Prompts statt Plots schreiben Autor*innen mit Hilfe von ausgereiften KI Tools. Wie man mit KI für Autoren und Autorinnen ganze Bücher schreiben kann, verraten wir Ihnen in diesem Artikel.
»Meine Bücher wurden benutzt, um Künstliche Intelligenz zu trainieren«, empört sich Bestsellerautor Stephen King in einem Gastbeitrag für das Kulturmagazin The Atlantic, der inzwischen große Popularität erlangt hat. Denn Stephen King ist bei weitem nicht der einzige Autor, an dessen Werk sich Konzerne aus dem Silicon Valley bedient haben, um ihre Software zu trainieren. Der Wortschatz von ChatGPT und Co. basiert auf den Werken begnadeter Autor*innen wie Margaret Atwood, John Grisham, Dan Brown oder dem Hüter des Fantasythrons, George R. R. Martin. Selbst an der Magie von Harry Potter haben sich die Entwickler von künstlicher Intelligenz bereichert, um die Sprachmodelle ihrer Anwendungen zu optimieren. Ungefragt, versteht sich, weswegen Konzerne wie OpenAi und Meta sich aktuell mit engagierten Urheberrechtsklagen der geschädigten Autor*innen konfrontiert sehen.
In der Buchbranche etabliert sich der Einsatz von KI für Autoren und Autorinnen allerdings allmählich. Während sich die Bestsellerautor*innen dieser Welt vehement gegen die Ausbeutung ihrer Werke durch künstliche Intelligenz zur Wehr setzen, profitieren kleinere Schriftsteller*innen schon von ihr. Die japanische Autorin Rie Kudan etwa, die vor kurzem mit einem renommierten Literaturpreis bedacht wurde, gibt zu, fünf Prozent ihres Romans »Sympathy Tower Tokyo« mit Hilfe generativer Software geschrieben zu haben. Und auch Amazon sieht sich seit kurzem mit einer Flut neuer Bücher konfrontiert, die dem technischen Geist entspringen. Die Werke unterscheiden sich in ihrer Qualität allerdings erheblich. Amazon zum Beispiel hat erst vor kurzem eine Reihe fragwürdiger Werke aus seinem Shop genommen, die gänzlich mit künstlicher Feder geschrieben worden waren. Titel und Inhalt seien an Unsinn nicht zu überbieten gewesen, lauteten die Rezensionen entzauberter Leser*innen. Ganze Bücher schreiben kann die Künstliche Intelligenz also noch nicht. Noch bleibt Zeit, um in Kulturpessimismus zu verfallen. Vorausschauende Autor*innen sollten sich aber durchaus mit den Möglichkeiten des modernen Maschinenschreibens auseinandersetzen, denn es bleibt zu bezweifeln, dass sie wieder verschwinden wird.
Wo KI für Autoren und Autorinnen Sinn macht, verraten wir vom novum Verlag Ihnen in diesem Beitrag.
KI für Autoren und Autor*innen: Von diesen Tools wird Ihr Buch profitieren
Korrektorat und Lektorat
Die Korrekturprogramme gängiger Anwendungen wie Microsoft Word haben sich unter Autor*innen längst schon etabliert. Akribischer in Sachen Rechtschreibung und Grammatik arbeiten allerdings spezialisierte Programme wie Language Tool. Die KI überprüft aber nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Kommasetzung. Mit ihren Verbesserungsvorschlägen zu Stil und Wortwahl übernimmt sie mitunter auch die Aufgaben eines*einer aufmerksamen Lektor*in. Im Gegensatz zu klassischen Korrekturprogrammen versteht LanguageTool auch den Kontext eines Satzes und bringt entsprechende Verbesserungsvorschläge ein. Bei Bedarf bietet die Anwendung auch findige Um- und Neuformulierungen für bestehende Texte an. Autor*innen, die krampfhaft auf der Suche nach dem richtigen Wort sind, könnten hier eines finden.
Plotentwicklung
Mangelnde Kreativität kann man der Künstlichen Intelligenz nicht nachsagen. Die wohl bekannteste Anwendung, ChatGPT von OpenAI, hilft bei Schreibblockaden mit frischen Ideen auf die Sprünge. Wir haben getestet, wie nützlich sich das Tool beim Plotten erweist und haben ihm folgende Aufgabe gestellt: »Ich schreibe gerade ein Buch über die Liebesgeschichte von zwei Vampiren. Hast du eine Idee, wie ich dem Plot einen interessanten Twist verleihen kann?« Folgende Vorschläge hat ChatGPT unter vielen geliefert:
- Die beiden Vampirliebenden stammen aus rivalisierenden Clans oder Familien, deren uralter Konflikt ihre Beziehung verbietet.
- Die Liebenden entdecken, dass sie nicht die sind, für die sie sich halten, und ihre Liebe wird auf die Probe gestellt.
- Ein lange verloren geglaubter Verwandter taucht auf und stellt die Beziehung der Liebenden auf die Probe.
- Die Liebenden geraten in einen moralischen Konflikt, als sie zwischen ihrer Liebe und ihren ethischen Prinzipien wählen müssen.
Sollten Ihnen die Ideen beim Schreiben ausgehen, so liefert die künstliche Intelligenz zuverlässigen Nachschub. Wie Sie geniale Plot Twists aus der Kraft Ihrer eigenen Gedanken schreiben, verraten wir Ihnen außerdem in diesem Artikel.
Recherche
Selbst Skeptiker*innen können die Recherchekompetenz der KI nicht leugnen. Die Suche nach Informationen erweist sich mit ChatGPT und Co. als erstaunlich effizient. Die Suchergebnisse von Google sind bei weitem nicht so treffsicher, weil die Suchphrasen und –vorgaben weniger spezifisch eingegeben werden können. Vor allem Nischenthemen, die im Internet noch nicht oft behandelt wurden, lassen sich mit Hilfe der künstlichen Intelligenz ergründen. Jedoch ist bei der Recherche auch Vorsicht geboten. Chat GPT-3, jene Version des beliebten Programms, die noch kostenlos ist, kann nur auf Informationen zugreifen, die vor dem September des Jahres 2021 publiziert wurden. Aktuelle Daten lassen sich mit der kostenlosen Version also nicht auslesen. Darüber hinaus neigt das Tool zu einer sehr freimütigen Fantasie. Mitunter werden falsche oder sogar erfundene Antworten ausgespielt, die Ergebnisse sollten also auf jeden Fall noch einmal auf eigene Faust überprüft werden.
Vor allem Sachbuchautor*innen, die sehr sensible Themen behandeln, sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Erst letztes Jahr tauchten etwa Pilzratgeber auf Amazon auf, die mit künstlicher Intelligenz generiert worden waren und zum Teil lebensgefährliche Tipps enthielten. Für erste Denkanstöße ist ChatGPT aber eine durchaus wertvolle KI für Autoren und Autorinnen.
Buchtitel finden
Bei der Suche nach einem originellen Buchtitel mussten Autor*innen schon immer kreativ werden. Textgeneratoren waren schon vor Jahrzehnten eine beliebte Spielerei, um Buchtitel, Bandnamen oder Pseudonyme zu generieren. Chatbots sind hier natürlich noch kreativere Sparringpartner, da zum Teil ganze Textdokumente auf die Plattformen geladen werden können, um einen passenden Titel zu generieren. Der Inhalt des Werkstücks wird bei der suche nach seiner Überschrift also viel stärker berücksichtigt. Doch auch schon mit kurzen Befehlen, sogenannten Prompts, lässt sich die Künstliche Intelligenz Kreatives entlocken. Wir vom novum Verlag haben als Beispiel nach einem originellen Buchtitel für ein Buch über Schnecken in Irland gesucht. Folgende Ergebnisse konnte Google Gemini liefern:
- »Smaragdgrüne Schleimer: Eine Reise durch die Welt der irischen Schnecken«
- »Die irische Schneckenpost: Langsame Botschaften auf leisen Sohlen«
- »Schneckentempo auf der Grünen Insel: Unterwegs mit irlands gemächlichen Weichtieren«
- »Wo die Schnecken langsam schwitzen: Eine gemütliche Entdeckungsreise durch Irland«
Bei diesen durchaus unterhaltsamen Titeln handelt es sich nur um einen Auszug aus den Ergebnissen. Je nach Spezifikationen wurden noch weit mehr Titelideen geliefert. Das Beispiel beweist außerdem, dass der Einsatz von KI durchaus auch Spaß machen kann.
Exposé schreiben
Auch ein aussagekräftiges Exposé oder ein Klappentext lässt sich mit Hilfe von Chatbots schnell erstellen. Autor*innen, die ihr Werk kompakt und knackig zusammenfassen müssen, stehen oft vor dem Problem, dass sie nicht genug Distanz zu ihrem Werk wahren und Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden können. Dieses Problem umgeht die Künstliche Intelligenz mit mechanischer Neutralität und liefert ihnen in wenigen Sekunden einen pointierten Textvorschlag.
Tipps für einen ansprechenden Klappentext zeigen wir Ihnen auch in diesem Video:
Covergestaltung und Illustrationen
Mit dem KI Bildgenerator von OpenAI, Dall-E, ist es so einfach wie noch nie ein Buchcover oder Bildgeschichten zu gestalten. Zuerst vermittelt man der Anwendung, worum es in dem Buch geht und wie das Cover aussehen soll. Dall-E erstellt im nächsten Schritt konkrete Bildvorschläge. Die ersten Ergebnisse sind in den meisten Fällen nur eine Annäherung an das Endprodukt und müssen durch entsprechende Prompts nach und nach verfeinert werden. Nach einigen Durchläufen aber liegen durchaus visuell ansprechende Ergebnisse vor. Dennoch neigt auch das kostenpflichtige Tool Dall-E zu Fehlern, die erst auf den zweiten Blick erkennbar werden. Daher sollte man bei der Covergestaltung auf professionelle Grafiker*innen und Illustrator*innen nicht verzichten und die Bildgeneratoren nur als Unterstützung betrachten. Wir vom novum Verlag stellen Ihnen im Verlauf der Veröffentlichung Ihre*n individuelle*n Grafiker*in zur Verwirklichung Ihres Traumcovers zur Verfügung.
Hörbücher vertonen
Mit Anwendungen wie Elevenlabs, Lovo oder Synthesis lassen sich inzwischen sogar ganze Hörbücher vertonen. Zwar sind die Plattformen in Sachen Intonation und Betonung durchaus noch ausbaufähig, aber für die Vertonung einzelner Szenen oder Textpassagen für Werbezwecke bieten sich die Tools schon an.
Stehen Sie dem Einsatz von technischen Tools noch skeptisch gegenüber oder konnte Sie die künstliche Intelligenz in Ihrem Schreibprozess schon unterstützen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns in den Kommentaren.
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