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Alias der Andere

Wenn der Klarname versagt, bleibt oft nur der Deckmantel der Pseudonymität. Wir verraten, welche Beweggründe zum Urheberrechtsstreit mit dem eigenen Ego führen.

Charlotte Brontë hatte einen, Kurt Tucholsky gleich fünf und Voltaire nannte überhaupt 150 davon sein Eigen: Pseudonyme sind nicht nur Deckname der Dichtkunst, sondern auch der Versuch, der Fantasie selbst einen Namen zu geben. Etymologisch betrachtet stammt der Begriff aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie, „fälschlicherweise so genannt.“ Folgt man allerdings den Beweggründen, die schon so manchen Autor zu einer Alias bewogen haben, so büßt die nominale Ableitung ihre Plausibilität fast wieder ein. Denn in den meisten Fällen wird der Autor nicht etwa fälschlicherweise, sondern sogar in einem regelrecht reinen Sinn mit einem anderen Namen als jenem, der in seinen Papieren steht, betitelt. Doch warum ziehen ausgerechnet Schriftsteller, die doch dem geschrieben Wort ehrerbietig wie keine andere Gattung Mensch Wertigkeit beimessen, einen verbalen Trugschluss in Erwägung? Ist es nicht gerade diese Anerkennung der Autorenzunft, diese Hochachtung vor dem eigenem Titel, nach der sich die Schriftstellernatur in ihren Wesenszügen sehnt?

Pseudonyme. Identitätsverlust oder –stiftung?

„Nicht immer!“, muss die Antwort lauten, wenn man den Gründen kreativer Namensgebung nachgeht. Denn die Ursachen für die Namensverfälschung sind so vielfältig wie ihre Verfälscher selbst. Anders als man glauben mag, gibt nicht alleine die kreative, den Querdenker völlig vereinnahmende dichterische Freiheit den Ausschlag für den substantiven Identitätsverlust. Nicht immer sind es ehrenhafte, ausschließlich der Kunst dargebrachte Namensopfer, die der Dichter entbehrt. Oft sind es auch wesentlich weltlichere Einflüsse, die den Korrekturstift am eigenen Namen ansetzen. Wir vom novum Verlag sind der Wissenschaft der Namensfaksimiles auf den Grund gegangen und haben fünf ihrer Theorien vom Vor- bis zum Zunamen für Sie aufgedeckt:

Neben den genannten gibt es noch zahlreiche weitere Gründe, die einen Autor zur Publikation unter einem Pseudonym bewegen mögen. In einzelnen Fällen eifern die Schriftsteller einfach nur Idolen oder Vorfahren nach. Manchmal sind es auch nur schlichte Ansätze wie simple Freude am Verwirrspiel, die zum Urheberrechtsstreit mit dem eigenen Ego führen. Welche Ursachen letztlich dahinter liegen, lässt sich weder für Leser noch für Nachahmer jemals in vollem Umfang nachvollziehen. Solange der Inhalt stimmt, kann der Name auf dem Umschlag aber selbst die seltsamsten Form- und Unformen annehmen – gelesen wird sowieso bis zum letzten Buchstaben auf dem letzten Blatt Papier.

Pseudonyme gesucht?

Sie sind Schriftsteller und suchen noch nach dem perfekten Pseudonym? In unserem nächsten Beitrag aus der Serie „Schreibwerkstatt“ verraten wir Ihnen Tipps und Tricks für die gelungene Namensneuerfindung.

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