Sonstiges & Allerlei

Germanischer Bärenhund

Jörg Krämer

Germanischer Bärenhund

Portrait einer außergewöhnlichen Hunderasse

Leseprobe:

Vorwort

Dieses Buch ist geschrieben, um allen Zweibeinern behilflich zu sein, die wie ich den Germanischen Bärenhund lieben, die aber auf der Suche nach „ihrem“ Vierbeiner zu oft an der mangelnden Informationsmöglichkeit verzweifeln bzw. an die falschen Informationen geraten. Es zeigt die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen einer artgerechten Hundehaltung auf, gibt dem Inte­ressenten wertvolle Tipps zum Kauf wie zur Haltung und bringt das Wesentliche über Fütterung und Behandlung von Krankheiten. So ist dieses Buch bestens geeignet, dem jungen Germa­nischen Bärenhund den Weg vom Züchter in die neue Familie zu erleichtern. Die zahlreichen Nachfragen in den letzten Monaten wie auch die Gründung eines eigenen Forums haben gezeigt, dass unsere Rasse immer mehr in den Blickpunkt eines breit gefächerten Interessentenkreises gerät.

„Danke schön!“, möchte ich denen sagen, die mir mit Rat und Tat geholfen haben, das vorliegende Buch zu schreiben und zu gestalten. Erwähnen möchte ich besonders Marion Albrecht, Boris Jahm und Carsten Kieback, den Erstzüchter unserer Rasse, die mir Bilder, Informationen und Erinnerungen zur Verfügung gestellt haben. Besonderer Dank gilt allen, die mithelfen, dem Germanischen Bärenhund die Anerkennung zu verschaffen, die er verdient. Dank auch an Michael Schnödewind, der durch die Gründung des Bärenhundeforums den offenen Meinungs­austausch ermöglicht hat (was nicht immer leicht für ihn ist). Für das überlassene Bildmaterial bedanke ich mich besonders bei unserer Profifotografin, Heidi Mispelkamp von Autarkia. Bedanken möchte ich mich auch bei der Job- und Gründerwerkstatt Aschke, ohne die dieses Buch nicht entstanden wäre.

Witten, im Winter 2011, Jörg Krämer



Über die Geschichte des Germanischen Bärenhundes

Bereits Ende des 2. Jahrhunderts vor Chr., lange vor dem Beginn der eigentlichen Völkerwanderung, gab es Wanderbewegungen der Germanen. 375/376 begann dann die Völkerwanderung vor allem germanischer Völker. Als Haustier der Germanen dominierte das kleinwüchsige Rind. Dazu kamen dann noch Schwein, Schaf, Ziege und nicht zuletzt auch Geflügel. Die Germanen hielten auch mittelgroße und große Hunde, die als Hof-, Hirten- und Jagdhunde eingesetzt wurden. Diese Hunde mussten in einer harten, lebensfeindlichen Umwelt überleben. Während der Jagd bekamen sie es oft mit überlegenen Gegnern zu tun. Bei Gefahr mussten sie ihre Sippe verteidigen. Das konnten sie nur, wenn sie robust, ausdauernd und wachsam waren. Diese großen, bärigen Hunde gelangten als Beutestücke bei Kämpfen in das gesamte Römische Reich. Im Gegenzug wurden Zwerghunde aus den römischen Provinzen bei den „Barbaren“ eingeführt.Im Lauf der Zeit verlor sich die Spur dieser germanischen Hunde.

Knapp 1600 Jahre später, in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts, wurden einige Welpen geboren, die genau so aussahen, wie der Züchter, Carsten Kieback, sich die Hunde der alten Germanen vorstellte. Die Welpen stammten aus einem Fehlwurf zwischen Bernhardiner und weißem Hirtenhund. Von diesem Zeitpunkt an begann er konsequent die Zucht der Germanischen Bärenhunde. Besonderen Wert legte er auf Charakter, Gesundheit und Aussehen der Hunde. Nachdem sich einige Bärenhundefreunde zusammenfanden, bildete sich der „Erstzüchterverein Germa­nischer Bärenhunde e.V.“. 1994 wurde der „Germanische Bärenhund“ vom Deutschen Rassehunde Club (DRC e.V.) anerkannt. Da Herr Kieback den weißen Hirtenhund nie genau definiert hat, muss der Germanische Bärenhund als Hunderasse ohne eindeutig definierte Urahnen gelten, wie es z.B. auch beim Bernhardiner der Fall ist.

Anfang der Reinzucht
Nachdem Ende der 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts mit dem Fehlwurf zwischen Bernhardiner und weißem Hirtenhund die Geburtsstunde des modernen Germanischen Bärenhundes markiert war, begann Carsten Kieback in Brandenburg gezielt mit der Zucht des Germanischen Bärenhundes. Ziel dabei war ein kinderlieber, gutmütiger Riese von bärigem Aussehen, geeignet als Familienhund, der charakterfest und gesund sein sollte. Um welche Rasse es sich bei dem weißen Hirtenhund handelt, hat Herr Kieback nicht bekannt gegeben. Ausgeschlossen hat er jedoch, dass es sich dabei um Kuvasz, Kangal, Kaukase, Leonberger oder Neufundländer handelt. In der Folge kam es dadurch zu zahlreichen Spekulationen, bei denen selbst ernannte Fachleute mit absoluter Sicherheit sagten, um welche Rasse es sich handelte. Das Ergebnis war eine Verunsicherung aller, die sich für die Germanischen Bärenhunde interessierten.

Einstein, der erfolgreichste Bärenhund aller Zeiten! Er wurde auf 85 Hundeschauen immer mit SG1/V1 bewertet. Einstein hat alle Championate gewonnen, die es gibt.

Carsten Kieback vollendete die Zuchtlinie der Bärenhunde, sodass sie im Jahre 1994 vom Deutschen Rassehunde Club e.V. als Rasse anerkannt wurden. Seitdem wird der Germanische Bärenhund reinrassig gezüchtet. Die Einzucht von Grundrassen ist nur durch den Erstzüchter gestattet. Bei der Rasseanerkennung hat es Herr Kieback bei der Anerkennung durch den DRC e.V. und der IKU (Internationale Kynologische Union) belassen. Eine Anerkennung durch den FCI hielt er bisher, aufgrund der Anerkennung durch die genannten Verbände, nicht für notwendig. Inzwischen ist aber die Beantragung der Rasseanerkennung durch den FCI in naher Zukunft geplant.

Nach Vollendung der Zuchtlinie wurde die Verbreitung des Germanischen Bärenhundes durch Streitereien und persönliche Differenzen einiger Züchter wieder zurückgeworfen. Mehrere Züchter gingen dazu über, bei der Zucht des Germanischen Bärenhundes Leonberger mit einzukreuzen.
Abgesehen davon, dass sie damit den Rassestandard untergruben, kam durch die Einkreuzung vermehrt die Kritik auf, bei dem Germanischen Bärenhund handele es sich nur um einen zu teuer verkauften Leonberger-Mischling. Es dauerte lange, diese negative Tendenz wieder zu berichtigen. Wohl wissend, dass die Tierzucht und insbesondere die Zucht der großen, mächtigen Germanischen Bärenhunde ein Bereich intensiver Arbeit ist, finden sich immer mehr begeisterte Züchter dieser Rasse, die nach dem anerkannten Rassestandard züchten.

Die Geburtsstunde der Germanischen Bärenhunde
Carsten Kieback erzählt von der Geburtsstunde der Germanischen Bärenhunde: „1975 wurde ‚Wuschel‘, der Vorläufer der Bärenhunde, geboren. Entstanden aus einem Fehlwurf zwischen weißem Hirtenhund und Bernhardiner. Zu diesem Zeitpunkt fuhr ich noch Lkw, und mein Zwingername lautete ‚von Damnarz‘. ‚Wuschel‘ weilte von 1975 bis 1989 auf dieser Erde. Eine Woche nach seinem Tod gebar meine Bernhardinerhündin ‚Krümel‘ den ersten Wurf Germanischer Bärenhunde. An diesem Tag tobte ein schweres Gewitter. Als am Himmel ein wunderschöner Regenbogen erschien, wurden fünf zauberhafte Welpen geboren. Am 19.07.1989 gab es den historischen ersten Eintrag Germanischer Bärenhunde im Zuchtbuch. Die Welpen hießen: ‚Balu‘, ‚Troll‘, ‚Jilly‘, ‚Gila‘ und ‚Maja‘!“

Erstzüchterverein Germanischer Bärenhunde e.V.
Nach und nach fanden sich Bärenhundefreunde zusammen, um diese schöne Rasse zu züchten. Und so bildete sich der „Erstzüchterverein Germanischer Bärenhunde e.V.“ mit Hauptsitz in 19348 Lübzow. Der Verein ist dem DRC e.V. angeschlossen.



Standard-Rassekennzeichen

Ursprung: Deutschland; Datum der Publikation des gültigen Originalstandards: 01.12.2006; Verwendung: Lagerschutzhund Klassifikation IKU/gleichzusetzen mit FCI: Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer, Molosser und Schweizer Sennenhunden Sektion 2,2: Molosser, Berghunde ohne Arbeitsprüfung. Kurzer geschichtlicher Abriss: Der Germanische Bärenhund ist eine Rückzüchtung auf den Urhund der alten Germanen zu Zeiten der Völkerwanderung. Als in grauer Vorzeit die alten Germanen sich auf den Weg machten, um einen neuen Lebensraum zu suchen, begleiteten sie auch große molossoide Hunde. Die Germanen wurden sesshaft, lebten, jagten und kämpften mit ihren Hunden. Bei Kämpfen wurden die Hunde auch Beute der Römer und gelangten so ins Römische Reich. Es ist anzunehmen, dass ein Großteil der heutigen Großhunderassen auf diesen Ursprung zurückgeht. Im Laufe der Zeit sind die Spuren der Bärenhunde verloren gegangen. Bis es in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem Fehlwurf zwischen Bernhardiner und Hirtenhund (*) kam. Das war die „Wiedergeburt“ der Germanischen Bärenhunde. Der Erstzüchter Carsten Kieback vollendete die Zuchtlinie der Bärenhunde, sodass sie als Rasse im Jahre 1994 vom DRC (Deutscher Rassehunde Club e.V.) anerkannt wurde. (*) Nur diese Rassen wurden im GBH eingezüchtet. Eine Fremdrasse entspricht nicht dem Standard. Seit 1997 ist die Einzucht von Grundrassen nur dem Erstzüchter erlaubt. Bei Zuwiderhandlungen sind diese Nachkommen als Mischrassen zu bewerten! In der Ahnentafel müssen drei Generation Germa­nische Bärenhunde ab dem 01.12.2006 eingetragen sein.
Allgemeines Erscheinungsbild: eindrucksvolle Größe und majestätische Erscheinung. Die Gestalt ist wohlproportioniert, der massige Knochenbau und die gute Bemuskelung geben seinen Bewegungen, die kraftvoll, raumgreifend und ausdauernd sind, eine vollendete Harmonie. Der friedliche und aufmerksame Gesichtsausdruck rundet sein Erscheinungsbild ab.
Wichtige Proportion: Die größte Breite des Schädels entspricht ca. 65-75 % seiner Länge. Der Fang ist etwas kürzer als der Schädel. Die von der Bugspitze bis zum Sitzbeinhöcker gemessene Körperlänge übertrifft leicht die Widerristhöhe. Die Tiefe der Brust ist geringer als die Hälfte der Widerristhöhe. Verhalten/Charakter/Wesen: Der Germanische Bärenhund ist als Lagerschutzhund deklariert, somit ist er Wächter und Behüter seines „Rudels“. In heutiger Zeit sind das seine Familie und dessen Umfeld. Der Umgang mit Kindern und Haustieren entspricht diesem angeborenen Verhalten. Er ist sehr wachsam, aber kein Kläffer. Sein Schutztrieb ist eher defensiv und zurückhaltend, wobei er die Umgebung ständig in Beobachtung hat. Im Fall einer Bedrohung reagiert er blitzschnell und angemessen.
Kopf: Der Kopf ist trocken und im guten Verhältnis zur Körpergröße. Die Kopfseiten sind ziemlich flach. Sowohl in Bewegung als auch im Stand wird der Kopf mittelhoch getragen. Bei Erregung runzelt er die Stirn.
Oberkopf (Schädel): Die größte Breite des Schädels entspricht ca. 65-75 % seiner Länge. Er ist leicht gewölbt, da die Scheitelbeinleiste zu fühlen ist. Der Hinterhauptkörper ist fühlbar. Der Schädel ist in seinem hinteren Teil eher flach mit leichter Eindellung in der Schädelmitte. Die Augenbrauenböden sind nicht betont, und die Stirnfurche ist nur leicht tastbar. Stopp: in sanfter Neigung.
Gesichtsschädel: Nasenschwamm: schwarz und geräumig mit weiten, gut geöffneten Nasenlöchern. Er ist in der Linie des Nasenrückens gelegen.
Fang: wesentlich kürzer als der Schädel, in einem Verhältnis von ca. 2 zu 1-1/2. Er ist kräftig, quadratisch und fast ebenso breit wie lang. Seine Vorderfront ist flach. Die Seitenflächen des Fanges verlaufen parallel. Von der Seite gesehen, ist der Nasenrücken gerade.
Lefzen: Die Oberlefze ist massig, überhängend und bedeckt den Unterkiefer. Wobei die untere Begrenzungslinie des Fanges durch die Lippen gebildet wird.
Kiefer/Zähne: Das Gebiss muss vollständig sein. Die Zähne sind gesund und weiß. Scherengebiss (die Schneidezähne des Unterkiefers 1.1. können leicht nach vorn gekippt sein). Zangengebiss ist zulässig, aber mit Abschlag zu bewerten. Die Molaren müssen bei GBHs mit 24–26 Monaten alle vorhanden sein.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 124
ISBN: 978-3-99026-696-0
Erscheinungsdatum: 20.12.2012
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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