Fasten ist mehr als Verzicht und Selbstdisziplin. In seinem neuen Buch führt Autor Andreas Meier in die Welt des Fastens als ganzheitliches Wohlfühlprogramm für Körper und Geist ein.
»Fasten dient nicht der Gewichtsabnahme. Fasten dient zum Kennenlernen des eigenen Körpers und des eigenen Geistes.« In seinem Buch, »393 TAGE FASTEN. Eine Entdeckungsreise für Körper und Geist« führt uns Autor Andreas Meier in die holistische Welt des Fastens ein. Denn Fasten , so ist der emeritierte Professor überzeugt, ist mehr als Verzicht und Askese. Auf lange Sicht lassen sich durch das Fasten Klarheit gewinnen, Achtsamkeit praktizieren und Veränderungsprozesse anregen.
Andreas Meier verzichtet selbst seit vierzig Jahren jedes Jahr für einen Zeitraum von mehreren Tagen auf feste Nahrung. In dieser Zeit hat er bemerkenswerte Beobachtungen an Körper und Geist gemacht, die er in seinem Buch beschreibt und dokumentiert. Den Sinn des Fastens erklärt er sowohl auf einer theoretischen als auch auf einer persönlichen Ebene – denn Fasten ist vor allem eine persönliche Erfahrung, eine Auseinandersetzung mit sich selbst, wie wir in dem Buch erfahren. Ergänzt um Praxistipps für alle Phasen des Fastens sowie wertvolle Einblicke in die Bereiche Ernährung, Körper und Geist, ist das Werk der perfekte Begleiter für eine achtsame Fastenzeit, die mehr ist als nur Routine: Eine Entdeckungsreise zum Ich.
Autoreninterview mit Andreas Meier
Im Westen wird der Begriff des Fastens traditionell mit der vierzigtägigen Fastenzeit der römisch-katholischen Kirche verbunden. Inwiefern unterscheidet sich Ihr Ansatz von der religiösen Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch einsetzt?
Für mich ist Fasten unabhängig von Religion oder Weltanschauung. Wichtig für mich sind Erfahrungen und Gefühle, die ich beim Verzicht auf feste Nahrung erlebe.
Der Untertitel zu Ihrem Buch lautet »Eine Entdeckungsreise für Körper und Geist«. Warum ist Fasten für Sie mehr als nur eine Kur für den Körper?
Im Gegensatz zur asiatischen Philosophie glauben wir in den westlichen Ländern, dass Körper und Geist keine Einheit bilden. Meine Erfahrung ist eine andere.
In Ihrem Buch beschreiben Sie, wie viel leichter es Ihnen fiel, nach der Fastenzeit Prioritäten zu setzen und im richtigen Moment »Nein« zu sagen. Lassen sich durch das Fasten Verhaltensänderungen bewirken?
Ja, klar! Ich behaupte sogar, dass diese Perspektive einer der Hauptgründe ist, weshalb ich seit 1986 jedes Jahr regelmäßig faste. Wir alle wissen, dass Verhaltensänderungen etwas Schwieriges sind. Dazu braucht es Reflexion: Welches eigene Verhalten – nicht das der Anderen – stört mich? Weshalb? Was könnte ich dagegen unternehmen? Kann und will ich meinem Unwohlsein mit Maßnahmen begegnen? Finde ich realistische Teilschritte? Bin ich bereit, ein konkretes Jahresziel für die geplante Verhaltensänderung in Schriftform festzulegen? Unterziehe ich mich einem regelmäßigen Controlling? In Kürze: If it’s important to you – Just Do It!
»Man kann nur in einer Fastenzeit erfahren, über welch empfindliche Sinnesorgane ein Mensch verfügt«, schreiben Sie in Ihrem Buch. Wie ist das zu verstehen?
Hier hat sich für mich vor bald vierzig Jahren eine neue Welt eröffnet. Wenn man mehrere Tage ohne feste Nahrung fastet, arbeitet der Körper früher oder später auf Sparflamme. Da keine Verdauung stattfindet, spart man zwar ein Drittel seiner eigenen Energie ein, aber der Alltag (Gehen, Denken, Handeln) kostet nach wie vor Energie. Man ist also gezwungen, sein übliches Tempo runterzufahren und mit Körper und Geist achtsam umzugehen. Und dann passiert es: Die Sinne – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken oder Tasten – kriegen einen neuen Twist. Wow! Weshalb sehe ich jetzt plötzlich Pflanzen und Kleintiere am Waldrand, die mir die Schönheit des Lebens aufzeigen? Oder wow: Weshalb rieche ich jetzt plötzlich Düfte, die ich in der Hektik des Alltags nie wahrnehme? Im besten Fall sinniere ich dank dieser Wahrnehmungen plötzlich intensiver über mich selbst, meine Mitmenschen, mein Leben.
Sie selbst verzichten jedes Jahr elf Tage auf feste Nahrung. Wie lässt sich ein so konsequentes Fastenprogramm mit den Anforderungen des Alltags vereinen?
Da staune ich selbst immer wieder über mich selbst! Viele Ratgeber über Gesundheit oder Fasten empfehlen, sich für eine Woche in eine Wohlfühloase mit Gleichgesinnten zu begeben inklusive Gespräche mit Leidensgenoss*innen, gruppendynamischen Programmen und ärztlicher Betreuung. Ich wollte fürs Fasten nicht meine Familie verlassen, der Arbeit fernbleiben oder mich in ein Schneckenhaus zurückziehen. Oh Wunder: Bis jetzt habe ich das bestens überlebt, heute natürlich als Pensionär mit all den dazugehörenden Aufgaben und Privilegien;-)
Viele Menschen wollen fasten, scheuen aber Begleiterscheinungen wie Hunger oder Schwierigkeiten mit Konzentration und Energiehaushalt. Wie kann man sich mental auf die Fastenzeit vorbereiten?
Viele Erdenbewohner*innen und Kinder leiden an Hunger. Leider ist das so, denn Kriege, Umweltzerstörungen und Naturkatastrophen sind schwierig einzudämmen. Bei uns in den westlichen Wohlstandsgesellschaften behaupte ich jedoch: Fasten ist nicht Hungern! Fasten ist freiwilliger Verzicht auf feste Nahrung für eine bestimmte Zeit. Klar, der Energiehaushalt wird zurückgefahren, denn dies ist eine menschliche Überlebensstrategie, die wir während unserer Evolution aus Bequemlichkeit und teilweise aus Angst mehr und mehr verlieren. Wir unterschätzen massiv die Energien und Freuden, wenn wir uns regelmäßig aufs Fasten einlassen. Heute und jetzt stelle ich für mich fest: FASTEN IST EIN MUSS FüR MICH geworden und die Vorbereitung auf die nächste Fastenzeit beginnt immer im HEUTE und JETZT!
Zurzeit gibt es einen großen Trend zum sogenannten Saftfasten. Verschiedene Anbieter werben mit einfacher und schneller Saftdiät für Vielbeschäftigte und versorgen ihre Kund*innen mit entsprechenden Paketen. Wie stehen Sie zu diesem Trend?
Dazu verfüge ich über keine Erfahrung. Der einzige Saft, den ich kaufe, ist Holundersirup und während meiner Fastentage trinke ich jeweils am Morgen ein Glas heißen Holundersirup und Grüntee. Meine Frau und ich verfügen über ein großes Arsenal von Grüntee aus Japan, China und Neuseeland. Zudem pflege ich im Gewürz- und Pflanzgarten neben anderen Heilpflanzen auch Goldmelisse (Indianernessel), Eisenkraut oder Herba Luisa, die sich als köstliche Tees für Sommer und Winter eignen.
In Ihrem Buch beschreiben Sie zahlreiche positive Effekte des Fastens. Welche drei positiven Auswirkungen hat das Fasten auf Ihr Leben?
Gelassenheit, Gesundheit und Lebensfreude;
Die Vorteile des Fastens sind nicht von der Hand zu weisen. Wie können wir die Philosophie des Fastens in unser tägliches Leben integrieren?
Neben meiner elftägigen Fastenzeit pro Jahr streue ich immer wieder Intervallfastentage nach der Regel 16/8 ein (sechzehn Stunden pro Tag ohne Aufnahme fester Nahrung). Ich brauche nicht auf die Waage zu steigen: Sobald mir mein Körpergefühl ein Gewicht über 70 kg signalisiert, ändere ich leicht mein Verhalten, bis ich mich wieder in meiner gewohnten Komfortzone von 68 bis 70 kg befinde (Körpergröße 178 cm).
Ihr Buch »393 TAGE FASTEN. Eine Entdeckungsreise für Körper und Geist« ist im novum Verlag erschienen. Warum haben Sie sich für diesen Verlag zur Veröffentlichung Ihres Werks entschieden?
Hier mache ich ein dickes Kompliment an den novum Verlag: Im Jahr 2022 konnte ich nach meiner Emeritierung an der Université de Fribourg in der Schweiz ohne Wenn und Aber meine Kurzgeschichte »mutus wah wah slam« beim novum Verlag publizieren! Ich habe über fünfzig Jahre in der Informatik geforscht und wollte das Image des Nerds und Hackers mutus aufwerten, der das Luxemburgerli Rezept von Chocolatier Sprüngli in Zürich knackt und den Chinesen verscherbelt. Übrigens: In seiner Freizeit stanzt mutus Maschinen-, Symbol- und Primzahlgedichte aus seinem Computer;-)
Welche Erfahrungen mit dem novum Verlag haben Sie gemacht und welche schönen Momente im Publikationsprozess sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
Der novum Verlag ist für alle offen! Die Betreuung ist vorbildlich! Das Lektorat ist outstanding! Und der Produktionsprozess wird Schritt für Schritt mit der Autorin oder dem Autor transparent umgesetzt! Was will man mehr?
Ihr beruflicher sowie persönlicher Werdegang ist bemerkenswert und spricht für viel Lebenserfahrung. Dürfen wir uns auf ein weiteres Werk aus Ihrer Feder freuen, das von Ihrem Erfahrungsschatz profitiert?
Seit meiner Emeritierung mit 67 Jahren im Jahr 2018 pflege ich neben meiner Familie nur noch Hobbies, die mir Spaß bereiten. So konnte ich im 2022 meinen mutus in Deutsch veröffentlichen, 2023 folgte mein mutus in puter (ein rhätoromanisches Idiom) sowie mein Fachbuch über 393 Tage Fasten.
Zudem habe ich in zwei Anthologien beim novum Verlag veröffentlicht, nämlich »stehestehestele – epigramme für turmbauten, vogelwarten & lautsprecher« in »novum #13, Volume 2« und »stele_stand_up_and_speak_up – epigrams for vocal songs, foreign camps, and symbolic places« in »novum #14, Volume 2«.
Noch etwas Persönliches zum Schluss: Der Erfolg des novum Verlags beruht auf all den guten Geistern für Betreuung, Lektorat, Produktion und Marketing, die sich unermüdlich für den Erfolg von Autorinnen und Autoren einsetzen. Deshalb: merci beaucoup;-)
Vielen Dank für das Gespräch!
Über den Autor
Andreas Meier studierte Musik an der Akademie in Wien und Mathematik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Er forschte im Silicon Valley in Kalifornien, bevor er eine Professur für E-Business & E-Government an der Université de Fribourg in der Schweiz annahm und sich über Jahre in Vietnam und Ecuador den Themen der digitalen Gesellschaft zuwandte.
Über das Buch
Was es mit der Zahl 393 auf sich hat, verrät uns der Autor erst ganz am Ende des Buches. Er nimmt uns mit in seine persönlichen Fastenerfahrungen, seine sportlichen und beruflichen Aktivitäten sowie seine philosophisch-mathematischen Gedankenreisen.
»393 TAGE FASTEN. Eine Entdeckungsreise für Körper und Geist«
Andreas Meier
118 Seiten
ISBN: 978-3-99146-069-5
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