
Ihr Roman Emporgehoben bewegt sich zwischen kosmischer Weite und menschlichem Abgrund. Was war Ihre Grundidee?
Mich interessierte, wie nah das Erhabene und das Abgründige beieinanderliegen. Der Blick vom All auf die Erde zeigt uns unsere Zerbrechlichkeit – und zugleich unsere Hybris. Ich wollte zeigen, dass der Mensch, je höher er sich erhebt, desto tiefer in sich selbst stürzen kann.
Ihr Werk wird als Satire auf Macht, Medien und Moral gelesen. Teilen Sie diese Sicht?
Ja – aber als stille, analytische Satire. Sie entsteht nicht durch Spott, sondern durch Empathie mit denjenigen, die ich kritisiere. Ich versuche, in ihre Denkweise einzutauchen: den Strafverteidiger, der Unschuld als Strategie erfindet; den Kunsthändler, der den Verbrecher zum Genie erhebt; die Psychologin, die zwischen Wissenschaft und Ohnmacht steht; den Filmemacher, der zum Getriebenen seines Ruhms wird; den Kunstvermittler, dessen Existenz allein von Kunst und Klient abhängt. Ich will sie nicht verurteilen, sondern verstehen – und dadurch ihre Absurdität sichtbar machen.
Auch der Täter selbst bekommt eine Stimme. Warum?
Weil moralisches Grauen nur dann begreifbar wird, wenn man es nicht moralisch filtert. Das Böse ist oft banal, leer, mechanisch. In ihm spiegelt sich unsere gesellschaftliche Kälte. Der Täter ist sowohl Produkt als auch Spiegel dieser Kälte.
Ihre Protagonistin, die Freischaffende, scheint das Gegenteil – sie verkörpert Leben, Licht und Kunst.
Sie ist der Gegenpol. Ihr Blick bleibt offen, verletzlich, durchlässig. Doch auch sie entkommt dem Grauen nicht – sie wird Teil eines Systems aus Angst, Faszination und Projektion. In ihr kulminiert die Frage: Wie frei kann ein Mensch sein, der in einer Welt aus Beobachtung, Urteil und Begehren lebt?
Ihre Sprache ist präzise, filmisch, oft dokumentarisch. Ist das Absicht?
Absolut. Ich schreibe wie mit einer Kamera. Der Roman ist ein Panorama aus Licht und Schatten – ein filmischer Essay über Menschlichkeit und Entfremdung.
Was bleibt, wenn man das Buch schließt?
Vielleicht die Ahnung, dass wir alle „emporgehoben“ sind – zwischen Himmel und Abgrund. Die Satire liegt darin, dass sich niemand ausnehmen kann.

Emporgehoben
Hardcover | 138 Seiten
ISBN 978-3-99130-972-7
EUR(A) 24,90
EUR(D) 24,20
CHF 35.50
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