Unsere Autoren im Interview

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«Hoppla» sagen genügt nicht

Dieter Frei

Herr Frei, was war die Motivation für Ihr Buch Briefe an Sofia?
Wenn ich angesichts der Scheußlichkeiten in der Welt am Verzweifeln bin, schreibe ich Sofia. Ihre Antworten sind einfach, treffend und verständlich. Am Ende weißt du, wie die Dinge zusammenhängen.

Im ersten Teil Ihrer Schrift beschreiben Sie Kolonialverbrechen, im zweiten Teil gehen Sie mit Rudolf Steiner ins Gericht. Wie hängt das zusammen?
Seit Jahrtausenden werden Menschen gequält. Grausamkeiten würden in einem Matriarchat verschwinden. Rudolf Steiner steht hier stellvertretend für alle Philosophen, die Frauen zu zweitklassigen Wesen herabmindern. Zudem war er ein Rassist – Zusammenhang genug.

Dann wäre ein Matriarchat die Lösung?
Sofia ist überzeugt, dass Frauen viele Probleme, die Männer in Tausenden von Jahren nicht lösen konnten, im Handumdrehen bewältigen würden. Nach dreitausend Jahren Patriarchat sind 100 Jahre Matriarchat das Mindeste an ausgleichender Gerechtigkeit – und einen Versuch wert.

Ebenso hart gehen Sie im dritten Teil mit Nietzsche ins Gericht. Ist der große Nietzsche am Ende gar kein Großer?
Nietzsche ist kein großer Denker. Seine Schriften sind stereotyp, repetitiv und wirr.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Sätze wie «Der Fluch der Realität war die Lüge über die Realität» sind eine bloße Aneinanderreihung von Wörtern. Ebenso könnte man sagen: «Die Lüge des Ideals war der Fluch über die Realität.» Nietzsche steht hier stellvertretend für alle, die wirres Zeug daherreden und dennoch verehrt werden.

Was ist denn die Aufgabe einer Philosophin oder eines Philosophen?
Sie müssen Zusammenhänge aufdecken. Wir haben heute noch Frauenhandel, Kinderprostitution und andere scheußliche Verbrechen. Nicht alle Männer sind Patriarchen. Die Welt jedoch wird von Patriarchen regiert. Was helfen uns da die banalen Verallgemeinerungen eines Nietzsche?

Am Ende Ihrer Schrift rufen Sie die Menschheit auf, nur noch Frauen zu wählen. Was würde das ändern?
Eine Frauen-UNO würde – so Sofia – den Männern als Erstes die Waffen wegnehmen. Sofia ist eine große Philosophin. Sie nennt die Dinge beim Namen. „Wir müssen das Patriarchat abschaffen“, dies müssen wir weitersagen. «Hoppla» sagen genügt nicht.

 

 

Briefe an Sofia
Hardcover | 82 Seiten
ISBN 978-3-99130-988-8
EUR(A) 25,90
EUR(D) 25,20
CHF 36.50

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