach waren wir im Karolinum zu einem Klavierkonzert, es war einfach herrlich!“ Karen kam aus dem Schwärmen nicht mehr heraus und auch Lenka war Karens Vorliebe für Klaviermusik nicht neu. Nachdem sie alles genau analysiert hatten, kümmerte sich jede wieder um ihre Angelegenheiten. Gegen zehn Uhr beendete Karen ihre Einräumaktion mit einem erschöpften Seufzer, sie musste immer wieder die Regale auswischen, vor allem die obersten Reihen waren komplett verstaubt.

Nach der Mittagspause, sie ließen sich Essen aus einer Kantine ins Büro liefern, verabschiedete sich Lenka von ihrer Freundin und übergab ihr die noch zu erledigenden Aufgaben. Karen machte sich voller Eifer ans Werk.
Nach drei Stunden war sie auch damit fertig. Zwischendurch wurde sie von einigen wenigen Kunden unterbrochen, doch sie durfte ihre Ungeduld nicht zeigen. Sie war die Ansprechpartnerin für alle, die sich informieren oder eine Reise buchen wollten, sie war die, die immer freundlich war und allen Kunden ein Lächeln schenkte und ihre Wünsche anhörte und umsetzte.

Eine Stunde vor Ladenschluss hatte sie endlich Zeit, sich mit dem ominösen Klavierspieler zu befassen. Sie öffnete erst die Seite der Veranstaltung vom Vorabend und erfuhr seinen Namen: Roman Klingenbaum. Das war er also!
Sie suchte alle möglichen Seiten nach diesem Mann ab, fand jedoch nur wenige Einträge, meist waren es andere Konzertveranstaltungen, doch nie waren persönliche Informationen zu finden. Sorgsam notierte sie sich alles, was sie über diesen Mann fand, das war nicht viel. Wie konnte es sein, dass ein Musiker keine Informationen im Internet preisgab? Es war für Karen fast unvorstellbar. Doch damit war ihr Ehrgeiz geweckt, denn mit solch wenigen Informationen würde sie sich nicht zufriedengeben.

Nach Feierabend schloss sie alle Räume sorgfältig ab und verstaute den Zettel in ihrer persönlichen Schublade, die sie vorsorglich abschloss. Nachdem auch die Ladentür verriegelt war, lief sie zurück zur Haltestelle. Die Luft war warm und kündigte die heißen Sommertage an. Es tummelten sich schon relativ viele Touristen auf der Karlsbrücke, doch noch war keine Hochsaison. Nach wenigen Minuten kam die Bahn. Karen genoss es, dass sie nie lange auf einen Anschluss warten musste und selbst in der Nacht schnell und zuverlässig aus der Stadt nach Hause kam. Ein weiterer Vorteil gegenüber der Kleinstadt in Mitteldeutschland, wo sie mit dem Bus nur bis zehn Uhr zurückkam.

Karen stieg zwei Stationen eher aus und ging schnell noch zu einem der vielen Supermärkte. Von dort bis zu ihrer Wohnung war es nicht mehr weit, deshalb musste sie die schweren Tüten nicht so lang schleppen.
Sie öffnete die Tür und sah bereits Alexander, wie er das Abendbrot vorbereitete. Er stellte den kleinen Tisch aus der Stube auf den Balkon und deckte ihn ein, während Karen ihr Kostüm gegen bequeme Jogginghosen tauschte. Auch wenn sie gern solche Kostüme trug, gegen ein Paar gemütliche Hosen hatte sie nichts einzuwenden und gesellte sich zu Alex auf den kleinen Balkon, von wo sie einen Blick auf die Siedlung hatten. So konnte ein gemütlicher Feierabend beginnen …



Homepage: www.facebook.com/Eiskriim <http://www.facebook.com/Eiskriim>

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 108
ISBN: 978-3-95840-652-0
Erscheinungsdatum: 19.03.2018
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 14,90
EUR 8,99

Winter-Tipps