Geschichten lesen und gewinnen! Lesen Sie die Weihnachtsgeschichte von der magischen Zaubernuss und gewinnen Sie ein Buchpaket aus unserem Verlag!
Auch dieses Jahr wieder haben wir vom novum Verlag bezaubernde Weihnachtsgeschichten unserer Community gesucht. Gefunden haben wir sie bei unseren beiden Gastautor*innen Christina Gschwendtner und Philo Harmening, die uns beide in ihren Geschichten zu einem Ausflug voll der Weihnachtswunder entführen.
Zu Weihnachten wollen wir Ihnen ein ganz besonderes Geschenk machen und die Geschichten nicht nur mit Ihnen teilen, sondern auch noch ein Gewinnspiel in ihnen verpacken. Um ein Buchpaket aus unserem Verlag bestehend aus 1 × 2 Büchern zu gewinnen, lesen Sie die Geschichte von Christina Gschwendtner aufmerksam bis zur letzten Zeile, wo die Details unseres Weihnachtsgewinnspiels auf Sie warten.
Wir vom novum Verlag wünschen Ihnen und Ihren Liebsten besinnliche Feiertage und ein frohes Fest!
»Ernies zauberhafter Wunschwald. Was knackt denn da im Winterwald?«, von Christina Gschwendtner
Flink huscht Eichhörnchen Ernie mit wachsamen Augen von Ast zu Ast. Noch vier Nüsse hat er zu verstecken. Dann ist sein Vorrat für den bevorstehenden Winter ausreichend. Das braunschwarze Eichhörnchen muss sich beeilen, der erste Schnee ist schon gefallen. Zum Glück hat Ernie schon seine warmen Wintersocken und Ohrenschützer an. In der kalten Jahreszeit wachsen Eichhörnchen nämlich Puscheln an den Ohren und zusätzliche Haare auf den Fußsohlen. »Wo wäre ein gutes Versteck?«, denkt Ernie, klettert im Nu auf den höchsten Baumwipfel und lässt seinen Blick rundum schweifen. Ernie kennt den Wald wie seine eigene Westentasche. Doch schneebedeckt sehen die Wege, Bäume und Sträucher so anders aus. Neben dem kleinen Bach, bei der zarten Buche, hinter dem Holzstoß und direkt unter der knarrenden Bank vergräbt Ernie seine vier Nüsse. »Geschafft! Diese Verstecke werde ich mir mit Sicherheit merken.« Zufrieden macht sich das Eichhörnchen auf den Weg in seinen gemütlichen Kobel, um eine Runde zu schlafen. »Heuer ist mein Nest besonders gemütlich«, freut sich Ernie, als er sich müde in das weiche Moos kuschelt.
Auch Füchslein Fridolin ist vom Spielen im Schnee schon etwas müde. Doch an Winterruhe ist bei Familie Fuchs nicht zu denken. Vor allem während der Dämmerung, wenn es draußen langsam dunkel wird, fallen dem kleinen Fuchs im verschneiten Winterwald besonders viele lustige Spiele ein. Aufgeregt jagt Fridolin den Schneeflocken hinterher. Doch was ist das? Grelle Lichter blitzen durch den Wald. Und woher kommt das laute Brummen? Ängstlich versteckt sich Fridolin schutzsuchend hinter seiner Mama. »Das sind nur die Scheinwerfer der Autos der Menschen«, versucht Mama Fuchs ihren Sohn zu beruhigen. »Hinter den Buchen beginnt die Stadt mit ihren Straßen und Autos.« Fridolin zittert. »Ich möchte nachhause«, sagt er. Zurück im dunklen Fuchsbau fühlt er sich sicher. Jetzt fällt ihm auch sein Weihnachtswunsch ein, nach dem ihn seine Mama vor ein paar Tagen gefragt hat. Denn schon bald ist Weihnachten, und jedes Tier im Wald darf sich etwas wünschen. Es ist Fridolins erstes Weihnachten und vielleicht hat er Glück und er findet eine der Zaubernüsse im Wald. Denn jeder Waldbewohner weiß: Zu Weihnachten stecken geheimnisvolle Zaubernüsse unter der Schneedecke. Wer eine von ihnen knackt, bekommt seinen Wunsch erfüllt. »Ich wünsche mir am Weihnachtsabend einen ruhigen, friedlichen Wald ohne furchterregende Lichtblitze und laute Geräusche«, denkt sich der kleine Fuchs, während es sich müde zusammenrollt und den Kopf auf seine kleinen Pfoten legt.
Igel Ivo sollte auch schon längst schlafen, aber diesen Herbst hat der Igel viel länger als sonst gebraucht, um sich sein Schlafplätzchen für den Winter herzurichten. »Der viele Müll zwischen den Blättern hat mich ganz schön aufgehalten«, denkt sich der Igel, während er noch nach Reisig für sein Winterquartier Ausschau hält. Der unerwartete Schnee erschwert ihm die Suche. Plötzlich sieht Ivo etwas rundes Braunes unter der Schneedecke hervorblitzen. »Schon wieder Müll?«, ist sein erster Gedanke. Nein, es ist eine Nuss! »Wie schön!«, freut sich der Igel. Nüsse schmecken ihm zwar nicht, aber diese Nuss glitzert im Schnee besonders schön. »Ob das eine magische Zaubernuss ist, von der alle Tiere im Wald zur Weihnachtszeit sprechen?«, überlegt sich der Igel. Einen wichtigen Wunsch hätte er auf jeden Fall auf dem Herzen: keinen Müll mehr am Waldboden. Letzten Herbst hat sich Ivo sogar an einer Getränkedose geschnitten. Das tat ziemlich weh. Eifrig rollt der kleine Igel die Nuss in sein Nest, polstert seinen Schlafplatz noch ordentlich mit Reisig aus, schließt seine Augen und träumt von der Zaubernuss. Weihnachten wird er wohl verschlafen, aber vielleicht geht sein Weihnachtswunsch ja trotzdem in Erfüllung.
Während Igel Ivo friedlich schlummert, wacht Eichhörnchen Ernie mit knurrendem Magen auf. »Zeit für eine köstliche Nuss«, meint Ernie und macht sich auf den Weg zu einem seiner 10.000 Verstecke. Ja, so viele Nüsse hat das fleißige Eichhörnchen im Herbst vergraben. Verständlicherweise kann sich Ernie nicht alle Orte merken. So sehr er sich auch anstrengt und nachdenkt – das ein oder andere Versteck wird ihm beim besten Willen nicht mehr einfallen. Aber das macht dem Eichhörnchen nichts aus. Denn Ernie weiß, dass sich diese Nüsse zur Weihnachtszeit in magische Zaubernüsse verwandeln. Das haben ihm die Waldtiere erzählt. Denn jedes Tier, dessen Weihnachtswunsch erfüllt wurde, hat vorher eine von Ernies versteckten Nüssen gefunden. Hungrig macht sich das Eichhörnchen auf den Weg zum Bach. Dieses Versteck hat sich Ernie besonders gut gemerkt.
Aus der Ferne sieht er am Ufer Bibervater Berti beim eifrigen Hantieren mit schweren Ästen. Ernie weiß, dass der Wintervorrat bei Familie Biber aus Rinden besteht. »Mir schmecken Nüsse besser«, murmelt Ernie vor sich hin. Bibervater Berti schleppt alle gesammelten Äste bis zum Baueingang unter Wasser. Familie Biber hatte es im letzten Jahr nicht leicht. Große Teile der linken Uferseite mussten für einen Spazierweg weichen, und so blieb der Biberfamilie nichts anderes übrig als umzuziehen und sich einen neuen Platz für ihre Biberburg zu suchen. »Auch wenn ich ein richtig guter Baumeister bin: Dieses geräumige und vor allem winterfeste Zuhause soll diesmal für immer sein«, wünscht sich Berti, während er sich den nächsten Ast vornimmt. Plötzlich kullert ihm eine Nuss vor die kräftigen Hinterfüße. Ernie kennt Bertis Weihnachtswunsch nur zu gut. Entschlossen huscht das Eichhörnchen davon. »Mein Nussvorrat ist so groß, Berti braucht diese Nuss dringender als ich.« Kurz bevor Ernie in den Wipfeln der Bäume verschwindet, dreht sich das Eichhörnchen noch einmal um und sieht, wie der Bibervater mit seinen spitzen Zähnen die Nuss knackt. »Sein Wunsch wird bestimmt in Erfüllung gehen», ist sich Ernie sicher.
»Juhuu, endlich ist der 24. Dezember!«, ruft die siebenjährige Lina übermütig und läuft vor ihren Großeltern den verschneiten Waldweg entlang. Heute Nachmittag darf sie nicht zu Hause sein, denn nur so kann das Christkind ungestört alles vorbereiten.
»Wie schön der Wald in der Wintersonne glitzert. Lasst uns einen Schneemann bauen«, ruft Lina ihrer Oma und ihrem Opa zu. Gut gelaunt machen sich die drei ans Werk. Doch Schneemann bauen kann ziemlich anstrengend sein. Oma gönnt sich eine kurze Verschnaufpause auf der Bank. »Hier ist ja noch besonders viel frischer Schnee«, meint Lina und kriecht unter die Bank. Sie buddelt und buddelt. »Schaut mal, ich habe eine Nuss gefunden!«, ruft Lina plötzlich. »Die hat wohl ein fleißiges Eichhörnchen versteckt«, meint Oma. »Vielleicht war es Ernie, und ich habe eine seiner Zaubernüsse gefunden?«, fragt Lina aufgeregt. Jedes Jahr zu Weihnachten erzählt Linas Oma ihr die Geschichte von Ernies Wunschwald. Das ist Linas Lieblingsweihnachtsmärchen. Vor allem die Stelle, an der das kleine Mädchen die allerletzte Nuss des Jahres findet. Denn diese Nuss hält eine ganz besondere Magie parat. »Hast du denn einen speziellen Wunsch?«, reißt Linas Oma das Mädchen aus seinen Gedanken. »Ja, den habe ich. Bei meiner Schule wurde ein großer, alter Nussbaum gefällt. Damit es mehr Parkplätze gibt, hat mir Mama erklärt. Ach Oma, der Baum war so schön und im Herbst habe ich dort immer die Nüsse für dich gesammelt, für deinen Nusskuchen.« »Oh ja deine Nüsse haben immer besonders gut geschmeckt. Das mit dem Baum wusste ich gar nicht«, sagt Oma nachdenklich und auch etwas traurig. »Ich wünsche mir einen neuen Baum, damit du weiterhin die besten Nüsse für deinen Kuchen bekommst«, sagt Lina entschlossen, befreit die Nuss vom restlichen Schnee und steckt sie tief in ihre Jackentasche. »Das ist ein schöner Wunsch«, meint Oma. »Helfen wir Opa mit dem Schneemann und dann lass uns nach Hause gehen. Das Christkind war bestimmt schon da.« »Und heute Abend knacken wir alle gemeinsam die Zaubernuss«, so Lina.
Im Winterwald wird es langsam dämmrig. Der kleine Fuchs stapft mit seiner Mama voller Vorfreude durch den Schnee. Heute ist Heiligabend, ein ganz besonderer Abend. Es ist so ruhig, dass Fridolin nur den leisen Wind zwischen den Bäumen und das Knirschen des Schnees unter seinen Pfoten hört. Kein einziges Auto ist zu hören. Genau so hat er sich den Weihnachtsabend im Wald vorgestellt. Was das Füchslein nicht weiß: Die Straße beim Wald wurde wegen des vielen Schnees gesperrt. »Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen«, jubelt Fridolin seiner Mama zu. Ob auch Bertis und Ivos Weihnachtswünsche in Erfüllung gehen werden, wird der Frühling zeigen. Dann wird vielleicht auch Lina die ersten Triebe ihres neuen Nussbaumes sehen. Denn bei Ernies zahlreichen Verstecken, bleiben bestimmt ein paar Nüsse unentdeckt. Aus ihnen wird wieder der ein oder andere Nussbaum wachsen können. Ein Nussbaum, der an einem der kommenden Weihnachten bestimmt wieder so manch magische Zaubernuss für wichtige Weihnachtswünsche hervorbringen wird.
Gewinnspiel
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»Die Magie der kleinen Dinge«, von Philo Harmening
Nicht immer, aber manchmal ist es die Entscheidung dazu, einmal durchzuatmen und auf die kleinen Dinge zu achten, die unseren Alltag zu einem vollkommen anderen machen kann. All das, was uns sonst gar nicht auffällt, oder sogar viel mehr stört, als dass wir darin eine Schönheit erkennen können. Wenn wir die doppelte Zeit brauchen, um unser Ziel zu erreichen, weil der Schnee zum Verkehrschaos führt; wenn wir uns durch dichte Menschenmassen drängen müssen, um Geschenke zu kaufen, oder zur Glühweinbude zu gelangen; wenn wir aufräumen, kochen und dekorieren müssen, um unsere Gäste zu empfangen, denen wir dann womöglich auch noch gerecht werden müssen; Oder vielleicht ist es auch einfach nur, dass uns diese vermeintliche Besinnlichkeit und Liebe, neben dem alltäglichen Stress und Chaos so paradox erscheinen. Dabei würde es so viel besser tun, wenn wir all das einfach abschalten könnten. Wenn wir einfach nur im Jetzt bleiben und das genießen könnten, was da ist. Einfach Knips und aus.
Als ich die Augen öffnete, war es still und warm. Ich atmete einmal tief durch und drehte dann den Kopf zum Fenster. Glitzern. Endlich Schnee. Voller Freude setze ich mich so auf, dass ich einen guten Blick über die Häuserdächer hatte. Zwischen den weißen, glänzenden Schneewölkchen stieg fast unsichtbar graue Wärme aus den Schornsteinen empor. Hier und da fiel etwas Schnee von den Dächern und landete in kleinen Haufen auf der ebenfalls weißen Straße. Vereinzelt konnte ich an den nahestehenden Häusern strahlende Gesichter erkennen. Kinder, kaum Erwachsene. In der Ferne wurde Schnee geschippt. Die Nachbarskinder waren, den Schlitten im Schlepptau, auf dem Weg zum nächstgelegenen Hügel. Langsam schwebten kleine glitzernde Kristalle an meinem Fenster vorbei. Immer mehr und immer dicker wurden sie: weiße Sterne, in denen sich das zaghafte Sonnenlicht spiegelte. Nach kurzer Zeit nahm die Menge an Schneeflocken fast die Sicht zum Himmel. Alles weiß und flockig. Als wäre die Welt an Weihnachten in Wolken gekleidet. Während das Draußen immer kälter bedeckt wurde, wärmte mich ein nun immer deutlicher werdender Geruch: Plätzchen. Ein so schwer zu beschreibendes Aroma, das mir doch so vertraut war; Zimt, Anis und Vanille, gemischt mit Teiggeruch und der Wärme des Ofens. Ein Geruch, dem wohl kaum ein Mensch widerstehen konnte. Und so folgte auch ich ihm, bis in die Küche. Ich spürte noch die Wärme des Blechs, auf dem sie darauf warteten, gegessen zu werden und ich sah die Arbeit und Liebe, die in diese Meisterwerke gesteckt worden war. Ausgestochen und verziert, mit kleinen Perlen und vielen Farben. Ganz besonders rot, weiß und grün, damit auch niemand vergaß, dass es Weihnachten war. Lebkuchenmännchen, mit dicken schwarzen Knöpfen, Rentiere mit roten runden Nasen und Zuckerstangen, rotweiß gestreift. Es war fast so, als könnte ich die Weihnachtslieder hören, zu denen sie geknetet, gestaltet und gebacken worden waren. Der dicke Schneemann, mit weißem Zuckerguss, grünem Schal, roter Karottennase und schwarzem Hut, war noch wohlig warm, als ich ihn in die Hände nahm. Er krümelte etwas, doch schmeckte genauso, wie er roch und genauso, wie ich es in Erinnerung hatte vom letzten Jahr und von all den Jahren zuvor. So, als wäre an Weihnachten einfach die Zeit zurückgedreht, so als wäre kein einziges Jahr vergangen und ich immer noch das kleine Kind, das voller Vorfreude auf den Weihnachtsmann wartete. Und genauso war da dieses Lächeln von der anderen Seite der Küchentheke, das mich vollkommen zuhause fühlen ließ, auch wenn das hier schon lange nicht mehr der Ort war, an dem ich wohnte.
Dick eingepackt, fast schon zu warm, war der erste Luftzug aus der Kälte angenehm. Knirschend sank mein Stiefel in den weichen Schnee. Ganz langsam sank ich noch ein Stück tiefer, als ich auch den anderen Fuß in den Schnee setzte. Die Tür schloss und ich war umgeben von kalter Luft. Jedes Ausatmen war sichtbar. Nicht nur der Schnee knirschte unter mir, auch meine Jacke machte bei jeder meiner Bewegungen dieses schmirgelnde Geräusch. Ich blieb stehen, hielt kurz inne und sah hinauf. Der Himmel war mittlerweile blau, die Sonne war ein wenig zu sehen und die Wolken zogen kaum bemerkbar vorbei. So unbeschwert und sanft, jetzt, da all der Schnee zu uns hinabgeschwebt war. Dabei war es kaum vorstellbar, dass so wunderschöner, flockiger Schnee grauen, schweren Wolken entspringen konnte. Alles glitzerte so schön und ließ diesen Weihnachtstag so hell und freundlich erscheinen, wie ich ihn als Kind auch ohne Schnee wahrgenommen hatte. Hier und da vernahm ich einen Vogel, oder ein in der Ferne vorbeifahrendes Auto, ein paar Menschen, die sich unterhielten, doch alles in allem kam dieser Moment der vollkommenen Stille so nahe, wie ich mich kaum erinnern konnte es je erlebt zu haben. Manchmal musste ich vielleicht einfach genauer hinhören, um die Stille wahrnehmen zu können, meinen Blick mehr nach außen richten, oder die Stille auch in mir finden.
Angelockt von meinem reglosen Dastehen sprang plötzlich ein Eichhörnchen den Zaun entlang. Sein rotes Fell bildete einen so starken Kontrast zum Schnee, dass man es vermutlich auch aus weiter Entfernung hätte ausmachen können. Zwischen schnellen Bewegungen machte es immer wieder halt, sah sich fast reglos um, abwartend, ob eine Gefahr lauerte. Ich wollte ihm zurufen, dass es keine Angst haben brauchte, dass es ruhig zu mir kommen konnte, doch ich blieb still und beobachtete das kleine Tier, wie es zwischen Geschwindigkeit und Ausharren wechselte, wie seine schwarzen Augen es unmöglich machten, zu bestimmen ob es mich gerade im Blick hatte und wie es sich hin und wieder aufstellte, die kleinen Ärmchen vor dem schneeweißen Bauch. Und so schnell wie es aufgetaucht war, war es auch wieder verschwunden. Ich harrte noch etwas aus, stand einfach da und beobachtete meine Umgebung, den Schnee, die Regungslosigkeit der Dinge und die Stille an diesem wunderschönen Tag. Es war fast so, als ginge ich nahtlos in diese Landschaft über, als wäre auch ich hier verwurzelt, wie einer der kahlen Bäume oder eines der Häuser, das so viel Wärme ausstrahlte, dass der Schnee mit direktem Kontakt bereits am Schmelzen war. Dann, als hätte ich mich plötzlich wieder daran erinnert, dass ich ein Mensch und kein regloses Wesen bin, machte ich einen Satz und sprang in einen großen Haufen Schnee. Ich fiel dabei fast zur Seite, als der Schnee unkontrolliert nachgab und mich knirschend bis knapp über die Knöchel einsinken ließ. Und dann war da plötzlich dieses riesige Grinsen in meinem Gesicht.
Heißer Dampf stieg auf und verbreitete noch eindrücklicher den warmen Geruch vom Kakao, der meine Hände wärmte. Irgendwo spielte Weihnachtsmusik, die vom Rauschen der Menschen unterlegt wurde. Die Wärme der Tasse ließ meine Finger auftauen. Und mit jedem Schluck warmer Flüssigkeit, die ich meinen Hals hinablaufen spürte, verbreitete sich die Wärme von meiner Brust ausgehend auch in meinen gesamten Körper. Zum direkten Geruch der heißen Schokolade mischten sich mit jedem Schritt über halb nassen, halb schneeigen Asphalt, noch viele andere Aromen. Zuerst waren es Zimt und der Geruch vieler verschiedener Plätzchen, die ich nur zu gerne zu meinem Kakao gegessen hätte. Auch hier waren sie bunt verziert. In der hellen Auslage konnte ich kaum alle Leckereien erhaschen, so viele verschiedene waren es. Einige Stände weiter mischte sich ein Tannengeruch hinzu, viele grüne Zweige, sorgfältig gebundene Kränze, verziert mit roten Beeren und Blumen, Zapfen oder Kerzen. Damit kam ebenfalls ein Holzgeruch auf, der jedoch noch viel intensiver von den etwaigen Holzdekorationen der nächsten Bude stammte. Wunderschön geschnitzte Figuren, filigrane Tannenbaumanhänger und robustes, bunt bemaltes Spielzeug. Wenige Schritte weiter umwarb mich plötzlich wieder ein süßlicher Geruch. Und obwohl die bunten Süßigkeiten, ganz besonders die rot weiß gestreiften Zuckerstangen mit schönen grünen Schleifen, so viel schöner anzusehen waren, war das Erste wonach ich Ausschau hielt, die gebrannten Mandeln. Diesen leicht bitteren Geschmack der Mandeln kombiniert mit der karamellisierten süßen Schicht; es gab keinen Geschmack, den ich mehr an der Weihnachtszeit liebte als diesen. Doch auch dieser Geruch verflog mit jedem Schritt wieder mehr, bis mich eine mit bunt leuchtenden Papiersternen behängte, innen schwarz verkleidete, Bude, mit dem Geruch von Räucherstäbchen dazu einlud, stehen zu bleiben. Die bunten Sterne hatten viele kleine Verzierungen; kleine Löcher, gemalte oder durchscheinende Muster in allen erdenklichen Formen und Variationen. So unterschiedlich und doch so ähnlich waren sich die verschiedenen kleinen und großen Sterne. Und genauso waren auch außerhalb der einzelnen Buden, so viele verschiedene und doch so ähnliche Gesichter zu erblicken: fröhliche Mundwinkel, lachende Unterhaltungen, staunende Augen, konzentrierte, suchende Blicke, ruhige Gemüter. Es schien so, als sei Weihnachten bei allen eingekehrt. Am meisten waren es die Kinder, die mir ein Lächeln auf die Lippen zauberten; wie sie Dekorationen bewunderten, Spielzeug und Stofftiere voller Freude anfassten und wie sie Essen und Trinken genossen, als hätten sie nie zuvor etwas derartiges gegessen. Doch auch den ein oder anderen Erwachsenen konnte ich entdecken, der das staunende Kind in sich nicht verloren zu haben schien. Plötzlich traf sich mein umherschweifender Blick mit dem einer anderen Person. Wir sahen uns einen Moment lang einfach nur in die Augen, in vollkommener Ruhe. Wir tauschten ein Lächeln, eines das so im Moment war, das so außerhalb von Allem um uns herum war, dass es sich fast schon magisch anfühlte. Warm und ehrlich, ein Lächeln von dem man, trotz der räumlichen Entfernung, trotz des Trubels, so viel zehren konnte, dass es mich überraschte, als dessen Wärme nachhallte, obwohl wir beide bereits wieder aus dem Blickfeld des anderen verschwunden waren und unserer Wege gingen.
Es roch nach Tanne, als ich das Zimmer betrat. Ohne Umweg setzte ich mich auf den weichen, fransigen Teppich, direkt vor den schön geschmückten Baum. Das Grün der einzelnen Nadeln war so durchdringend, dass es mich fast die Jahreszeit hinterfragen ließ. Hier und da hingen Glocken, die, wenn man den Baum berührte, einen sanften Ton von sich gaben. In manchen der roten, silbernen und goldenen Kugeln, spiegelte sich eine unförmige Version meiner selbst wider. Ich spielte mit der Perspektive und Entfernung; versuchte die lustigste meiner Spiegelungen in der Vielzahl an Kugeln zu entdecken. Sie glitzerten durch die Lichterketten, die den Baum und den gesamten Raum schmückten. In manchen der Kugeln waren, aufgrund ihrer matten Beschichtung, sowohl ich als auch die Lichter hingegen nur zu vermuten. An der Spitze der Tanne, fast die Decke streifend, war ein goldener Stern angebracht, der uns, so hatte es meine Oma früher immer erzählt, daran erinnern sollte, dass es selbst in dunklen Zeiten immer eine Hoffnung gibt, dass immer ein Licht da sein würde, das uns den Weg weist. Und ich hatte diese Vorstellung, egal ob religiös oder nicht, immer schön gefunden. Plötzlich spürte ich einen Arm um meine Schulter und ein nettes Lächeln, das kurz darauf auch hinauf zum Stern blickte. Eine Vertrautheit machte sich in mir breit und ich fühlte mich vollkommen im Frieden mit mir und allem um mich herum. Es war fast so, als könnte ich die Flammen eines Kamins spüren, der schon lange nicht mehr existierte. Eine Wärme, die mich an meine Kindheit erinnerte; daran, wie Weihnachten früher war. Und wie ich hier so saß, wurde mir klar, dass sich gar nicht so viel geändert hatte: Ich war von mir wichtigen Menschen umgeben, es gab ein leckeres Weihnachtsessen, alles war schön geschmückt und die Weihnachtsmusik war zu einem großen Teil noch dieselbe, wie die, die wir früher gehört hatten. Ein paar Menschen waren gegangen, dafür aber auch ein paar Neue dazu gekommen und mit Ihnen neue Traditionen, die die alten aber nicht überdeckten, sondern sie ergänzten. Und je mehr ich mich zurückbesann, wie das Feuer leise knisterte, während meine Cousine die Geschenke verteilte und ich ganz gespannt darauf wartete auch endlich das Papier zerreißen zu können, wurde mir bewusst, dass es für mich auch damals schon nicht nur die Geschenke gewesen waren, die Weihnachten zu etwas so Besonderem machten, sondern all das Andere drumherum: die Dekorationen, die Menschen, die Wärme, das Zusammenkommen, das gemeinsame Singen, das gemeinsame Lachen, das gemeinsam Sein. Mit diesen Gedanken an Früher sah ich mich nun im Raum um. Leise spielte Weihnachtsmusik, während sich die anderen unterhielten oder in Ruhe dasaßen. Wir waren heute alle beisammen und das war so viel mehr wert, als es mir jemals zuvor bewusst geworden war. Plötzlich wurde die Musik ausgestellt. In klaren, ruhigen Tönen stimmte eine Person nun auf der Gitarre ein besinnliches Weihnachtslied an, in das wir alle kurzerhand einstimmten. Ich versank in der Musik und war zwar traurig, als es nach einigen Liedern wieder vorbei war, doch freute mich auch darauf, dass es damit nun so weit war die Geschenke zu verteilen, die zuvor sorgfältig unter den Baum gelegt worden waren. Es waren nicht viele, für jeden eine Kleinigkeit. Aber allein die Mühe, die sich alle beim Verpacken gemacht hatten, empfand ich schon als Geschenk genug; Unterschiedliche, teilweise bunte, teilweise auch nur ein- oder zweifarbige Papiere, jeweils mit farblich abgepasster Schleife. Auf manchen stand mit Edding ein Name geschrieben, andere waren mit Namensschildchen versehen und an wieder anderen konnte ich auf den ersten Blick keine Beschriftung erkennen. Hier würde es wohl ein fröhliches Geschenkeraten geben. Eins der Geschenkpapiere gefiel mir jedoch besonders gut: Es war beige, ähnelte Packpapier, war jedoch mit filigran und schön gezeichneten kleinen Weihnachtssymbolen bedruckt: rote Weihnachtsmützen, silberne Schneeflocken und grüne Tannenbäume. Das Geschenk war, wie einige andere auch, mit grüner Schleife umbunden und einem selbstgeschnittenen Zettelchen, in Form eines Tannenbaums, versehen. Da ich direkt am Baum saß, war es nun meine Aufgabe mit den Kindern zusammen die Geschenke zu verteilen. Ich hob das erste Geschenk an, es war relativ schwer, dafür, dass es gerade so in meine Handfläche passte. Das rot glänzende, mit Schneemann-Bildchen bedruckte Geschenkpapier war glatt und angenehm. An der weißen Schleife hing ein kleiner Namenszettel. Mit einem fröhlichen, ruhigen Lächeln wurde es angenommen. Ganz sorgfältig wurde die Schleife auseinandergezogen. Die Klebestreifen, mit denen das Papier verschlossen war, wurden vorsichtig gelöst und das Papier dann zur Seite gelegt. Begeisterte Augen. Es war schön zu sehen, welche Freude ein Geschenk bringen konnte, egal was es war, egal, wie viel es gekostet hatte. Diesmal griff ich nach einem leicht rauen, grünen Geschenk. Die silberne, glänzende Schleife war in sich verdreht und machte mit einem kleinen Namensschild mit Schneeflockenbildchen deutlich, dass es sich hierbei tatsächlich um ein Weihnachtsgeschenk handelt. Im Gegensatz zum vorherigen Geschenk, war dieses sehr leicht und unförmig. Trotzdem wurde es ebenfalls mit einem Lächeln entgegengenommen. Schleife und Papier wurden diesmal jedoch weitaus weniger sorgsam behandelt, als bei der vorherigen Person und lagen kurzerhand in Einzelteilen auf dem Boden verteilt, während sich ein breites Grinsen im Gesicht der Empfängerin breitmachte. Das nächste Geschenk, das ich mir griff, war eines derer, die ich vor einigen Tagen selbst mühevoll verpackt hatte. Ein selbst gemachtes Geschenk, in das ich einige Zeit investiert hatte. Und endlich war der Zeitpunkt gekommen, es überreichen zu können. Die goldenen Sterne, reliefartig in das weiße Papier eingearbeitet, spiegelten das Licht der Lichterketten wider, als ich das Geschenk überreichte. Dankende Augen. Ein achtsames Auspacken. Allein den Menschen beim Auspacken zuzugucken, zu beobachten, wie sich ihr Blick langsam erhellte, sobald sie erahnen konnten, was sich unter dem Papier verbarg und die Freude, wenn sie es dann letztendlich ausgepackt in der Hand hielten, waren so schöne Momente, dass ich fast nicht mitbekam, als eins der Kinder nun auch mir ein Geschenk in den Schoß legte. Und während nun alle dabei waren, die Geschenke auszupacken, war mir plötzlich vollkommen egal, was sich darunter verbarg, weil mir in diesem Moment bewusst wurde, dass ich den gesamten Tag so intensiv erlebt hatte, wie ich es so viele Jahre lang keinen einzigen Tag lang geschafft hatte. Dieser heutige Tag war so ein Besonderer für mich und das nicht allein, weil es Weihnachten war, denn dann wäre ja jedes Weihnachten so gewesen. Nein, dieser Tag war so ein Besonderer, weil ich die kleinen Dinge um mich herum wahrgenommen und ihre Magie verspürt hatte: das Glitzern der Schneeflocken, die Wärme im Lächeln einer fremden Person, das Knistern kindlicher Weihnachtserinnerungen, die Freude im Geben. All das, was ich im Alltag so gerne vergaß: den Moment, die kleinen Wunder und Freuden, das Staunen und das vollkommen im Hier und Jetzt sein. Denn wenn man nur mit Scheuklappen in Richtung Zukunft rennt, geht so viel von dem verloren, was wirklich wichtig ist, allem voran man selbst, die eigene innere Ruhe und tatsächliche Freuden.
Deshalb wünsche ich allen dieses Weihnachten, dass sie es schaffen, mehr im Jetzt zu sein, sich in Achtsamkeit zu üben und die kleinen Dinge zu genießen, die so häufig übersehen und unterschätzt werden. Denn schon eine Schneeflocke oder der Duft von Kakao können als kleine Freuden einen ganzen Tag zu etwas Besonderem machen. Du musst nur Ausschau halten und dann wirst auch du deine eigenen kleinen Wunder finden!
Frohe Weihnachten!
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• »Kleine Weihnachtsgeschichte« von Coralie Melissa Niang
• »Die unvergessliche Hütte« von Bianca Binder
• »Es ist nie zu spät« von Martin André Steinert
• »Weihnachten 2020« von Dagmar Grosch-Rieck
• »Das magische Geschenk« von Teresa Stage
• »Der Streik der Weihnachtsmänner« von Heidi Ihlau
• »Eine Weihnachtsengelgeschichte« von Sabine Widenmeyer
• »Eine unglaubliche Weihnachtsgeschichte« von Heidi Ihlau
• »Das unbezahlbare Geschenk« von Maik Gaedecke
• »Das Wunschbuch« von Heidi Ihlau
• »Weihnachtsgedicht« von Frauke Echterhage