Wie schreibt man eine richtig gute Romanfigur? Wir als Buchverleger verraten Ihnen, worauf es ankommt.
Anna Karenina, Severus Snape, Tyrion Lannister – gute Hauptfiguren hinterlassen beim Publikum bleibenden Eindruck. Wenn wir uns mit einer Figur verbunden fühlen, wird ihre Geschichte zu unserer, spüren wir ihren Schmerz wie den eigenen. Unzählige Leser*innen haben bittere Tränen vergossen, als Albus Dumbledores Magie am Astronomieturm für immer verloschen ist. Man kann „Anna Karenina“ noch so oft lesen, bei jedem Mal hofft man aufs Neue auf ihr Glück.
Fakt oder Fiktion? Tipps für fiktive Figuren!
Als Buchverleger schließen wir jeden Tag Bekanntschaft mit interessanten Figuren. Bei den besten unter ihnen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Figuren, die einen hohen Grad an Echtheit aufweisen, bleiben am ehesten im Gedächtnis. Doch wie gelingt dieser Geniestreich? Wie erfindet man Protagonist*innen, Antagonist*innen, Held*in und Antiheld*in? In diesem Beitrag verraten wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie richtig gute Figuren schreiben.

Tipps vom Buchverleger: So erschaffen Sie eine interessante Romanfigur
Schritt1: Schauplatz bestimmen
Stellen Sie sich Ihre Hauptfigur vor. Wo könnte sie leben, wo arbeiten? Wo trinkt sie am liebsten ihren Kaffee? Von den Gewohnheiten Ihrer Figur lassen sich viele Charaktereigenschaften gewinnen. Selbst Klischees sind ab und an gestattet, weswegen Ihr „Francois“ getrost auch einmal mit einem Baguette im Fahrradkorb durch die Bretagne fahren darf.
Schritt 2: Beruf wählen
Ein Beruf spiegelt das Persönlichkeitsprofil eines*einer Protagonist*in wieder. Durch Stereotype erleichtern Sie es Ihrem Publikum erheblich, Ihre Hauptfigur kennenzulernen. Polizist*innen zum Beispiel werden bei Ihren Leser*innen den Eindruck von Autorität und Disziplin vermitteln. Ihr Charakter sollte also eher kein*e Exekutivbeamte*r sein , wenn es ihm*ihr an Mut und mangelnder Verantwortung fehlt.
Schritt 3: Aussehen beschreiben
Äußerlichkeiten können der Leserschaft die Persönlichkeit einer Figur eröffnen. Sowohl Alter, als auch Geschlecht, Kleidung und besondere Merkmale sind wertvolle Hinweise für die Persönlichkeitsstruktur. Die Hautfarbe verrät etwas über die Ethnie. Besondere Eigenschaften, wie ein Tattoo im Gesicht, sind vielleicht Anzeichen für ein exzentrisches Naturell. Katzenhaare am Mantel verraten eine*n Tierliebhaber*in. Ziehen Sie für die Beschreibung einer Person auch Suchmaschinen zu Rate. Suchen Sie Bilder verschiedener Persönlichkeiten und prägen Sie sich deren Gesichter genau ein. Beschreiben Sie Form und Farbe der Augen oder den Zustand der Haut. Achten Sie auf die Zeichnung der Lippen, auf Muttermale und Grübchen im Gesicht. Auffällige Details sichern den Wiedererkennungswert Ihrer Figuren und machen sie interessant. Nicht nur Verlage, sondern auch Ihr Publikum achtet auf solche Details.
Schritt 4: Verhalten beobachten
Show, don’t tell! Die Eigenschaften einer Figur zeigt man an ihrem Verhalten, nicht an einer Liste aus Adjektiven. Sie schreiben ein Buch, keinen Fahndungsbrief. Beschreiben Sie Spleens und Ticks, statt nach schönen Wörtern zu suchen. Trauen Sie Ihren Leser*innen hier ruhig ein bisschen Fantasie zu! Sätze wie „Stefan war schüchtern“ können zum Beispiel durch ereignisreichere wie „Stefan setzte sich im Seminarraum immer in die letzte Reihe“ ersetzt werden. Das verleiht nicht nur Ihrer Figur, sondern auch Ihrer Handlung mehr Substanz. Darüber hinaus sollten Sie mit Eigenarten und Marotten arbeiten – oft sind es kleine Dinge, die eine Figur erst unverkennbar machen.
Schritt 5: Recherche betreiben
Was haben Daniel Glattauer und Karl Kraus gemeinsam? Beide gelten nicht nur als gefeierte Schriftsteller, sondern waren vor Ihrer Karriere als Autoren auch gute Journalisten. Texte mit Tiefgang zeichnen sich durch vielschichtige Handlungsstränge aus. Tiefenrecherche ist unentbehrlich, wenn man authentische Textinhalte und -figuren schaffen will. Denken Sie an Delia Owens, deren Expertise als Zoologin unverkennbar in ihren Weltbestseller „Der Gesang der Flusskrebse“ eingeflossen ist.
Schritt 6: Namen suchen
Mit einem originellen Namen verleihen Sie Ihrer Figur den letzten Schliff. Nicht immer muss es ein außergewöhnlicher Name sein. In einem klassischen Roman wirkt ein exotischer Name schnell einmal gewollt. Für Fantasy- oder Historienromane sollten Sie sich aber durchaus die Mühe machen, Namensbücher zu wälzen. Auch der Abspann eines Films oder ein Namensgenerator können Ihnen die Namensgebung erleichtern.
Schritt 7: Fantasie spielen lassen
Leben Sie Ihre kreative Freiheit: Versuchen Sie sich bei der Kreation Ihrer Figuren von Konventionen und Vorurteilen zu lösen und bringen Sie Ihren Erfindungsreichtum in die Erzählung ein. Ihre Hauptfigur muss nicht einmal ein Mensch sein – auch Tiere und Fabelwesen dürfen in der Welt der Bücher die Hauptrolle spielen. Vielleicht ist Ihr*e Hauptprotagonist*in auch ein Geist oder ein Engel. Schränken Sie sich beim Schreiben nicht ein – den Inhalt Ihres Buchs bestimmen ganz alleine Sie.
Wenn Sie diese Schritte befolgen, dann steht der perfekten Figur nichts mehr im Wege. Sie sind schon einen Schritt weiter und Ihr Buch ist bereits geschrieben? Sie suchen noch nach einem Verlag? Wir sind auf der Suche nach neuen Autor*innen! Fordern Sie hier unser kostenloses Infopaket an!
