Charlotte Brontë hatte einen, Stephen King gleich mehrere und Voltaire nannte überhaupt 150 davon sein Eigen: Die Rede ist von Pseudonymen. Ein Pseudonym ist ein Deckname, der die Identität eines*r Autor*in verfälscht. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „fälschlicherweise so genannt“. Die wenigsten Autor*innen entscheiden sich aber fälschlicherweise, sondern sogar ganz bewusst für ein Pseudonym. Doch warum ziehen ausgerechnet Schriftsteller*innen, denen die Anerkennung für ihr Werk doch so wichtig ist, ein Alias in Erwägung? Will man nicht um jeden Preis unter eigenem Namen einen Roman veröffentlichen?
Pseudonyme. Identitätsverlust oder –stiftung?
Nicht unbedingt! Die Ursachen für die Namensfälschung sind so vielseitig wie die Fälscher*innen selbst. Nicht immer geht es den Autor*innen um Anerkennung oder Ruhm. Manchmal wollen Autor*innen auch aus Gründen der Kreativität oder Wirtschaftlichkeit einen Roman unter Decknamen veröffentlichen. Wir vom novum Verlag sind der Wissenschaft der Pseudonyme auf den Grund gegangen und haben fünf Gründe, die für ein Pseudonym sprechen, aufgespürt:

5 Gründe für ein Pseudonym
Ästhetik
Kunst muss nicht gefallen, manchmal will sie es aber. Die Beweggründe für ein Pseudonym sind nicht ganz frei von Eitelkeit. Schriftsteller*innen mögen keine gewöhnlichen Worte, noch weniger mögen sie gewöhnliche Namen. Joseph Conrad zum Beispiel, Autor des viel zitierten Werks „Herz der Finsternis“, legte seinen langen polnischen Namen Józef Teodor Nałęcz Konrad Korzeniowski ab, um seinen Leser*innen die Aussprache zu erleichtern. Der österreichische Schriftsteller Gustav Meyrink hielt seinen Geburtsnamen Gustav Meyer tatsächlich für zu bürgerlich, um ihn seinem privilegierten Publikum zuzumuten.
Ökonomie
Auch wirtschaftliche Vorteile spielen in die Entscheidung für oder gegen ein Pseudonym mit ein. Das beste Beispiel bietet Frauenliteratur. Im Patriarchat mussten und müssen Frauen immer wieder unter Männernamen publizieren, um am Buchmarkt überhaupt eine Chance zu haben. So veröffentlichte Charlotte Brontë zum Beispiel ihre Bücher unter dem Pseudonym Currer Bell. Und auch Joanne Kathleen Rowling wählte ihren Namen aus wirtschaftlichem Kalkül. Denn die Bedenken, dass „Harry Potter“ eher Jungen als Mädchen ansprechen würde, veranlassten sie dazu, ihren Namen auf das Zwitterkürzel J. K. Rowling zurechtzustutzen. George Orwell soll seinen Jungennamen Eric Arthur Blair überhaupt nur abgelegt haben, weil der Buchstabe „O“ in den Regalen der Buchhandlungen weniger Konkurrenz hatte als das „B“.
Image und Individualität
Viele wollen unter originellen Künstlernamen ihren Roman veröffentlichen. Hier geht es nicht nur um Individualität, sondern auch um die Inszenierung einer öffentlichen Identität. Mark Twains Name etwa leitet sich von einem Ausdruck aus der Seemannssprache ab und bedeutet übersetzt so viel wie „Zwei Faden Wassertiefe“. Der amerikanische Schriftsteller hieß eigentlich Samuel Langhorne Clemens, doch wollte er mit dem Pseudonym seine Vergangenheit als Steuermann ehren.
Vermeidung von Nachteilen
Auch politische Beweggründe können Schriftsteller*innen dazu veranlassen, sich neu zu erfinden. Politische Umbrüche und Bewegungen wie der Nationalsozialismus, die zahlreichen Schriftsteller*innen ein Publikationsverbot auferlegten, zwangen diese praktisch zur Nutzung eines Pseudonyms. Aber auch Konflikte persönlicher Natur beeinflussen die Entscheidung für oder gegen einen falschen Namen. Der Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda versteckte seinen Klarnamen Ricardo Eliecer Neftalí Reyes Basoalto hinter dem Decknamen, um seinen Vater nicht zu verärgern. Der hatte sich gegen die Literaturkarriere seines Sohnes gestellt.
Herausforderung
Immer mal wieder wollen Autor*innen, die bereits Weltruhm erlangt haben, ihr Können auf die Probe stellen. So auch Stephen King, der sieben seiner Bücher unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichte, nur um herauszufinden, ob sie dann immer noch jemand kaufen würde. Ein Experiment, dessen Ergebnis ausblieb, nachdem eine Tageszeitung den wahren Namen hinter dem Pseudonym Bachman verriet und die Auflage einzelner Werke dadurch verzehnfachte.
Wer seinen Roman unter Pseudonym veröffentlichen will, hat sicher gute Gründe. Manche eifern nur ihrem Idol nach. Andere wiederum haben Freude an der Verwirrungstaktik. Ob Sie sich für ein Pseudonym entscheiden, liegt bei Ihnen. Am Ende zählt sowieso viel mehr, was im Buch steht, nicht auf ihm.
Sie haben sich für ein Pseudonym entschieden und wollen nun Ihren Roman veröffentlichen? Wir unterstützen Sie bei der Herausgabe Ihres Buchs. Informieren Sie sich hier unverbindlich über Ihre Möglichkeiten.


